Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 32 (27.4.1928)
- Date
- 1928-04-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 bie mm welt Nr. 32 Die Vorgangs in der amerikanischen Zionistischen Organisation. V^rtriuensvotum für Wetemamt und Mpslcy.— Wises Gegner. Die Jf. T. A. meld^ aus New York: Das Exs»- kutivkomitee der amerikanischen zionistischen Organisation hat durch einen einmütig gefaßten Beschluß Doktor Welz mann als dem Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation und Louis Lipsky als : dejn" Präsidenten der amerikanischen1,Zionistischen;Organisation das Vertrau en!- ausgesprochen. Der Austritt der 'Herren Dr. Stephen S. Wise, Berenson und RösTenson aus dem Ädministrativkomitee der amerikanischen Organisation wurde zur Kenntnis genommen. Wie der "Häaretz" aus sicherer Quelle, erfahren haben will, ist die Arbeit Dr. Weizmanns in Amerika») trotz des Rücktritts von Stephen Wise, auf allen Gebieten seiner Tätigkeit überaus erfolgreich. JJrh Weizmann scharren sich jetzt alle religiösen Elemente, die gegen Dr. Wise sind wegen seiner seinerzeitigen bekannten Rede über Jesus (die von der Agudah-Presse entstellt und aufgebauscht wurde -rRed.), ebenso die Freunde Marshalls, die über den'Rücktritt Wises erfreut sind, wie auch die Mehrzahl der Zionismenj die mit der Art, wie die Gegnerschaft Wises gegen' Weizmann zum Ausdruck gebracht wurde, unzufrieden äind. Die Jewish-Agency-Kommlssion. Wde die J. T. A. erfährt, sollen sich demnächst Louis Ma.rshall,. Felix War burg und Dr. Lee K. Frankel nacJi London - begeben; <u.m an der Sltzifna der jewish- AftAay^ofl^gsjon . .zngRjnnien . mit Sir. Alfred .Moüd unid Direktor Oskar Wassermann teilzunehmen. Oegen die; Burfeankrätiaierung des Zionismus, ' Die Umwandlung der zionistischen Organisation in eine bureaukratische Maschine macht besorgniserregende Fortschritte,.Der freie Mitarbeiter in4er, Organisation wird zur seltenen Ausnahme, alle Funktionen gehen in.die Hände von' Beamten über. Das Heer der Angestellten ist groß, in Palästina und in der Diaspora, die Zahl der Organisierten bleibt gleich pder sinkt. Die Erscheinung Ist keine zufällige, sondern durch die Politik der zionistischen Leitung bedingt,. Wenn man Jahre hindurch darauf hinarbeitet, den Zionismus auf das'Menbeischaffen von Geldmitteln zu reduzieren, alle Problemstellungen und Kämpfe als die Geldsammlungen störend zu unterdrücken*: schafft man eine Atmosphäre der Interesselosigkeiten welcher die freie Mit» arbeit nicht mehr gedeihen kann und der 'Beamtenarbelt •den Plate räumt, Der freie Ziönist fühlt sich überflüssig, er verliiert das Gdtthl der Mitverantwortung, Besten Falles fflhlt er sich verpifllohtet, Geld herzugeben, für die Arbeit und die Verantwortung sind ja Bea?nte darjahrelang wurde diese Tendenz von der zionistischen Lgitupg. gefördert, jahrelang dieser Zustand, man pennt ihn „rührige Entwicklung", als der ideale gepriesen. Nun . beginnt er unertrUgflieh m werden. Auch Jn Kreisen, die nicht zu* Opposition; gehören, regt sich der Protest, wird auf die nicht metir 3W übersehende oder zu beschönigende Versumpfung und Verflachung hingewiesen.' Ein solcher Hinweis ist in der* Berliner „Jüdischen Rundschau" zu finden. In einem Artikel :8ber die Aufgaben des -bevorstehenden deutschen Zlonistentages sehreibt Dr. Siegfried K a n o w i t z: „Eine Umstlmiming -der zionistischen Atmosphäre l$t heute notwendiger denn je. Der Prozeß der Ent- .irem^ng zwischen dem Apparat und ' 'den Gliedern der Bewegung, den wir schon sett geraumer Zeit mit wachsender Besorgnis ver* folgen, hat in .der letzten Arbeiitspe-riode, .wie es scheint, 'weitere Fortschritte gemacht. Der einzelne Z i Qn ist hat heute, mit wenigen Ausnahmen, das Bewußtsein für seine Ste 11 un ginne rha 1 ±> 4'6<S zionrfstischen Systems ver- 1 o r e n, Der ».entthronte" Zionist, der sich nicht mehr als Subjekt und auch nicht mehr als Objekt der zionistischen. Arbelt fühlt, droht zum landläufigen zionistischen Typus' zu werden. Sich als Subjekt der Arbeit zu fühlen, ist einem immer kleiner werdenden Kreis der Zionisten mdgldch. Die Bur eaukratisierung der Bewegung Ist %u einem un,ver m eidlichen üebel geworden. Bedenklicher ist noch, daß das Gefühl wach m werden beginnt, daß der einzelne Zionist auch nicht mehr Objekt der, Arbeit sei. Es ist, wie' wir glauben, die unberechtigte Vorstellung entstanden, daß. das Ziel zionistischer Ar beit nicht mehr die Gewinnung und Produktivierungder zionistischen Persönlichkeit sei, sondern daß die Arbeit Jetzt mehr der Peripherie al« dem Zentrum gilt, mehr dem nichtzionistischen Keren Hajessod-Zahler a J s 4 e m g e w o n n e n e n Z i o n I s t e n. Mit beiden Vorstellungen, muß der Deleglertentag aufräumen. Er muß einmal die Legende zerstören,,daß aktive zionistisehe Arbeit das Monopol einiger weniger sei, und daß der einzejne^ Zionist beute nicht mehr die Voraussetzungen für eine direkte Anteflnahme am zionistischen Geschehen mitbringt, und er muß weiterhin noch stärker betonen, daß der höchste Rang in A EIUERMDEAIBETT in Messing und S t n Ii l BETTFEDERN HYG. MATH ÄTZ IN PAT^SCHLAFMÖBEL KINDERWAGEN BILHQSTB FABBIKSPREI8E SIGN. EISLER NAC HF., WIEN It., Pratwstr. 45. Tel. 46-1 40 / V., Diehlg. 19, Tel. 66 105 GegrUndat 1870' Provlnxversnnd; unserem Wertsystem der zionistischen Persönlichkeit z u k o nun t.u Diese Aeußerung |st besonders beachtenswert, weil sie von deutsch-zionistischer Seite herkommt. Gerade vom zionistischen Deutschland hat die Tendenz der Bureaukratlsiefung der zionistischen Bewegung, der Ueberschätzung des Wertes der Beamtenarbeit vielfach die stärkste Förderung erfahren. Von deutsch-zionistischer Seite her hat die Politik der Leitung, welche durch das Wcizniannsche Programm der Entpolitisicrung der zionistischen Bewegung, der Prcijsgabe der politischen Arbeit in der Diaspora, der Preisgabe des kämpferischen Charakters der Bewegung und der Waffenstreckung gegenüber der Assimilation, unbedingte Gefolgschaft und Unterstützung gefunden. Peutsche Zionisten haben dieser lediglich auf Mangel an Selbstvertrauen beruhenden Weizmahnschen Rückzugspolitik das theoreiiische Rüstzeug der „Begründung in der Entwicklung" geliefert. .Wenn nun von deutsch-zionistischer Seite hör eine Warnung gegen das System laut wird, so ■ist das sehr bemerkenswert. r. st. Ein Bokchewikenpogrom. Von Josef Lewi't (Königsberg). April 1918 war in dem offiziellen bolschewikischen Organ „Prawda" folgendes Telegramm zu lesen: „Die ruhmreiche R o s l a w e r Truppe hat "aeh erbittertem Kampf die Stadt G 1 u c ho w eingenommen, Die Straßen der Stadt und die angrenzende Eisenbahnstrecke sind mit Leichen übersät. In der Stadt wurde ein Sowjet gebildet." In den nächsten Tagen Wurde von den Bolschewiken in Petrograd eine Protestversammlung gegen die Progrome m Oluchow und anderen Städten in der Ukraine veranstaltet, aber wohlweislich verschwiegen, wer diese Pogrome inszeniert hatte. Die „JewseksHsten" (jüdische Sektion der kommunistischen Partei) schrien sich heiser und wieseh auf die Pogrome in jenen Städten und Dörfern hin, die von 'den Deutschen besetzt waren, Doch das leidgeprüfte jüdische Her? ahnte zwischen diesen allzu stürmischen'Protesten einerseits und den überlauten SiegesbeHcbten andererseits . einen verborgenen Zu-? sammenhang, Und es, sollte sich nicht , geirrt haben.. Denn tatsächlich hatten In dem Tsehernigower Gouvernement — in den Städten Giuchow, Nowgorod-Sewersk und den angrenzenden Gebieten — die Bolschewiken Pogrome inszeniert, die an Gründlichkeit und Grausamkeit alle bis dahin stattgefundenen Pogrome übertrafen. Diese Pogrome hatten mit den Pogromen der eingesessenen Haidamaken , nichts; Oemeingam.es — ihre Veranstalter waren dje landfremden Rotgardisten und Matrosen. Als der Kommandeur der „ruhmreichen" Roslawler Truppe, der Matrose;,Zyganko, an der Spitze seiner Abteilung in die Stadt?Oluchoweindrang, befahl er: „Tod allen ßourgeoiSvlind allen Juden!" Kein einziger Befehl des russischen Qbertommandierenden im Weltkrieg, des Großfürsten Nikojaj Nifcolajewltseh, war so schnell und mit solchem Eifer erfüllt worden, wie dieser kurze Befehl des roten Matrosen. Im Nu hallen sieh die Roigardisten, die auf ihren Mützen die Aufschrift »Jod den Bourgeois'." trugen, in. den Straßen der Stadt zerstreut. „Wo wohnen hier Juden?" — fragten sie jeden, den sie trafen. Und unter Todesdrohung mußten die Passanten sie von Haus zu Haus, führen und ihnen die Wohnungen der Juden zeigen. ,; Ein, kleines, zweistöckiges Haus, unten , zwei Läden» oben "zwei Wohnungen, Die Besitzer des einen Krämer« Brancben-Telephon-Adreabuch für Wien und Umgebung Ausgabe 1938, Herausgeber Regieruugsrat Ler g e t po r e r Wenn nicht, schreiben Sie sofort an den Verlag des B-T"B, Wien, I„ Strauchgasse 7 (Anghbankgebäude) Tel, 61*3*36 Das unentbehrliche 700 Seiten umfassende Nachschla^. werk wird , a» Handel, Industrie und Gewerbe grat.s gegen Ausfolgeschein abgegeben oder gegen Zustellungstfe-bittir von 60 g Ins Haus zugestellt Bei ßiestellun-gen von Einschaltungen nicht zu verwechseln mit dem Fachregister des Telephonbuches der Oesterreichischen Auzeigeußesellschaft. ladens, zwei jüdische Brüder, beeilen sich, als sie Schüsse höreni den Laden abzusperren und hinaufzukommen, wo die alte Mutter bei dem typhuskranken Sohne weilt. „Großer Gott, erbarme dich unser!" — fleht die erschrockene Mutter, die von der schweren Krankenpflege gänzlich erschöpft ist. „Ihr hättet den Laden besser offen lassen müssen 1" — sagt sie zu den Söhnen, als sie den herannahenden Larm vernimmt. „Ich fürchte, daß sie in das Haus eindringen und den Kranken erschrecken werden ... Und er bedarf so der Ruhe! Arme MutterJ In die Alltagssorgen, in die Pflege des kranken Sohnes und die mütterliche Zärtlichkeit zu allen drei Kindern versenkt, weiß sie nicht einmal recht, daß der Krieg und die Revolution alle früheren Grundlagen der sozialen Moral niedergerissen und die menschliche Wut entfesselt haben. Sie weiß nicht, daß das Streben nacht Vernichtung jüdischen Gutes schon bereits von dem Streben nach Vernichtung jüdischen Lebens begleitet wird. Wenn diese arme jüdische Mutter in diesem Augenblick auf die Entfernung und durch die Häusermaueni einen Blick in die Wohnung ihrer besten Freundin hätta tun können, würde sie ein grauenerregendes Bild gewahrt haben; dort lag die älteste Tochter mit zerschmettertem Schädel auf dem Boden und die beiden anderen wälzten sich vor den Rotgardisten auf den Knien und flehten dia Henker um ihr Leben, Der Vater lag, buchstäblich in Stücke zerschnitten, vor ihren Füßen, und vor dem SpiegeJ saß die Mutter, und in ihrem toten Mund stak — eine Blume... Arme Mutter! Sie fleht Oott an, damit „jene" ihrem Sohne nichts zuleide tun und weiß nicht, daß in demselben Augenblick im Nachbarhaus die Rotgardisten eine ganze Familie in den Hof gezerrt und durch eine Gewehrsalve niedergestreckt haben, Dann ziehen die Mörder zufrieden ab. Nach einigen Minuten kommen aber andere, deren Blutdurst noch nicht gelöscht ist, zerren die noch Ueberlebenden aus ihren Verstecken hervor und schießen sie über den Haufen. Arme MutterJ Bis zum letzten Augenblick ist ihr Herz von Hoffnung erfüllt. Und rils sie bereits hört, wie Unten im Laden geplündert wird und die herzzerreißenden Schreie aus der Nachbarwohnung an ihr Ohr dringen — hofft sie noch immer und ihre Lippen flüstern \ Gebete zu Gott, damit er sich ihres kranken Sohnes erbarme. Aber da reißen sie bereits die Türe auf und stürmen herein mit Oewehren, mit Bajonetten, mit trunkenen Liedern und gräßlichen Flüchen. Doch dieses arme, zu Tod erschöpfte, alte We}b verliert nicht ihre Fassung. „Ruhiger, meine Herren, bitte, ruhiger! Mein Sohn ist krank. Bitte, meine Herren, machen Sie keinen Lärm... Nehmen Sie alles, was wir haben, aber machen Sie bloß keinen Lärm!" „Was sind wir dir denn für „Herren"? Wir sind Genossen, aber keine Herren!" — antwortete ihr ein breit- VfLLA TRfcNTQ ElnzigrltueJIesHausam Platze. Neben Kuranstalt u. Strand. Bekannt erstki. Verpflegung u. heundl-Bedienung. Maßige Preise. Prospekte knochiger Rotgardist und fügt tröstend hinzu: „Wo ist denn dein kranker Sohn? Ich bin Arzt und werde ihn im Nu kurieren!" Ein Bajonettstoß erlöst den Kranken von allem irdischen Leiden und gleichzeitig streckt ein anderer Rotgardist den zweiten Sohn mit einem wohjgezielten Schuß nieder, gerade in dem Augenblick, da er zu den Mutter hinstürzen will, um sie zu beruhigen. Arme Mutter! Sie fleht nicht mehr zu Gott, daß er sich ihres kranken Sohnes erbarme. Zwei Söhne ha* sie in einem Augenblick verloren <— aber sie ist nicht imstande, den ganzen Schrecken des Geschehenen?u fassen, hat keine Zeit, um über den Leichen ihrer beiden Kinder zu wehklagen;.. Denn alle ihre Gedanken, alli ihre Furcht und Hoffnung ist jetzt auf den dritten, auf den letzten Sohn gerichtet. „Laßt mir den einen doch zumindest am Leben! Den. einen, meinen letzten Sohn!" — fleht sie kniefällig! die Mörder an. Arme Mutterl Sie weiß nicht, daß ihn FJehen an taube Ohren und steinerne Herzen dringt. Sie Weiß nicht, daß in allen Jüdischen Wohnungen der Stadt sich ebensolche und noch weit schrecklichere Szenen abspielen, sie weiß nicht, daß der greise Rabbiner vor die Synagoge gezerrt, mit anderen Juden in eine Reihe gestellt und füsiliert wurde, daß dasselbe Schicksal den verwundeten „Schochet" ereilt hat, der verwundet aus dem Spital hlnausgezerrt worden Ist, Sie weiß nicht, daß die Synagoge von Kugeln durchsiebt Ist, die Thorarollen zerrissen, und daß in allen Straßen die wutentbrannten trunkenen Matrosen brüllen: „Wir haben Befehl, alle Juden umzubringen!" „Laßt mir den einen doch zumindest am Leben l Den einen, meinen letzten Sohnl" Aper schon hebt der- ABRAHAMOWICZ- / C H U H E ll.v Tab o p 9 t p a ne 33 FraiiJatir««Mo<l«ll« In «norm nroSer Auswählt Priroe Quallttftowarftt Billigt!« Pral«»! K*uf«n un««r«n ^ysl«nl«oh«n Klndor««huh!