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Die neue Welt · 1928-04-27 · Heft 32 (27.4.1928) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 32 (27.4.1928)
Date
1928-04-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seife 1 DIE NEUE WELT Nr. 32 können Sie vollständig wieder zurückerlangen, von allen Ihren Schmerzen werden Sie gründlich befreit, wenn Sie DIANA Franzbranntwein mit Menthol äußerlich zu Einreibungen, inn et lieh lieh auf Zucker tropfenweise genommen, verwenden. Das beste Hausmittel Überall erhältlich Brief aus Palästina. Hoher Besuch. Von Dr. Fritz Löwenstein. Jerusalem. Soeben hat uns der Kronprinz von Italien verlassen. Er war zehn Tage in Palästina und es gibt keine italienische Institution im Lande, und nichts, was nur die leiseste Verbindung mit der katholischen Kirche hätte, das er unbesucht gelassen hätte. Demgegenüber ist das jüdische Palästina völlig unter den Tisch gefallen, so völlig, daß der geplante Besuch Tel-Awi.ws anläßlich des Besuches von Jaffa ebenfalls nicht zustande kam. Ob hierbei der nicht als besonderer Freund des Zionismus geltende Generalkonsul Pedrazzi seine Hand im Spiele hatte, steht dahin. Es ist jedenfalls recht unerfreulich. Am selben Tage, an dem der Kronprinz abfuhr, traf Prinzeß Mary hier ein, die Tochter des englischen Königspaares. Sie besuchte die hebräische Universität, die Kwuzah Dille und verschiedene öffentliche Institutionen. Im allgemeinen trug ihre Anwesenheit privaten Charakter. Hoher Besuch für uns stammt also nicht aus der Gegend des Thrones, Für uns ist es viel wesentlicher, daß Vandervelde hier ist,: der belgische Minister und einer der wesentlichsten Führer der sozialistischen Internationale. Vandervelde-. war, stets. einer unserer; wärmsten Freun4&.und'' interessier!,• sich., auch bei seinem Besuch in erster Linie für unser Arbeit. Er ist hier als Gast der Exekutive und wohnt in der Wohnung von Colonel Kisch. Er ist bereits eine Woche hier und wird Anfang nächster Woche in Begleitung eines der Führer unserer Arbeiter^ schaft das Emek besuchen. Ihm mag Grimshaw an die Seite gestellt werden; ein englischer Sozialist und Mitglied der Mandatskommission als Vertreter des Arbeitsamtes des Völkerbundes, der hier als Teilnehmer der protestantischen Missipn.sko'nferenz weilte, aber seine Zeit auch für uns und unsere Arbeit zur Verfügung stellte. Ein Sozialist auf einer Konferenz von protestantischen Missionären, das scheint uns ein bißchen merkwürdig. Auch der Verfasser dieses Artikels hatte, als zuerst die Abhaltung der Misslonsk o n f e r e n z in Jerusalem bekannt wurde, das Gefühl, daß es hier um eine internchristliche Angelegenheit gehe, die für uns kein Interesse, haben würde. Das war ein Irrtum. Die Tagung war ungewöhnlich interessant, sowohl durch die Delegierten, von denen ein großer Teil nicht aus Weißen bestand, sondern aus Negern, Indern, Chinesen,'Koreanern, Japanern, Philippinos, als vor allem durch den Inhalt der Debatten. Es fehlte natürlich nicht an Predigten und an Reden im Traktätleinstil. Aber , in der Hauptsache ging es um sehr ernste Dinge von großer politischer Tragweite. . Ueb'erall regt sich , das'"Freiheit sgefühl jahrhundertelang unterdrückter Völker in Asien und Afrika. Die Bewegung richtet sich naturgemäß gegen die europäischen und amerikanischen Völker, gegen die weiße Rasse, die die Träger dieser Unterdrückung sind. Das Problem lautet, wo das Christentum in dieser Auseinandersetzung zu stehen hat, ob das Christentum und sein Träger, der Missionär, mit Selbstverständlichkeit auf seiten der Unterdrücker stehen müssen oder ob hier ein Weg gefunden werden kann, der der Idee des Christentums mehr entspräche. Diese Debatte wäre gewiß rein theoretisch geblieben und hätte höchstens zu einigen papierenen Resolutionen geführt, wenn nicht Vertreter der unterdrückten Nationen, und zwar christliche Vertreter, gesprochen hätten. Das Auftrete» eines 'Negerbischofs aus Uganda, das Auftreten chinesischer Christen, die sich mit Nachdruck als chinesische . Nationalisten bezeichneten, war in diesem Sinne von höchstem Interesse. Sie sprachen im Namen junger christlicher Kirchen, die die volle Gleichberechtigung neben alten christlichen Kirchen verlangten, und sie erklärten, daß das Christentum in diesen Ländern. nur dann eiue Zu- Der Magdebttrger Dreyfus-Fall. Der Prozeß gegen Hof fman und Kettling. Die Hetze gegen den jüdischen Fabrikanten Haas. Dienstag hat in Berlin vor dem Disziplinarsenatdes Kammerjrcrichtcs in zweiter Instanz der Prozeß gegen, den Magdeburger Landesgerichtsdircktor- H of f m a n n undden Untersuchungsrichter K öl 1 in g seinen Anfang genommen. Die beiden sind bereits cinthal vom Disziplinargericht beim Oberlandcsgericht in Magdeburg verurteilt worden, und zwar Holtmann zur strafweisen Versetzung unter Belassung im gleichen Amt, und Kölling zu einem Verweis. Gegen dieses Urteil haben sie nun berufen; Es handelt sich um folgendes: Im Juni 1025 verschwand in Magdeburg der Buchhalter Helling, der früher Angestellter der A. G. L. H a a s war. Im Juli 1926 alarmierte die Presse die Oeffentlichkeit durch sensationelle Nachrichten von den eigentümlichen Untersuchungsmethodeu des Magdeburger Untersuchungsrichters Külliu<g und des Kriminalkommissars Ten Hol t. Während der Berliner Kriminalkommissar Bußdorf schlüssige Beweise für die Schuld des Hakenkreuzlers Schröder, der einen Raubmord au Helling begangen hatte, in Händen hatte, •■>..'. bestanden Kölling und Ten Holt auf der Schuld des Jüdischen Kaufmannes Haas. Sie begannen eine förmliche .J u d e n h e t z.e. Die reTniblika.niscJi-dcmökratische' Presse . bezeichnete -damals, die Magdeburger Ereignisse als einen Justizputsch rechtsstehender Richter gegen die repu- ' blikanische Verwaltung. Der Zwist erreichte seinen Höhepunkt, als der Untersuchungsrichter K ö l 1 i n g .an den Polizeipräsidenten von Magdeburg einen Brief richtete,, des, Inhaltes, daß er mit keinem Beamten, auf .dessen Bestimmung das preußische Ministerium Einfluß habe,, zusammenarbeiten würde. Ehe, dieser Brief in die Hände,- des Polizeipräsidenten gelangte,, erschien er in der deutschnationalen Presse. Als eigentlicher Verfasser dieses Briefes wurde der Vorsitzende der ReichsdisziplinaPkaiiinier in-Magdeburg Hoffmann, festgestellt. Er c hatte auch den Brief als stellvertretender Landesgertohtsprasident in die deutschnationalePresse gebracht,, er hat die-Hetze. des= Kölling veranlaßt. Das Treiben war sogar so weit gegangen, daß ein deutschnationaler. Abgeordneter,;, bei der Öberreichs-" anwältschaft', in Berlin .eine Strafanzeige:. wegen Mordbegünstigung gegen den Minister des Innern Severin g undden Leiter der Landkriminalpolizei erstattete. Im Strafprozeß . selbst wurde die Schuld des Schröder einwandfrei festgestellt. Er wurde wegen Raubmordes verurteilt und der preußische Staat hat Haas, der monatelang in Untersuchungshaft unter schwerer Beschuldigung gehalten wurde, erhebliche Schadenersatzansprüche zu bezahlen. Alle diese Dinge werden jetzt aufgerollt. Hakenkreuzler vor Gericht Die deutschen - Ha'kenkreuzler begnügen sich iricäbt mit der Verunglimpfung: lebender Juden, sie gehen auch dite toten an. Wegen Beleidigung der Witwe Kurt Eisners'. hatte sich der verantwortliche Redakteur des „Bayrischen Vaterlands", Bühl, vor dem Amtsgericht München zu verantworten. Er hatte in seinem Blättchen die bekannten Pensionsansprüche der Frau Bisner gegen den bayrischen Staat eine „echt jüdische Unverfrorenheit u n d F r e c h h e i t" genannt, von einer „arroganten Jüdin" und „e dl c n O s t g a H z e r in'* gesprochen, ihr empfohlen, die Arbeitslosenunterstützung in Anspruch zu nehmen, und Eisner selbst als „zugewanderten g a 1 i z i s c h e n Juden"' und „L u m p, Verbrecher usw." bezeichnet. In der Verhandlung stellte der Vertreter der Frau Eisner, Rechtsanwalt Philipp Löwenfeld, aus den Geburtsregistern fest, daß Kurt Eisner in Berlin geboren und Sohn eines Mi'litäreffeiktenlieferanterr ist, der Hoflieferant des deutschen Kaisers, des Herzogs von Braunschweig und anderer Bundesfürsten war. Die Mutter Eisners, eine geborene Levinstein, stammt aus Brandenburg in Ostpreußen. Die Witwe Eisners ist Württembergerin und hat katholische Eltern. Kurt Eisner selbst hat im Jahre 1908 die bayrische Staatsangehörigkeit erworben; etwa gleichzeitig mit dem jetzigen Ministerpräsidenten Dr. Held, der geborener Hesse ist. Der Angeklagte versuchte mit der Begründung, daß er all diese Tatsachen erst aus der Klageschrift erfahren habe, einen Vergleich zu'schließen, was aber vom Vertreter der Klägerin abgelehnt wurde. Das Urteil lautete auf 8 0 0 M a'r k G e 1 d s t r a f e. Da das ^Bayrische Vaterland" erst vor wenigen Tagen wegen Beleidigung des Grafen Pestalozza zu 2000.Mark Geldstrafe verurteilt wurde, dürfte die Existenz des* Blättchens in Frage gestellt sein. ^nftjiab^ a:ufliöre,n, wü^ ■den*, es jti'rjtffe Religion 'jder^Unterdrücker zu', 'hälfen..' In;, ttie-s^nf^ man\^y.er^leic'he"; mit; de'nV awder&l und dem BudrJhlMusJ- .dto'ii.ä'aV gänzliche F ehleri; v oh 1$ a s s'ef'n v ö'r u rfei.il e.ri,' einen gewaltigen Vorsprung' vor dem' Christentum gebe. Auch über. andere, aktuelle. Fragen wurde.... auf,.., der. Konferenz, gesprochen, so etwa^^^er^fid-Attsbeutung in der Industrie,.^vqr.aUeni -$siiasjens, ..ujid^Üa^DuIrJ^g; dieser Dinge 1 $aur£M$$ ^^(^ni^Die; 'gfnze Problemstellung war fürten, Mßensteiierl'clen' sehr lehrreich. Weniger,tjar;un4:;d$|c^ in den Resolutionen ein, erns^r . Versuch zur Aendejuiig der gerügten Zustände.. <zuTsehen ist;..'. IramerJbln ist der feierliche Verzicht auf .bewaffneten Schutz der Missionen, /die; vielmehr ganz V auf..' die:. eingeborenen. Völker vertrauteh,^ii^Jderen^; Mitte sie, lebteq,' eine'} Geste, die, wenn in der-ernsten-Wirklichkeit Chinas betätigt^ einen Eindrück na machen geeignet ist. Es ist wohl-überflüssig; im einzelnen, zu zeigen, hl:wie mannigfaltiger. Beziehung, hier Probleme anklingen, mit denen, auch. wir. als Zionisten uns auseinanderzusetzen haben, so in der. Araberfrage und so überhaupt, bei allen Problemen, die die Auseinandersetzung, unseres-Ideals mit der Wirklichkeit' betreffen. . ,;. - :; Aber der wirkliche «Hohe Besuch" für uns ist der jüdische Besucher aus aller Welt, der poschete Jude, der Erez Israel sehen und unsere Arbeit im Lande kennen lernen .'.will. Gerade in den Pessächtageri steht Jerusalem durchaus im Zeichen Neuerscheinung LUDWIG BATO IM ALTEN WIEN Diese Monographie. , isj, ein wichtiger Beitrag zur Kulturgeschichte Wiens. A^i Hand jetzt zugänglich gewordener Quellen werden, 'zahlreiche historische Entstellungen - berichtigt, in strenger Objektivität das Verhältnis der Habsburger zu den Juden, und-deren Leben und Leiden iip alten Wien, dargestellt. Wie ein spannender Roman liest sich der Bericht vom Kampfe dieses' fremden und doch heimattreuen: Volkes um: Anerkennung seiner Art sowie1,seiner staatlichen und. gesellschaftlichen Gleichberechtigung. In allen Buchhandlungen, vorrätig. PREIS: Broschiert 8 6.80 Ganzleinen S 10,— PH AI DON-VERLAG / WIEN (jlieser Besucher. Da waren amerikanische Juden, nicht'der altbekannte Typus des oberflächlich interessierten '^^riÜl'infö'rniier'ten" Juden, der nach dem Verbleib seiner'500.Dollar forscht, sondern einfache ostjüdische Typen; die lange für eine Palästinareise gespart haben. Zurzeit ist hier eine Gruppe von 50 Juden, aus Rumänien, aus allen Teilen des Landes, größtenteils Träger der' nationalen Arbeit in ihren Bezirken. So sind, zahlreiche deutsche Juden hier, so eine Gruppe aus, Manchester, eine andere aus Alexandrien. Bald .f-reiUeh wird die Zeit des Besuches. abflauen und die Straßen werden wieder öde werden, die' jetzt noch von ■Automobilkariawanen durclfostaubt werden. '.: Der Rassenstreit auf dem Missionärkongreß. Von anderer Seite wird uns aus Jerusalem geschriebeil: Die Verhandlungen des Kongresses der Missionäre finden'hinter geschlossenen Türen statt. Nur. ab und zu dringt eine Nachricht über besonders 'lebhaft geführte.-Beratungen in die Oeffentliohkeit. Sehr stürmisch verlief die Sitzung, in welcher die Rassenfrage behandelt wurde. Sämtliche Vertreter der farbigen Rassen hatten sich zu einem gemeinsamen Protest gegen das Verhalten der weißen christlichen Völker gegen ihre farbigen Brüder zusammengeschlossen. Dr; D a t o,' der Führer der indischen Ghristen;: erhob bittere, scharfe Anklagen gegen'das christliche England wegen seines Verhaltens in Indien.Thm folgte Professor B o b o k o aus den philippinischen Insela und führte Klage über die Grausamkeiten der Amerikaner. Der Vertreter der christlichen'Neg'ef in Amerika brachte die unchristlichen und- 'unmenschlichen Handlungen der weißen Christen gegen seine schwarzen Brüder vor. pilllllllllllllllllllllllH | Verband radikaler Zionismen § 55 5 §§' Mittwoch, den 2. Mai 1928 um halb 9 Uhr |J H abends findet im Klublokale Caffc Atlashof, Wien, I.> || sf Aspemplatz, eine . Klubversammlung statt EJ Gegenstand: \ ' s H Beridbt Über den Stand der zionUt. Organfiation fs g (PaläiHna, Jcwüh Äg«ncy# Aoleihe, Weltorganig g SA<ion4 ö#4.«rrt Organfiatlpn, Kuliujöemctade etc.) sa ss S Freie^usspraphe es llllllillllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllUIIIIIIIIIIIIIIÜ ■ t ifüä!

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