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Die neue Welt · 1928-04-27 · Heft 32 (27.4.1928) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 32 (27.4.1928)
Date
1928-04-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 32 DIE NEUE WELT Seite 3 Der Kampf um die Erleichterung der Einwanderung in Amerika. In Nr. 31 hat die „Neue Welt" kurz über die Immigrationsexpertise des Kongresses der Vereinigten Staaten berichtet. Ergänzend wird uns hierzu aus New York geschrieben: Die jüdischen Wohlfahrtsgesellschaften von Amerika sind eigentlich diejenigen Stellen, welche die Grausamkeiten der bestehenden gesetzlichen Einwanderungsbeschränktmgen in Amerika am meisten verspüren. Sie sind entschlossen, keinen Weg ungenützt zu lassen, der, wenn schon nicht zur Aufhebung der Beschränkungen, so doch wenigstens zur menschlich milderen Auslegung und Handhabung der Gesetze führen könnte. Im Sinne dieser Bestrebungen entsendeten diese großen jüdischen Organisationen vor kurzem eine Delegation an den Einwanderungsausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses nach Washington, um für die Annahme der von den Kongreßmitgliedern Dickstein und Mac Gregar dem Kongreß unterbreiteten Gesetzentwürfe einzutreten. Es handelt sich um ein Amendement zu dem Einwanderungsgesetz vom Jahre 1920 und strebt die Einwanderungserlaubnis für die Eltern der amerikanischen Bürger und Deklaranten sowie deren Frauen und der Kinder unter 21 Jahren, außerhalb der Quote an. Louis M a r s h a 11, der im Namen des „American Jewish Committee", dessen Präsident er ist, erschienen warf erklärte, daß auch den Gesetzgebern die Heiligkeit der Familie aus menschlichen und sozialpolitischen Gründen nicht gleichgültig sein darf. Das gegenwärtige Einwanderungsgesetz jedoch verbietet förmlich Tausenden amerikanischen Bürgern, ihre nächsten Familienmitglieder nach Amerika zu bringen. Es handelt sich gegenwärtig nicht um die grundlegende Aenderung des Einwanderungsgesetzes, deren Schwierigkeit auch der jüdischen Delegation klar ist, sondern darum, die administrative Technik des Gesetzes ein wenig im menschenfreundlichen Sinne zu modifizieren. Auch der Sekretär des amerikanisch-jüdischen Kongresses Bernard Richards befaßte sich in seinen Ausführungen mit dem Hinweis auf die Unmenschlichkeit des bestehenden Gesetzes. Er wies aber auch darauf hin, daß die durch das Gesetz geschaffenen unsozialen Widerwärtigkeiten völlig unberechtigt und unbegründet seien. Das vom Kongreßmitglied Dickstein und Genossen eingebrachte Amendement bietet die Handhabe zu einer Besserung dieses Unrechtes an vielen tausenden Familien, die vor vielen Jahren nach Amerika eingewandert sind und die durch einen Federstrich von ihren Familien, mit denen sie sich' vereinigen möchten, losgerissen wurden. In der Delegation befand sich auch das frühere Kongreßmitglied Nathan D. Perlman, der ausführte» daß die von den Gegnern einer freieren Einwanderung ge- . hegte Befürchtung, daß durch die Annahme der Dickstein-Bill eine große Zahl von( Einwanderern ins Land kommen würde, unbegründet ist. Die Zahl der Einwanderer, denen das Amendement die Tore Amerikas öffnen würde, ist in Wahrheit gar nicht so groß; das einzige, was das Gesetz zur Folge haben könnte, ist, daß es tausend Familien Glück und Beruhigung schaffen würde. Im gleichen Sinne sprach auch Frau Alexander Wolf als Vizepräsidentin des „National Council of Jewish Sie kommen nie in Verlegenheit wenn Sie das besitzen! Für monatlich erhalten Sie das neueste Große Brockhaus-Lexikon in 4 Banden (Preis S 150) mmmmmiimmmsmaBm ohne jeden Aufschlag ^m^mm^mmMm^a bei der Brockhaus-Vertriebsstelle SIGMUND HUTTER * Wien * I. Wallnerstrage Nr. 6 Alles nnden nur im Groden Brockhaus!!!! Es ist das einzige, komplett erschienene gro^e Lexikon!!! Women", die auf Grund der aus den Auswanderungsländern eingelangten Berichte sowie der 'eigenen Erfahrungen in Amerika selbst die traurigen Wirkungen des Gesetzes zu schildern vermochte. Der Delegation gehörte auch der. Vertreter des größten jüdischen Ordens in Amerika, Brith Abraham, an. Am selben Tage fand auch die „Anhörung anderer an dieser Frage interessierter Organisationen" statt. So wurden die Ausführungen der amerikanisch -katholischen Wohlfahrtsgesellschaft, die Meinung eines Vertreters des fremdsprachigen Informationsbureaus und der American Federation of Labour angehört. Es fiel dabei auf, daß auch der Vertreter der A r b e it e r f e d e r a t io n diesmal sich der Bill gegenüber nicht durchaus ablehnend verhielt. Wiie wir bereits berichtet 'haben, veranstalten der Verband radikaler Zionisten und die Vereinigung' demokratischer Zionistinmen eine Gesellschaftsreise nach Palästina. Die Reise wird um die Pessaclrzeit 1929 stattfinden. Der Vertrassabschlluß mit eine* der leistungsfähigsten Scthif.fahrtsg&sellschaften; steht, unmittelbar bevor. Der- Pp^s*., irr w$ph$m:<jalie Kasten; der . Reise und des "-.Aufenthaltes--in, Palästina und Aegypten iubbgriiffen siiud, ist ein mäßiger,1 und. es. soll den Teilnehmern durchs Leistung von wöchentlichen; oder monatliahen Einziahlumgen die Aufbringung des' notwendigen Betrages erleichtert werden.' Der Prospekt, welcher alle Einzelheiten enthält, wird in den nächsten Tagen herausgegeben. Bis dahin können sich alle, die an der Reise teilnehmen wollen,, an. Frau Paula Stricker, Wien, II., Hallandstraße 10, Tel. Nr. R 45-6-89,, und- Frau Berta ^T au.be«, Wien,. IL, Böcklinstraße. 92, Tel. Nr. 43-9-19, um Auskunft wenden. — Nachdem die Teilnehmerzaihl eine b egrenzte ist und in den letzten Tagen bereits viele A n m e 1 id 'U n g e n. e r f o 1 g t s i n d, wird den Interessenten, empfohlen, ihre Adressen möglichst bald bekanntzugeben. _, * Die Weltorganisation zionistischer Frauen. Eine Konferenz In Polen. Am 15. d. sollte in Warschau die erste Landeskonferenz der zionistischen Frauen Polens, die der WiZO* abgeschlossen sind, stattfinden. Unmittelbar vor Eröffnung der Beratungen, zu denen sich 50 Delegierte eingefunden hatten, wurde die Tagung von den Behörden wegen angeblicher Nichterfüllung von Formalitäten verboten. Erst Montag abends konnte die Konferenz mit Erlaubnis des Regierungskommissariats beginnen. In die Zentralverwaltung wurden folgende Damen gewählt: Frau Prof. Schor, Frau Prof. Bai ab an, Frau Dr. Lcvite, Frau Magister Ahlbeck, Redaktrice Apenszlak, Schapiro, Pawel, Livetskind, Rdeznik, Dr. Spektor, Doktor Brau de, Dr. Ktauszow, Rasgo.wa, .Goldberg, R a t n e r, Karl o w und die frühere Seimabgeordnete Rosa Po mcranz-Mclzer,' , Ein Verband in Jugoslawien. In Zagreb fand.am 14. und 15. d; eine Konferenz sämtlicher W'IZO-Gruppen im Lande statt, die die Gründung eines Landesverbandes der zionistischen Frauen Jugoslawiens beschloß. , Der große Tempel in Jassy durch Feuer zerstört. In der Nacht vom 17. zum 18. April äst der große •israelitische Tempel in der Strada Socola zu Jassy durch einen R i e s e n b ran d vollkommen zerstört worden. Der Schaden beträgt mehrere Millionen Lei. Man glaubt, daß der Brand durch die Unvorsichtigkeit eines Tempeldieuers entstanden ist. Grosse Auswahl in echten Schlangenschuhen v. s 45.- autw. Fähige t t t Jf |J Modespan gensch uh e 1 illio Detailverkauf zu Engros-Preisen direkt in der Fabrik, VII. Bez.. Kaiserstrasse Nr. Zwei Vorträge Professor Dr. Theodor Lessings. Als Gast des Zionistischen Landeskomitees für Oesterreich und des Jüdischen Hochschulaussohusses hielt Prof. Dr. Theodor Lessing zwei Vorlesungien: „Karl Marx und Theodor Herz!" und ,,Zur Psychologie des jüdischen Radikalismus". Herr Prof. Lessing gibt viel auf die äußere Form, seine Vorträge sind stark mit lyrischen Zitaten durchsetzt, er pflegt das Pathos und Hebt die wirkungsvolle Antithese. Abier so löblich sein noch junges Bekenntnis zum Zionismus ist, — es hat noch weite Wiege zu Lessings Erkenntrais der zionistischen Grundprobleme. Und so wohlgereimt die Einleitungen, Brückenstücke und Abschlüsse seiner sauber ausgearbeiteten Vorträge sind, so ungereimt schieinen uns "nicht selten die Ausführungen zu sein, die zwischen den poetischen Zitaten liegen. Am ersten Abend umriß er die Persönlichkeiten von Theodor Berzl und Karl Marx. Man muß schon ankreiden, daß die Charakteristik Herzis recht sehr an der Oberfläche haftete, Im Positiven sowohl, als auch im Kritischen. Man ist in zionistischen Kreisen und insbesondere in Wien, der Stadt, in welcher Herzl lebte und wirkte, eine tiefergehende Betrachtung und Kritik von Herzis politischem Zionismus der ersten und der späteren Zeit gewohnt. Ganz wenig, unglaublich wenig sagte Prof. Lessing über Marx und den Marxismus. Seihst die orthodoxesten Marxisten unter den Poale-Zionisten dürfte die Verbindung Herzl-Marx, die Lessing im Handumdrehen herstellt, kaum befriedigen. Es ist bekanntlich die heikelste Frage, ob überhaupt und inwieweit das Bekenntnis zum Marxismus mit dem zum Zionismus sich vereinbaren läßt. Es wird ja von jenen sozialistischen Zionisten, die Antimarxisten sind, durchausbestritten. Und wenn es ein- Universitätsprofessor unternimmt, die Verbindung von Marxismus ' und Zionismus als zwingend nötig erweisen zu wollen, müßte er doch zumindest die s o z i a 1 i s t i s c h e n Gegengründe erledigen. Aber der Vortragende beschränkte; ,<sich im großen und ganzen auf das fragwürdige, wenn-' man will, auch für eine gegenteilige Argumentation taugliche medizinische Beispiel von den .•Antitoxinen, und verriet seine . rein mechanische Auffassung vom Zionismus,' seine scheinbar noch immer recht kargen Beziehungen zu de-rn äußerst komplizierten Judenproblem, indem er feststellte, der Zionismus würde sich erübrigen, wenn — P a n ewr o pa verwirklicht wäre. Weit befriedigender, aber späterhin leider auch enttäuschend war' der nächste Abiend. Lessing sprach zunächst sehr interessant über den logischen Radikalismus des Urteils und den sozialen Radikailismus des Willens, als zwei u spezifischen Qualitäten jüdischer Geistigkeit. Der erstere habe sich beispielsweise im talmudischen Denken, der letztere im antiken Prophetismus geäußert. Die starke Verbreitung der Psychd-Analyse im Judentum, die heute herrschende Universitätsphilosophie, die Lessing . als direkte Fortsetzung dies talmudischen Pilpul empfindet, und die Relativitätstheorie Einsteins seien weitere Ergebnisse des logischen Radikalismus; Und ein Beweis für den sozialen Radikalismus des jüdischen Willens der große jüdische Anteil an den sozialen und den kommunistischen Revolutionen. Lessing entwickelte sodann sein „Gesetz der leidenden Minderheit" und führte aus: Es ist der beste Ruhm des Juden, daß er den Judenschmerz entmaterialisierte und zum Sachwalter aller Heimatlosen wurde. In Ausführung dieses Gedankens kam allerdings HeTr Prof. Lessing, der Zionist, der Missionstheorie unserer Assimilanten bedenklich nahe. — Im zweiten Teil dieses Vortrages stellte Lessing nun den beiden gekennzeichneten jüdischen Radikalismen als dritten, notwendigen Radikalismus den Zionismus an die Seite. Hier gingen seine wissenschaftlichen Aus- ' führungen allmählich in eine blumenreiche, hochgemute Festrede über. Vergleiche mit dem dumpfen Keller, den HiazynthenkiioHen, deren Triebe aus dunklem, lichtlosem Verließ zur Luft und zur Sonne streben, usw. Sehr schön gesagt, auch gemütvoll, aber nur für Zuhörer akzeptabel, die ohnehin schon Zionisten sind, keinen Gegner überzeugend, keinen Unwissenden belehrend, keinen in Irrtümern Befangenen aufklärend. in Herren- und Damenstoffen, schon < JgJz^^i^Bg£inr^dcrSai^ infolge kleiner Regien sehr preiswert nur bei Kann & Fried VI., Linke WlenxeJI« 40 (im Hof«)

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