Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 32 (27.4.1928)
- Date
- 1928-04-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seife 2 f ' hervorragendsten der Berliner ' Assimiilationsjuden, von Walter R a then a ur-entwirft. Er schreibt: „In den ersten Tagen der Existenz jenes „Rates geistiger Arbeiter" — noch hatte eine verhängnisvolle Kundgebung nicht stattgefunden — erlebte ich eine in mehr als einer Beziehung bedeutsame Begegnung mit Walter Rathenau. Es ist nicht überflüssig, diese Begebenheit mit ihren charakteristischen Einzelheiten aufzuschreiben, denn sie trägt nicht nur zur Kenntnis einer für (las öffentliche Leben Deutschlands bedeutsamen 'Persönlichkeit bei,- sondern zur Beurteilung des deutschenintellektuellen Führers überhaupt. Denn a]s einen deutschen Intellektuellen wird man ja wohl den Großindustriellen, den Finanzmann, den J3ücherverfasser, Sozialmoralis.ten und Staatsmann Rathenau ansprechen dürfen. : Eines' Abends,' batd.trach dem Zusammenbruch des Heeres und der Ausrufung der Republik, traf ich Rathenau im Hause meines Verlegers Fisch e r.r Außer mir und meiner. Gefährtin, a*ußer dem Hausherrn, Frau Fischer und Rathenau war noch Moritz Heimann mit seiner Frau anwesend. Gleich/beim Eintreten . in den. Salonhatte .ich, den Eindruck^ daß diese Begegnung von Rathenau gewünscht, einen bestimmten Zweck verfolge. Die Bestätigung dieser Vermutung ließ nicht länge auf sich warten. Wir setzten uns zu Tisch. Rathenau schien präokkupiert und gespannt zugleich, desgleichen die übrige Gesellschaft. Ich harrte ruhig der Dinge, fühlte mich nicht im geringsten als Angeklagter. Nachdem der,Fisch serviert worden war, legte Rathenau plötzlich seine Serviette hin .und sprach, mit der klaren scharfen Stimme eines Menschen, der seine Worte wohl überlegt und vorbereitet hat, zu mir gewandt, folgendes: „Wi e konnte das geschehen, Herr Hollitscher, daß in diesen Tagen die Jugend Deutschlands an mir, der ich diese Revolution in Wahrheit geschaffen habe, ohne Dank und Gruß vorübergegangen ist!" Und nach einer Pause mit erhobener Stimme: „Ohne Dank und Gruß! In 400 Jahren — i n 4 0 0 jäh ren w.i r d d i e Geschichte berichten, daß in den ersten Tagen der deutschen Revolution Deutschlands Jugend ' ohne Dank und Gruß an mir «vorübergegangen ist!" „Ich fand mich bemüßigt zu fragen, ob sich diese Worte etwa darauf bezögen< daß der „Rat geistiger Arbeiter" Rathenau nicht zum Beitritt aufgefordert habe? Rathenau antwortete darauf nicht direkt; sondern wiederholte: die deutsche Jugend sei in; diesen Tagen-der^RevoIulÖdnJ'-'iairsem-Wertc sei, anihm ohne Dank' und Gruß'; v-oriibergegangen!" ■ ' c- •Dann sagte Rathenau: «Jch-werde Ihnen aber sagen, aus welcher Ursache Deutschlands Jugend in diesen Tagen ohne Dank und Gruß an mir vorübergegangen ist. Daß ich Macht im Staate repräsentiert habe, ein Schloß besitze, wirft man mir vor. Aber: war Marc Aurel nicht Herrscher und zugleich für Syrien zu bewilligen. Das beweist, daß die Beschwichtigungsversuche aus Jerusalem unwahr waren. DIE NEUE WELT Nr.» Die kluge Frau von Pollak "will jürigsj mal einer uzen; Er flüstert.! daß ihr Mann sich und Hubers Henna, dgzeri! /Doch siehe da! sie lacht nur und zahlt ihm heim mit Hohn! Ja, selbst die Frau von Pollak kennt Hubers„Hewna" schon! ■ ..Herina" ist alkoholfreies, . anregendes Erfrischuntsgetränk. Beim Kaufmann erhältlich.! v Aus dem Irak: Aus London wird uns berichtet: Die Regierung des Irak beabsichtigt, in London eine Aule ihe im Betrage von fünf Millionen Pfund aufzunehmen. Der Ertrag der Anlerne soll der Gründung einer Agrarbank, dem Bau von Eisenbahnlinien und der Einführung einer eigenen •mesopotamischen Währung dienen. Bisher sind in Mesopotamien die indischen Münzen im Umlauf. — Im Mai wird ein Konsul des Königreiches Irak in Kairo -und ein ägyptischer Konsul in Bagdad ermannt werden. Auch der Handelsvertrag wischen der Türkei und Irak steht vor dem Abschluß. In der letzten Zeit sind viele rassische Erzeugnisse nach Mesopotamien eingeführt worden, und machen durch ihre billigen. Preise den britischen Waren Konkurrenz. — Wie man sieht, hat dieses Mandatsgebiet eine beneidenswerte BUbogenfreiheit. Es unterhandelt um Anleihen, handelspolitische Vertretung und. Handelsverträge. Dagegen ist das Land von den militärischen Ausgaben entlastet, die von Palästina a/uffgeibracht werden. . '. . Sir Gilbert C 3 a y t o n, der Führer der Sondermission für die Erörterung der mit Ibn Saud zu regelnden Fragen, ist am 19. April von London abgereist. * Die antisemitische Bewegung in Rußland, Der Sekretär des Zentralexekutivkoinitees der kommunistischen Partei, Lu tsefo e n k Oi" hielt auf der' gsgen* wärtigr in Charkow tagenden jüdis-c/hen Kulturkonterenz eine Ansprache, in der er ausführte: Wir können «nd dürfen das Bestehen e -i ii e r antisemitischen Bewegung in Rußland nicht wegleugnen-; es wäre beschämend für unsere Revolution, wenn-wir einer offenen Erfeteroog dieser Frage ausweichen und vm ftftstanid üfct Verfasser seiner Schriften? Hat Friedrich der Große, nicht in seinem Schloß gesessen und doch seine Werke verfaßt?" In der Pause, die diesen Worten folgte, sah ich mich im kleinen Kreise um und bemerkte auf fallen Gesichtern maßlose Verblüffung* Marc Aurel.;. Friedrich der Große... ■ * ■ Diese Wirklichkeit läßt alles, was an blutigen Satiren über die Assimilationsjuden je geschrieben .wurde, weit.hinter sich. Welch teuflischer Hohn! Am Tische desi Mo^akisÖhen Judeir Fischer sitzen andere Juden uift Jü^ihnen^und esseti Fisch. Und ein Jude vom Kurfürsteudatfyfl^ wischt, sich den Mund ab und erhebt Anklage segln;das deutsche Volk und seine Jugend, vor einem anderen Juden, der auch Fisch gegessen hat und aus. Budapest ist. Und der Jude aus Budapest' antwortet im Namen i des deutschen Volkes und seiner Jugend. Unten marschieren Deutschlands Jungen und wie sie am Judenhatis vorbeikommen, da werden sie zn Bestien* Haß sprüht aus ihren Augen und giftiger Schimpf quillt aus ihren wutverzerrten Mäulern. Der Jude Rathenau tritt unter sie und. fordfrt Dank und Gruß, fordert, daß Ihre Herzen, ihm entgegenschlagen sollen, wie die jungen Römerherzen ■ dem Marc Aurel und die jungen Preußenhefzen Friedrich dem Großen, ihm, dem Walter Rathenau, der ein Deutscher und kein Jude sein will. Wie er unter sie tritt, da speien sie ihn an und schießen ihn tot und singen au ' seiner Leiche das Lied: „Schlagt, ihn tot, den Rathenau, Gottverdammte Judensau!" Dank und Gruß der deutschen Jugend, an einen, der ihr dienen und ein Deutscher und kein Jude sein wollte! ' i * Wer mit der Erziehung der jüdischen Jugend etwas zu tun hat, söjl es nicht unterlassen, seihen Zöglingen' die Geschichte von Rathenau und Hollitscher zu erzählen. Sie leuchtet in den Sumpf der Assimilation hinein. -Siezeigt, wie die Assimilation im besten jüdischen . Indi viduum Menschenwürde und Vernunft vernichtet, wie sie den jüdischen Menschen hin und her .reißt, in'Extreme schleudert, in die .Knechtseligkeit'und in den Größenwahn. Rathenau ist an -s'einenv: jüdischen Volke achtlos vorübergegangen — und gerade Iii der Zeit.J da sich dieses Volk in ehrlicher, harter: Arbeit stolz deinen Staat baut — zu denen,: die ihn nicht wollten!. Tausendmal hat's ihm ^eritge'gefeschrietf.^Wir^'Deutsiche wollen keine Ju-; •den!"; Aber.er slaubJtö;;;d.QcARuf geilte nur den anderen ^Juden/,nlchtihim:;-der^dach turmhoch, über den anderen Judensteht/ nichtsfimit ihnen igemeinhat. Jeder AssimilationshTde .glaubt ja, eine Ausnahme zu sein. Er glaubte,' dem .deutschen Volke ein Marc Aurel, ein großer Friedrich geworden zu sein. In Wirklichkeit blieb er;: was, der Assimilationsjude überall ist, ein ungebetener Gast. . : > "• ' .-u 1 Robert S t r i c ke r. sie sprechen wollten.-'Wir müxen offen darüber sprechen und ebenso offen und mit aller Strenge den Antisemitismus als eine gegenrevolii-tidnüre Erscheinung bekämpfen. Dementierte Pogrommeldimgeii. Die J. T. A. meldet aus Moskau: Ausländische Nachrichtenagenturen und Zeitungen brachten in den letzten Tagen/Metdui^en über -.das. Bestehen einer starken antisemitischen' Strömung1 in-der Gegend der jüdischen Kolonien in der Krim, die auch schon m Uebcrfällen auf die Kplonj§ten,.-:M.nd zu. Mejpsehenppfeni ..geführt haben. Ks sollen viele jüdische. Häuser niedergebrannt und 22 Juden ermordet worden sein. Dem Vertreter der Jüdischen Telegraphenagentur in Moskau wird von„absolut informierter Quelle mitgeteilt, daß alle .diese Nachrichten erfunden seien. In der Gegend der jüdischen Kolonien in der Krim, sowohl in den Städten als auch in den Kolonien, herrscht vollkommene Rühe. ÜUnreine GesichtshautH ft DIMa *-KAMPFER-SAOERSTQFF-QlEME beseitigt »ofort Sommersprossen, Sonnenbrand, Röte der Nase und Hände, Pickel, Wlmmerln sowie aile Unrelnigkelten der Haut. Macht Hände und Oeslcht samtnetwelch und weiß Original-Tube 2 Schilling „DIM"-laIiorBioriom, Wien, II. Obere DonaustraBe 17 Bekenntnisse einer schönen Seele. —y. Houston Stewart C h a m b e r 1 a i n s Briefe sind jetzt im Buchhandel erschienen und man hat jetzt Gelegenheit, den Prediger des Judenmordes, der aus seinem Metier eine Art Wissenschaft gemacht hatte, von der persönlich-intimsten Seite zu sehen. Br gibt sich in den Briefen naturgemäß 'unbefangener, freier als in seinen Büchern. Das eine ergänzt das andere ■und man erhält, sofern, dies noch nötig war, einen schärferen Einblick in sein Wesen. Er ist ganz auf den Haß gestellt und seine Briefe atmen in jeder Zeile den Geist eines von der Tollwut der Judäophobie (besessenen Menschen. Man würde fast zu einem Gefühl des Mitleids gelangen, wüßte man nicht, welches Unheil er ersonnen und erreicht hat. Er kann nicht unvoreingenommen, vorurteilslos an eine Frage herantreten. Hinter jedem Baum, hinter jeder Ecke sieht' er den Juden und so wird seine ganze Lehre von der herzzerstörenden Furcht vor den Juden, und dem Judentum beherrscht. Es wäre ein dankenswerter Vorwurf für den Psychoanalytiker, die Schriften und Briefe dieses' Menschen auf die Theorie vom Minderwertigkeits-. komplex zu prüfen, der den arischen Germanen alles Gute, Schöne, Tapfere zuschreibt und sie zugleich von den noch stärkeren, zielbewußteren Juden gefährdet sieht. Und es paßt in sein Bild, daß er sich selbst in den Mittelpunkt jüdischen Denkens gestellt wähnt: „... kein Mann lebe, den die Juden so hassen wie mich . . . meine Schriften sollten totgeschwiegen werden . . . es hat aber nichts genützt, sie haben sich allein ihren Weg gemacht." Das eine ist so wahr wie das andere. Die Juden haben ihn nicht gehaßt (was ja schließlich niemanden wundern würde) und seine Schriften wären ungelesen und ungekannt geblieben, wenn nicht K a i s e r WM h e 1 m die bekannte 200.000-Mark-Spende zur Popularisierung der „Grundlagen des 1'9. Jahrhunderts" bestimmt hätte. Ahe "Lesehallen, Volksbibliotheken, Studentenvereine erhielten das Werk gratis ins, Haus geliefert und so wurde von dem Hohenzollernkaiser das Gift. verbreitet, das i freiTici'f in seih System paßteDeutschland, Deutschland über' alles! Wäre nicht' dieser Kaiser gewesen, wo lägen da diese Grundlagen»-.-mit denen -sich' die ernste Forschung in keinem Augenblicke abgegeben hat. Ohamberlain ist eine Erscheinung, die uns Juden sehr vertraut anmutet.. Er ist der Sohn eines englischen Admirals, kam als Kind nach Deutschland in die rauschende Zeit der großen Siege über Frankreich. Er ist d er -typische A s s i m i 1 a n t. Er wird eingedeutscht, eingepreußt, so sehr, daß er die Seele ■ verliert und zum wütenden Feind Englands wird. Wo den Deutschen, sein Reich, seine Kultur, seine Geltung nicht der Semit bedroht, dort ist es der Engländer, vor dem sich der Deutsche zu hüten hat. Mit der. unheimlichen Logik des Wahnsinnigen ^wandelt Chamberlain in diesen Spuren, er^sieht die Wahrheit'nirgends. 'In derselben Zeit, in der der deutsche Kriegjsminister eine Judenzählting-in der Armee anordnet, schreibt Chamberlain, „daß die Juden in Deutschland derart berauscht, seien von ihren Erfolgen '. , . daß sie bereits anfangen, den Kopf vollkommen zu verlieren und einen Grad von Frechheit erreichen, der eine flutartige Reaktion erhoffen lasse." Gott gebe es! — fügt er fromm und'bieder hinzu und er hat alles dazu getan, daß diese Flut des Schlammes so dick als nur möglich über die Juden komme. , Denn dank dem Kaiser Wilhelm sind die Lehren Chambeiiains tief in die deutsche Jugend eingedrungen. Was nach dem. Kriege in Deutschland geschehen ist, das ist ja zu einem großen Teil schon vergessen, dringt aber immer wieder an das Gedächtnis. Die Verwilderung der Jugend,, die, von Lehrern wie Chamberlain erzogen, sich in der Gottähnlichkeit wähnte und plötzlich das Reich und seine klirrende Macht" zerschlagen sah, lebte sich in den Bahnen . aus, die ihr Chamberlain v'orgezeichnet hatte. Für sie wurde der Jude zu einem giftigen Reptil, zu einer Gefahr für Wirtschaft und Entwicklung. Die Jugend wurde auf den Mord hingewiesen und es gab in, Deutschland, im Reich de>r frommen Denkungsart, pogromartige Zustände. Und es gab niemanden, der den Mut gehabt hätte, sich gegen Chamberlain,- den Prediger der ins Politische übersetzten Kaninchenzucht 211 wenden. Chamberlain hat ein furchtbares Ende gefunden. Er ist qualvoll gestorben. Aber was er geschrieben hat, das bekennen heute Tausende von Menschen, die in Amt und Rang stehen, das Erbübel der Hyibris, des' frechen Foehnuits, des Herren-wahnsinus, der sich die Juden als Heloten unterworfen dünkt und doch vor. ihnen zittert. Die Briefe Qharnberilains bestätigen es, daß die Bosheit dies Assmülanten, nur; noch überteoffen SBiwi mm-.fsfam Eeigiieit«