Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 31 (20.4.1928)
- Date
- 1928-04-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 31 DIE NEUE WELT Seite 9 ländern zugesicherten Privilegien auch unter holländischer Herrschaft. In der Zeit zwischen 1604 und 1680 haben die Juden* Paramarbo verlassen. Was sie dazu bewogen hat, ist heute nicht mehr festzustellen. War es eine Verfolgung oder Entziehung der Privilegien oder vielleicht die Angst, daß Holland den Juden, die in ihrer schweren Pionieitarbeit erworbenen Reichtümer mit Gewalt wegnehmen würde — Tatsache ist, die Juden verließen Paramaribo und fiedelten $ich auf einer weiter nördlich gelegenen Stelle der Insel Savannah an. Diese Insel gehörte Samuel N a s s y, einem der ersten brasilianisch - jüdischen Pioniere jener Gegend, der auch zu den Begütertsten von ganz Guiana gehörte. Dieser Samuel Nassy schien offenbar schon damals von einem J u d e n s t a a t, wenn auch nicht in Palästina, zu träumen, denn er stellte sich an die Spitze seiner jüdischen Brüder und führte sie selbst von Paramaribo stromaufwärts auf seine Insel, die von jener Zeit an den Namen Yaddo Savannah, Savanne der Juden* erhielt. Und wieder begann hier der Kampf gegen den Dschungel. Es wurde wieder gerodet, urbar gemach^ Plantagen angelegt, Kultur geschaffen. Es war schwere, oft blutige Arbeit, aber sie war von Erfolg begleitet. Yaddo Savannah wurde ein blühendes Kulturland. Nach fünf Jahren errichteten die Juden den „Kahal Kadosch Berachah Veschallom", die heilige Gemeinde des Segens und Friedens, und gleichzeitig die erste Synagoge auf amerikanischem Boden. Arn 8. Cheschwan 5566, das ist am 12. Oktober 1685, wurde diese Synagoge, mitten in einem großen Park gelegen, von dem aus London berufenen Rabbi David Pardo eingeweiht. In der Mitte des 18. Jahrhunderts war diese jüdische Gemeinde in Savannah auf 10.000 Seelen angewachsen. Savannah wurde ein wichtiges Handelszentrum. Die Siedlung blühte und schien unverwüstlich und nach allen- Richtungen hin gesichert. Die erfolgreiche Pionierarbeit der Juden hat auch anefere Siedlungen zur Folge gehabt. Das Eindringen der Weißen machte schließlich dieBusctoneger rebellisch. Wiederholte Ueberfälle zur Befreiung der Sklaven endeten mit dem Siege der Schwarzen. Die Juden organisierten eine S c h u t z m i 1 i z unter dem Kommando der Nassy und Pnrdo. Yaddo Savannah wurde regelrecht befestigt, aber bei jedem Ueberfall der Neger fiel irgend eine schwer errungene Kulturinstitution zum Opfer, eine Schule, ein Hospital oder die Bibliothek. Schließlich mußten die Juden trotz ihrer Tapferkeit und ihres Heldenmutes auf Befehl der holländischen Regierung den Kampf einstellen. Yaddo Savannah hörte auf, für die Juden sicer einstellen. Yaddo Savannah hörte auf, für die Juden sicher zu sein. Krankheiten dezimierten die Bevölkerung. Zwischendurch blühte wieder Paramaribo auf und die Juden zogen ^yieder zurück. für Klnder--Und M&dchänzimmor-, KUchen- und Vor> zimmer-MOBEL. Schlaffauteulis, Diwans und. Ottomanen eigener Erzeugung. Oeschaftsbesiand seit 60 Jahren. Motto: GroBei Umsatz — kleiner Nutzen. Orößte Auswahl! Billigste Preise 1 Joseff Röblitz ü Sohn, WH., Siebenstermg. 12 iiiiiiiiiiiiiiiiiiliiliiliiliuiiiii die allerletzten Kreationen der Pariser Haute couture u. eigener Schöpfungen aus adelst« Materlaten inuneteichter Auswahl zu den bekannt billigen Krupnik- Preisen llililiiliiiliiiliiliiiiniiiiiiiiii NUD V".Kafserstr.11S I ^hfr HnQ flHHBHHBHflEBHHfflBBSBBHflHHHflflHHI Wir haben nirgends Filialen! Heute finden sich noch in Paramaribo und anderen Punkten Guianas Nachkommen jener ersten jüdischen Pioniere, die aus Portugal und Brasilien über Amsterdam nach den Dschungeln vorgedrungen sind, und dieses Urwaldgebiet der Kultur und der Zivilisation eröffnet haben. Sie haben sich wohl zum, größten .Teil mit der eingeborenen Bevölkerung vermischt. Ihre dunkle Hautfarbe beweist es, und obgleich sie auch sonst vieles von ihrer jüdischen Eigenart eingebüßt haben, erzählen sie gerne dem Reisenden von den Ruhmestaten ihrer Vorfahren und bekennen sich stolz zum Judentum. um Verband der jüdischen Kaufleuie und Gewerbetreibenden I... Elisabetlistraßc 9. I. Stock, 10, Telophon 45-8-34 und B 30T3-49, stellt einwandfreie, Kewerbeberech'tigte, sprachen- und branchenkundige Handeisvertreter, reisende KäufleUte und Kommissionäre kostenlos sofort zur Disposition. — Parteienverkehr: Jeden Dienstag, (j bis 7 Uhr abends im Sekretariat, I., Elisabetlistraßc 9, i. Stock. 10. — Vcrbaudsdiskussionen ieden M o n I a g'uin.-halb 8 Uhr abends im Caf6 Exzelsior (I., Rotenturmstraße, 24). Auskünfte für Mitglieder kostenlos gegen Bcischluß des Portos, für NichtihitsrFic'dcr gegen Porto und S 2 In Briefmarken für scineinniltzigc Zwecke. 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C. und S i mme r in g, sind vom Abstieg bedroht, und es deuten alle Zeichen darauf hin, daß die Entscheidung erst in den allerletzten Meisterschaftsrlinden fallen wird. Durch das 0 : 0-Spiel gegen Sportklub überholte Hakoah die Vereine Slovan und B. A. C. und besetzte den achten Platz in der Tabelle. Im Match gegen die Dornbacher bot wieder das V e r t e i d i g u n g s t r i o des j üdischen Vereines eine vorzügliche Leistung. Barbock* der den ungewohnten Posten eines Mittelläufers einnahm, bewährte sich. Im Angriff gefielen. K a t z und Mausner. Aufstellung: Rosenfeld; Scheuer, Feldmann; S t r o ß, B a r b o c k, P o 11 a k; K a t z, N e u f e ld, Kestler, Heß, Mausner. Auf der Hohen Warte kämpfen Sonntag die Hakoah n.e.r gegen H e r t h.a.. Die Favoritner besitzen eine ausgezeichnete Mannschaft und spielten letzthin gegen F. A. G. 3:3 unentschieden. Der jüdische Verein wird- «M^^H^^«^ direkt vom Lande, halb umsonst +QÖ4ffy®Q4&&$ Wäschefcaus. JF E L ID Yeiue^'^^: 28 DampfreinigungMn Gegenwart der Kunde! <$>fo!j>$$0$<» niefnen Augapfel, dehn ich wußte . . . es gab viel zweifelhaftes Volk, dahergelaufene Musikanten, Gecken oder alte Junggesellen. Wozu ist denn eine Mutter da? Ein erwachsenes Mädchen muß rein sein' wie ein Spiegel . . Und ich setzte es durch — kein Stäubchen fiel auf sie, ich war unentwegt hinter ihr her, nicht einen Schritt durfte sie allein aus dem Hause, und immer ermahnte ich sie, gab ihr gute Lehren." „Nun, das war doch sehr schön von dir." „Kleinigkeit, war das schön!" sagte Grune voller Bitterkeit.' „Geh* mal hm und sieh' sie dir an, o ja, sie ist ein anständiges Mädel geblieben, aber eines von 36 Jahren! Mager. ist sie, daß man alle Knochen abzählen kann, die Haut ist wie Pergament eingeschrumpft, der Glanz der Augen erloschen, das Gesicht starr, nie ein Lächeln um die immer zusammengepreßten Lippen. O ja, manchmal steigt ein Glühen in ihren erloschenen Augen auf, aber ein Glühen des Hasses, und wem, meinst du, giilt dieser Haß? Dieser Abscheu? Wem gelten die Flüche, die sie zwischen den zusammengepreßten Lippen hervorzischt?" „Wem denn?" „Mir! Mir — der eigenen Mutter!" „Was fällt dir ein? Warum dir?" „Sie weiß es ja vielleicht selbst nicht einmal warum — aber i c h weiß es. Ich habe mich zwischen sie und die Welt gestellt, zwischen sie und die Sonne gedrängt! Ich weiß nicht, wie ich mich ausdrücken soll . . . Ich habe sie um ihr Lebensglück gebracht ... Oh, wie viel qualvolle Näqhte habe ich mein armes Hirn gemartert, bis ich zu dieser Erkenntnis gekommen! Sie muß mich ja hassen — jede Faser ihres Seins muß mich verabscheuen!" „Grüne, um Gottes Willen, was sagst du da?" „Das, was du hörst! Ich habe ihre Jugend verkümmern lassen, ohne Liebe, ohne Zärtlichkeit, dadurch, daß ich alle Burschen, die mir nicht als die Richtigen vorkamen, von ihr fernhielt! Sie haßt auch sicherlich ihre Schwestern, weil sie jünger und schöner sind als sie!" Grüne atmet schwer, während Chane sich gar nicht fassen kann . . . Und das muß sie anhören, das Furchtbare, das ärger ist als Krankheit und Tod, ärger als der „Tod unter der Chuppe** das größte Unglück, welches einen Juden treffen kann und trotzdem , , Herrgott im Himmel, aber es muß doch 80 sein! „Lea, die Jüngere, habe ich dann nicht zu Hause behalten, ich gab sie in den Dienst , , fäjhrt nun Grune fort und ihre Stimme, klingt noch erregter und heiserer. „Ich habe mich auch darüber genug aaufgehalten", wirft Ghane. ein „die.Tochter eines Soifers — und Dienstbote!" „Ich wollte sie wenigstens verheiraten, ihr dazu verhelfen, sich ein wenig Aussteuer anzuschaffen — von meinem Handel mit Zwiebeln kann man keine Neda« er-, sparen ... Ich habe ja auch auf sie aufgepaßt . . . Mehr als einer ihrer Dienstgeber hat sein Auge auf sie geworfen, mehr als ein Hausherrnsohii hat sie ziwn Zeitvertreib haben wollen . . . aber wozu bin ich da.! Und ich war eine pflichtbewußte Mutter! Ich habe mich kaum auf den Füßen halten können vor Müdigkeit und doch bin ich zehnmal im Tag zu ihr hingelaufen und habe geweint und gejammert vor ihr und sie beschworen, brav zu bleiben und mir keine Schande zu machen! Nächtelang habe ich nicht geschlafen und „Kaw-Haischor" und andere fromme Bücher gelesen lind in der Früh bin ich zu ihr hinübergelaufen und habe ihr erzählt, was in den frommen Büchern steht und wie sie sich verhalten soll ... Und Gott soll mir verzeihen . . . ich habe alles übertrieben und ärger dargestellt — nur um ihr Angst einzujagen!- Und sie war ein braves, fügsames Kind und hat sich von mir leiten lassen. Bis auf die Augen ist sie ihrem Vater aus dein Gesicht geschnitten, genau so blaß wie er war, aber sie hatte einen so sanften, feuchten Blick und das eben machte sie so schön ..." „Gott behüte, du sprichst ja von ihr, als ob sie schon gestorben wäre ..." „Und glaubst du vielleicht, daß mau das leben nennen kann? Also sie hatte sich richtig was zusammengespart und den Mann dazu habe ich ihr verschafft! Wie hat sie geweint und gejammert, die Arme, denn sie mochte ihn njeht, er war ihr zu roh und zu einfältig. Aber heiratet vielleicht ein Bocher eine Dienstmagd und noch dazu mit schäbigen dreißig Rubeln Mitgift? Ich haibe Gott gedankt, daß . es mir gelungen war, einen Schneider für sie ausfindig zu machen! Ein Schneider ist schließlich auch ein Mann! Und so hat er ein Jahr mit ihr gelebt, hat ihre Mitgift verputzt, sie um ihre Gesundheit und ihre letzten Lebenskräfte gebracht und dann ist er ihr durchgegangen . . . Er hat sie nackt und bloß zurückgelassen, aber dafür — lungenkrank! Sie spuckt Blut! Nur ein Schatten von ihr ist geblieben. Wenn wir schlafen gehen, sucht sie bei mir Schutz, wie ein armes Lümmchen und schmiegt sich au mich wie ein kleines Kind . . . und.dabei/weini sie ganze Nächte durch und klagt . . . Und was glaubst du,, wen klagt sie an?" „Natürlich ihren Mann — sein Name sei vergessen für alle Zeit!" „O nein, Chane, mich klagt sie an, mich! Ich hätte sie unglücklich gemacht! Ihre Tränen fallen mir aufs Herz wie glühendes Erz, sie vergiften mich, diese Tränen . . .." Und mühsam nach Atem ringend verstummte sie aufs neue. „Und1 was weiter?" „Was weiter?' Jetzt habe ich mir. gesagt: Nun ist's genug! Soll wenigstens meine dritte Tochter leben, so leben, wie es ihr paßt! ... Sie arbeitet In einer Fabrik,- arbeitet sechzehn Stunden im Tag und verdient sich kaum das trockene Brot. Sie hat Verlangen nach Zuckerwerk, möge sie es haben! Sie will lachen, scherzen, küssen — sie soll's, so viel sie nur mag! Hörst du, Chane — sie soll's! Ich kann ihr kein Zuckerwerk bieten, noch weniger einen Manu, daß sie eine ausgepreßte Zitrone wird wie ihre älteste Schwester — das will ich nicht und ebensowenig, daß sie an der Auszehrung stirbt wie die Andere ... Nein, nein — nicht um alles in der Welt! Soll wenigstens eine mich nicht hassen oder mich anklagen! ..." „Aber Grune", ruft Chane erschrocken aaus, „was werden die Menschen dazu sagen?" „Die Menschen? Die sollen vor allem die armen Waisen beschützen und versorgen — sie sollen Mitleid mit ihnen haben und ein Her« für sie und es nicht zuigeben, daß man sie ausnützt und die letzten Lebenssäfte aus ihnen preßt . . ." „Und unser Herrgott im Himmel, gelobt sei sein Name? ..." Da erhebt sich Grune und ruft so laut, als ob sfc wolle, daß der Herrgott irn Himmel sie hören möge: '„Der Herrgott im Himmel hätte vor allem für mein« älteren Töchter sorgen sollen . . ." * Düsteres Schwedgen lastet auf beiden. Schwer atmend stehen sie sich gegenüber und ihre Augen schleudern Blitze. „Grune!", schreit endlich Chane, ,,«user Herrgatt im Himmel wird dich strafen! ..." „Mich nicht und meine Töchter nicht! Unser Herrgott — ist gerecht, sein Zorn mag jemand anderen treffen — uns nicht! . . ." Aus dem Original übertrage«! w» Rate B*rb©r.