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Die neue Welt · 1928-04-20 · Heft 31 (20.4.1928) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 31 (20.4.1928)
Date
1928-04-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nt. 3! Die „Zurück zu Herzf-Bewegung. Aus New York wird berichtet: Etwa 30 führende New Yorker Ztonisten, die die (oppositionelle) „Zurück zu Herzl"-Bewegung repräsentieren, hielten unter dem Vorsitz von Jacob de Haas, im Hotel Breslin, eine Beratung ab. Jacob de H a a s, Robert S z o 1 d und andere Redner übten scharfe Kritik an dem gegenwärtigen Stand der Dinge in Palästina, an der Leitung der zionistischen Weltorganisation und an der Führung des amerikanischen Zionismus. Jacob de Haas erklärte, er sei wohl ein öegner den Jewish Agency-Idee, glaube aber, daß wenn heute eine neue Administration gewählt werden würde, diese das nun einmal mit den Nichtzioms'ten getroffene Abkommen nicht wird anullieren können. Die Opposition werde sich jetzt auf das Ziel konzentrieren, eine Aenderung in der Leitung der zionistischen Organisation Amerikas herbeizuführen, um dann den Kampf um die Vertretung beim Zionistenkongreß zu einem guten Ende zu führen. Eine Konferenz repräsentativer Zionismen ganz Amerikas wird Ende April zusammentreten, um den Ruf nach einem Wechsel der Leitung autoritati* ertönen zu lassen und die Vorbereitungen für die zionistische Jahreskonvention zu treffen. Eine zweite Bnei Brith-Loge in Jugoslawien. In Zagreb hat sich dieser Tage eine neue Loge des Unabhängigen Ordens Bnei Brith konstituiert. Präsident ist Dr. Milan Schwärz. Die Loge führt den Namen „Zagreb" und ist neben der 1Q11 gegründeten Loge „Srbija" in Belgrad die zweite Loge in Jugoslawien. Der älteste jüdische Friedhof im Elsaß. In elsässischen Blättern liest man in letzter Zeit häufig Aufrufe um Spenden zur Instandhaltung alter, dem Verfall naher jüdischer Friedhöfe. So wird auch jetzt die Opferwilligkeit für die Instandhaltung des jüdischen Friedhofes von Jungholtz im Elsaß angerufen. Wie „Tribüne Juif" in Straßburg feststellt, ist der Friedhof von Jungholtz der älteste jüdische Todesacker im Elsaß und diente ehemals zur Zeit der Blüte des jüdischen Gemeindewesens als Zentralfriedhof für etwa 33 kleinere und größere Judengemeinden, und Siedlungen in der ganzen Gegend. Von diesen Kultusgemeinden bestehen nur noch wenige und die übriggebliebenen sind teilweise zu Zwerggemeinden zusammengezogen. Während des Weltkrieges hat auch der Judenfriedhof von Jungholtz an die Barbarei glauben müssen; er war vandalischen Ver- ABRAHAMOWICZ- /C H UHE II., Taborstrasse 33 FrUhjahrs-Modelle in «norm groBar Auswählt Prima Qualitätsware! / Billigst« Preis«! Kauf an 31« unseron hygienischen Kinderschuh! Wüstungen ausgesetzt. Die Grabsteine vom Friedhofe in Jungholtz geben reichen Aufschluß iifber die Geschichte jüdischer Familien, nicht nur im Elsaß und Frankreich, sondern auch in Mitteleuropa und Polen. Der gegenwärtige Bibliothekar Dr. Gins burger in Straßburg hat diesem historisch bedeutsamen Friedhof eine sehr interessante Studie gewidmet. Fünfzig Semestei* „Barissia" Prag. Die jüdisch-akademische Verbindung ,j3 a r i s s i a", Prag (im K. P. J. V.), feiert zu Pfingsten d. J. in Teplitz- Schöuau das Fest ihres SOsemeslrigen Bestandes. Aus diesem Anlaß erscheint eine reichhaltige Festschrift, die eine große Reihe wertvoller* Originalbeiträge enthalten wird. Unter anderem werden Aufsätze von Wejzniann, Sokolow, Ussiscbkiri, Jabotinsky, Goldmann, Klatzkin, Soloweitschik, Feiix Weltsch, Robert. Weltsch, Hugo Bergmann, Max Brod. Leo Hermann, Hans Kolm, Blumenfeld, Goldhammer. Stricker, Professor Lessing, 'Schalith publiziert. Daneben kommen selbstredend auch die Mitglieder der „Ba-rissia" zu Wort, von denen Walter Kohucr, _ Alfred Engel, Julius Löwy, Oskar 'Neumann, Hermann Ungar erwähnt seien. Bestellungen sind an die J. A. V. „Barissia", Prag. I.. Cafe Continenta'1, Prikopy 17, zu richten. Jüdische Pioniere HOB JÜDISCHER HOCHSCHULAUSSCHUSS 1 Wien, IX., Zimmermannplatz Nr. 8 « ■ ■ Vortrag: Prof. Dl Theodor Lessing (Hannovor) „Die Psychologie des jttd. Radikalismus"; S 6 h n t la g, den-22/f i 1 1928 Ort: Festsaal des Handelsmuseums, IX., Berggasse 16 Beginn: Pünktlich um 8 Uhr abends Regiekarten im Jüdischen Hocbschutausschuß und abends ab 7 Uhr im Hande<smuseum in den Dschungeln. In der englischen Monatsschrift „Menorah" beschreibt John W.. Vandercook seine Reise zu den Buschnegern in Holländisch-Guiana und schildert, wie er auf die Ueberreste einer einst großen und reichen jüdischen Siedlung in den Dschungeln gestoßen ist. Diese Siedlung, die noch heute unter der dortigen Bevölkerung unter dem Namen Yaddo Savannäh — Savanne ' der Juden ~. bekannt: isfcr wurde irrt 17. Jahrhundert; v p n; s p a n i s c h e n u n d portugiesischen F 1 ü c Ii 11 \ ri g e n gegründet, die von Holland aus als Kolonisten nach Südamerika kamen. Hier drangen sie bis nach Paramaribo an der nördr liehen Küste von Südamerika vor und gründeten dort im Jahre 1644 ihre erste Siedlung. Paramaribo wurde kaum ein Jahr später von seinen., englischen Bewohnern, den eigentlichen Begründern, verlassen^ die sich für den amerikanischen Bürgerkrieg anwerben ließen. So blieben die Juden allein in Paramaribo. ,!; Die ersten Juden in Guiattas gehörten der alten portugiesisch-jüdischen Aristokratie an. Es waren Namen, wie Nassy, nach dem die Insel am obeten Strom benannt wurde, ferner Da kost a, de S ilva, Pereira, Arias, Mera, Cid, Naar, Pardo und andere. Wie diese Städter das Pionierleben in dieser tropischen Oegend in den Dschungeln, umgeben von feindseligen Buschnegern, mit so gutem Erfolg durchstehen konnten, ohne unterzugehen, bleibt ein Rätsel. Sie kultivierten den Boden, pflanzten, säten und ernteten, bauten Häuser auf und errichteten hem« liehe Gotteshäuser. Fünf Jahre lang waren diese Juden sich selbst überlassen und ausschließlich auf ihre eigen« Energie und Findigkeit angewiesen. Nach fünf Jahren schwerer Arbeit, im Jahre 1650, erschien, ermuntert vörf den Erfolgen der portugiesischen Juden, L o r d W i 11 o u g h b y o f Parhara, ausgerüstet mit entsprechender Mannschaft und erforderlichem Material aus England, und machte sich daran, eine neue englische Kolonie zu gründen. Dreizehn Jahre später, im Jahre 1663* erhielten Willoughby und sein Kompagnon Lawrence Hyde, ein Sohn des Lord Clarendon, von Karl II. einen Charter, durch welchen die Kolonie als englischer Besitz deklariert .wurde. Der Charter enthielt auch die Bestimmung, daß die in Surinam — dem heutigert Willoughbyland — wohnenden Juden oder Juden, die später sich in diesem Lande niederlassen sollten, unter, britischer Herrschaft die gleichen Rechte und Sicherheiten genießen, wie Engländer. Ferner wurde den Juden das Privilegium eingeräumt, eigene Zivilgerichtshöfe zu errichten. Die Verfassung sicherte ihnen auch das Recht zu, beweglichen und unbeweglichen Besitz letztwillig zu vermachen, Ehen einzugehen, Gottesdienste einzurichten, und ihre internen Angelegenheiten im Simie ihrer eigenen Gesetze zu führen. Als dann im Jahre 1664 eine andere Gruppe portugiesischer Juden, angelockt durch! die Erfolge der Juden in Paramaribo, aus einer anderer^ weniger erfolgreichen Siedhing an der Guianaküste zu den jüdischen Siedlern von Paramaribo stießen, schien diese Siedlung nunmehr gesichert. Es folgte eine. Zeit ruhiger, gedeihlicher Entwicklung. Selbst die zwischen' Holland, England und den Eingeborenen um diese Zeit durchgeführten Kämpfe und die Tauschgeschäfte zwischen Holland und England, durch welche einzelne Kolonien den Besitzer wechselten, störte die jüdischen Pioniere jener weltentrückten Dschungelkolonien in keiner Weise. Die Juden behielten die ihnen ursprünglich von den Eng|- >Om»WMBWM«»MMimM Vereinigung demokratischer Zionistinnen Montag am 23. April um V<9 Uhr abends im Cafe Ätlashof, I., Aspernplatz (Klublokal) VORTRAG .Gegenstand: Gegenstand: : Dlefirundlagp des modernen Zionismus 1. Referent: Dr. Leopold Plaschkes Gäste willkommen! Gäste willkommen!; Für den Ausschuß: Lotte Plascbkes, Paula Stricker, Dr. Perle Wechsler. ftMMM»>0»M<>l«>a»«»OM>M»«>«»<Ba>«WB«l>>—ttOB<a«<tg Die Witwe und ihre Töch ter. Skizze von J. L. P e r e z. Ueiber •die Landstraße hinter der Stadt schreiten zwei Jüdinnen: die eine groß und schwerfällig, mit bösen Augen vor sich hinstarrend, die andere :— mager, blaß, mit tief gesenktem Haupte. „Chane, wohin führst du mich?" fragt die Letztere. „Halt aus, Grüne, nur noch em paar Schritt', siehst du dort.^fois zum Hügel!" „Zu welchem Zweck?" fährt Grüne verschüchtert {ort und dabei klingt ihre Stimme ängstlich und unsicher. „Das wirst du schon erfahren . . ., komm' nur!" Nun haben sie den Hügel erreicht. „Setz4 dich", sagt befehlerisch Cban-e. Grane läßt jich gehorsam nieder, und Ghane neben ihr. Und in der Stille des lauen Sommertages, weit entfernt vom Lärm der Stadt, beginnt ein in kurzen, abgehackten Sätzen geführtes seltsames Gespräch. „Grüne, ist es dir recht bewußt, wer dem Mann war — Gott daß' ihn selig ruhen?" Ueber Grünes Gesioht legt sich ein Schatten. „Gewiß", erwidert sie und beißt sich in die Lippen. „Ein „Soifer" war er, Grüne, ein rechtschaffener Soifer." „Ja doch," entgegnet Grune unschuldig. „Es gab keinen Frömmeren, als ihn", fährt Ghane fort. „Mit der Frömmigkeit war es nicht so weit her--—." „Alber er war doch ein echter Jude!" „Das stimmt." „Möge er unser Beschützer sein!" Grune schweigt beharrlich. ..Du schweigst?" sagt Chane erstaunt. „Es ist doch alles eins!" „Nein, das ist nicht alles eins! Er -möge »ich tinser annehmen — hörst du!" „Ja, ich höre!!' „Was hast du mir darauf zu erwidern?" „Was soll ich darauf erwidern? — Ich weiß m»r Eines — daß er sich unser nicht angenommen hat.. ." Eine Pause. Die beiden Frauen verstehen einander recht gut: der rechtschaffene Söifer war gestorben und hatte eine Witwe mit drei unversorgten, kleinen Mädchen zurückgelassen. Grune hatte nicht wieder geheiratet, denn sie wollte ihren Kindern keinen1 Stiefvater geben; sie arbeitete unverdrossen für sich und ihre Kinder, aber sie hatte kein Glück . . . folglich hatte „er" sich ihrer nicht angenommen! ..." „Soll ich dir sagen, warum?" unterbricht Ghane das düstere Schweigen. r „Was meinst du . . ."• „Weil du ejne Sünderin bist . . ." „Wias, ich?" fährt Grune wie von einer Tarantel gestochen auf — „i c h soll eine Sünderin sehn?" „Höre mich an, Grune, wir sind alle Sünder, aber du ganz besonders..." „Wieso ich ganz besonders?..." „Grune, nicht umsonst habe ich dich aus der Stadt, in die Felder hinausgeführt . . ., denn zum Luftschnappen bat unsereins wahrhaftig keine Zeit... Siehst du, Grune, - eine Mutter, und dazu noch die Witwe nach einem ehrsamen Soifer, muß ganz besonders auf steh halten..," „Wie meinst du das?" „Sie muß frommer sein als andere, gottesfürchtiger — und. muß auf ihre Töchter ganz besonders gut aufpassen." Die bleiche Grune wird noch um einen Schatten bleicher. Ihre Augen beginnen 2A\ glühen, die Nasenflügel beben, die ausgetrockneten Lippen erzittern. „Chane!", schreit sie auf. „Grune, du weißt doch, daß ich dir eine*treue-Freundin bin, aber ich muß dir die Wahrheit sagen, sonst könnte mich Gott zur Rechenschaft ziehen , . . Ich will über dich nicht lästern und dich bei den Leuten nicht ins Gerade bringen — es soll alles zwischen uns bleiben, mir unser Herrgott im Himmel soll uns hören." „Zieh' mir nicht die Seele a/us dem Leibe!" „Also höre! Kurz und bündig ♦ . . gestern abends, s-pät am Abend, ich kehrte von der Bahn heim, da saß hier auf dem Hügei deine Tochter Mirl ,. ." „Allein?" „Nein!" „Wdt wem denn?" „Weiß ich? Er trug irgend einen Hut . , . ich g-lanbe sogar, einen Zylinder ... Er küßte sie auf den Nacken und hatte den Arm um ihren Hals gelegt... Sie lachte dazu und knabberte fröhlich am Zuckerwerk, das er ihr wahrscheitt* lieh mitgebracht hatte." „Davon weiß ich", ließ sich Grune mit erstorbener Stimme vernehmen, „das geschah auch nicht zum erste« Male!" / „Wias — du ibast davon gewußt? Wie? Ist er am Ende ihr r— Verlobter?" „Nein . . „Nein? Und du . . . hast dazu geschwiegen?*4 Ja." „Grame!" Aber Grune hat inzwischen ihre Beherrschung wiedergewonnen. „Jetzt, Chane, schweig d u und höre mich an," sagt sie scharf und packt Chane, die sich erhoben hat, beim Aermel und zwingt sie aufs neue neben sich nieder. „Höre mich an", fährt sie fort, „ich will dir alles erzählen, und unser Herrgott im Himmel allein soH uns hören!" Chane hat sich gehorsam wieder niedergelassen. „Aäs mein Mann starb . . ." beginnt Grune. „Wie sagst du das, Grune?" . „WSe soll ich es denn noch sagen?" „Do mußt doch sagen: Mein „seliger" Mann , * .** „Was hat das mit dem Tod zu schaffen? Man hat ihn doch eingegraben ..." „Nein, er ist zu seinen Ahnen eingegangen . . .** „Meinetwegen, sage so — aber ich weiß nur eines — daß <er mich mit meinen drei kleinen Mädchen zurückge^ lassen hat . » „Der Arme, nicht einmal einen Sohn, der nach ihm „Kadisch" gesagt hätte, hat er hinterlassen!" „Also, wie sagte ich, mit dTer verwaisten feteStoeii Töchtern « » . die älteste , 9, „Genendel." „. ,. War 14 Jahre alt „Bei anderen ist ein Mädeä in diesem Aiter schon Bratrt ..." „War hatten nicht einmal Brot r-~ wer hat da au Brautschaft .gedacht?" „Grune, wie redest da beute?" „Nicht ich Tede so — mein armes, gekränktes Herz ist es; Genendel — du weißt es noch grewaß « war das schönste Mädel in der Stadt. „Unberufen! Sie ist es auch noch jetzt!" „Jetzt ist sie wie eine ausgepreßte Zitrone — sie hat ja schon ganz graue Haare! Aber damals ... da war sie schön wie die leuchtende Sonne . , . und ich war die geachtete Witwe eines ehrsamen Soifers und behütete sie wie

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