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Die neue Welt · 1928-04-20 · Heft 31 (20.4.1928) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 31 (20.4.1928)
Date
1928-04-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 31 DIE NEUE WELT Seit« 7 1000 Dollar sind oft nicht so viel wert, als das Urteil zufriedener Gäste Ein zufriedener Oast ist die beste Empfehlung! Professor Felix Pinkus 60 Jahre alt. Der Berliner Dermatologe, Professor Felix Pinkus, Chefarzt der ersten städtischen Beratungsstelle für Geschlechtskranke, feierte am 4. April seinen 60. Geburtstag. Pinkus, ein geborener Berliner, hat hervorragende Arbelten zur vergleichenden Anatomie des Nervensystems und über Leukämie geliefert. Bekannt ist auch seine anatomische Aufklärung der sogenannten „Haarscheiben", die einen neuen Ausblick auf die Abstammung des Haarkleides der Säugetiere eröffnet hat. Ein Luzzatl-Denkmal In Venedig. In Anwesenheit mehrerer Mitglieder des Senats, des Parlaments und der Regierung sowie zahlreicher Vertreter sozialer Institutionen wurde in Venedig eine Gedächtnisfeier für den vor einem Jahre verstorbenen Staatsmann und sozialen Reformer L u i g i Luzzatti abgehalten. Die Jahrzeitfeier hätte im römischen Kapitol stattfinden sollen, allein auf Ersuchen der Stadt Venedig, der Vaterstadt Luzzattis, wurde beschlossen, die Feier im Palazizo Ducale zu Venedig abzuhalten. Die erste Gedenkrede hielt der Bürgermeister von Venedig, Graf 0 r s l, der dem Stolze der Stadt Ausdruck gab, dem Vaterland einen so großen Sohn wie Uiigi Luzzatti geschenkt zu haben. In Venedig hat Luzzatti sein schöpferisches kooperatives Werk angefangen, das breite Schichten des italienischen Volkes zu fruchtbarer sozialer Arbeit zusammengeschweißt hat. Finanz>minister Graf Volpi, der als zweiter Redner das Wort ergriff, zollte als Schüler Luzzattis seinem großen Lehrer hohe Verehrung. Zum Schlüsse wurde eine vom Bildhauer Franco geschaffene Büste Luzzattis enthüllt. Ein Monument für Baron Hirsch. In der Stadt B a h I a Bianca in Argentinien wird *— wie vom Hauptbureau der lea mitgeteilt wird — im Rahmen der Feier des hundertjährigen Bestandes der Stadt ein Denkmal für den Baron Hirsch, den Begründer der jüdischen Kolonisation in Argentinien, enthüllt werden. Rettung verschollener jüdischer Stämme. Von Jakob Krausz. Man vermag heute kaum mehr ein jüdisches Blatt In die Hand zu nehmen, ohne auf einen Aufruf zur Rettung irgend eines im Absterben begriffenen Zweiges des großen uralten unverwüstlichen Judenstammes zu stoßen. Auch hierin zeigt sich die Macht, der Mode, der Agitation und der Reklame. Diesmal sind die Marannen aus Portugal auf der Tagesordnung, die sich, wie versichert wird, unibändig sehnen, zum Judentum zurückzukehren, und für die auch von einflußreicher Seite in Europa und nunmehr auch in Amerika kräftig agitiert wird. Die Agitation hat zunächst den Erfolg, daß in Europa fast jede namhafte, jüdische Gemeinde einen einmaligen oder, jährlichen Beitrag zu den Kosten der Wiedereroberung der Marannenseelen gewidmet hat. Es gehört hiezu kein großes Kunststück, denn Juden sind trotz allem Materialismus, der ihnen von ihren Feinden leider nur angedichtet wird, noch immer die alten sentimentalen „Rachmanim, Lenei Rachmanin*', die Barmherzigen, Kinder von Barmherzigen. Sie geben leicht, be-. sonders wenn der Sammler ein Mann von Distinktlon oder eine Körperschaft von Distiniktion ist. Das soll diesen Juden oder den jüdischen Körperschaften nicht übel genommen werden. Der Anlaß zu dieser Betrachtung ist die Erinnerung an manche andere ähnliche Aktion, die mit demselben Nachdruck, mit derselben Ambition des Initiators begonnen und mit scheinbarem Erfolg auch durchgeführt wurde, um schließlich im Sande zu verlaufen, ohne das Endsiel der begonnenen Aktion, die endgültige Rettung des betreffenden dürren Astes für den jüdischen Stamm erreicht zu haben. Wer erinnert sich nicht der geradezu Übermenschlichen Anstrengung, die Dr. Faitlowitsch zur Rettung der F a 1 a s c h a unternahm, jenes Häufleins schwarzer Juden in Abessinien, eine Aktion, der auch unser unvergeßlicher Dr. Chajes so viel liebevolle Arbeit gewidmet bat, Es ist mir unbekannt, was aus dieser Aktion, die sich so großartig angelassen hatte, schließlich geworden ist. Ich weiß nur, daß für den Zweck viel Geld aufgewendet wurde, und ich hätte der Falascha schon längst vergessen, wenn nicht ab und zu Dr. Faitlowitsch in England, Italien oder Amerika auftauchte und um Unterstützung für seine Schützlinge flehte. Ob aber dieser Ast oder auch nur einige Reiser an ihm wirklich für das Judentum gerettet wurden, ob er auch wieder Blüten treibt und Früchte zeitigt —■ davon drang wenig oder gar nichts in die Oeffentüchkeit. Und dabei soll es sich ia um etwa 40.000 jüdische Falascha handeln] Vor kurzer Zelt ersj wies Chefredakteur Jakob F i s b m a n n in seinem *,Mornlng Journal" darauf hin, daß auch in China Uetoerreste eines einst kräftig blühenden jüdischen Gemeinwesens vorhanden seien, die sich gleichfalls zur alten großen Judengemeinschaft zurücksehnen. Auch hier wurden Aktionen eingeleitet und auch hier soll es sich nach manchen Angaben um Hunderttausende handeln. In einer ähnlichen Situation befinden sich die kaukasischen Bergjuden,' die einst ein wenn auch im Lokalkolorit gefärbtes, aber immerhin kräftiges jüdisches Leben geführt haben, heute jedoch infolge von Inzucht, Abgeschlossenheit und der Kriegswirren dem Aussterben gewePht sind, wenn sich ihrer nicht eine rettende Hand annimmt. In dieselbe Kategorie gehören dia kupferbraunen Benei Israel in Indien, die heute noch eine Gemeinde von etwa 10.000 Seelen repräsentieren, aber ein bereits ganz verschwommenes Judentum leben und kaum noch eine Ahnung davon haben, daß das große Volk Israel In allen Ecken und Winkeln der großen Welt zerstreut lebt, kämpft, leidet und hofft. Fisbmann zählt zu diesen noch zu rettenden jüdischen Splittern auch die Karäer und Sa maritaner, welch letztere erst anläßlich des vorjährigen Erdbebens in Palästina sich an ihre „jüdischen Brüder" um Hilfe wandten. Marannen könnten schließlich auch die Dönmes genannt werden, Jene bereits dem Verfall ausgesetzten Nachfolger der Sabbatal Zwi-Sekte. Für die jemenitischen Juden, die schon seit vielen Ja'hren unter dem Drucke eines förmlichen Ausrottungsikampfes zu leiden halben, werden gleichfalls seit Jahr und Tag von verantwortlichen und unverantwortlichen Unternehmern Rettungsaktionen unternommen, die schließlich auf Geldsammlungen hinauslaufen. Welches Ergebnis diese Geschäftigkeit für die jemenitischen Juden bisher gezeitigt hat, ist mir unbekannt, aber die einzige "konstruktive Hilfe hat bisher der Jüdische Nationalfonds geleistet, indem er den jemenitischen Juden, denen es geglückt ist, aus der qualvollen Hölle ihres alten Wohnlandes in das Urland unseres Vol'kes zu entkommen, die Scholle und Arbeit wieder gibt. Um nun zu dem Ausgangspunkte dieser Betrachtung zurückzukehren, werden alle, denen das Schicksal der portugiesischen Marannen am Herzen liegt, und die so freudig opfern, um die durch christliche Unduldsamkeit-und Grausamkeit von der aiten Gemeinschaft gewaltsam losgerissenen Brüder wieder heimzuholen, sicherlich unangenehm berührt werden, wenn sie aus den Mitteilungen des bekannten Archeologen und Forschers. Dr. Nahum S1 o u s c h erfahren werden, daß diese ganze Marannenaktlon in Portugal selbst; »und zwar bei den dortigen Juden, deren Zahl allerdings nicht groß ist, auf nahezu unüberwindliche Schwierigkeiten stößt. Diese in Portugal bereits heimischen Juden, trauen offenbar dem Landfrieden und der momentan, herrschenden Toleranz für die Dauer nicht. Die Kirche sieht diese Wiedervereinigung def Marannen mit der Muttergemeinde mit scheelen Augen an. Und das bedeutet niemals Gutes für die Juden. Besonders wenn man bedenkt, daß die Kirche in der letzten Zeit eine ziemlich starke Propaganda in .entgegengesetzter Richtung, hämlich In der Richtung der Judentaufen führt. Ich möchte mit meinen Ausführungen nicht mißverstanden werden. Nicht gegen die Aktion zugunsten der Wiedergewinnung der Marannen noch gegen irgend eine Aktion zugunsten halb verschollener oder vergessener jüdischer Gemeinschaften und Siedlungen richten sich meine Bedenken. Nur gegen die Zerfahrenheit und .Oberflächlichkeit solcher Unternehmungen möchte ich die warnende Stimme erhaben haben. Die unkontrollierte Geschäftigkeit, der leichtfertige Amateurismus solch lebenswichtiger gemeinsamer Arbeit sind es, die von vornherein zur Erfolglosigkeit verurteilt sind und auch dem Gesamtjudentum mehr materiellen und moralischen Schaden zu fügen, als sie Nutzen bringen könnten. Die Konkurrenz in Rettungsaktionen ist es, die perhorresziert werden muß. Es müßte schon längst eine große aus Gelehrten, Forschern, Politikern und Fi na nzmänne rn zusammengesetzte Körperschaft im Judentume stehen, die berufen wäre, solche Aktionen, wenn sie einen Sinn haben und durchführbar sind, in die Wege zu leiten, im gegenteiligen Falle durch ihr autoritatives Veto zu verhindern. Nur dann werden uns manche unliebsame PIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIH H 'rS 1 Verband radikaler Zioni*ien 1 3 m Mittwoch, den 25. April 1928 um halb 9 Uhr g abends findet im KJublokale Cafe Atlashpf, Wien! I., 1 Aspeinplatz, eine . || statt n I Klubversammlung Ü Gegenstand; §| 1 Bericht Ober Po'flstinn. f 1 , Von Gesten aus Palästina erstattet. ü g 3 ig Freie Aussprache ü iiiuiiinuwwuiiiiM Erscheinungen auf diesem Gebiete erspart bleiben und-, dort, wo es notwendig und gangbar ist, wird wirklich«» Rettungsarbelt geleistet werden können. Liebe und Geld, Vor einem Chlkagoer Gericht wird demnächst die Klage des aus Berlin stammenden Barons Richard von Z i n o f gegen den Chltkagoer Jüdischen Millionär Julius Oppenheimer auf Schadenersatz in der Höhe von 100.000 Dollar zur Verhandlung gelangen. Baron Zlnof lernte das Ehepaar Oppenheimer beJ ihrem Besuch In Deutschland kennen und verliebte sich in deren Tochter Louise". Vor kurzem traf er In Chikago ein und bewarb sich bei Oppenheimer offiziell um die Hand seiner Tochter, wobei er eine angeblich verpflichten de. Korrespondenz von Frl. Oppenheimer vorlegte. Julius Oppenheimer wies Ihn aber ab, worauf Zinof die Schadensersatzklage erhob. Vom Verband der ukrainischen Juden in Amerika. Aus New York wird uns geschrieben: Der vor kurzem hier abgehaltene Delegiicrtentag des Verbandes der ukrainischen Juden In Amerika gestaltete, sich zu einem auch vom jüdisch-politischen Gesichtspunkt wichtigen Ereignis. Der Zweck der Konferenz war, den Verband, der in den letzten zwei Jahren fast gar kein Lebenszeichen von sich gegeben hatte, zu neuen. tatkräftigen Leben zu erwecken. Dr. A. Cor a 1 nl<k, einer der Hauptredner, der auch zum Schlüsse zum Präsidenten des Verbandes gewählt wurde, fixierte sein Programm mit folgenden Punkten: Konstrinktiive Hilfe für die Juden in der Ukraine, Jedoch im Einvernehmen mit den Juden in der Ukraine selbst, um die Hilfe, den jetzigen Bedürfnissen anzupassen, ferner die Schaffung eines Kulturzentrums für die ukrainischen Juden in, Amerika. Schließlich — und das scheint das Wichtigste zu sein — die Vereinigung a'-Her Emigrantenverbände, die eine-Art jüdischen Parlaments zu schaffen hätte, das in allen Fällen, wenn wichtige Jüdische nationale Fragen auf der Tagesordnung stehen,' als autoritative Körperschaft der Ostjuden anerkamir werden soll. Der Advokat Sliosberg behandelte die verschiedenen Phasen des Antisemitismus* in der Ukraine vom historischen Gesichtspunikt. Eine sehr scharfe Rede hielt der bekannte jüdische Politiker Joset Barondeß. -Dasjüdische..gesellschaftliche. Leben in Amerika in den letzten 30 Jahren wurde — so führte er aus — von einer Gesellsohaftsscbicht beherrscht, der das Wesen des Ostjudeh uikI damit auch der cMiigewanderteti Juden völlig fremd ist Jahrzehnte hindurch warfen sich die deutschen Juden zu Wortführern in den Judengassen von Amerika auf und hinderten die Ostjuden, sich selbst zu organisieren. Als in der traurigen Pogromzeit des Jahres 1906. die eingewanderten Ostjuden die Notwendigkeit der Schaffung einer Vereinigung .emipfanden, welche Imstande wäre, auf . die zaristische Regierung behufs Einstellung der Pogrome einen brück auszuüben, schufen die deutschen Juden das ,A m e r i c a n. J.'e wi s h. C o m i 11 e e eine selibstgekröntc und selbstherrliche Körperschaft, die kein Recht'habe,, im Namen der amerikanischen Juden zu sprechen. Die ukrainischen Juden haben nun die Pflicht, bis zur Organisierung und dann gemdns'äm mit den anderen Einwandereryer'bänden die von. Dr. Coralnik. gelkennzeichnete Vereinigung zu schaffen.. Wie. erwähnt, wurde Dr. Corälmiik' Präsident des Verbandes, Jose* Barondeß wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt'. , Nur lui Spezlalhaus können Sic billig 'kaufen! Trotz Qualität und Auswahl unerreicht! Kaufen Sie daher englische Herrenstoffe für Anzüge und Uöbcrziehcr nur im Spezialbaus „Tuchhaus zum Hirschen", II., Taktstraße 17 b. E ^llllllllllllllllllll^^^ Talare »<"i und Justiz inien mana:tfftUiqst«n Fameneihttten § Sie fertig und nad)MiB 2 In best«r Qualität | in iß n kl dv iltbekasnien B. ia§ leD,II.TaMitill).y (MtW ul HwsmibvO ™ 1 SS (Acfatll| Iii HlMMMtfO § Tel. 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