Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 31 (20.4.1928)
- Date
- 1928-04-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 31 EHLER \IDEALBETt7 in Messing tüttd S t a h i BETTFEDeRN ~ HYG. MATRATZEN PAT-SCHLAFMÖBEL KINDERWAGEN BlULtOftT,*» f ABB'KSPBEI 86 SIQM. EISLER NAC HP», WIEN II., Prateratr. 45. Tal. 46-1 40 / V., Diehlo. 19. Tel. 56 105 QegtOndat 1870 Prowtn»v«r»»nd^ Sitzende zu einer Entscheidung gezwungen wird. Er läuft Gefahr, beide Stühle zu verHeren. Der Vorschlag Wedgewoods, der Sturm In Arabien, aUe fordern vom Zionismus eine Ware und unzweideutige Stellung gegenüber dem gesamten Komplex der Orient fragen.. Das. heißt, daß der Zionismus als gleichberechtigter Partner In die Auseinandersetzung einzutreten bat. Die Balfour-Deklaration und das Mandat verlieren ihren ganzen Sinn, wenn dies nicht geschieht. Man wird hier einwenden, daß der Zionismus keine Macht besitzt. Aber in einer politischen Konstruktion ist nicht immer das Machtverhältnis das Ausschlaggebende. Der Emir Abdullah, der sich unter den Arabern, auch, unter denen toTransjordanien irt der Minderheit befindet, konnte trotzdem vor kurzem als gleichberechtigter Partner von England einen bedeutungsvollen Vertrag erreichen. Diese Tätsache, die ein klares Licht auf die Cenesis der politischen Fiktionen wirft, möge genügen für viele andere. . Der Sturm in Arabien läßt den Bestand einer panarabischen Bewegung als Legende erkennen, stellt aber trotzdem England vor große Schwierigkeiten. Zuweilen ist es schwerer, mit vielen kleineren unruhigen Kindern zu tun zu haben, als mit einem kräftigen jungen Mann. England braucht heute einen ihm passenden Jungen Mann, der zusammen mit ihm Ordnung und Erziehung unter diesen unruhigen Kindern schaffen soll. Wollen wir diese Rolle Übernehmen? Dies ist die Frage, und ihre Beantwortung bedeutet die Entscheidung des Zionismus und das Aufhören des kostspieligen Auf-zwei-Stühlen-Sitzens. Vor. diesem Problem steht heute die zionistische Politik, und solange es unsererseits nicht gelöst ist, wird England auch in uns eines der unruhigen und unverläßlichen Kinder sehen und uns demgemäß behandeln. Die zionistischen Politiker haben heute inmitten des arabischen Sturmes, den günstigen Augenblick, den Weg für die Beantwortung der gestellten Fragen und für die Vorbereitung der Entscheidung einzuschlagen. Dieser Weg ist der Weg der politischen Offensive. :'^aeUsdi^tsrei8ci nach Palästina. Der Verband radikaler Ziönisten und . die Vereinigung demokratischer Z i o rr i s t i h h e n haben beschlossen, eine Gesellschaftsreise nach Palästina zu veranstalten. Die Reise wird um die Pessachzeit 1929 stattfinden. Der Vertragsabschluß mit einer der leistungsfähigsten. Schifffahrtsg'esellsphäften steht unmittelbar bevor. Der Preis, in welchem alle Kosten der Reise und des Aufenthaltes in Palästina und' Aegypten inbegriffen sipd, ist ein . mäßiger und .es soll 'den Teilnehmern durch Leistung von wöchentlichen oder m o natii c,h e n E i n z a h 1 u h g e n die Aufbringung des notwendigen Betrages erleichtert werden. Der Prospekt, welcher alle Einzelheiten enthält, wird in den nächsten Tagen herausgegeben. Bis dahin können sich alle, die' an der' Reise teilnehmen wollen, an Frau Paula Stricker, Wien, IT., Hollandstraße 10, Tel,:^r. R 45-6-89; und Frau Berta Taubes, Wien, IL, Böckliristraße 92, Tel. Nr. 43-9-19, um Auskunft wenden. '•: ''. Verband der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden. Einjährige Griindungsversammlung. ■ Aus, Anlaß der Jährung des Gründungstages fand am IG. April eine Verbands Versammlung statt, deren Verlauf :v,on dem Gedeihen und der segensreichen Tätigkeit des junge« Verbandes Zeugnis ablegte.. Den Vorsitz führte der-Präsident;der rOruppe Mariahilf-Neubau, Herr Adolf Taub^'den ungemein reichhaltigen Tätigkeitebericht erstattete Herr Vizepräsident A. M. Ehrlich. Der Verband hat seinen Mitgliedern Kredithilfe,'Stellen- und Geschäftsverrriittlung, Rechtsschutz und jede sonstige Förderung zuteil werden; lassend Die Versammlung nahm den Bericht mit Dank und Beifall entgegen. Herr Vizepräsident Ehrlich spracir der Zeitung, „D i e Neue W e 1 tf den herzlichsten Dank der iVehbändSleitung für ihre selbstlose Mithilfe aus. Sodann erstattete Herr Kammerrat K o h n. ein Referat über KredithiHe ' und-der Sekretär des. Qremiums, der Wiener Kaufmannschaft, Herr Dr. Paneth, über: Erwerfest euer und ProtokoUierung, $eide Referate wurden mit großem; Beifall aufgenommen.;. {! Ferner; begrüßten den Verband jn Ansprachen Haudelskammerrat Leopold B$ck; Börserat Glück als Präsident der Kreditkassa für Gewerbetreibende und Kaufl^ute und Herr Kommerzialrat Pr, Theodor: S c h m i d t, djer, Delegierte der Arbeitgeber beim Völkerbund. Als Gäste und Vertreter verschiedener Körperschaften waren unter anderen erschienenDirektor Stern von der österreichischorientaljHcijen Handelskammer, Oberbaurat R. Stricker, üremiüuat Lichtenstein« Professor Dr. Leonebel von j der Handelsakademie, Kultusrat Dr. S. Beer, Direktor H fi n i s c h von der Kreditaksse für Kaufleute und Ger werbetreibende, Verbandsanwalt Dr. J. Fischer u. a. Unter dem Eindrucke des von Herrn Vizepräsidenten A. M. Ehrlich erstatteten Berichtes meldeten zahlreiche Gäste ihren Beitritt zum Verband an. Nach angestrengter Arbeit ist es gelungen, den jüdischen Gewerbetreibenden und Kaufleuten ein Zentrum zu schaffen, von welchem aus ihnen die so dringend benötigt« Hilfe zuteil wird. Professor David Simonsen in Kopenhagen 75 Jahre alt. Der hervorragendste jüdische Gelehrte und frühere Oberrabbiner Dänemarks, Professor David Simonsen, hat am 17. März in Kopenhagen seinen 75. Geburtstag gefeiert und war aus diesem Anlaß Gegenstand herzlicher Ehrungen seitens der Judenheit Dänemarks und anderer Länder. .Auch der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde beglücktwünschtc Professor Simonsen, worauf dieser in seinem Dankschreiben daran erinnerte, daß der große Wiener Prediger Mannheimer aus Kopenhagen stammte. Prof. David Simonsen, ein Sohn des verstorbenen Großbankiers Jacob Simonsen, war 11 Jahre lang Oberrabbiner Dänemarks. 1902 legte er sein Amt nieder, um sich, ganz der wissenschaftlichen Forschung und der gemeinnützigen Tätigkeit zu widmen. Prof. Simonsen ist sehr oft für die Ehre- und für die ma große lebende per kgS 2.60 FISCHHANDELS-A.-O. Interessen des Judentums eingetreten, wo diese von den Judengegnern angegriffen worden sind. Sehr viel hat er für d»e leidenden Juden aus den Ostländern getan, als nach den russischen Pogromen vom Herbst 1905, Scharen russischer Juden auf dem Wege nach Amerika durch Dänemark zogen, von denen einige Tausend auch in Dänemark verblieben sind. Ihm und dem verstorbenen Vorsteher der Kopenhager jüdischen Gemeinde Moses Melchior ist es gelungen, durch Vermittlung König- Friedrich VIII. von Dänemark, eines Onkels des Zaren Nikolaus II., im Frühjahr 1907 drohende Pogrome abzuwenden. Als während des Krieges die Hauptstadt des1 neutralen Dänemark zum Mittelpunkt jüdischer HHfsarbeit wurde, stand Prof. Simonsen an der Spitze dieser Arbeit. Er ist als alter ChoWew Zion der Zionistischen Organisation nach Uebersiedlung ihres Zentralbureaus von Berlin nach Kopenhagen mit Rat und Tat zur Seite gestanden und hat auch viel für den Keren Hajessod getan. Er ist einer der Begründer der Jüdischen Welt' hilfskonferenz und war deren erster Präsident. AUS PALÄSTINA. Die Einnahmen der Palästina-Regierung, Eine soeben erfolgte offizielle Veröff-cntlichung. gibt die Einnahmen der Palästina-Regierung während der ersten 8 Monate des laufenden Budgetjahres vom 1. April bis 30. November 1927 mit Pfund 1,478.651 an, und die regulären Ausgaben mit Pfund 1,241.087. Die hauptsächlichsten Einnahmen stammen., aus Zöllen (Pfund 502.499), Lizenzen, Steuern usw. (Pfund 473.807), Eisenbahnen (Pfund 226.727). Die Hauptausgaben waren für Polizei- und Gefängniswesen (Pfund 209.590), Eisenbahnen (Pfand 160.015), t r a n s i o r da na s c li e G re n z s c hui-t zt r u p p e (Pfund 113.879). ' " Bestätigung des Budgets von Tel-Awiw. Nach längeren Verhandlungen, wurde nunmehr das Budget der Stadtgemeinde Tel-Awiw nach Vornahme nur ganz geringfügiger Aenderungen durch die Palästina-Regierung bestätigt. Die Regierung' gewährt Tel-Awiw eine Subvention (grant-in-aid) von. Pfund 12.000, davon 10.000 für das allgemeine Stadtbudget und 2000 für die Erhaltung des Hadassah-Krankenhauses. Am Budget für das Jahr 1927 beteiligte sich die Regierung, mit* nicht ganz Pfund 10.000, die für den Pqlizaidienst bestimmt waren. . Emile Vandervelde Gast der zionistischen Exekutive. Die zionistische Exekutive P a 1 ä s 11 n a s hat zu Ehren des gegenwärtig in Palästina weilenden Führers der belgischen Arbeiterschaft; und ^früheren belgischen Außenministers Emile Vandervelde einen Empfang veranstaltet. Vandervelde und Gättin haben als Gäste der Exekutive im Hause von Colone! Kish Aufenthalt genommen. Vandervelde wird sich;ungefähr einen Monat in Palästina aufhalten, um das jüdische Kolohisationswerk, die jüdische kooperative Bewegung und die Beziehungen zwischen den einzelnen Bevötlkerungsteilen zu studieren* An: der hebräischen Universitä^zu -Jerusalem wird er drei Vorlesungen halten. Der italienische Kronprinz und Miß Henrietta Szold. Der italienische Kronprinz, Umberto,. der letzthin in, Palästina weilte, empfing Miß Henrietta Szold, Mitglied der zionistischen Exekutive, und unterhielt sich mit ihr sehr eingehend über die jüdische Aufbauarbeit in Palästina. Der Prinz brachte allen mit dem Aufbau zusammenhängenden Fragen großes, Interesse entgegen, Prinz Umberto hat Palästina über Haifa verlassen, Die ersten Juden in der Höhle Machpelah. Nachdem die Höhle MächpeJah in Hebron gegen Entrichtung einer Gebühr allgemein zugänglich gemacht worden ist, hatben in dieser Woche zwei jüdische Touristen die Höhle besucht. Es ist dies der erste Fall seit Jahrhunderten, daß Juden der Besuch der Höhle gestattet worden ist. Professor Woronoff in Jerusalem. Der Erfinder des bekannten Verjüngungssystems Pro» fessor Sergius Woronoff hat sicu vorige Woche auf der Durchreise nach Syrien in Jerusalem aufgehalten., Architektenwettbewerb für den Neubau eines zloni- stischen Bureauhauses. Die Zionistische Palästina-Exekutive und die Hauptbureaus des Keren Kajemeth und Keren Hajessod haben für die palästinensischen Architekten einen Wettbewerb ausgeschrieben für den Plan eines Bureauhauses, das in Jerusalem auf dem Boden des Nationalfonds für die erwähnten Institutionen errichtet werden soll. Die Vorschläge sind bis zum 1. J uIi einzureichen- Mit dem Bau ideal Keren Kajemeth-Hauses soll im Oktober begonnen werden. Von Berlin nach Palästina mit der Eisenbahn. Der Tourist M. Hirsch aus Berlin,.der eine Reise von Deutschland nach Palästina mit der Eisenbahn unternommen hatte, äußerte sich den Vertretern der palästinensischen Presse gegenüber, daß die Reise mit der Eisenbahn eine sehr bequeme sei und fünf Tage dauerte. Es ist zweifellos, daß die neue Verkehrsmöglichkeit zwischen Palästina und Europa den Touristenverkehr heben wird. Der Bücherstand der Universitätsbibliothek. In den Monaten Mai 1927 bis D&zemiber 1927 wurden 17.105 Bücher in 23.274 Bänden katailogisiert. Die Zahl der katalogisierten Bände betrug am 1. Jänner 1928 138.628 Bücher in 175.007 Bänden. w^kmuefür Sess@9 unciTisch© Salongarnifuren und Einzelmöbels!Ucke ADLE R, Vi!. ApoJog. 18 k.,.^:«« « Die ungarische zionistische Landesorganisation. In der Landeskonferenz der ungarischen zionistischen Organisation, die ai» 8. und 9. April in Budapest stattv gefunden hat, wurden die Berichte der einzelnen Kom?- missionen entgegengenommen. Oberrabbiner Dr. Pteiter und Prof. Rieht mann erklärten, jetzt gelte die Ausfrede nicht mehr, daß man in Ungarn wegen der man1gelnden Legitimität der Bewegung keine normale zionistische Arbeit leisten könne; denn, nun seien die Statuten der Organisation bewilligt. Dennoch habe die bisherige Leitung nicht jene Erfolge erzielt, die gegenwärtig in Ungarn, ganz und gar möglich seien. Sehr viel wurde über die Judenfrage debattiert. Die Delegierten der Jugendvereine, die in einem Jugendverband konzentriert sind, der der Weltorganisation ,,Brith Hanoar" angehört, forderten Autonomie für den Jugendverband, die von der Konferenz auch gewährt wurde. Zum Präsidenten der Landesorganisation wurde Dr. Leopold Oszter.n, zum Vizepräsidenten Dr. Joset Schönfeld gewählt. Der bisherige Leiter der ungarit sehen zionistischen Bewegung, Dr. Nison K a h a n, hat eine Wiederwahl abgelehnt. Zum Präsidenten des Keren Kajemeth-Landeskomitees, das die eigentliche praktische zionistische Arbeit in Ungarn leistet, wurde Univ.-Prof. Josef Pfeifer, zum Vizepräsidenten B61a SzeMly se* wählt. „Hoppla, ein Jude!" In einer Debrecziner Zeitung wird die folgende Episode von einer Agitationsreise der Budapester Frontkämpfer und Rassenschützler unter Führung Gö'mbös' im Komitat Hajdu erzählt. Die Gesellschaft kam nach Haldu-Böszörmeny, um auch die sonst so friedliche Bevölkerung der Stadt gegen die Juden wie die Fremdrassigen überhaupt aufzuwiegeln. Der große Platz, auf welchem die Versammlung stattzufinden hatte, war bereits überfüllt. Jeder war neugierig, die hohen Herren aus Budapest sprechen zu . hören. Combos betrat die Rednertribüne und begann seine blutrünstige Rede, als er unter der ländlichen Bevölkerung eine Gestalt bemerkte, die ihm durch ihr jüdisches Christusgesicht auffiel. Gömbös war über diese Entdeckung offensichtlich glücklich, denn sie gab ihm einen Anknüpfungspunkt, auf die Juden loszudreschen, „Hoppla, ein Jude!" rief Gömbös sarkastisch, indem er auf .den auffallenden Mann in der Versammlung hinwies, der nebenbei auch noch Aufzeichnungen in sein Notizbuch schrieb. „Hoppla, ein Jude!" war die Parole, und die stets zu Pogromen bereite Leibgarde des Gömbös war auch bereits auf dem Sprung, sich den jüdischen Eindringling herauszuholen. Zum Glück für das Christusgesicht wurden Gömbös <mnd seine Knappen noch rechtzeitig aufgeklärt, daß der Mann mit dem jüdischen Christusgiesicht ©ine Berühmtheit der Stadt ist, der bekannte akademische Maler Sigismund Pal-Nagy, ein unverfälschter Turanler, der im Gegensatze zu Gömbös und Genossen langie Zeit in Paris und anderen europäischen Kulturzentren gelebt hat und gegenwärtig in Hajdu-Böszörrneny an seinen Genrebildern arbeitet und nebenbei auch Mitarbeiter eines .Debrecziner Blattes ist. Hoffentlich hat der Maler Pal-Nagy diese für die Böszörmenyer historische Szene in seinem Skizzenbuch verewigt. Albert Einstein Mitglied der schwedischen Akademie. Die schwedische Akademie der Wissenschaften hat den NnhebrcLlräger Professor Albert Einstein, zu ihrem ausländischen Mitglied gewählt.