Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 31 (20.4.1928)
- Date
- 1928-04-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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t Nr. 31 DIE NEUE WELT /•».Vi... <r 3HB!"J Es sMekk ermtttet unJ nick froh, Alan meistens heimwärts vom Büro. Vergnügt nach Mause geht ein jeder JSlur auf ,,P a Im a^-lSlervenfeder. Auf „P a lm a" seht Ihr lieblich wallen, Auch in des Amtes düstren Hallen* Das Fräulein schlicht, im Arbeitskleid, Was der Kollegen Merz er/reut. Patm**K«ute&akAb««t«e gtfeen etatndtcn, wohltuenden Gang. & werden. Der beschämende Zustand, daß die Zionisten untereinander erst noch die Grundlagen eines einheitlichen Verbandes im Parlament suchen, hat jedenfalls bei den Nichtjuden Verwunderung, bei der Aguda helle Freude hervorgerufen. *■ In der jüdischen Presse in Polen werden Mißbrauche in den Chaluka-Institutionen erörtert. Die Gelder für die Frommen, die insbesondere bis zum Kriege nach Palästina gingen, um dort beim Talmudstudium ihren Lebensabend zu verbringen, werden in den sogenannten „Büchsen des Rabbi Meier Baal Nes" gesammelt und allmonatlich in den verschiedenen Staaten durch Komitees und Vertrauensleute, die sogenannten Kolelim, verteilt. Immer wieder wurden Klagen über Mißgriffe ufid Mißbräuche in der Verwaltung dieser Fonds der Chaluka laut, aber die jetzt sich zeigenden Beschwerden gegen den Warschauer Kolel erregen doch stärkeres Aufsehen. Die Chalukäempfänger des Warschauer Kolel in Palästina veröffentlichten ein Protestschreiben, in dem sie unter anderem folgende Einzelheiten bekanntgaben: Die Chalukaüberweisungen aus Galizien betragen monatlich 1200 Pfund, auf einen Chalukäempfänger des galizischen Kolel entfallen daher 1,25 Pfund im Monat. Hingegen sind die Geldsendungen des Warschauer Kolel, der Kongreßpolen und die Randgebiete umfaßt, in den letzten Zeiten auf 300 Pfund monatlich gesunken; auf jeden Chalukäempfänger dieses Kolel entfällt daher ein Zloty, im Monat. Die Ursache liege darin, daß die verschiedentlichsten Vertrauensmänner 85 Prozent der Eingänge für andere Zwecke bestimmen. Die Warschauer Chalukaverwaltung will die Kontrollkommission in Jerusalem nicht anerkennen. Als nun die Kontrollkommission den Sammelbericht nicht bestätigen wollte, hätten die Administratoren in Warschau einen eigenen Bericht g ed r u.c k t und die Unterschriften der Warschauer Kontrolle gef ä l s c h t. In Warschau ist eine Delegation aus Palästina eingetroffen, die die dortige Administratiori vor ein Rabbinatsgericht (Din-Thora) geladen. hat. _ Das Könzessionsgesetz in Polen aufgehoben. ' Bekanntlich "hat die von Grabski geführte frühere polnische Regierung einen Sejmbeschluß herbeigeführt, wonach die K o n z e s s i o n e n für den Handel mit Tab-aJe und Spi/ri:tuosen den bisherigen Inhabern entzogen und "Kriegsinvaiiden verliehen werden. Durch dieses Gesetz' wurden etwa 3 0.0 0 0 j ü d i s c h e F a m ili e-n, die auch sonst wirtschaftlich sohiecht gesteMt .waren, von der; Gefahr-'bedroht, ihre wirtschaftliche Existen» ganz zu verlieren und a u f d i e S t r a ß e g e w o r i e n «u wer-. den. Eine größere Zahl Konzessionen ist bereits an polnische Invalide;, übergangen. Die Praxis hat aber .erwiesen, daß. die Invaliden iäls Unternehmer nicht die Notwendige«. Qualitäten aufweise.:ivunddaß daraus dem Fiskus ein immer größerer . Schaden erwächst. .; . . Die, Regierung' ,P i.i.s u d s k i. hat ..nun. .beschlossen, di.e-• Verwirftiichurig.des Koiiizessabnsigesetees zu u n t e rbr.eehe n und sogar die den jüdischen Konzessionären entzogenen Lizenzen den früheren Inhabern zu r üc kzu g eb e n, . . fsTr y silü ffpTKq ¥iü geführt: \' ORENBURGERSCHAL ► hergestellt aus ganz feiner Wolle. Sehr dünn und warm. Ka*n/mi ► kleinsten Handtiischchen untergebracht werden. ► ALBERT MÄTZNER ► Wien, I. Bezirk, Kohlmessergasse 8, und Filialen. J.Neue Niederlage: Wien, VII. Bezirk, Mariahilferstraße 64. Mitteilung des Zionistischen Landeskomitees für Oesterreich Die Einstellung der Arbeitslosenunterstützung in Erez-Israel. — Die Zionistische Exekutive schafft für die Arbeitslosen produktive Arbeitsmöglichkelten. Dem österredohflschen Keren-Hatessod-Burean ist von'' dem Jerwsalemer Direktorium in Bestätigung der von d;er „Neuen Welt" bereits veröffentlichten. Mitteilung das nachstehende Telegramm zugekommen: „Arbeitslosenunterstützung eingestellt, durch konstruktive Arbeiten'zur Konsolidierung der Siedluttgen ersetzt. Zur Durchführung des Programms einer endgültigen Befestigung'der Lage ist volle -Deckung des Budgets erforderlich, darüber hinaus G r oß spende n v er mögender K© r e n -<H a j e s sod- Z e i c h n e r. Wir bitten dringend«!;. Maßnahmen zur Sicherung einer günstigen Entwicklung sowie Erzielung größerer Beträge." Es wird sicherlich jeden Freund des Paläst4na-Auf- Iwwiwerkes mit Befriedigung erfüllen, daß es gelungen ist an Stelle der Arbeitslosenunterstützung für die noch vorhandenen Arbeitslosen Arbeit zu beschaffen. Um jedoch der Exekutive in Jerusalem die Durchführung dieser Maßnahme au ermöglichen, ist es vor allem notwendig, die zur Deckung des vom XV. Zfonistenkongreß beschlossenen Budgets erforderlichen Beträge aufzubringen. Aus diesem Grunde ergeht an alle Zionisten und Freunde des Palästina Aufbaues die Aufforderung, ih rc r Ke ren - Ha jessod-Verpflichtung nachzukommen und womöglich ihre bisherigen Keren-Hajessod-Leistungen zu erhöhen, tim das Oesterreich auferlegte Kontingent für das laufende Jahr decken zu können. Zionisten! Leistet Euren Beitrag für den Keren Hajessod! Vom Keren Hajessod in Schanghai. Der Delegierte des Keren-Hajcssod-Hauptbureaus, G. K r i s c h c w s k y, sprach in Schanghai am 20. Februar auf einer großen Versammlung, an der über 500 Personen teiinahmen, darunter auch viele führende Nichtjudieu. Der (britische Generalkonsul in Schanghai, Sir Sidncy B a r t o n, präsidierte. Der chinesische Kommissär für auswärtige Angelegenheiten, der japanische Generalkonsul und sämtliche führenden jüdischen Persönlichkeiten der Stadt waren anwesend. Aus Schanghai sind bereits die ersten 600 Pfund •beim. HauptbiiTeau des Kreren Hajessod i>n Jerusalem eingetroffen. Politische Offensive im Orient» Von Raphael Ben-Sussan, Haifa. Bar hier folgende Artikel behandelt gleichfalls die Wedgcwoodschen Vorschläge an den Zionismus, an di$ Stelle der Judenstaatsidee das Dominium treten zu lassen. Der Autor kommt zu interessanten, aber wie uns scheint, unrichtigen Konklusionen. Es kann nicht das Ziel des Zionismus sein, die Rolie Öes „lirngen Mannes" zu ü b e r n e h m ein und wir lehnen solche Fordern ugen ab. Richtig aber ist die Beschwerde , über die politische Passivität der zionistischen . Politik, die das Gefühl der Schwäche und der Lauheit hervorruft und der Organisation die Zielsicherheit genommen hat. Es ist eine Folge dieser Entwicklung, wenn sich so vom wahren Inhalt des Zionismus abweichende Anschauungen zeigen,' wie sie der Autor ausspricht. :; Die jüngsten Ereignisse im Nahen Osten werde« vierfach übertrieben. Die Londoner „Daily Mail" sprach von der Ausrufung des „Heiligen Krieges". Eine andere Nachrichtenagentur berichtete sogar über Englands Zustimmung an Ibn Saud bezüglich der Gründung eines großarabischen Reiches unter dem Protektorate E n g 1 a n d s und wüßte auch zu behaupten, England hätte Ihn Saud auch eine jährliche: Subvention von 100.000 Pfund Sterling zugesagt. Andere Meldungen wieder dementierten diese ganze Konstruktion in Grund und Boden. So wurde mitgeteilt, Ibn Saud inszeniere die ganzen Unruhen, weil England die ihm bis jetzt zufließenden Subventionen einstellen wollte. Andere Quellen wiederum behaupten, es handelte sich nur um die Rücknahme des Hafens von Akaba, der 1925, als König Hussein von Hedjas verjagt wurde, an Transjordanien angegliedert worden war. Alle diese Meldungen zeigen für alle Fälle die Sorgen der englischen Kolonialpolitik im Nahen]Osten. W5e das englische Kolonialministermm über diese: Schwierigkeiten denkt, läßt sich schwer beurteilen. Lloyd-George gibt in einem Artikel der Meinung Ausdruck, falls es sich nur um einzelne Ueberfälle der Waliabitenstämme handle, so würden ohne weiteres ein paar Tanks und Aeroplane vollständig genügen, Herr der Lage: zu, werden; handle es sich aber um ernstere Umwälzungen, so müssen stärkere Truppen entsandt werden, Inzwischen wurde bekannt, daß England den bekannten Orientpolitiker und Exsekrctär der Palästina-Regierung, Sir Gilbert Clayton zu Verhandlungen mit Ibn Saud nach dem Hedias entsandt hat. Eine Bagdader Meldung, datiert einen Tag nach dem Auftrag an Sir Clayton, behauptet, daß die Truppen des Scheichs von Ateiba von Koweit aus ausgezogen sind, um im Irak einzufallen. Sie sollen aber unterwegs von einem Abgesandten des Königs Ibn Saud eingeholt worden sein, der den Scheich zu überreden wußte, von seinem Vorhaben abzustehen. Der Scheich von Ateiba soll darauf nach Koweit zurückgekehrt seh?.. Diese letzte Meldung deutet zweifelsohne darauf Wn, daß. ibn Saud die Verhandlungen mit Sir Clayton in Ruhe erwarten will. Von Akaba wird auch nicht mehr von weiteren Ueberfälien berichtet. .; Was bleibt von diesem ganzen Schwall von BeriaH'ten und Ereignissen, wenn man die bereits offiziell dementierte Nachricht, von der Erklärung des „Heiligen Krieges" reduziert?. Sie bestätigen nur unzweideutig dl t Unna ltbarkeit der naiven Legende von einer starken panarabischen Bewegung im Osten. Dies bestätigen nicht nur die jüngsten Ereignisse, die schließlich und endlich nichts mehr als Kämpfe unter den verschiedenen arabischen Staatengehilden sind, sondern auch die arabische Presse, und vor allem die in Palästina, die mehr als alle anderen an einer panaraibischen Bewegung interessiert wäre. Kürzlich erklärte das Jaifaer Organ.der nationalistischen Araber, der „Feiestin", die starke panarabrsche Bewegung sei heute nur schädliche Illusion, die vielleicht in 100 oder 200 Jahren etwas an Realität gewinnen werde. Diese Stellungnahme entspricht vollständig der Entwicklung der Verhältnisse unter den Arabern. Aber auch die Ausrufung des Heiligen Krieges würde nichts an der Verworrenheit im arabischen Lager ändern. Ihn Saud ist mit seinen Wahabiten im Islam religiös isoliert. Er hat große politische Macht, würde aber doch, wenn er den Heiligen Krieg erklärt, auf. nicht unbedeutende Schwierigkeiten stoßen, die auch eine Schwächung seiner politischen Stellung zur Folge haben würden. Daß dies heute nicht im Interesse Ihn Sauds liegt, beweist sein ruhiges Abwarten auf die Verhandlungen mit Sir Gilbert Clayton. II. Worin bestehen die Schwierigkeiten Englands? Im Jahre 1925, nachdem König Hussein von Hedjas verjagt wurde, schloß Ibn Saud mit England Freundschaftsverträge, die in erster Linie den Schutz der unterm englischen Mandat stehenden Länder Irak und Transjordanien zum Ziele hatten. Ibn Saud hat durch die jüngsten Ueberfälle diese Verträge gebrochen und England sucht nun durch neue Verhandlungen sich seine Freundschaft wieder zu sichern. Dieses Wohlwollen kann nur um einen teuren Preis erkauft werden, da die zwei Schalen der Wage, bei der England das Gleichgewicht herstellen muß — einerseits die englischen Mandatsländer, andererseits das Reich Ibn Sauds — Todfeinde sind. Deshalb' kann diese Freundschaft nie eine dauernde sein. Bei den kleinsten Mißstimmungen werden sich die jüngsten Ereignisse wiederholen. Darin bestehen eben die Schwierigkeiten der englischen Orientpolirik an der vorderasiatischen Front. Diese jüngsten Ereignisse lassen erkennen, daß auch England nie in einer Vertretung anderer Rassen einen dauernden und ehrlichen Freund mit koordinierten Intet-' essen halben. Es muß diesen Freund anderswo suchen. Wo es diesen Freund sucht, deutet der Vorschlag an, den kürzlich Colone! Wedgewood dem Zionismus gemacht hat. Er verlangt, die Zionisten mögen vom judenstaat abseben und sich mit einem englischen Dominium in Palästina begnügen. In diesem Falle wäre England sicher, daß es in dem strategisch wichtigen Fleckchen Palästina festen Fuß faßt, unterstützt von einem guten Freund,, und dieses neue Verhältnis zwischen jüdischer und englischer Politik hätte eine aktivere Unterstützung des jüdischen Aufbauwerkes durch England zur Folge. Dieser Vorschlag Wedgewoods ist sicherlich wohlwollend, aber er deutet zweifelsohne auf das Empfinden der englischen Politiker t hin,, die Juden seien im Falle des Zustandekommens des Judenstaates nicht zu hundert Prozent zuverlässig. Dieses Empfinden macht es dem Engländer unmöglich, an eine ernste und unzweideutige Unterstützung unserer nationalen Bestrebungen zu denken. Woher stammt dieses Empfinden? Die Ideologen des offiziellen zionistischen Kurses behaupten, Tag für Tag und Stunde für Stunde, wir Juden seien ein Volk, das der asiatischen Völkerfamilie angehört und nunmehr bestrebt ist, zu ihr zurückzukehren. Wir müssen die Freiheitsbestrebungen der orientalischen Völker unterstützen und mit ihnen um jeden Preis friedliche Beziehungen unterhalten, Eine solche Einstellung führt dann zu solchen Vorschlägen, die schließlich und endlich nicht mehr und nicht weniger als ein Mißtrauens« votum für die zionistische Politik sind. IM. Ereignisse wte die jüngsten in Arabien interessieren uhs vor allem, insofern sie die zionistische Politik vor eine Entscheidung stellen. Wenn heute die Ereignisse noch nicht so schaTf das Problem beleuchten, so liegt das nmr daran, daß sich die zionistische Politik auf die Linie der Nachgiebigkeit gestellt hat. Sie sncht sich dem Moment der Entscheidung zu entziehen. So z. B. hat sie ohne die geringste Widerrede die vollständige Abtrennung Transjordaniens von Palästina geduldet, sie unternimmt nichts gegen den gefährlichen Plan eines palästinensischen Parlamentes und sie zeigt sich auch gegenüber den letzten Ereignissen im Orient völlig uninteressiert — all dies aus dem gleichen Grunde: nicht den Verdacht aufkommen zu lassen* sie sei pro-arabisch oder pro-englisch. Das ist eine kurzsichtige Neutralität, die nichts anderes als ein „Zwischen-zwei-Stühlen-Sitzen" bedeutet. Zwischen zwei Stühlen aber auf die Dauer zu sitzen, ist unmöglich. Es wt auch gefährlich für den Augenblick, wenn der sa>