Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 30 (13.4.1928)
- Date
- 1928-04-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sefte* DIE NEUE WELT Nr. 30 fr | SIEGM. KORNMEHL i GROSSFLEISCHHAUiRil I Zuträfe: IX., Bcrggwc 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 j Lieferant für Heilanstalten! JjM^^2^^^L2S2£ämSmm H nnter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kulf j tutgemeinde Wien || IX., Bergfl. 15 / XVIII., WStiringersftr. 97 ff _jmfHi*«**fiiniiMwOiiimi iiim iili iii>ii i iiii ii iii<M>iiiiiiniimininiiiiiiiiw Ii ml wiminri!■» 1 iiiiniisririmniiiiiiiimiiiiitnnwtifTrnm-fiiifimniiiiinnli ■ ^aiiiiisiiiiiirniimiiniiiitmmiiiiirnminwtwtmWiWHiiiui^ Die Siebenbürger Sabatarier. Es sind bereits viele Jahre her, daß der verstorbene Öudapester Oberrabbiner und Historiker Dr. Samuel K o Ii n in. einer sehr interessanten und lehrreichen Arbeit die Geschichte der in B ö z ö d - U j f a 1 u im Szekler Land in Siebenbürgen lebenden Sabatarier-Getneinde geschrieben hat. Diese Arbeit hatte die Aufmerksamkeit der ungarischen Juden auf diese Siedelung gelenkt, und eine von Oberrabbiner Kohn eingeleitete Aktion führte schließlich1 dazu, daß diese Gemeinde, die bis dahin nach ihrem eigenen Ritus gelebt hatte, formell samt und sonders zum Judentum übertrat. Seither bildete die finanzielle und moralische Unterstützung der neuen Judengemeinde einen ständigen Posten in den Budgets der größeren Judengemeinden des alten Ungarn. Die Budapester neologische Kultusgemeinde errichtete auf eigene Kosten eine Synagoge. Die Kultusgemeinde von Bözöd-Ujfaiu nennt sich offiziell bis auf den heutigen Tag „Kehal Gerim", Proselytengem.einde. Ihr gehören gegenwärtig noch immer 42 Familien mit etwa 200 Seelen an^ Es sind einfache Bauern, die bei Morgenanbruch mit Hacke und Schaufel in der Synagoge erscheinen, das Gerat an die Wand lehnen, ihre Andacht verrichten und aufs Feld zur Arbeit hinausgehen. Am Abend treten sie wieder in die Synagoge zum Gebet ein. Diese Gerim halten sämtliche jüdischen Feste mit peinlicher Genauigkeit, über alles heilig ist ihnen jedoch der Sabbat, an dem sie keinerlei, Arbeit verrichten. Auch die Frauen halten sich streng an alle religiösen Vorschriften und tragen, wenn sie sich vorehelichen, wie die orthodoxeste Frau, Perücken. Dieser historisch interessanten Judengemeinde geht es.offenbar jetzt schlecht, denn ihr junger Rabbiner Andor Schwarz sieht sich gezwungen, im Auftrage seiner Gemeinde an die großen und reichen jüdischen Gemeinden in Ungarn und besonders an die Budapester Gemeinde die dringende Bitte zu richten, die „Kehillath' Hagerim" von Bözöd-Ujfalu vor dem völligen Zusammmenbruch zu retten. Die Synagoge, das rituelle Bad, die Talmud-thora-Schule und die sonstigen für eine Gemeinde, wichtigen Einrichtungen sind baufällig geworden. Die. Gemeinde selbst ist zu.klein.iund zu arm, um sich selbst Vfelfen zu können. Die ehemals ständigen Beiträge großer ungarischer Judengemeinden bleiben infolge der durch den Krieg geschaffenen Lage völlig aus, und die Juden der umliegenden Dörfer sind kaum in der Lage, sich selbst; zu . erhalten. Das Budapester Rabbin.at hat eine Hilfst aktion zur Rettung der Sabatarier-Gcmeinde eingeleitet'. , Die Juden in Bulgarien. Wie die in Sofia erscheinende Zeitung „Haschofar" rai^lt,:,hat die Zähung lder Juden in Bulgarien ein* Gesamtzahl von 4627 Familien mit insgesamt 19.330 Seelen ergeben. Die jüdische Bevölkerung ist in Handel, Handwerk, Industrie und Landwirtschaft , beschäftigt. Unter der Aufsicht der -jüdischen Gemeinde von Sofia werden 1228 jüdische Kinder in vier hebräischen Kindergärten, zwel( hebräischen Volksschulen und einem hebräischen Progymnasium erzogen. f"' Die Juden von Tanger. "\, Der Vorstand der jüdischen Gemeinde von Tanger hät,- wie schon mitgeteilt, den Regierungen der Vier-Mächte- Kontereniz- (Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien-hem; Memorandum unterbreitet, ' in ~ welchem .gebeten wird,-bei dengegenwärtig stattfindenden Verhandlungen üti,er die Revision, des Statuts betreffend die -internationale Zone von Tanger, die besonderen Verhältnisse d.^r. Ju d e n .in Betracht zu ziehen. Gemäß den Bestimmungen des Dekrets des Scheralis vom Februar 1924, -wird die;Verwaltung ,u«d Judikatur von dem föaid und Pascha von Marokko ausgeübt. Die Entscheidungen des Mendub sind unwiderruflich. In dem Memorandum der Juden von Tangervwir4-gefordert, daß ein 'Berufungsgericht die Urteile; des'. Mendiib"'" in Ziviiprozessen, wo es sicOi um Beträge von über: 5000 marokkanischen Franken handelt, sowije an allen KridninaWällen überprüfen soll. Ferner wird gefordert, daß dem Gericht des Mendub in Prozessen, an denen Juden beteiligt sind, stets ein jüdischer Assessor, der von. der öffentlichen Verwaltung bezahlt wird, beigegeben werden soM. Bis jetet haben die Juden -von Tanger unter eirjer Gerichts^ärfkeit, die ihrer Kontrolle vollkommen entrückt war, sehr <m leiden gehabt. »Tanger Gazette" schreibt, bei Betrachtung der Lage der eingeborenen Juden oder Mauren von Tanger wird die Inmi'pralität des .Tanger-Statuts sofort evident. Obwohl die Juden ebenso patriotisch sind, wie nur irgend ein Teil der Bey^kerwng, werden ihnen im Statut nur seur beschränkte bürgerliche Rechte zuerkannt. Es gejek^t de-n Juden zur Ehre, daß sie sich gegen eine solche B^jjdjung wehren und ihren Fall nochmals vor die Pariser Konferenz bringen. Mögen die Mitglieder der Pariser Konferenz diesen Appell der jüdischen Bevölkerung beherzJgen>! Eine neue Anekdotensammlung. An Sammlungen von jüdischen Anekdoten und anekdotenhaften Erzählungen in judischer Sprache oder auch in deutscher Uebertragung leiden wir sicherlich keinen Mangel. Man kann eher eine Hypertrophie dieser Gattung jüdischer Folklore in der letzten Zeit feststellen, wobei bei mancher dieser Erscheinungen noch zu beklagen ist. daß die Herausgeber nicht immer das erforderliche Verständnis und den wünschenswerten Geschmack bei der Auslese dieser Anekdoten und Legenden an den Tag gelegt haben. Es ist daher 'immer von neuem au begrüßen, wenn ein Sammler sich findet, der mit geschultem Ohr diese Kundgebungen der Volkspsyehe unmittelbar erlauscht und, da er selbst in diesem Volk lebte, sie auch in sich verarbeitet hat und nunmehr imstande ist, sie auch unverfälscht wiederzugeben. Diesen Anforderungen entspricht u-nseres Erachtens das von M. A. Wiesen jüngst im Selbstverlag in Wien herausgegebene Sammelwerk in jüdischer Sprache „Chachma im Charifuth". Wiesen, der sich als Hebräist durch sein hebräisches Sprachbuch „Thorath Halaschori" bereits einen guten Namen erworben hat, nennt sein 227 Anekdoten, Sprüche und Sprichwörter umfassendes Buch selbst ein Anekdotenbuch und legt Gewicht darauf, festzustellen, mit dieser Sammhing nach verschiedenen Richtungen hin eine auch wissenschaftlich nützliche Arbeit geleistet zu haben. ' Besonders trifft das für die Sprache des Buches zu, da der Verfasser darauf bedacht war, auch sprachlich getreu das wiederzugeben, was er gehört oder was ihm überliefert' wurde. Damit hat der Autor auch der vergleichenden Sprachforschung einen nicht zu unterschätzenden Dienst geleistet. Wiesen hat alle in Betracht .kommenden Volksschichten und Volkssitten in den Kreis seiner Anekdötensammltmg einbezogen. Rabbiner und Rebbes, Lehrer -und Kaufleute, Kantoren, Schamosim, Jeschitwahbachuri-rn, Dorifjudcn, Fuhrleute, Pflastertreter, Dorfnarren und die Philosophen der Judengassen, alle werden durch eine treffende Anekdote blitzliclitartig beleuchtet. Leider sind w^mmr s ■bp^bhhmjsh iwöbb vjicrr. jgflP (S f ä r k s i e « J o db a d Europas) ~ljgS% Orth. t£'d Restaurant orth. .) Schöne ein- und zweibetflge Zimmer Eröffnung 8. Mai 1928 Telephon 59 Telephon 59 L£ die allermeisten und gerade die besteh und noch wenig oder gar nicht .bekannten Beiträge; der Sammlung nur im Original verständlich und ■(können nicht übersetzt werden, ohne ihre erquickende Wirkung; einzubüßen. Aber doch soll hier versucht werden, an awei köstlichen Beispielen Wert und''Richtung des! ganzen Buches 'darzutun: Der Traum und . seine Deutung. ■Der .Bachiir Awrom Ellisch aus Sinkowitz bat einmal Reb Moschele Klärer urnj.die Lösung . eines sonderbaren Traumef./den^er.-lrr^s.t^habt habe; „Mir träumte — erzählt Awrom Elilsch — ich hatte zwei Frauen, eine ihäß- Iiche mit blattemnanbigem Gesicht, und eine herrlich schöne mit reizendem Gesicht,5 die jedoch eine (kleine ihre Anmut'noch steigernde Warze1 auf der Wange hatte. Wie's nun so geht, war mir die' •bfatternnarbige zuwider, und ich sann über ein Auskunftsmittel nach, sie bald los zu werden, während ich die andere mit ihrem anmutigen Gesicht und der lieblichen Gesichtswarze lieb hatte, und alles daran setzte, daß sie mein Weib bleibe. Das Beth- Din (das rabbinische Gericht) . zwang mich jedoch gegen meinen Willen zu handeln, das heißt, mich von der Schönen zu trennen und die Blaternnarbige zu behalten. Reb Moschele Klärer klärte ein wenig, und plötzlich klopfte er dem Träumer auf die Schulter' und sprach: „Sag -mir mal Awrom Eilisch, hast du dich in der Zeit bevor 'du -deinem Traum verfallen bist, nicht'vielleicht zu stark mit dem Traktat Domino befaßt?" „Ja, aber .. ." Ohne Awrom Ellisch aussprechen zu lassen, sagt nun r Kultus und Justiz! inden mannigfartigsien Formen erhärten g Sie fertig und nach MaB in bester Qualität s zy den billigste . in der ijtbtkaniiten Wl.TaUaIellr.eii (IthtBug auf Haumommeil) wl| Tel. R 45-6-29 Oegr.1866 | 1 Zahlreiche belobende Anerkennungsschreiben! §j 1 Verlad M jllcci WslrielSenL ' , ' gefdi illasfrieftt Kataloge grafi?! s ^iliffitiiiiiitifif Iii iiiiiriiiiiiifiirMiiitifif tifiiiii»ritftM4ifiiiiittffiiftititftiitiiiifiitiiiifiiii!^^ ■RÜCHERSTUBE M. RATHS S 1!. TABORSTRASSE 20 a, TELEPHON 43-1-58 S ■ ....... ' ,„ ■ ■ ......*................. ■ ■ MODERNE LITERATUR ✓ WISSENSCHAFT ■ ■ JUOENDSCHRIFTEN ✓ JUDAICA UND HEBRAICA ■ M B Rab Moschele Klärer: „Wlenn dem so ist, so liegt die Lösung deines Traumes klar wie der Tag auf der Hand. Das blatternnarbige Frauenzimmer das ist — Doppelacht, der Stein mit den 16 „Augen", den jeder Dominospieler so rasch als möglich los werden will, aber wie einem schon das Pech verfolgt, gewöhnlich nicht los werden kann. Das glatte Weib mit dem Anfnutwarzchen ist „Eins- Blaß", den man so gerne bis zum Schluß "behalten möchte, aber zumeist früher hergeben muß", Zwei Kompagnons. Moschke „Masch'ke" (Bsuff) und Juschke „Knack", zwei Kompagnons eines Wirtshauses in Nowo Sinkowic, treffen Vorbereitungen, gemeinsam „einkaufen" zu iahten. Da sie einander sehr gut kennen, und wissen, daß sie imstande sind, bei solcher Gelegenheit die ganze Wochenlosung in der Stadt zu versaufen, leisten sie sich gegenseitig einen Eid auf folgende zwei Dinge: 1. Daß sie außer dem Geld zum Einkaufen höchstens je zwei Kreuzer airl ein Stamperl Schnaps mitnehmen werden, und 2. nur soviel zutrinken, als jeder bar bezahlen kann. Gesagt, getan. In der Stadt kauften sie ein Fäßchen Branntwein, und aul der Rückfahrt sprach Moschke plötzlich zu Juschke: „Willst du eine schöne Sach uören, Juske?" „Und das wäre?" „In meiner Hosentasche fand ich in ein Papier! eingewickelt ein Vierkreuzerstiick." „Nu, und warum muß ich das wissen?" „Du hörst doch, Jusike, da fiel mir ein Gedanke ein; wir führen hier auf dem Fuhrwerk ein Fäßchen Branntwein, davon gehört die Hälfte mir und die Hälfte dir. Wie wäre es nun, zu-m .Beispiel, wenn du mir von deinem Teil für einen Vierer einen Tropfen verkaufen würdest?" „Wenn du bares Geld hast, — warum nicht?" antwortete Jusch-ke. Er läßt sich den Vierer geben und, zapft seinem Kompagnon eine kleine Maß Branntwein für vier Kreuzer. Nach einigen 'Minuten sagt Juschke m Mosohike: „Moschke, mir ist etwas eingefallen: Was wäre dagegen zu sagen, wenn du den Vierer wieder zurücknähmest und mir dafür von deinem Teil einen Trunk Branntwein gäbest?" „Wenn du Bargeld hast, — warum nicht?" ant-, wortet Moschke, nimmt den Vierer in Empfang und zapft dem Kompagnon aus dem Faß ein wenig Branntwein. Nach einigen Minuten läßt sich Moschke wieder, vernehmen:; - „Jetzt, da der Vierer wieder mir gehört, wer kann mir verwehren, wieder dasselbe zu tun, was ich früher tat? Gib mal, Bruder, wieder ein klein wenig .Leohajim'l" Juschke erhält den Vierer, zapft wieder Branntwein ab, und sagt: „Da ich» jetzt.wieder einen Vierer eingenommen halbe, wer kann mir verwehren, das gleiche zu tun, was früher? Gib doch . . .." ' Als sie in Nowo Sinkoväc ankamen, wären beide natürlich nicht mehr -ganz ohne. Da klopft Juschke dem Moschke auf die Schulter und fragt? „Was sagst du dazu? Ist das schon jemals In der Welt gehört worden?" „Was meinst du?" „Du fragst noch? Zwei Menschen —. ein ganzes volles Fäßchen?" „No, u-nd an -das andere 'hast du schonvergessen?" wundert sich Moschke? „Was meinst du denn?" „Du fragst noch, ein ganzes -Fäßchen für einet Vierer?" Es sind nicht die al-lercharaikterisfischesten 'Anekdoten, die wir aus dem Buche Wiesens angeführt haben. Es sind bloß zwei bezeichnende Volksgeschichten, die ins 'Deutsche übertragen werden konnten, ohne ihren Geist vollends zu töten.. Wer der jüdischen Sprache mächtig ist. und Sinn und Verständnis für wahren jüdischen Volkshumor hat, verabsäume es nicht, das Buch Wiesens zu erwerben. Kr. H. G. Wells, „Bealby", ein heiterer Roman. Wien, Verlag-Paul Zsolnay, 1928. Das neueste Werk des großen und nachdenklichen Engländers schlägt aus der Art. Er hat sich bisher soziaten und allgemein menschlichen Problemen gewidmet. Diesmal erzählt er, vielfach an Dickens und Kipling erinnernd, die Geschichte eines Jungen, der zur IDienerkarriere bestimmt wird, sie aber verschmäht. Er führt eine sinnverwirrende Menge der abenteuerlichsten Verwechslungen herbei, -die sieh um die Person eines würdigen Lordkanzlers und eines windigen Offiziers schlingen. Der junge Beaüiby sipafziert ahnungslos durch diese Phasen hindurch und landet schließlich mit einem mächtigen Hunger in der Küche seiner Mutter, die ihn schon als tot beweint hat. Jedem Freund des Lachens sei der neueste Wells warm empfohlen. —-sy. Unschädliches Entfettungsmittel. Man kaufe sich in der nächsten Apotheke 4 Deka Fucabohnen, davon nimmt man zwei Wochen hindurch zweimal täglich je eine Bohne nach der Mahlzeit, hernach drei Wochen dreimal täglich je zwei Bohnen nach der Mahlzeit, sodann wiederum zwei Wochen dreimal täglich eine Bohne nach der Mahlzeit. Der Erfolg ist ein überraschender. E Nur im Spezialhaus können Sie billig kaufenr Trotz Qualität und Auswahl unerreicht! Kaufen Sie daher englische Herrenstoffe für Anzüge und Ueberzieher nur im Spezialhaus „Tuchhaus zum Hirschen", II., Tabor-" strafte 17 b. E