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Die neue Welt · 1928-04-13 · Heft 30 (13.4.1928) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 30 (13.4.1928)
Date
1928-04-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 30 Das Drama im Schankwirtshaus« Die schön« Rebekka und Ihr Geliebt*. In dem kleinen slowakisolien Dorfe Valogovee unweit von Rima-SzonVbat, hat sich in der Familie eines jüdischen Schankwirtes eine merkwürdige Tragödie er eignet. In diesem Donfe lebte der fromme Schankwirt Samuel Altimanr» mit «einer Frau Sara und seiner einzigen Tochter Rebekka, einem überaus schönen Mädchen. Als Rebekka 15 Jahre alt geworden war, stellten sich die Heiratsvermittler ein. Der Vater wollte suergt von einer Verlobung der Tochter nichts hören. Schließlich Je doch stimmte er zu, daß Rebekka mit einem hübschen Jeschibah-Bachur verlobt werde. Zur selben Zelt aber, als ein Vermittler dem anderen die Türklinke im Hause Alt manns reichte, stand Rebekka bereits In einem Liebes» Verhältnis zu einem schönen, feschen Dorfburschen, Josef Szabo, aus einer Nachbargemeinde. Sie erzählte ihrem Geliebten, daß ihre Eltern sie mit einem Jeschibah- Bachur zu verehelichen beabsichtigen. Doch Szabo tiberredete Rebekka, das Liebesverhältnis insgeheim fortzusetzen. Rebekka tat dies. Als Vater und Mutter sie eindringlich fragten, ob ihr der von ihnen bestimmte Bräutigam gefalle, bejahte Rebekka die Frage wie jede gehorsame cbassklische Tochter. Die Verlobung wurde in Riimavske- Sobotica gefeiert und Rebekka Wieb dann in der Stadt, um die Ausstattung anfertigen zu lassen. Sie traf sich dort mit Szabo und das Paar verlebte zusammen heiße Tage. Als der Hochzejtstermin näher kam, wurde Rebekka ein wenig melancholisch, Sie wußte, daß mit der Trauung «ine Aenderung in ihrem Leben eintreten wird und daß sie darunter stark leiden werde. Sie hatte Mitleid mit ihren Eltern, die sie ja liebte, und oft fragte sie siich, weswegen sie ihren Eitern solchen Kummer antun sOÜ.. Aber ihre große Liebe zu Szabo besiegte, alle Bedenken. .' Die Hochzeitsfeiefiichkelten fanden im vollen Glanz eines reichen chassidischen Hauses statt und dauerten acht Tage. Samuel Altonann verteilte Gold an Arme mit vollen Händen. Acht Tage wurden die Jüdischen Bettler, die aus verschiedenen Gegenden herangezogen waren, bewirte*. Die Chassidim waren voller Freude. Nach der; Hochzeit brachte Attmann seinen Schwiegersohn in sein Haus, damit er, mit allem versorgt, seihrTalmudstudium ungestört fortsetzen könne. So ging eine gewisse Zeit in Frieden hin. Der Schwiegersohn lernte, Rebekka .machte sich an die Einrichtung des Hausstände!. Doch bald kam das Unglück über das stille, zufriedene Heim des jüdischen Schankwirtes. Kaum einige Monate, nach der Hochzeit . schenjkte Rebekka einem g e sü n d e n. J u itg e » das Leben..! Die Eltern waren nahe daran, vor-Aerger u?id Scham wahnsinnig zu werden. Der Schwiegersohn verließ das Haus ijnd ging ins Weite. Szabo überredete Rebekka, mit inrti zu flüchten und das Vermögen der Eltern sowie ihre Mitgift mitzunehmen. Rebekka folgte blind dem Willen ihres Geliebten. Sie flohen beide. Das Kind nahmen sie mit. Rebekka ließ sich taufen. Die unglücklichen, verzweifelten Eltern wendeten alle« an, damit Rebekka zurückkehre. Sie Waren bereit, ihr alle Schande zu verzeihen. Doch vergeblich, sie war d e <m G e {1 e fo t e n v e r f ä}1 e n. Auch die Polizei konnte nicht eingreifen, da Rebekka durch die Heirat volljährig geworden war. Doch der Verführer Heß weiter nicht locker, Szabp wollte das ganze Vermögen Altrrjanitt an sich bringen, wollte sein faktjacher Erbe werden. Er begann, Rebekka einzureden, daß, wenn ihre Eiter*n, d i e s' c hon s e h r a 11 s i n d, sterben w ti r d e n, dies für Rebekka und ihn eine Erlösung wäre. Er rückte nicht klar1 mit seinem Ziel hervor, doch war es seine Absicht, Rebekka dazu zu bringen, daß sie selbst wünsche, daß ihre Eltern ermordet werden. Er erreichte auch, daß sie ihm dies in einem Brief schrieb. Sie merkte gar nicht, daß sie mit diesem Schreiben das Todesurteil über Ihre Eltern ausgesprochen hatte. Szabo fand gegen eine gute Entlohnung zwei Bauernburschen, welche sjch bereit erklärten, die Tat zu vollführen. An einem Freitag wurden die beiden Altanann im Schlaf tiberfallen und bestialisch abgeschlachtet Die Täter konnten bald festgenommen werden. Die Untersuchung ergab, daß sie von Josef Szabo gedungen waren. Szabo Verantwortete sieh mit dem Brief Rebekkas, die nunmehr ebenfalls in Haft genommen wurde, Es stellte sich Jedoch heran«, daß sie nicht gewußt habe, wozu ihr Geliebter das Schreiben benötigt hatte. Sie wurde enthaftet und befindet sich Jetzt Im Spital, krank, mit Anzeichen des W a h n, $ j n n & Die Hauptgerichtsverhandlung wird demnächst stattfinden. Klassiker der Erotik. Unter diesem Titel bietet der Heim-Verlag, Wien, VII., Seidengasse 3—11, unseren Lesern seine neue Ausgabe" der Meisterwerke der erotischen Literatur zu Bedingungen an, die es jedem einzelnen Bücherfreunde ermöglichen, seine Bibliothek mit. wertvollen Büchern m bereichern. Der Hefen-Verlag ist unseren Lesern nicht fremd; die allgemeine Beliebtheit, deren sieh die in diesem Verlage erschienenen Werke erfreuen, wird durch die Herausgabe der neuen Bücherserie sicher noch gesteigert werden, denn das Gebiet der erotischen Literatur ist ein so weitverzweigtes und interessantes, daß sieh das Studium desselben unbedingt lohnen wird. Wie aus der Ankündigung in unserem Blatte hervorgeht, wird diese Sammlung die hervor* rasendsten Werke der erotischen Literatur enthalten und durch ihre oft recht ergötzlichen Geschichten dem Leser ganz besonders Vergnügen bereiten»- EHLER MDEALBETT In Messing und Stahl BITTFEDERN ~ HYQ. MATRATZE* PAT.-SCHLAFMÖBEL KINDERWAGEN BILLIflSTB HÄBBIKSPHEI8I SIGM. EISLER NAC HP., WIEN II., Pratarstr. 48, Tel. 48-1 40 /. V., Diehlo. 19, Tel. 56105 a«grUnd*t 18701 Provlnavergnnd \ Dscherschinski und seine jüdische Geliebte. Das Geheimnis des Gründers der Tscheka. Felix Dscherschinski, der Organisator und Leiter der bolschewikischen Spitzelpolizei, der Tscheka, ist, wie erinnerlich, vor zwei Jahren plötzlich gestorben. Es wurde vermutet, daß er einem Koimplott erlegen sei. Erst }etzt ist die Wahrheit ans Tageslicht gekommen. Unter den von Dscherschinski hinterlassend! Papieren fand sich ein Akt, aus dem hervorging, daß Dscherschinski, einer der blutigsten Henker der Tscheka, seine einstige Geliebte, ein Judenmädchen namens Olga Martyniec, hatte hinrichten lassen. An der Reue über diese Tat ist Dscherschinski gestorben. Dscherschinski war elnPoleaus Rußland und hatte vor dem Zarismus die Flucht ergriffen. Er siedelte sich in Krakau an und verliebte sich dort in Olga M a r t y n i e c, die alt Mitglied der s o z i a 1 r e v o 1 u t i onären Partei gleichfalls aus Rußland geflohen war. Sie brachte ihm jedoch keine Liebe, sondern nur Freundschaft entgegen, unterstützte ihn .auch, wenn er in Not war, was sehr oft der Fall war. Dank den Bemühungen ihrer in Moskau "lebenden, sehr'angesehenen, und wohlhabenden Eltern konnte Olga nach .v^äßland^UFÜckkehren. Dscherschinski konnte dfe'f rennung^ von ihrtricht ertragen. Nach einigen Jahren gelang es ihm, nach Moskau zu kommen, wo er in einem geheimen Unterschlupf leibte. Er versuchte, Olga wieder zu treffen und sie von seiner Liebe zu überzeugen. Aber: :^ie, die schon in Krakau von einer Ehe mit ihm nichts-hatte hören wollen, hatte inzwischen den Studenten Dimitri Offenherz geheiratet. Als sie dies, .Dscherschinski mitteilte, war er niedergeschmettert. Er ^dxüc^teihr die*Harid und zog dayon. ^C^'*• : . '* .-/<,• >. Es kam der Bolschewismus. Le n i n uhd TYb t z k i siegten in Petersburg, Kerenski flöh. Die neue Herrschaft richtete sich ein und war zunächst auf ihre Sicherheit bedacht. Der Pole 5$ch^e'fög.hiorganisierte die Polizei nachMj^xire^ zaristischen iRv' vP* v'r.y" 'J*'«V<*'. Ochrana. Er folgte den neuen'Vwif,^^^ und okkupierte dort das be|"ÜM|fe'!Mmiß rLü bja n ka, in dessen Kellern die Tscheka^lhr||sumTnari^chen;;U vollstreckte. Dscherschinski warmer Herr des Todes; Eine Geste seiner Hand entschied' «Iber Leben und Toö!. Eines Tages fand er in der Li'ste der Verhaf'teten den Naipen Olga. Martyniec-04fenherz. Die Geliebte, die er nie vergessen hatte, befand sich ais^Gegenreyolutionärin im Keller der Tscheka! Dscherschiitski hat seine Empfindungen 1 n eineinlief geschiläerf,;deh man! nac h seinem To4e in• efyrer Ecke des- Schreibtisches fand. Er sprang auf,- die Füße-zitterten ihm,- er bekam Schwindel. Kaum fand er die .Kraft, . sich selbst in den Kerker zu schleppen. Er sah Oiga, streckte ihr die Hand entgegen. Sie wandte sich voll Abscheu von ihm ab! " :' '''" Am nächsten Tag wurde •Öem Obersten der Tscheka die Liste der zum Tod Verurteilten vorgelegt. Olgas Name stand obenauf1.' „Im Na#e;n de r Reyolution!" sagte heiser Dscherschinski und unterschrieb . . . AUe, die auf der Liste standen, wurden erschossen. Seither hatte Dscherschinski die Ruhe verloren. Er ging krank umher, schlich wie ein Schatten durch seine Räume. Er unterschrieb weiter die Todesurteile, aber stets stand vor ihm das Bild der Geliebten, die seine Wohltäterin gewesen war und die er ohne Prüiu ng ihrer Schuld hatte hinrichten lassen. Immer schwerer wurde die Last und schließlich brach der eiserne Mann zusammen. Das ist das Rätsel des plötzlichen Todes dieses Mannes, der, mit tausendfachem Fluch beladen, der Henker der Revolution gewesen war. Auszeichnung eines jüdischen Arbeiters in Ungarn. Vor kurzem überreichte der Oberbürgermeister der Stadt Budapest dem Gründer und Präsidenten des Landesverbandes der Oberkellner Wilhelm Hajdu in feierlicher Weise die silberne Verdienstmedaille. Der Oberbürgermeister hob hervor, daß Hajdu der erste Arbeiter sei, dem diese im Jahre 1922 geschaffene Auszeichnung verliehen wurde. Wilhelm Hajdu ist Jude, der Sohn des Debrecziner pensionierten Kultusbeamten Michael Weiß. Eine neue Synagoge und Erholungsheim in Abbazla. Aus Abfoazia wird uns geschrieben: Die hiesige jüdische Gemeinde beschloß nach längeren Unterhandlungen, ein großes Gebäude käuflich zu erwerben, und es zu einer Synagoge, verbunden mit einem jüdischen Erholungsheim zu adaptieren. Die Umbauarbeiten. werden schon in der nächsten Zeit vollendet sein. Die Synagoge des Weltkurortes ist für einen Fassungsraum von 250 Personen berechnet. Das Innere der Synagoge wird sehr prunkvoll sein. Einen großen Wert repräsentiert der von der Triester jüdischen Gemeinde gewidmete antike Marmor tisch ifür den Almemor. Hochzeit beim Rabbi von Wiznitz. Ueber eine interessante Hochzeitsfeier im Hause des Rabbis von Wiznitz berichten hier eingetroffene Arader Blätter. Wiznitz liegt am Czeremosz an der rumänischpolnischen Grenze und ist weit und breit durch seinen Wunderrabbi Hager berühmt. Dieser Tage hart nun der Enkel des Wunderrabbis, ein junger Mann von achtzehn Jahren, mit der sechzehnjährigen Urenkelin des Wunderrabbi von Sandec die Ehe geschlossen, aus welchem Anlaß sich aus der Tschechoslowakei, aus Rumänien, Polen, Oesterreich und Ungarn eine wahre Völkerwanderung ,^nach..4er..^an/;der..:rumänisch•tschech^sk)wasChenj. Grenze gelegenen Ortschaft Teesö ergoß, wo die Hochzeitsfeierlichkeiten abgehalten wurden. Es waren lauter;orthodoxe Juden, die alle kamen, um dem Freudenfest im Hause des Wunderrabbis beizuwohnen. Es wurden nicht weniger als 10.000 Eier, 7300 Hühner und 300 Kilogramm Fleisch den Hochzeitsgästen — sie waren irjrer nicht weniger als 10.000 —• vorgesetzt. Schon die Ankunft des Rabbis von Wiznitz vollzog sich . unter großen Feierlichkeiten. Eine nach Tausenden zahlenden Menge umstellte das Bahnhofgebäude und harrte , der Ankunft des „Zadik", in dessen Begleitung sich eine- 'ajte Frau befand: die Urgroßmutter der Braut. Unte* lautloser Stille entstieg der Wunderrabbi dem Coupe, ehrfurchtsvoll von der Menge begrüßt. Im selben Augenblick stimmte eine Zigeunerkapelle einen Marsch an und fast gleichzeitig begannen die Filmoperateure zu arbeiten. Jeder drängt sich vor, jeder will die Braut und den Wunderrabbi von Angesicht zu Angesicht sehen. Unter dem Oeleite eines Reiterband eriums zieht die Hochzeitsgesellschaft in die Ortschaft ein; einen eigentüm- Oesterreichische Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe KUNDMACHUNG Die zweiundsiebzigste Ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Oesterretchischen Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe findet Donnerstag, den 3. Hai 1928, halb 5 Uhr nachmittags, im grossen Festsaale des Oesterreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines (L, Eschenbachgasse Nr. 9) statt < Gegenstände der Verhandlung sind: 1. Jahresbericht des Verwaltungsrates 2. Bericht des Revisionsausschusses über den Rechnungsabschluss des Jahres 1027 und Beschluss'assung über denselben. 3. Beschlussfassung über die Verwendung des ReinertrSgnlsses des Jahres 1927. 4. Beschlussfassung über die Wahlen in den Verwaltungsrat 5. Wahl des Revisionsausschusses für das Jahr 1928. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, weiche an der Generalversammlung teilzunehmen wünschen, werden hiemit eingeladen, ihre Aktien samt Kupons spätestens am 23. April d. J. als dem Statuten massigen Endtermine zu deponieren, und zwar: in Wien bei der Effekten« Abteiiung der Anstalt (l., Am Hof 6) an Wochentagen von 9 bis 12 Uhr; in Baden bei Wien, Bozen, Bregenz, Feldkirch, Qraz, Innsbruck, Klagenfurt, Leoben, Linz, Salzburg, St Pölten bei den Filialen der Anstalt. An den übrigen Platzen findet der Erlag bei den hiefür bestimmten Anmeldeltellen statt Je fflnf ^kt|en gcben dw ^ficht auf ejne st,mme# Wien, am 10. April 1928 Oesterreichische Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe » V,

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