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Die neue Welt · 1928-04-13 · Heft 30 (13.4.1928) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 30 (13.4.1928)
Date
1928-04-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 30 Dil NEUE WELT Seite 5 1000 Dollar sind oft nicht so viel wert, als das Urteil zufriedener Gäste. Ein zufriedener Gast ist die beste Empfehlung! Will Ml OTTO KASERER Wert darstellen, sind in einem ruinierten Städtchen sehr schwer zu realisieren und in bares Geld umzuwandeln. Und die in die 300- und 400-Rnbel-Kategorien einregistrierten Uebersiedler sind selten imstande, die subskribierte Summe vorzulegen. , „. > ., ( Ebenso fängt die dritte Quelle bereits an, zu versiegen. Diesibezügliche offizielle Mitteilungen fehlen noch' augenblicklich. Aber Herr B rag in ist gewiß zu gut in die Verhältnisse und Stimmungen der höheren Sowjetkreise eingeweiht, um sich aufs Geratewohl, ohne jeglichen Grund, auf der „Ozet"-Versammlung in Moskau zu beklagen, die Regierung höre auf, Geld für die jüdische Kolonisation zu geben ... In die mandschurische Wüste! Aus Moskau, 2. April, meldet die J. T. A.: Das Präsidium des Zentrail-Exekutivikomitees der Sowjet-Union, das oberste legislative und administrative Orgati der Union der Sowjet-Republiken, hat in seiner letzten Sitzung offiziell und endgültig beschlossen, den.Rayon B i r o-Bi d s c b a n in Sibirien den Juden zur Kolonisation zu überlassen, mit dein Ziele, dieses Territorium in eine national-jüdische, administrative und territoriale Einheit umzuwandeln. Das offizielle Dekret ist bereits veröffentlicht worden; es trägt die Unterschrift des Sekretärs des Zentral-Exekutivkomitees, Jen uk u d iz e. Die sieberrbürgischeii Pogromstudenteii. Aus Bukarest wird gemeldet: Die Studenten S i r b ulescu, George scu, Andre Jan esc« und Aurel Teodorescn wurden dem Kriegsgericht überstellt, weil sie antisemitsche Manifeste verbreitet haben. Die Studenten Niciulescu, Crons, Georg Sirbul esc u, Zas c h a r e s c u und B a r b «, die eins illegale Versammlung einberiefen und in derselben zu G e w a 11 taten gegen die Juden ails Antwort auf den Zusammenstoß zwischen jüdischen und rumänischen Studenten in Paris aufgefordert haben, werden sich ebenfaiis vor dem Kriegsgericht zu. verantworten haben. , Ein Pogrom-Ataman zum Tode verurteilt. Moskau, 3. April. (J. T. A.) Der gewesene ukrainische Ataman Woliamsky, einer .der Führer der Pogromhanden des berüchtigten Atamans Grigoriew, ist wegen Teilnahme an den Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung in der Ukraine unter der Herrsaha'ft 'Petljuras zum Tode verurteilt worden. Ausschließung antisemitischer Studenten aus einer russischen Schule. Vier Studenten der Sowjetschule in Otaschkowo, die einen jüdischen Mitschüler, Boris Gutchen, nach einer einsamen'Flußinsel entführten, ihn dort an einen Baum banden und ihm zuriefen, sie 'übergeben ihn dem Erifrierungstode "aus Rache für die Kreuzigung Christi durch die Juden, sind zur Strafe für ihr Vergehen aus der Schule ausgeschlossen worden. Guteben ist später durch Passanten entdeckt und in halb erstarrtem Zustande aus seiner peinvollen Lage befreit worden. Er weigerte sich, die Täter mit Namen zu nennen, aber diese brüsteten sich selbst ihrer Tat, so daß man sie der verdienten Strafe zuführen konnte. " . Die Holleschauer Unruhen im Jahre 1918. Es ist noch erinnerlich, daß sich in dem mährischen Städchen H o 11 e s c h a u im Verlaufe der Oktoberrevof« Iutipn des Jahres 1918 antisemitische .Exzesse ereigneten, bei welchen vom Sttaßenmob und heimgekehrten Soldaten jüdische Geschäfte geplündert und deren Inhaber miß*- handelt wurden. In der letzten Zeit ist ein Soldat zurück*- gekehrt, der wegen Teilnahme an den damaligen Ausschreitungen eine sechsjährige Kerkerstrafe abgebüßt hatte. Auf seine Angaben hin wurde wegen Teil1nähme anden Kundgebungen der, Fuhrwerksbesitzer Ocadlik verhaftet. Die Verhaftung hat großes Auf* sehen hervorgerufen, da Ocadjk Mitglied der Holleschauer Gemeindevertretung ist. Ekieinviertel Millionen Pfund für Wohlfahrtszwecke. Aus London meldet die J. T. A.: Bei einem in Brig'thon zugunsten der Krankenhäuser der Stadt gegebenen Frühstück hielt Herr Bernard B a r o n, der bekannte jüdische Philanthrop, eine Ansprache, in der er sagte: „Ich habe bis heute ein und eine Viertel Million Pfund für charitatiye Einrichtungen ausgegeben; wenn ich noch zwei oder drei. Jahre lebe, werde ich auf diesem Gebiete hoch viel mehr tun!" Der Missionär in der Talmud-Thora-Schule. Von Jakob Krausz. " Von meinem in New ,York 'lebenden Freund, der meine vor kurzem in der „Neuen Welt" erschienenen Aufsätze über getaufte Rabbiner und die unsere Juden so schwer bedrohende Judenmission .gelesen hat, erhielt ich dieser Tage ein Schreiben mit-einem Zeitungsausschnitt, durch welche meine Aufmerksamkeit autf einen interessanten Gerichtsfall gelenkt wird. Der Fall ist zu typisch für die Winkelzüge der Judenmissionäre, als daß er nicht als Warnung für alle jüdischen Kreise, denen die Erziehung unserer Jugend anvertraut ist, hier wiedergegeben werden sollte. Die Sache beginnt eigenülich sehr harmlos prosaisch als eine Klage des hebräischen Lehrers Philipp Steinbock, der seit etwa zwei Jahren an der Talmud-Thora- Schule „B'nai Israel" in Albany, im Staate New York gewirkt hat, und plötzlich entlassen wurde. Lehrer Steinbock klagt nun bei dem Gericht von Albany einen mehranonatigen Gehalt ein und verlangt auch die gerichtliche Feststellung, daß er zu Unrecht, ohne Kündigung, plötzlich entlassen worden sei. Aus der Entgegnung des Vorstandes der Talmud-Thora-Schule ergibt sich jedoch ein ganz anderes, trauriges Bild. (Danach wurde Mr. Steinbock wohl für eine bestimmte Zeit mit einer Kündigungsklausel zum Lehrer in herrlichen Dessins und reichhaltigster Auswahl kaufen Sie am besten im Spezialhaus der Talmud-Thora-Schule gewählt. Eines Tages erschien Rabbiner Saul Bechstein zur Inspektion und hörte sich auch einen Vortrag des 'Hebräfsch-Lehrers Steinbook an. Kaum wurde jedoch. Rabbiner .Bechstein des Lehrers ansichtig, als er kreidebleich' deh/Lehrsaal verließ und den •Direktor der. Anstalt bat, den Verstand zu einer dringenden Beratung ■zusammenzurufen. ■ Die Sitzung nahm einen recht dramatischen Verlauf. Rabbiner Saul Beckstein,; ethöb sich und rief erregt: „Maulwürfe unterwühlen das Heiligtum! Unsere unschuldigen Kinder sind den Häude;ir -von Verführern überantwortet! Entfernet,das..Unreine raus.eurem Haus!" Fast erschöpft vor Aufregung erklärte . er, daß der hebräische Lehrer Philipp Steinbook e i n g e t a u if t e r J u d e u n d beizahl t e r M is s i o n ä r sei. Der Rabbiner hatte in Philipp Steinbock einen Marin erkannt, der sich schon vor etwa zwölf Jahren als •Leiter1 einer Talmud-Thora-Schule in Wi 11 i a m s b u r g in die jüdischen Kreise einschlich, und nebenher in einem .anderen Teile der Stadt, wo gleichfalls viele Juden wohnen, als'Missionsprediger auftrat. Er wurde damals entlarvt und davongejagt. Es scheint nun, daß dieser Philipp Steinbock die besonders gefährliche Mission hat, als hebräischer Lehrer sich das Vertrauen der Kinder und der Eltern zu erschleichen, um desto leichter und ungestörter, vielleicht auch erfolgreicher die SeelenvergiiftiiMig zu -forcieren. Ob zwischen diesen beiden iMissionsstationen Williamsburg und Albany nicht noch einige solche Betrügereien des Missionärs liegen, konnte bis zur Stunde, da der Brief aus New York 'abgegangen ist, nicht festgestellt werden, aber der Fall hat doch noch etwa,s an sich, worin er von den ähnlichen europäischen Fällen abweicht. Steinbock bat noch die Stirne, das Gericht anzurufen. Er erklärte nämlich, daß die Talmud-Thora-Schule keine religiöse Anstalt sei, daß er daher, obgleich er Christ ist, als Hebräisoh-Lehrer fungieren könne, und seine Kündigung demnach zu Unrecht erfolgt sei. Daß er seine Klageschrift gleich da»zu benutzt,, eine Abhandlung über Judentum und Christentum «u fabriziere n, um zu dem Schlüsse zu gelangen, daß er, obgleich er seinen jüdischen1 Glauben in einen christlichen eingetauscht hat, noch immer Jude sei und die Juden überhaupt wissen müßten, daß sie „g u t e Christ e n und gute Juden" sein könnten,1 beweist nur um so mehr, die besondere Gefährlichkeit dieses Söldlings der christlichen Judenmission. Unter den Juden von Albany hat der Fall natürlich große Erregung hervorgerufen. Er wird vielleicht, wie das nun schon' in gewissen jüdischen Kreisen au sein pflegt, zunächst die ganz unangebrachte Wirkung haben, daß viele Eltern ihre Kinder nicht mehr in die Talmud-Thora-Schule schicken. Sie haben Angst, wie manche Eltern ihre Kinder aus verständnisloser Liebe nicht in den Kindergarten schicken wollen, um sie vor Krankheiten besser <m schüren, ihre Sprößlinge der ansteckenden moralischen Erkrankung durch das von bezahlten Verführern ihnen eingeträufelte Seelengift auszusetzen. Es wirkt geradezu unheimlich, daran denken zu müssen, daß man heute bei dieser, alle jüdischen Massensiedlungen der ganzen Welt umspannenden, reich dotierten Missionspropaganda aller christlichen •Riten n i e m als siehe r ist, irgend einem salbungsvollen, von jüdischen Sitten befleckten Mann zu begegnen, und ihm Vertrauen entgegenzubringen, während er sich früher oder später als Missionär entpuppt, der dein Haus vergiftet, deine Familie zum Abfall zu bringen trachtet, und eventuell eine ganze Schule oder eine ganze Gemeinde christianisiert. Es gibt eine eigenartige jüdische Krankheit, einen Horror vor dem sogenannten „Ohillul Haschern", ein Begriff, der an sich den höchsten seelischen und moralischen Adel zum Ausdruck bringen sollte, aber in vielen Fällen krankhaft in das Gegenteil umschlägt. Auch in Albany es wäre in Europa auch kaum anders gekommen —. sind bereits Vertuschung«- und Au s gleich s belli Übungen am Werke, um einen „Ohillul Haschern" zu vermeiden. Es müßte aber doch einmal der große Prozeß zwischen Judentum und Judenmission vor aller Oefifentiichkeit ausgefochten werden. In Jerusalem tagte jetzt ein protestantischer Missionskongreß, in Budapest und Warschau hat ein solcher im Vorjahre stattgefunden; in Amerika sind sie praktischer, da schicken sie ihre Emissäre unter jüdischer Maske'als Lehrer in die Schulen, und wer verbürgt es uns, daß nicht auch in Europa, selbst in Palästina und vielleicht gar hier unter uns in dieser Stadt ein ähnlicher Patron seine Mission treibt? Der Fall von Albany ist, wie man sieht, kein einfacher, alltäglicher Gerichtssaalfall, er ist eine Mahnung und Warnung an uns alle. Besonders an diejenigen, die berufen und verpflichtet sind, die jüdische Erziehung unserer Jugend zu überwachen und zu leiten. Man kann nicht behaupten, daß von dieser Seite immer auch alles getan wird, um sich von aller Schuld frei izu ..wissen, Die jüdische landwirtschaftliche Farm und Hamlwerkerschule bei Lodz. Auf der letzten großen T a r b u t h-iK o n f ef e n-z in Warschau kam der allgemeine Grundsatz zur Annahme, daß die maßgebenden zionistischen Kreise in Polen alle Mittel anzuwenden haben, daß die Absolventen der hebräischen Tarbuthschulen auch in irgend einem Ge-. werbe rationelle Ausbildung erhalten, und daß auch diese Kulturarbeit unter der jüdischen Jugend in nationalem Geiste geführt werde. Zu diesem Zwecke seien an den größeren Städten des Landes entsprechende Anstalten ins Leben zu rufen. Im Sinne dieses Grundsatzes wurde in Lodz im Anschluß an die bei Helenubek bereits bestehende landwirtschaftliche Anlage"eine ganz moderne Hand-werk er s c.hui e ins Leben gerufen. Dort wer-, den. 150 Waisenkinder ..verschiedenen Alters und Kinder verarmter Eltern in der Landwirtschaft und im Handwerk ausgebildet. Während des Sommers wird einer größeren Anzahl von Chaluzim aus Lodz und Umgebung die Gelegenheit zur Hachscharah, zur Vorbildung für das künftige Leben in Palästina geboten. Gegenwärtig wird in dem von dem Philanthropen P i n c h a s Ge r s c h o v s k y in Lodz gewidmeten neuen großen Gebäude eine Werk-, stä11enan 1age £ür Schlosserei und Tiscblere i eingerichtet, die allmählich aiuch für andere Fächer ausgebaut werden soll. Geringe jüdische Einwanderung in Kanada. In einer Antwort des kanadischen Ministers für Ein-. Wanderung und Kolonisation Robert Park auf eine Inter-! pellatdon ist das statistische Material über die E i n w a nderüng im Laufe des Jahres 1927 enthaltend Der Minister stellt fest, daß in dem genannten Jahre im ganzen 158.884 Emigranten ins Land gekommen sind, und zwar 52.000 aus England, der Rest aus den Vereinigten Staaten und den europäischen Ländern. Unter den 'Einwanderern des Jahres 1927 befanden sich, wie der Einwanderungsminister besonders hervorhebt, im ganzen bloß 4744 Juden, zumeist aus den osteuropäischen Ländern. Samstag den 14. April um 8 Uhr abends im Lokale der Scholle =5=555! % Bezirk, Lilienbiunngasse 1 .^4, Tagesordnung: i i Ziooisf en? Referenten: Rechtsanwalt Or. Leopold Plaschkes, | Rechtsanwalt Dr. I. Waldmann und | David Neberizahl 1

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