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Die neue Welt · 1928-04-13 · Heft 30 (13.4.1928) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 30 (13.4.1928)
Date
1928-04-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Setfe 4 DIE NEUE WELT Hr. 30 Stephen Wises Rücktritt* Der Konflikt in der amerikanisch-zionistischen Organisation. Der Konflikt in der amerikanischen Organisation bat sich in den letzten Tagen noch weiter verschärft. Allgemein sieht man in den jetzigen Geschehnissen eine Wiederholung des Zustandes. wie er im Jahre 1921 bestand, als Oberrichter B r a n d e i s an der Spitze seiner Gruppe die atrierikanisch-aionlstische Organisation verlassen hat. Im Mittelpunkt der Presseerörterungen steht der Rücktritt von Dr. Stephen S. Wise, der nach dem Beispiel der Herren Rosenson und Berenson sowohl aus dem Administrativkomitee der Organisation als äuch aus dem Komitee der United Palestine Appeal ausgetreten ist. Dr. Wise veröffentlicht eine längere Erklärung (in Nr. 29 der „Neuen Welt" bereits mitgeteilt. ~ Red.), in der er die Gründe seines Rücktrittes darlegt und ausführt, sein Konflikt mit der zionistischen Leitung datiere noch aus der Zeit des 15. Zionistenkongresses in Ba,sel her. Er habe sich schon damals gedrängt gefühlt, den Kongreßvor dessen Beendigung zu verlassen und nach den Vereinigten Staaten zurückzukehren, um dadurch in nicht mißzuverstehender Weise eine Verurteilung der Methoden der zionistischen Führerschaft, die es nicht vermocht hat, die jüdischen Forderungen bei der Mandatarmächt durchzusetzen, anzuzeigen. Mit seinem Rücktritt habe er bis zur An* kunft. Dr. Wefosmanns in Amerika gewartet. Die jetzige Politik der zionistischen Führerschaft sei nicht die des Kompromisses, sondern die der Unterwerfung. In der Organisation selbst aber wird ein absolutistisches Regime geführt. Die zionistische Frauenorganisation H a d a s s a h, die schon bei der letzten Konvention der amerikanischen Zionisten eine ausgesprochene Pro-Brandeis-Haltung eingenommen Hatte, ha*, beschlossen, ' zu der Konferenz der Opposition, die am 15. April In Washington beginnt, eine Delegation zu entsenden, öberrichter Brand eis wird auf dieser Konferenz selbst das Wort ergreifen. . Nathan S t r a u s, der amerikanisch-jüdische Philanthrop, der im vorigen Jahre seinen S0V Geburt tag gefeiert hat, hat sich in dem Konflikt zwischen de« Anhängern Dr. Weidmanns und den Anhängern des Öberrichters Louis Bra n d,e i s ganz auf. die Seite Df. Weizmanns gestellt. Eine Erklärung, Jn der er besonders die Angriffe VVsses auf Dr. Weizniann scharf zurückweist, schließt Nathan Straus mit den Worten: „Wer Weizmanns Feind ist, ist auch mein Feind." Wie aus der Umgebung Dr. Weizmanns irritgeteilt wird, hat der Präsident der Zionistischen "Weltorganisation keineswegs die Absicht, auf die Angriffe von Dr.-Wise gegen seine Führung irgendwie einzugehen; er betrachtet die ganze. Angelegenheit als eine lokale Kontroverse, durch die die Einheit der Zionistischen Weltorganisation nicht gefährdet werden kann. . Die Jewish Agency-Kommlssion. Herr Louis-Mars-ha 11» der Führer der nichtzionistischen Palästinafreunde in Amerika, teilt mit, daß die Tagung der Jewish Agency-Kommission, die Notabeltifamllle zur Beschreibung der markantesten Gestalten, aber auch zur Buchung der lustigsten und traurig»-» sten Episoden aus dieser Zeit der hastigen Assimilation und des Unterkriechens. Recht eingehend verfolgt ein bemerkenswerter Abschnitt die Schicksale der „unterirdischen", der mchitolerierten und doch in Wien überaus zahlreich lebenden Juden. Hier zeigt sich ergötzlich, wie die Juden gegen das Gesetz zu leben gezwungen sind und wie die Staats» \ gewalt, die einen scharfen Kampf gegen sie zu führen — [ scheint, den ungesetzlichen Zustand mit heimlichem Wohlwollen fördert, ja» Grund hat, besorgt zu sein, daß sich die Juden am Ende an das Gesetz halten könnten, weit solche Bravheit den unverzüglichen Untergang des gesamten Engros-Zwischenhandel der Residenz bewirkt hätte. Eine kleine spaßige Angelegenheit, an sich gering» aber bezeichnend dafür, daß die Wiener nicht gar so schlecht mit ihren Juden lebten, ist die jahrelange kaiserliche Sorge um den — Purimball. Purim fällt in diei Fastenzeit und die jüdischen Maskenfeste wurden von den Wienern eifrig besucht. Es war eine willkommene Erstreckung des Fischings. Solche anstößige gesellschaftliche Vermischung zu verhindern, wurde die Polizei vor dem Lokal des Purimballs postiert. Vergebens. Den Wienern gefiel das Purimamüsement ausgezeichnet. So mußte denn die Majestät die Abhaltung von Purimbälleit || während der Fastenzeit verbieten. Es ist ein anregendes, amüsantes Buch, und es lieat sich so gut, daß man übersieht» welche umfassende und! gründliche Studien seiner Niedexechrüt vorangehen mußten. Otto Abele«. I sföh mit der Prüfung der Berichte <ter uacä Palästina entsandten Sachverständigen und mit der Ausarbeitung eines Planes der zukünftigen Aufbauarbeit in Palästina zu befassen hat innerhalb, zweier Monate in einer Stadt Amerikas oder Europas stattfinden wird. '• ........- Sir Herbert Samuel über die Mandatspolitik. ' Das Kerert-Haijessöd-<Kamitee der Vereinigten Synagogen Englands gab zu Ehren Sir Herbert Samuels, des Führers der ifbettfen Partei und frftheren Oberkommissars von Palästifta, einen Empfang, Jtr dessen Verlauf Sir Heribert eine Ansprache iüber die fliehten des Juden gegenüber Palästina hielt. In den zehn Jaihren seit der Verkündung der Bailfour* Deklaration, smte er, wird eine vernünftige und würdige Politik befolgt, die es WöM verdient, von jedem -britischen Juden unterstützt zu werden. Die britische Regierung stützt das Unternehmen, das britischen Reichsfotteressen dient. Der Schutz des Suez -Kana 1 s ist von vitaler Bedeutung für Großbritannien, und Je mehr Schwierigkeiten in Aegypten entstehen, desto wichtiger wird die Position Pa'lästiitas für di e b r i t i s eih e R e» gierung. Großbritannien hat das Mandat für Palästina übernommen, erfüllt von dem Wunsche, daß dieses Unternehmen voll gedeifoeti und ohne jede Leistung seitens des britischen Steuerzahlers sich entwickeln soll. Tatsache Ist. daß die einzige Ausgabe der britischen Regierung in Pä- Jästlwa in der Erhaltung der Garnison besteht, und auch diese Ausgabe ist in außerordentlich niedrigein Proportionen gehalten. Ich kann deshaib niöht verstehen, sagte Sir Herbert, daß Juden, die von Patriotismus für Großbritannien beseelt sind, dieser Politik der britischen. Regierung .-gleichgültig gegenüberstehen. Warum wünschen sie, daß die „Union Jack" in j ed e m L.aÄn der.wefte, nur «nicht in Palästina? Wollen sie britischer sein, als Baliour, imperiaiisti^ scher als A-tnery?' WaÄp^eigfevder>v«r/fltlscne-'.' Christ Palästina seih '«nitefes«e]\wMre'fld"deV brifeöne Jude gegenüber diesem Rufe täubCfefö /. . * ' J_. " ' ' ' "' _ "•' '■■ Die Rede Heribert Samuels ist nicht geeignet, Über das Wesen, des Zionismus-, autoklä-r.en. Soflche Ausführungen «können zu, den, soh\ver|fehf: -MifKieijttir|geti Ansteß, geben, insbesondere dann, w6nm^iie^;;mit de* ■Forderung.< d<äs Arbeiterführers Wedgwpdd,''' '*' Palä^'fin-ä zum britischen [| Dommitttn zu machen, in Verbindung gebrächt 'werden. % ... Old Shatterhond aticjf y/fanitovt , Die Wonken i.HöfiÄä4* Ifaitferzta, ■ V Wie < is)<?h'«iu U\t ji&tyVt& Mät»ti«f.. ätf«ttit, Uta*' Vittoü pf*- Xnefi"*'6,'b«fth<iA<t. -v ,;Herfrt'd'*; ist alkÄftöftföft, ^«l^^^HflÄWÄ««««!«!*: Bslm Kauf ma/in, er hfl mich I Ohne Haus, ohne Öfen, ohne . . ." Sdhuilje: Die Judenkoloni«ation der Sowjets, Von Dr. I. Schi^htmaiiii, Parte. Der Haupttrumpf der „russischen .Kolonisation"*), der ständig der Kolonisation .Palästinas a|s vorwurfsvolles Beispiel entgegengestellt wur<Je, war ihre „Billigkeit". Der Bericht des „Kommet" für das Jahr 1925 berechnete den,Kostenauf wand, für die Einrichtung einer Familie in der Landwirtschaft, auf 655 Rubel, das he!8t 65 Pfund. Aber diese ohnedies, schon ganz phantastische Ziffer hat sich nicht lange behauptet. Schj>n';,im November 1926 sprach L a r i n auf der ersten Konferenz der „Ozet" von 1200 Rubel als von einem, idealen Minimum und der Direktor der .Joint", Dr. Bernard Kahn, bezifferte die Kosten sogar auf 2000. Rubel (200 Pfund) per Familie. Die „Agro-Joint" gibt auch tatsächlich für die Installation eine,r Familie 1760 bis 1910 Rubel aus. (die „Ika" und die „Ort4' berechnen das Minimum mit 1500 Rubel,).. Diese Zahlen sind, wie man sieht, viel höher tyl$ die projektierten. Sie sind aber immerhin .niedrig genug. 120 bis, 200 Pfund für die Installation einer Familie — das ist billig» sehr billig. Eine landwirtschaftliche Durchschnittswirtschait wird heutzutage (nach Larjns Angaben) auf 2500 Rubel ge-. schätzt. Die jüdische Wirtschaft ist also viel billiger. Billig, *) Siehe „Neue Welt" Nr. 28 und 29. a Verband radikaler Zionisten Mittwoch, den 18. April 1028 um halb 9 Uhr abends findet im Klublokale Cafe Atlashof, Wien,!., Aspeinplatz, eine Klubversammlung,,,, s Gegenstand: Der zionistische Konflikt In Amerika; De? Vorschlag des Colone} wedaewood : ■ Referent; Rofrcrt Sticket'; •i ... .'; .'ffrulf X*MM#;«^vi:* Vs'{ .£ IIUUIM resTsm Des Hora „comtincntal** •l»*'»**«*»»«<«*««*«* Wiätt. tl., Taborttrtfl»J Mr. 6 «*«*«*»*»*<>*^**««««« - Sonntag* den i& AprW 1925, nalt> 8 Uhr abends: Arienu. Duetten-Abend ö&erfcantor öerson narfluiics (Jüdisch« LI ed«f) Mitwirkend«: Kammersängerin Helene Pola — Margarethe Sfezafc Bettina Omer - Ladislaus Karvalu — Dario Medlna Preis«: S 4, 3, 2£ö und 2. Kartenbestellungen unter Tölephoo (ittd M der Aböndkasi« ii«wiminil»liH«i)BI»IIUi,fi>.M>MmimHiUlmmmHlnlm«iimw aber minderwertig 1 Wollen wir uns diese „Mtäwen" iftdiischen Wirtschaften etwas näher ansehen. Die im Oktober 1927 stat(gefundene ^Konferenz der Partei- und KotTtsonioI^kommanistfschG JtigeiÄi)Mitarbeiter der alten und neuen Kidischen Kolonien" hat die katastrophale Lage der Kolonisten fct hemg auf die Versorgung der Wirtschaften mit lebendigem ond totetn Inventar festgestellt. Im Chersoner Gebiet Haben 42,7 Prozent keine PÜerde, im Kriworoger Gebiet 48,6 Prozent. Ohne Kühe sind im Chersoner Gebiet 25,8 Prozent, hu Kriworöger ■Gebiet 38,3 Prozent und im Gebiet Sinowlewsk sogar 50 Prozent. . Der Kostenauifwand ftir den Bau eines Hauses bcläiift sich auf 30 bis 50 Prozent der «Gesamtkosten der Installation. Und trotzdem (wie aus dem Bericht des Herrn N1 k olajewski auf der Konferenz der „Ozet" zu ersehen ist) hat der Voranschlag der Ukrainer „Komzet" (400 Rubel) für den Bau eines Hauses ein ,^Haus ohne Dach" vorgesehen; m der Krim (nach dem Bericht des Herrn T a 1 a 1 a e w auf der erwähnten Konferenz) ist ein Ofen für je 36 Familien vorhanden, was ewige Zänkereien hervor mit. Aber sogar die Schaffung einer solchen „Gemütlich- «kelt-' für jede einzelne Familie wird durch das billige Reklamebudget der Sowjetkolonisation nicht gesichert. Herr Larln «mußte auf der Konferenz der „Ozet" Im Namen der Zentralverwaltung vorschlagen, „den' Upbersiedlem zu empfehlen, in den ersten Jahren nach der Uebersiedluii'g sich mit einem Hause für je zwei Familien m begnügen". Er selbst sieht ein, daß unter solchen Bedingungen „die Größe der Wohnfläche geringer als die normale sein wird" und daß „auif eine Seele nur die Hälfte des hyglenisob notwendigen Raumes kommt". Das alles macht alber nichts ans: dafür wird die. Kolonisation ^billig" seln, tm Gegensatzzu Palästina und seinen „Kolonien . . . . < , v:,{• (Nicht,. vielj besser., steht. eß, u .m; d a s, S c h u \ w^s^n in den Ködonlen. Aud der Konferenz in C h a r k o w wurde festgestellt, daß „in den jüdischen Kolonien in der Ukraine 500Ö "'bis Ö0OO «schulnflfchtige Kinder vorhanden sind; es" seien 100 bis 120 Schulkomplexe nötig, vorhanden sind aber ' MoB 20; es ist auch ein-«roßer «Mangel an 'Lesehallen ibemeptobar"; Unter diesen Verhältnissen — Hä>u<$er ohne Dächer, ein Ofen für 36 Fjamilien, Mangel an Schulen — kann die Kolonisation selbstverständlich billig sein«. Trotzdem wird sie teuren Die Erfahrungen haben schon die geringe Widerstandsfähigkeit und Rentabilität; d e r f e i n e n G e t r e i d ewlrtschaften ans Licht gebracht. Man ist gezwungen, diese Wirtschaften durch die Einführung von Weinbau und Milchwirtschaft zu ergänzen; nach den bescheidenen Berechnungen von Dr. R uppl n wird dies den Preis der Einrichtung jeder Wirtschaft auf 3000 Rubel, das heißt 300 PfuiÄi steigern. Diese Scheinibilligkeit, welche noch durch Vergleiche «mit Palästina unterstrichen wurde, war das Hauptlockmittei für die amerikanisch-jüdischen Kreise, auf deren Hilfe die ganze Finanzierung der ^russischen" Kolonisation aufgebaut würde. Die zweite Geldquelle waren die persönlichen Mittel der Siedler; als die dritte Quelle galt die Hille der So wie t regier ung. In der Hoffnung aui diese drei Quellen haben «die «Enthusiasten der Sowjetkolonisation ein grandloses Schema aufgebaut: dpe Absiedlung von 500.000 Seelen mit einem Kostenaufwand von 120 Millionen Rubel. Diese Berechnungen haben sich als trügerisch erwiesen. Vor allen Dingen haben sich «die Hoffnungen auf die Auslandshilfe nicht gerechtfertigt. Die HauptgeldqueHe — -die des „Joint" — machte selbst eine schwere Finanzkrise durch. Die Einnahmen fließen langsam und unregelmäßig zu. Im Laufe de ^vergangenen Jahres «ist schon zweimal in der jüdischen Presse mitgeteilt gewesen, daß die Kassen des „Joint", zum erstenmal seit seiner Gründung, leer sind; soHten keine neuen Mittel zufließen, so werde der „Joint" gezwungen sein, die ganze Tätigkeit einzustellen. Die letzthin, publizierten (Erklärungen «des Direktor« des „Agro- Joint", Dr. Rossen, 460 „Joint" keinen Ante)) au der Kolonisation von Bir~? BMJaa la Sibirien nehmen wird« sind In dieser Hinsicht gewiß nioht zufälih?. Die Hoffnungen auf die eigenen M*tt«il d*i S* edier haben sich bei weitem nicht erfüllt Eta Haas, Hab und Gat, ijfibei, die «n «ad »E steh einen gewissen

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