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Die neue Welt · 1928-04-13 · Heft 30 (13.4.1928) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 30 (13.4.1928)
Date
1928-04-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. .10 wie sich die Juden unter den schwersten Verhältnissen abrackern und plagen, und englische Beamte ihnen noch Hindernisse 'bereiten. England als Mandatarmacht hat die Pflicht, seine Macht, seinen Einfluß und seinen Kredit in den Dienst der Sache des Aufbaues m stellen. So legt Wedgewood die Pflicht Englands fest. Dann aber spricht er vom Rechte Englands. Vor allern hat England das Recht, zu erfahren, was aus d e im j ü d i s c h e n Palästina in politischem Hinsicht wird. Wedgewood wirft die Frage auf: Soli England das jüdische Palästina aufbauen, auf die Gefahr; hin, daß dieses mit seiner Hilfe^geschaffene politische Gebilde von dritter Seite benutzt werden kann,, um England in seinen Stelhingen in Asien und Afrika zu budrohen?, Wie kann eine Garantie .geschaffen' werden, daß dieses jüdische Palästina, auf einem für das britische Reich so lebenswichtigen Punkte gelegen, nicht in den Dienst der Feinde gerät oder sich in diesen, Dienst begibt? Auf diese Frage gibt die Zionistische Organisation keine Antwort, -kann keine Antwort geben, da sie doch bezüglich der Zukunft in Schweigen oder nichtssagenden Phrasen verharrt Sie betrachtet ja das N ich taut wo r t en als höchste staatsmännische Weisheit. Dazu kommt, daß. das Schweigen der Leitung, anderen,.Zionisten und Gruppen die Möglichkeit gegeben 'hat, Antworten nach eigenem Gutdünken zu erteilen, das politische Endziel nach eigenem Ermessen festzulegen. So wurde von deutsch-zionistischer Seite der binationale arabisch-jüdische Staat proklamiert. Dann 'wurde von der Verbrüderung mit der großen; arabischen Familie gesprochen, dann von einem Bündnis mit den asiatischen Brüdern gegen das räuberische Europa, dann von der Mission, die Völker Asiens ziu emanzipieren, dann von einer Ievan.tinischen Schwefes. Daß dieses Schweigen der Verantwortlichen und dieses Reden der Unverantwortlichen nicht danach gehalten ist, Wedgewood z>u befriedigen und m beruhigen, ist klar. Er will die fatale Ungewißheit wegschaffen und gibt selbst die Antwort: Palästina muß ein, Bestandteil des britischen Reiches .werden, ein Teilstaat des britischen Imperiums, das siebente Domin iwm. Schon vor einem halben Jahre hat Wedgewood in einer Rede seine These vom jüdisch-englischen Dominium aufgestellt. Ich habe damals in der ,jNeuen Welt" auf die ungeheure Wichtigkeit dieser Kundgebung hingewiesen und. gefordert, daß unserem 'guten Freunde Wedgewood von leitender Stelle aus Antwort erteilt werde. Die .Antwort: „Nein!" Das'Ziel des Zionismus ist der Judenstaat, der selbstän«- dige, neutrale, den Satzungen des Völkerbundes entsprechende Judenstaat. Wer die •zionistische. Bewegung dieses Zieles1 beraubt, wer aus dem Zionismus die Angelegenheit irgend einer anderen Nation macht, sei es auch der besten mnd 'mächtigsten, vermohtet den Zionismus. Er berambt ihn seiner internationalen Bedeutung und . seiner internationalen Möglichkeiten. Um nur eine Konsequenz hervorzuheben: Ist das Ziel ein, englisches Dominium, ein Beständteil England«, dann können alle anderen Staaten' den Zionismus innerhalb ihrer Grenzen unterdrücken und verbieten, daß Geld und Menschen insbritische Dominium gebracht werden. Große* Teile des jüdischen Volkes gönnten, oder müßten sich dann ,an Palästina dosiriteres§iert erklären. England, wird, im palästinensischen Judenstaate, dem; friedenstiftenden neutralen judenstaate und dem dankbaren jüdischen Volke die besten, zuverlässigsten Freunde und Bundesgenossen haben,. Aber Palästina kann und darf nur jüdisch, es kann nicht englisch-jüdisch werden. Es kann , nicht einer zweiten Macht, es kann nur dem Bunde der Kulturvölker dienen. Die Leitung der Zionistischen Organisation hatr damals meinen Ruf nach unzweideutiger, klarer Antwort ignoriert. Sie hat Wedgewood ohne Antwort und meine Aufforderung unbeachtet gelassen. Nun spricht Wedgewood wieder und nachdrücMicher als damals. Wedgewood ist nicht irgend jemand. Er war bisher der beste Fürsprecher der zionistischen Sache und die Zionistische Organisation hat Ihn, verdientermaßen, gefeiert. Er ist Führer der mächtigsten Arbeiterpartei, war,Minister des mächtigsten,Weltreiches, und wird es wahrscheinlich wieder sein. Sern Buch vom siebenten Dominium wird vom Verlage der britischen Arbeiterpartei verbreitet. Kann das alles bagatellisiert werden? Wird die zionistische Leituntg wieder schweigen, staatsmännischschweigen? Oder wird sie, was noch 'verhängnisvoller werden kantt, andere, unverantwortliche Menschen reden »lassen? Schon hat Herbert Samuel, der ehemalige Gouverneur von Palästina, in London eine Rede gehalten, die leicht im Sinne des Wedgewoodschen Planes gedeutet werden kann. Schon hat das. englische offizielle Organ der zionistischen Leitung — allerdings in feuilletonistischer Art, im Plauderton — au Wedgewood in einer Art gesprochen, die alle Auslegungen möglich macht. Aber wahrlich, für Plaudereien und diplomatisch^neckisches Versteckenspiel sind Zeit und Anlaß ■zu ernst. Jetet Iteißt es. i&uibe bekennen)! RUNDSCHAU. Von den!Mschen Agenten des Antisemiten Ford. In der „Neuen: Welt" wurde einigemaie auf das unwürdige Treiben einiger jüdischer Geschäftsjournalisten um den bekannten Automobilfabrikanten und Oberantisemiten Ford hingewiesen. Durch Jahrelange Verbreitung von Pogrom- und Ritualmordschriften, insbesondere des Buches „Die Weisen von Zion", in Dutzenden Sprachen und Millionen Exemplaren hat Ford dem jüdischen Volke unsäglichen Schaden angetan. Da sein Autörttobilgeschäft schwächer wurde und er den Boykott seitens der Juden zu spüren begann, erklärte Ford eines Tages ganz einfach, er habe sich geirrt und sei kein Antisemit mehr. Sofort brachten gewisse jüdische oder von Juden gemachte Zeitungen speichelleckerische Artikel über den „genialen" Ford, vorne und hinten gutbezahlte fette Inserate. Wir haben n. a. auch auf den New Yorker Journalisten Hermann B e r n s t e i n hingewiesen, der als einer der ersten zu Ford nach Detroit gelaufen ist und dessen überschengliche Lobpreisungen über Ford auch in großen Wiener Blättern erschienen, selbstverständlich in inniger Verbindung mit Inseraten. Dieser Tage erhielt die Redaktion der „Neuen Welt" aus New York einen Brief Hermann Bernsteins, der noch ein Lob für seine Ford-Propaganda fordert und von Beschimpfungen gegen die „Neue Welt" strotzt. Natürlich. Es gibt eine Sorte von Spitzbuben, die besonders rabiat werden, wenn man sie in ihrem Gewerbe stört. Das sind die Zuhälter. Das unflätige Schimpfen gehört schon zu diesem Handwerk. War fanden also nichts. Neues oder Bemerkenswertes an der Form der Bernsteinschen Botschaft. Nur eines scheint uns der Erwähnung wert. Hermann Bernstein tut so, als stünde sein Treiben in einer gewissen Uebereinstimmung mit den Absichten des bekannten jüdisch-amerikanischen Führers- Louis M a r s h a 1. Wohl hat Marshai vor einiger Zeit Ford empfangen . und seine Abschwörung des Antisemitismus entgegengenommen. Fest steht aber, daß ein Mann wie Marshai .moralisch turmhoch, über Bernstein und Genossen steht und mit ihren Geschäften sicher nicht das Geringste zu tun hat Wenn wir also die Episode Bernstein-Ford erwähnen, so geschieht es, um Herrn Marshai von zweideutigen Manövern in Kenntnis zu. setzen und ihm Gelegenheit zu geben, zwischen sich und gewissen Ausbeutern des:. Gesinnnngswechsels . des Herrn Ford die gehörige Distanz zu, schaffen. , , ..: ..... . ,. . . .'. - . " ... . . * y ■ Eine Rumänien-Debatte im amerikanischen Parlament. In der am 7. April abgehaltenen Sitzung des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten wurde die Reisolution; des. jüdischen Repräsentanten Cel- 1 e r gegen die Gewährung' v einer Anleihe an Rumänien behandelt. -In-, einer, wirkungsvollen Rede forderte Celler den Statssekretär Kellogg auf, der geplanten rumäniischen An 1 eihe in Höhe von ,60 Millionen Dollar, die s taat Ii c h e G ene hmigün% zu'.versagen, da eine Regierung, die die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den nationalen Minderheiten nicht erfüllt und diese Minderheiten schweren Bedrückungen , aussetzt; auch in finanzieller Beziehung kein V e rtrauen verdient. Celler wurde vom Repräsentanten Black energisch , unterstützt, Beide J?*r. Präsentanten erklärten,, sie würden ihr Möglichstes tun, um die Auflegung der rumänischen Anleihe in Amerika zu verhindern. Der Präsident der Moskauer jüdischen Gemeinde verhaftet. Der Präsident der Moskauer jüdischen Gemeinde, der hervorragende Rechtsanwalt Isaac Urison, ist von Beamten der G. P. U. aus bisher unbekannten Sie werden es nie bereuen wenn Sie den Rat befolgen, Ihren Körper widerstandsfähig und widerstandskräftig zu machen. Im Kampf ums Dasein spielt es eine große Rolle, daß Sie keinen Tag verlieren, daß Sie durch keine Erkältung gezwungen werden, tagelang Ihrem Beruf, Ihrer Beschäftigung fern zu bleiben. Gebrauchen Sie ständig jeden Tag HiZföZ&ü&m FRANZBRANNTWEIN mit Menthol und Sie schützen sich am besten gegen alle Unbill des Winters und des Alters. j Oberall erhältlich l j Gründen verhaftet worden. Urison war nicht Zionist. Er war zuletzt als juristischer Sachverständiger im Rechtsinstitut der Sowjetregierung tätig. Die Meldungen über die Völkerbundanleihe für den Palästinaaufbau. Die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation veröffentlicht eine Erklärung, wonach sie die Verantwortung für die vor kurzem in vielen Zeitungen erschienenen Mitteilungen hinsichtlich einer von der Zionistischen Organisation . geplanten internationalen Anleihe ablehnt. Die Mitteilungen seien nur teil-, weise zutreffend, meist aber irreftihrend und dazu angetan, Hoffnungen zu erwecken, ohne daß gleichzeitig die bestehenden Schwierigkeiten in Betracht gezogen werden. Unter Hinweis auf Mitteilungen :von Korrespon* denten zionistischer Zeitungen, die sich auf „JCreise der Exekutive" oder auf „gutinformierte Quelle4' berufen haben, erklärt die Exekutive, daß weder; sie noch eines ihrer Mitglieder irgendeinem Korrespondenten autoritative Informationen erteilt haben. . \ v pie Vereinigung der Zionisten Polens. _ Das Zentralkomitee der Zionistischen: Organisation in Polen hat beschlossen, für den 22. April nach Lodz eine gemeinschaftliche Konferenz der zionistischen Zentralkomitees in Warschau, Krakau. Lemberg lind Wilna einzuberufen, die einen Ob er rat der zionistischen Organisationen ganz Polens; zu wählen haben wird. Diese Konferenz wird als ein entscheidender Schritt nach vorwärts in der Richtung des restlosen organisatorischen Zusammenschlusses , der zionistischen Bewegung in der polnischen. Republik aufgefaßt. . Die „Freunde Israels** vom Heiligen Stuhl verboten, Aus Rom meldet die J. T. A.:;Die Gesellschaft der „Freunde Israels" (Amici d'Israeli) ist vom Heiligen Stuhl v'e> boten worden. Das Verbot-hat in Italien großes' Aufsehen erregt. ' Die Gesellschaft „Freunde Israels" wurde im Frühjahr 1926 von Mgr. Dr. Van As'seldonk begründet. Ihr erster Präsident war Kardinal Si l j. Sie verkündete als ihr Ziel, eine Annäherung zwischen Juden und Christen auf der- Grundlage gegenseitiger Verständigung herbeizuführen. Von den führenden Männern der Gesellschaft wurde nachdrücklich betont, daß diese nicht beabsichtige, ein missionares Werk zu betreiben, Vor kurzem teilte der deutsch-katholische Publizist Kaplan Franz Roedel mit, daß auf Veranlassung der „Freunde Israels" der Papst eine Enzyklika vorbereitet, die eine Verdammung des Antisemitismus ausspricht. Dieser Mitteilung, wurde später von maßgebenden katholischen Kreisen Roms widersprochen. Colonel Symes nach Aden versetzt. Colonel S y mes, bisher Chefsekretar der Palästinaregierung, ist zum britischen Residenten und Oberbefehlshaber in A de n ernannt worden und verläßt demnächst' Palästina. Colone!'Symes wurde 1920 nach Uebernahme der Zivilregierung durch Sir Herbert Samuel zum - Gouverneur des Norddistrikts von Palästina ernannt und blieb in diesem Amte bis zum Rücktritt Sir Herbert Samuels im Jahre 1925. Im Mai 1925 wurde er als Nachfolger Clayton s zum Chefsekretär der Palästinaregierung ernannt und fungierte seit der Abreise Sir Herberts bis zur Ankunft Lord Plumers als Stellvertretender Oberkommissär. In der 9. Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes, in der der Bericht über die Verwaltung Palästinas der Prüfung unterlag, vertrat Symes die bjitisch* Regierung. N

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