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Die neue Welt · 1928-04-04 · Heft 29 (4.4.1928) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 29 (4.4.1928)
Date
1928-04-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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DIE NEUE WELT Mr. & ABRAHAMOWICZ /CHUHE ♦ 33 II., TabopsiMsse PrOfijahr«.Modell« In «norm groBer Auswahl! Prlm« Qualitätsware! / Billigst« Pralae! Kauffan Sla unaaran hyglanlschan Ktndaraehuh! Heiligen Lande erhoben und dann — schliefen alle drei am'unteren Ende des Sedertisches selig ein. \ Sari störte die Männer nicht. Erst als der Morgen graute, weckte sie die Bachuri<m und malmte sie an ihre PfMcht, m die Synagoge zum Morgengottcsdienst zu gehen. Gtwipel erzählte überall von dem herrliche1! Se<lerat>end, den die zwei Bachurim ihm verschafft hätten, lobte besonders ihre Gelehrsamkeit. wie :Si*e mit den hebräischen Lehrspriichen mir so jitm sich' warfen, und wie schwer es gewesen sei. •^'» entscheiden, wer von beiden im Rechte gewesen sei, 'da sie beide fanatisch au ihrem Standpunkt festhielten. Es'1 war * wohl eine stürmische, aber eine herrliche ß'edernacht. Der Auszug aus Aegypten. Archäologen und Geschichtsforscher haben sich w^derholt eingehend mit der Frage befaßt, in 'welcher, Zeit unserer Zeitrechnung der Auszug der Juden aus Aegypten wohl stattgefunden haben mochte. Die versahieoenen Hypothesen mußten bei jedem neuen archäologischen Fund in Aegypten oder in Palästina revidiert werden. Diese Funde brachten neues Datenmaterial zu dieser Präge ans Tageslicht. Bisher nahm man gewöhnlich an, dä;ß der Aufenthalt der Juden in Aegypten ungefähr im : d r e i z e h n t e n Jahrhundert vor' der heute üblichen Zeitrechnung;sein Ende fand, und in , dieses Jahrhundert auch die Eroberung Palästinas zu setzen sei. Die vorgefundenen alten Inschriften und Briefe rücken jedoch dieses Datum um etwa zwei Jahrhunderte bis ins 15. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung vor. Daß die Juden in Aegypten ansäßig waren, dafür geben die sogenannten Leydencr PsCp yri, ein heute von den ägyptischen Pliylologen kaum angezweifeltes Zeugnis. Diese Papyri berichten nämlich von einer fremdstämmigen Helotenkaste irn alten Aegypten und nennen dieses fremde Volk nach der übereinstimmenden Lesart „Aperiyv". Diese Bezeichnung deqfyt' sich sächlich und sprachlich mit der m den TeU Atnarna-Briefen gelesenen Bezeichnung „Chabeiri", die tii?zjveifelhaft eine ägyptisch-linguistische Umformung des Wortes „Iwri" (Hebräer) darstellt. Die Tel-Amarna-Briefe, in denen die' Korrespondenz kleinasiatischer Fürsten mit den Ph&taonen Amenhotep III. und IV. enthalten ist — die R^gierungszeit der beiden Pharaonen umfaßt die Zeit von deci ersten Häjfte des 15. bis zur ersten Hälfte des l^r^Jahrhuderirt^ unter anderem auch Bittg^jiche •palästinensischer. Stadtfürsten um ägyptische-Hilfstippen gegen die eindringenden Chabeiri. Die .'..Identität' . dfese^" Narheri mit den Hebräern ist in den als;,'Liste des' Pharäo; Tutmoses" bezeichneten historischen Dokumenten bei^igit.; die aus dem Jähre 1490 vor unserer Zeitrechnung!.: Gstgmmen. f;;.'Die Inschrift.des Pharao Menephtah, in. der es heißt: . ,,Isirir :ist^ verwüstet, ohne Frucht, und Palästina ward ' die.}Witwe Aegyptens", stellt die ä 11 e s t e historische Ntaich f i c h t über die Anwesenheit des Volkes- Israel in Palästina dan Die Identität des ägyptischen \X£ortes „Isirir" niif 'dem hebräischen „Israel" ist heute' über jeden Zweifel efjiahen. Alle diese Dokumente rücken, wie bereits erwähnt, den Zeitpunkt des Auszuges aus Aegypten ungefähr in^die Mittendes :15. Jahrhunderts r vor der heute üblichen Zeitrechnung. Öie Anleihe der Frankfurter israelitischen Gemeinde. 'f'-} Die si^benprozentige Konsolidierun^nleihe der israelischen Gemeinde Frankfurt a. M. von Nominale 1 Million MfjfJc, überdie schon berichtet wurde, wird jetzt von djeryFrankfurter Niederlassung der DiskontogeseHschaft zu 92,5 Prozent angeboten (Aaiszahlungskurs 90 Prozent). Die tief e Anleihe ist .bis. 1. April 1933 unkündbar, von da ab zu pari durch Rückzahlung oder Auslosung bis 1948 zu tilgen. Die'Anleihe soH. an der Frankfurter Börse eingeführt werden. . , _ . r .V; Chefredakteur Jakob Fishman. '•...', Am 28, März hat der Chefredakteur Jakob Fishman des New Yorker „Jewish Morning Journal" seinen 5$, Geburtstag geleiert. Herr Fishman, unter dessen Leitung d^-'Blatt einem der angesehensten jüdischen Organe .^meri'kas geworden ist, gediört seit langein der zionistischen Belegung an. . Er ist Mitglied der Leitung der amerikarii^h-zionistischen Organisation und ist auch in das Große Akiipnskomitee gewählt worden. Der verdiente Publizist isf;an seinem, 50. Geburtstag Gegenstand mannigfacher rjHfiingen;se-hens der Judenschaft der Vereinigten Staaten gewesen. .' ,; i Professor Arturo Segre gestorben. . In Turin verstarb in diesen Tagen der hervorragende italienische Historiker Universitätsprofcssor Arturo S e g r e. .Seine Werke wurden von der königlichen \vls|enschaftlichen Akademie in Turin herausgegeben. Er wji'r;i auch Leiter der Akademie der Wissenschaften. An de^rn jüdischen sozialen und kulturellen Leben in Italien n£jimi er regen Anteil und hielt auch Vorträge über ili^l^he historische Themen. Jeder bewußte Zlonist geht zu PCSSACH in das streng i^D Hotel Restaurant A. Barschak II,, Grosse Schiff gasse 3 .Vorzügliche Pallittina- und ungarische Weine MSBige Preise TelephQn 404-39 •f WM mmm LLOYD SABAUDO GENUA Gxpreßverkehr nach Zhlordu. Südamerika REPR'AS.: I.,KOLOWRATRINa4-TEL.72-3-87 mmmmm mmm i #rw wv<rw1 mmm KARTONNAGENFABRIK I» GELBAND & €9, WIEN, IX. GRUNDLSTR. 5 *M l Telephon 19-0-69 *■ ♦ beliefert alle führenden jüdischen Firmen mit «I AUEN ARTEN KARTONS Eine Pessach-Episode aus dem Sturmjahr. Von Otto Abel es. Etwas bittere Kräuter bleiben dem Sedergast beim lukullischen, weinseligen Mahle nicht erspart. Sie haben symbolische Bedeutung und sollen uns... aber das weiß der geschätzte Leser zumindest ebenso gut, wie der Schreiber dieser Zeilen und diese Einleitung will bloß rechtfertigen, daß sich neben die frohen, feiertäglichen Betrachtungen diese keineswegs, erquickliche historische Erinnerung stellt. Sie betrifft eine kleine, aber sehr bezeichnende Episode aus dem Sturmjalir 1848, trug sich mitten im ersten Freiheitstaumel zu, welcher der Märzrevohition folgte und ist für uns Juden belehrend. Statt der einschlägigen Geschichtswerke bediene ich mich der Memoiren eines Mannes, der diese Zeit mitlebte und sie in seiner einfachen, kräftigen Art sehr eindrucksvoll schildert und weise glossiert, denn er hatte eine reiches Leben und Wirken hinter sich, als er — ein Greis von 80 Jahren — diese Erinnerungen diktierte, und er sah Menschen, Dinge und die Zusammenhänge der Ereignisse viel klarer — seitdem sein Augenlicht erloschen war. Siegm i! n d M a y e r, der Verfasser des Buches „Ein jüdischer Kaufmann", das seinen Lebensweg von 1831 bis 1911 nachdenklich behandelt, war anno 1848 Student der Wiener Technik, eilte am .13. März aus dem Hörsaal zum Landhaiise in der Herrengasse, ,fand aber, da es nicht leicht war, dahin zu gelangen, nur mehr die Blutlachen der, bereits fortgetragenen Märzgefallenen, vor. Heinrich Spitzer, der erste, der sein Leben gab!' war sein Freund und Studiengenosse und Siegmund Mayer war. wie alle jungen Juden, sehr begeistert: „Wir alle waren bereit, uns tausendmal zu opfern." Hell schien ihm die Sonne des 13. März, am hellsten bei der denkwürdigen Leichenfeier. Rabbiner Mannheimer zwischen dem katholischen , und protestantischen Geistlichen, viele Juden als Kompagniekonimandanten der an die 70.000 Mann starken Nationalgarde, welche den Särgen folgten, e i n Grab für alle, ohne Unterschied der Konfession. Und dann fuhr der junge Märzrebell. nach Hause, in die Kehilla von Preßburg, denn Pessacli stand vor der Türe. Auch in Preßburg herrschte jubelnder Freiheitstaumel, aber,— wie der Memoirenschreiber vermerkt — „es -zeigten sich Dinge, welche niit dieser Stimmung sich gar nicht vereinigen wollten." Am Vortage des Pessachfestes durchzog-näm- FRÜHJAHR iimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii die allerletzten Kreationen der Pariser Haute couture u. eigener Schöpfungen aus edelst. Materlaien in unereichter Auswahl zu den bekannt billigen Krupnik- Preisen 1 llllllllll III I II I II II II 11111 Iii i E M MI IP VII. KaSserstr.115 ■ Wlpr W% sWHHHHMi Wir haben nirgends Filialen! n# n OSTERESSIG in neuen Gebinden NUR bei Josef WILDAM Fabrik: 6. Bezirk, Mollardgasse 48 Telephon B 24-0-16 t --.......miwii^h» hch die reisige Preßburger Jtmgmannschaft johlend und auf die Juden schimpfend die Stadt. „Da kommt mehr!" seufzte Siegmund Mayers Vater. Er hatte richtig erkannt, daß diese Demonstration von Drahtziehern als Einleitung einer Jtidenhatz" inszeniert war und schloß eiligst sein Gewölbe sowie das Haustor. Der Ausspruch einer Preßburger Persönlichkeit: „Was wäre das für Freiheit, wenn wir jetzt nicht dje Juden vertreiben könnten!" hatte allgemeine Zustimmung gefunden und sofort ging ein regelrechter Pogrom los. Die Devise in diesen Flitterwochen der Freiheit lautete in Preßburg: „Zurück ins Ghetto!" Die Bürger wollten als praktisches Ergebnis der März.- tage durchsetzen, daß die Juden fürderhin nicht mehr außerhalb der Gittertore, welche die Judengasse abschlössen, Wohnrecht haben sollten und im Sinne dieser Parole erklärte der Militärkommandant, dessen Hilfe nach den ersten Plünderungen erbeten wurde, er könne bloß die Ghettobewohner, nicht aber die in der. Stadt befindlichen Judenhäuser schützen. Da lernte der freiheitstrunkene Akademiker das Barrikadenbauen zu anderen Zwecken benützen, als in den Wiener Revolutionstagen. Es galt, das nackte Leben der Eltern und Geschwister vor dem entfesselten Judenhaß zu erretten und man. lese in dem erwähnten Memoirenbuche nach, in welcher peinvollen Bedrängnis sich die Preßburger' Juden be-i fanden. Die Plünderungen waren schon sehr weit fortgeschritten, die Tedescosche Schule stand in Flammen, doch die Bürgermiiiz erklärte, nicht früher einzugreifen, bevor nicht sämtliche Juden die Stadt verlassen und sich ins Ghetto zurückgezogen hätten. Es liest sich wie ein Hohn auf das „Sturmjahr". Einige Wochen nach der Wiener Revolution und der allgemeinen Verbrüderung sperrt man in Preßburg die Juden ins Ghetto. Allerdings hatte man auch in der Residenz die Forderung der Juden auf Erlangung der Emanzipation mit Flugblättern, wie „die Juden um zwei Kreuzer" beantwortet... Tatsächlich mußten sich alle. Preßburger Juden nach 24 Stunden der Todesangst in den Häusern. der Judengasse verkriechen, sofern es ihnen nicht ..gelungen war, aus der Stadt zu flüchten. Der Zeitgenosse Spitzers, Jellineks, Fisehhofs. noch erfüllt von dem grandiosen Erlebnis des 13. März, noch berauscht vom Anblick der jüdischen Kompagniekommandanten der Nationalgarde, erkannte jetzt, dar heim in Preßburg, daß „die Bürger von 1848 in ihrer Gesinnung nicht besser, in der Methode viel schlimmer und gewaltsamer geworden waren als . ihre Ahnen, die im Jahre .1526 eine Austreibung der Ju-, den veranstaltet hatten;" Es gab noch ein Nachspiel. Die Bauersleute aus der näheren und weiteren Umgebung wollten ihren Anteil an den Plünderungen haben, trafen aber mjt ihren Körben, Säcken und Tüchern verspätet ein. Sehr enttäuscht über ihre zwecklose Wanderung nach Preßburg hielten sie sich unverzüglich bei den Juden ihrer Marktflecken und Dörfer schadlos. 'So erwärmten sich die Gemüter bis tief in die Slowakei hinein an diesen Ausstrahlungen der Wiener Märzrevokition. ' Die Sederabende, die Pessachwoche verbrachte unser Wiener Märzheld, der in so kurzem Zwischenraum und aus so verschiedenen Anlässen zweimal hinter Barrikaden gestanden war. mit seinen Familienangehörigen und mit der gesamten Preßburger Judenschaft im Pferch des Ghettos. Bis auf einen einzigen Mann, Hermann H i r s c h 1, den Pächter des städtischen Brauhauses. Er erklärte, der Gewalt nicht weichen zu wollen,, sondern ihr, da es anders nicht tunlich sei. Gewalt, entgegenzusetzen, umgab sein Haus mit Verteidi-, gungswerken, bewaffnete sich und seine Leute, „er ging nicht ins Ghetto zurück, man' gewann Achtung vor diesem Mutigen, es wurde ihm kein Haar gekrümmt, er verblieb in seinem Hause und beging dort sein Fest der'Freiheit. Gesegnet bleibt das Angedenken dieses , mit Unrecht vergessenen jüdischen Helden des Sturmjalir es. üjiiiiiiiiiuiiiiiiiiim! rESTSRÄL DES HOTEL „CO NT IN EN TAL" Wien, H.,Taborslra6e Nr. 6 .♦♦..,.«............ •: I Sonntag, den is. April 1928, halb 8 Uhr abends: I Arienu. Duetten-Abend ODerKanror Gerson Nargulics (Jüdische Lieder) Mitwirkende: I Kammersängerin Helene Pola ~ nargai'eme Slezak | Bettina Eimer — Ladislaus Karvaly — Dario fledina I Preise: S 4, 3, 2.50 und 2. Kartenbestellunge» unter Telephon 79.300 und an der Abendkasse iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiniip HimimuinmmmiiimUH

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