Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1928-04-04 · Heft 29 (4.4.1928) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 29 (4.4.1928)
Date
1928-04-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2711630-2711644--0385-2713523
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 29 I EHLER M DE AlBETrl H in Messing und Stahl ■ ■ BETTFEDERN - HYG. MATRATZEN I I PATa-SCHLAFMÖBEl. KINDERWAGEN | ■ BILLIGSTE FABRIKSCREI8E' ■ IsiGM.EISLER NACHF.,WIEN| ■ Pratoratr. 45, Tel. 46-1 40 ✓ V., Diehtg. 19, Tel. 56 106 ■ ■ OagrOndet 1S7QI _Provinavefand; J Die Folter. Airs Bukarest meldet die J. T. A.: Großes Abseilen erregte die Verhaftung zahlreicher Intellektueller und Arbeiter in Großwardein, die beschuldigt werden, ein kommunistisches Komplott vorbereitet zu haben. Unter den ersten Verhafteten befanden sich der Ingenieur Freund, der Daktylograph Jorlan Weiß, die Frauen Judith Lacsko und Friedericke Schwarz. Spater wurden die Kaufleute Fried mann, Ignaz Kiss, Singer, Hermann Steinhardt und einige.Frauen der jüdischen Intelligenz verhaftet. AWe wurden dem Militärgericht rn Klausenburg überstellt. Wäe „Ouvantul" meldet, wurden die Verhafteten fürchterlichen Torturen unterzogen und wurden gezwungen, zu gestehen, daß sie mit anderen Persönlichkeiten, darunter Mitgliedern des Gemeinderates, in Verbindung stehen. Daraufhin wurden auch diese Persönlichkeiten verhaftet. Zwei der Verhafteten versuchten, Selbstmord zu begehen. Der Kaufmann R o s e n f e l d stürzte sich vom zweiten Stockwerk des Gefängnisses in die Tdefe und brach beide Beine. Eine Gruppe Intellektueller der Stadt sandte an den Ministerpräsidentten und den Innenminister ein Memorandum, in welchem sie sich dafür verbürgen, daß die große Mehrheit der Verhafteten nichts mit Kommunismus zu tun hat und daß besonders die Führer der Betufsgenösse n s ch a f t e n antikommunistisch eingestellt sind. Die Freilassung der zu Unrecht Verhafteten wird energisch gefordert. Selbstmorde in Galatz. Infolge der anhaltenden Wirtschaftskrise, die besonders den kaufmännischen Stand schwer trifft, sind in der. letzten Zeit mehrere Selbstmorde angesehener jüdischer Bürger von Galatz erfolgt. In der letzten Woche* haben die drei Großkaufleute Moses Assdan, Braunstein und Mendel Goldstedn, Eigentümer einer großen Mühle, sich das Leben genommen. Drei neue Friedhofsschändungen. Dem „Israelitischen Familienblatt" wird über weitere drei Friedhofsschändungen berichtet. In Eilendorfim Rheinland entdeckten Friedhofbesucher in der vorigen Woche, daß der jüdische Friedhof rohester Zerstörungswut zum Opfer gefallen ist. Eine Anzahl von Leiichensteinen lagen umgeworfen auf den Gräbern; zum Teil waren sie sogar aus dem Boden herau:s gegraben. Der Gottesacker bietet einen furchtbaren Anblick. Von den Tätern fehlt noch jede Spur. * Auf dem jüdischen Friedhof in Baisi.ngen in Württemberg wurden vor kurzem 12 Grabsteine umgestürzt. Als Täter wurden zw e i 1 3 j ähr i g e Knaben aus Baisingen ermittelt. Sie erhielten Schulstrafen. Nach Pflaumloch und Lauchheim ist dies in kurzer Zeit der dritte Fall der Friedhofzerstörung in württembergfschen Gemeinden. Vergangene Woche wurde der alte jüdische Friedhof in Fulda geschändet. Die jüdische Gemeinde hat eine Belohnung für die Feststellung der Täter ausgesetzt. Gustav Ador. Der in der .Nacht vom 30. zum 31. März in Gern im Alter von 83 Jahren verstorbene berühmte schweizerische Staatsmann Gustav Ador, Präsident des Internationalen Roten Kreuzes und frühere Präsident der schweizerischen Republik, hat sich im Verlauf seiner staatsmännischen Tätigkeit oft mit dem jüdischen Hilfswerk, insbesondere mit dem FlüchtJingshilfswerk, beschäftigt. Als Präsident des Roten Kreuzes hat er 1921, in der Zeit der schwersten Hungerperiode in Rußland, eine internationale Konferenz für Hilfe an die russische Bevölkerung einberufen, zu der er auch das Komitee der „Jüdischen Welt-Hilfskon f e r en z" eingeladen und ihm Gelegenheit gegeben hat, eine spezielle Hilfsaktion für die russischen Juden durch Uebermittlung von rituellen Lebensmittelpaketen durchzuführen. Zur Zeit des Hit ler-Pu tsches in München intervenierte er bei dem deutschen Roten Kreuz zugunsten der verfolgten Juden. Der 100. Geburtstag von Johannes Heinrich Dunant. Die Schweiz rüstet sich zur Feier des 100. Geburtstages ihres verstorbenen berühmten Sohues Johanues Heinrich Dunant, In der ganzen Welt als der Begründer des Internationalen Roten Kreuzes bekannt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, lange vor Entstehen der modernen zionistischen Bewegung, trat Dunant mit Plänen über eine große Kolonisation in Palästina auf. Zunächst versuchte er Napoleon III. für diese Idee zu interessieren, später suchte er Unterstützung hierfür in Paris, London und Berlin. Er kam in dieser Sache mit den angesehensten Juden jener Epoche, wie Adolphe Cremieux, Moses Montefiore, Mitgliedern der Familie Rothschild usw. in Berührung. 1873 begründete er die „Internationale Gesellschaft für die Wiederbelebung 4n Orients (Soctete* Internationale pour la renovaüou de l'orient), and ein Jahr später die „Syrische und Palästinensische Kolonisationsgescllschaft" (Syrien and Palästine Colonisations Society), deren Hauptziel die Landansledlung von „Anständigen Menschen und besonders Juden" war. Dem ersten Ztonistenkongreß in Basel sandte er einen begeisterten Gruß. Auszeichnung des Präsidenten der Linzer jüdischen Gemeinde. Der Bundespräsident Dr. Hainisch hat dem Präsidenten der jüdischen Kultusgemeinde in Linz, Herrn Benedikt Schwager, in Würdigung seiner Verdienste um das öffentliche Wohl das silberne Ehrenzeichen der Republik verliehen. Zum Czernin-ProzeB. Von der Verteidigung der „Neuen Welt" erhalten wir folgende Mitteilung: Gelegentlich der Ueberprüfung unseres Beweismaterials haben wir uns auf Grund verläßlicher Informationen veranlaßt gesehen, den Antrag auf Herbeischaffung der Prozeßakten der Nachlaßmasse Cbaim (nicht wie irrtümlich angeführt Meir) Krämer fallen zu lassen. Herr Krämer hat nämlich nur ganz kurze Zeit im Kriege gegen ein fixes Honorar einige Agenden für die Spirituszentrale geführt. Herr Krämer, der als Holzindustrieller und Mensch sich in weiten Kreisen einer besonderen Achtung erfreute, hatte nichts mit den Kriegsgesohäften Eidnngers und seinen Beziehungen zum Grafen Czemin zu tun. Die zitierte Klage der Nachlaßmasse Krämer gegen Nathan Eidinger bezieht sich auf Rechnungslegung aus den Geschäften der Möbedfabröiken „Dca" und anderen Handelsunternehniungen aus den Jahren 1922 bis Emde 1925, da Herrn Krämer, welcher einige Jahre nach dem Kriege die Funktion eines Zentralinspektors der „Dea" angenommen hatte, außer dem Gehalt noch ein Anspruch auf eine Tantieme zustand. Dieser Prozeß ist übrigens durch einen schiedsgerichtlichen Vergleich beendet. AUS PALÄSTINA. Ein Industriebeirat. Die Palästina-Regierung hat'ein beratendes Komitee für Angelegenheiten von Handel und Industrie ernannt, das sich aus dem Schatzmeister der Regierung, den Direktoren der Departements für Handel und Landwirtschaft und dem Vizedirektor der Palästina-Eisenbahn zusammensetzt. Das Komitee wird sich aus den Reihen der .Kaufleute und Industriellen ergänzen, und in besonderen Fällen von Personen des öffentlichen Lobens Material einholen. Die Industrie. Die große Siiikatif afo-ri k hatte, als sie vor längerer Zeit ihren Betrieb einstellte, einen Vorrat von gegen 4 Millionen Ziegeln, die bis auf einen kleinen Rest jetzt bereits abgesetzt sind. Wie mitgeteilt wird, ist die Silikatfabrik in der Lage, im Bedarfsfalle jederzeit die Produktion neu aufzunehmen und monatlich bis 2 Millionen Ziegeln zu liefern. Es werden also auch weiterhin den Bauunternehmern so viel Silikatziegel geliefert werden können, als sie nur benötigen. Vor kurzem wurde auf einem 21,5 Dunam großen Platze nahe beim Dorfe Jazur, 5,5 Kilometer von Jaffa, mit dem Bau einer neuen Lederfabrik begonnen. Beim Graben eines Brunnens, der Vorbereitung der Ziegel und der Legung der Grundsteine sind 15 Anbeiter beschäftigt. Am Neubau der Zähne i a b r i k von Blum in Tel- Awiw gehen die Arbeiten flott vorwärts. Der Bau dürfte in etwa drei Monaten fertiggestellt sein. .Laut dem „Haaretz" nimmt eine von Abraham Tennen'b äum in Tel-Awiw gegründete, modern eingerichtete K r a w a t te nfab r i k demnächst ihren- Betrieb'auf. Die Auswanderung. Im Verlauf des Jahres 1927 sind rund 6000 Personen, unter ihnen 5072 Juden, aus Palästina ausgewandert. Von den auswandernden Juden waren 4432 Rückwanderer und 640 frühere Landeseinwohner; Die große Mehrheit der Auswanderer waren Personen ohne bestimmten Beruf nebst ihren Familienangehörigen, sowie eine Anzahl gelernter Arbeiter. Bestätigung des Budgets des jüdischen Nationalrate«. Laut dem „Haarete" hat die Palästinaregierumg das vom Waad Leumi unterbreitete Budget bestätigt. Das Budget sieht für das laufende Jahr für die normalen Ausgaben des Waad Leumi und die Organisierung der Knesseth Israel, die Vorbereitung der Assefath Haniwcharim usw. einen Betrag von L. P. 2600 vor. Ein Teil des Budgets soll mit Hilfe eines Darlehens und der Rest aus Beiträgen aufgebracht werden. Die Bestätigung des Budgets gibt dem Waad Leumi die Möglichkeit, sofort die Ausführung seines Arbeitsprogramms in Angriff zu nehmen. Günstige Berichte der amerikanischen Vertretung. In den letzten Rechenschaftsberichten, die die Regierung in Washington von ihren offiziellen Vertretern in Palästina erhalten hat, wird laut dem „Haaretz" darauf hingewiesen, daß die wirtschaftliche, Krise, dje in Palästina im Jahre 1925 eingesetzt hat, im Abklingen sei. Die Konsolidierung der landwirtschaftlichen Siedlungen, und der industriellen Unternehmungen im Lande sei so weit vorgeschritten, daß man bereits an die Vornahme neuer konstruktiver Arbeiten denken könne. aüs'rüs$ü*nV^n^ ORENBURGERSCHAL hcfgntellt aus Ranz feiner Wolle. Sehr dflun und wurm. Kaan im kleinsten Haudiijschclieri untergebracht werden. ALBERT MATZNER Wien, I. Bezirk, Kohlmcssergasse 8, und Filialen. [ Neue Niederlage: Wien, Vll. Bwlrk, Mariahllferstraöe 64. J A<llWfc'Ä<Ä4lMlMlk)AMdMÄM(k»Ä^ Besuch der rumänischen Exkönigin Maria? Aus Bukarest wird gemeldet: Die Nachricht, daß die Königinwitwe Maria auf die Insel C y p e r n fährt, wird bestätigt. Wahrscheinlich wird das Reiseprogramiv durch eine Fahrt nach Palästina erweitert. Die Unabhängigkeit Transjordaniens. Am 27. März ist in J e r u s a 1 e m das zwischen England und Transjordanien geschlossene Abkommen, welches das Bestehen einer unabhängigen Regierung in Trausjordanien unter der Herrschaft des Emirs Abdullah zum Inhalt hat, veröffentlicht worden. Vorbedingung ist, daß Emir Abdullah konstitutionell regiert. Die internationalen Verbindungen Transjordaniens werden auch weiterhin durch Großbritannien versehen. Alle Gesetze über Anleihen., Budget, Währung, Eisenbahnkonzessionen, Thronfolge, Abtretung von Landgebieten, Verfassungsänderung, müssen, bevor sie Geltung erlangen, der britischen Regierung zur Begutachtung vorgelegt werden. Großbritannien behält das Recht, bewaffnete Streitkräfte in Tt a n s j ordani e n zu unterhalten. Zwischen Transjordanien und Palästina dürfen keine Zollschranken bestehen. Ausländische Beamte dürfen nichtohne 'Einwilligung. Englands angestellt werden. Direktor Viktor Klein Präsident der Fabriker Kultusgemeinde« Wie man uns aus Tcmcsvar schreibt, ist der Direktor der Wol!.industr.ie-A.-G., Viktor Klein, zum Präsidenten der jüdischen Kultusgemeinde in der Vorstadt Fabrik gewählt worden. In seiner Antrittsrede betonte er,-daß er sich besonders dar jüdischen Elementar« schule widmen werde. Die preußisch-jüdische Landesversammlung. Die vierte Session des Verbandstages des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, 'die in B e r 1 i n asm 25. März begonnen hatte, ist am 26. März zu Ende gegangen. In den hauptsächlichsten Punkten, in den Fragen des Etats, der Form des Reichsverbandes und der Gestaltung des der Regierung zwecks Vorlage im Landtag zu überreichenden Judengesetzentwurf.es wurde zwischen den Fraktionen — nach längeren schwierigen Auseinandersetzungen in den Frraktionszimmern — schließlich Einigung erzielt, so daß die Beschlüsse einmütig gefaßt werden konnten. Das Referat, über den Entwurf eines Judengesetzes führte Herr Dr. A. Saudi er. Er betonte insbesondere, daß in dem § 12 die absolute Gleichberechtigung der ausländischen Juden in den Gemeinden prinzipiell festgelegt ist. Gegen ihre Wählbarkeit in den Gemeindevorstand bestehen kein.e gesetzlichen Schranken. Auch das Zwangsverbandsprinzip wurde festgelegt; jede Gemeinde müsse einem Verband© angehören. Eine Ritualmordlüge in Kowno. Auf dem Dachboden eines Hauses in K o woo wurde, wiie man uns von dort schreibt, eine Frauenleiche aufgefunden. Sofort verbreitete sich das Märchen vom R i t u a 1 m o r d, und vor einem Kloster versammelten such viele Frauen, an die ein Dienstmädchen eine antisemitische Hetzrede hielt. Die Polizei schritt ein und verhaftete die Rednerin. Die Untersuchung ergab, daß die aufgefundene tote Frau vor etwa zwei Monaten säoh betrunken auf den Dachboden gelegt hatte und erfroren war. Ein nationalistischer Jugendverband In der Schweiz. In Zürich fand eine Tagung der jüdischen Jugendvereine der Schweiz statt, an der Delegierte von 20 Schweizer Vereinen, die etwa 900 Jugendliche vertraten, teilnahmen. Es wurde die Gründung eine« „Jüdischen Jugend Verbandes der Schweiz" beschlossen^ der auf raationaWidlschem Boden steht,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.