Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 29 (4.4.1928)
- Date
- 1928-04-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 29 DIE NEÜE IWELT htdess man Bequem Ic&nn heut auf Gummi"Reifen die f erne schweifen. m Der Urmensch fuhr noch federnlos Auf röhyefügten R&dern UoE r mmmmmmm *mtm S*e gehen primitiv* LeuH Nur Auf dem Lederahsatz heute: DiewHlderMensdi/der1culiivier(/ Sich Pa Im a * Ah satz auhnontierU 17.000 Stimmen betrüg. Außerdem hängt das Los dieser Mandate —■ mit Ausnahme der großen Städte Warschau und Lodz — nicht nur von der Einigkeit der jüdischen hiirgerflchen Parteien m>, sondern auch von der Kraft des „Sund", der stets einige Mandate abtreibt, ohne davon einen Nutzen zu haben. Diesmal fhatte sich der „Bund" eingeredet, daß er endlich zwei bis drei Sitze erlangen werde körnten. An Geld hat es ihm diesmal nicht gefehlt; die Regierung stand neutral, ja sie sah freudig zu, wie die Anhänger des „Bund" jüdische Versammlungen des Minderhejtenblooks sprengten. Aber trotzdem hat der „Bund'* nicht einmal in Warschau einen Kandidaten durchgebracht, geschweige denn in Lodz. Das jüdische Mandat im Wahlkreis Lublin hat er vereitelt und im Wahlkreis Bialystok haif .i'hrn auch die Vereinigung mit der polnischen sozialistischen Partei nichts. Von den fünf jüdischen Mandaten, die in den Wahlkreisen KongreRpolens erlangt wurden, haben wir zumindest zwei der Hilfe der Deutschen und W e i ß r u s s en zu verdanken. In allen Wahlkreisen mit ukrainischer Mehrheit konnten wir kaum ein Mandat und in den Wahlkreisen-mit weißrussischer Mehrheit im ganzen drei Mandate erreichen. Dagegen haben in Ostgalizien und im ehemaligen Preußisch- Polen die rein ukrainischen und deutschen Listen keinen Schaden genommen. Aus diesen Umständen erkennt man die offizielle Wahlstrategie bezüglich des Minderheitsbiocks. Dort wo gemischte, ukrainisch-jüdische, oder weißroissisch- KkHsche, oder jüdisch-deutsche Listen aufgestellt wurden, waren die Störungen und Hindernisse besonders arg, hauptsächlich in den Randgebieten. Es wurde altes getan, den Juden «u zeigen, daß die Verbindung mit den Ukrainern und Weißrussen keine Mandate gibt, damit ihnen einfür allemal die Lust vergehe, einen Mandern eitenblock zu .schaffen oder sich an ihm zu beteiligen. Zu diesem Zweck wurden die Blocklrsten in zwei Wahlkreisen der Randgebiete annulliert. Ein Teil der auf den Wablvorschlägen unterzeichneten Wäbler wurde zur Polizei beschieden, wo sie zur Zurückziehung ihrer Unterschriften veranlaßt wurden. Wenn die Regierung winkt,' kann man ja nicht starrsinnig bleiben — sagt man — und man unterfertigt die Erklärung, daß die vorher gegebene Unterschrift null und nichtig ist. Eigentlich ist die gan-ze Prozedur ungesetzlich, es. hilft jedoch nichts, auch wenn man vor einem Notar erklärt, daß die Unterschrift nicht zurückgezogen wird. So wurden dem Block zwei Wahlkreise genommen. Weiters wurde die freie Agitation unterbunden, die Kandidaten, die Instrukteure, die Mitglieder der Wanikomitces verhaftet, die Abstimmung gestört.. Von einer solchen -Taktik mußten die dem Kommunismus nahestehenden ukrainischen und, weißrussischeri' Parteien profitieren. Sie haben denn auch eine schöne Zfjhl von Sitzen erlangt. Die ukrainische und weißrussisphe Bevölkerung der Randgebiete wurde durch diese 'Fakt% der• Regicrnng dem Kommunisinus zugetrieben. Auf der einen; Seite hat rijan die Juden in demagogischer Weise beschuldigt; daß sie sich mit antistaatMchen Elementen verbinden, ailf der anderen Seite hat man es dazu gebracht, cjaß. gerade die dem Kommunismus freundlichen Parteien Erfolge erzielen konnten. Das Bestreiben der offiziellen Stellen ging darauf, hin, den „Block" unmöglich zu machen. Die Juden haben dies gestört. Ohne die Juden hätten sich dierUkraiher und Weißrussen in den Randgebieten teilweise zersplittert, teilweise, wären sie mit den-Regierungsparteien gegangen. Schon.diesmal enthielten die Regierungslisteii in den Randgebieten iikrainische, weißrussische und so etwas wtie jikljsche Namen, Dies war ein Novum in unseren Verhältnissen.- Ja, die jetzige Regierungspartei hat den Mut gehabt, ireHich. nur in den Randgebieten und auf der Reichs- Ixsie Juden'au|z4|stelllen: für den Sejm die gewesenen Deputierten : W t sI i c k i und Kirsch brau ti, für den Senat einen;gewissen .Dal; Die Nationaldemokratie hat dies ausgenutzt" und:: es heißt, daß . dies die Regierungspartei schwer 'be#afo|t bafae, was allerdings Übertrieben ist. Die dfei "Juden sind auch gewählt worden und sie bilden eine tli ü d i s'ic'h e "S e k Uon" im Reg i e r tt n g sb 1 o c>k im P a'r l a*n e'n t: Wir haben also eine Art jüdischer Regierungspartei b'9;komm?n. Sie ist mit Wirer besonderen, rein jüdischen L?i$te. aufgetreten u n d ist du r cih g ef a Ii e n. Sie hat ^«eeinziffes:Mandat erreicht, aber in zwei oder drei Wahlkreisen t'hsat sie jsp viele Stimmen abgerissen, ais zur Ei-" l$ngung...d$&.'|i«dtiscjl>en Mandates nötig waren. Damit t;r-ös t e'.t.stß' s'j c^h» Sie habe bewiesen, sagt sie, daß man olttie sl'eccK«!- SHmm^fwaa-W nicht''haben kann, die -zur Erlangung eilft^sc^wiatey nötig ist. In .Zukunft, meint sie, wird man da^it^ye6hnen: jnüssen und sieb mit ihr vereinigen, indem'niwi $|le<|hre ^Förderungen .annkijrnt. Die Führer baben sich jedpc^ für alle Fälle ihren Platz auf den Listen der polnischen.I^ie^tfjpparte-i gesichert. Wohl nur drei set*- t^-:siofc'i(^'<jfi,.;äber:^as ist gewiß nipht ihre Schuld. Mehr . ypi I te.:m a;n: ,n i cb t zulassen; drei Juden sind auch #1:yjel. ,tye:„A$ix4$,u ist der Hauptteil der jüdischen Reglenifigspaftei. D,as vist ihr Lohn: zwei Mandate im Sejm, : ehres-iith Sana.t^ Die; Juden hüben diese Mandate nicht ge«? IfVben. Aber was bedeutet dies der Aguda? In der jüdischen Gasse hat der jüdisch« nationale Block, der ein Teil des Nationalitäten b1o ck s war, einen glänzenden Sieg errungen. Geführt von den Zionisten, erhielt er mehr als die Hälfte aller abgegebenen jüdischen Stimmen und alle jüdischen Mandate. Zusammen mit Galizien, wo man unter dem Einfluß Kongreßpolens ebenfalls die Aguda ablehnte, entfielen auf die Listen der beiden Blocks, die unter Führung der Zionisten gestanden sind, mehr als 6 0 0.000 Stimmen. Der Block der Aguda mit Pryiuoki und den Wislicki-Kaufleuten erreichte bloß 180.000 Stimmen, der Bund erhielt zirka 80.000 Stimmen, die linke Poalc-Zion ungefähr 30.000 Stimmen. Das sind selbstverständlich nicht alle jüdischen Stimmen. Viele sind auf die Kommunisten und viele für 'die Listen der Regierungspartei abgegeben worden. Es hat sich gezeigt, daß die Juden Kongreßpolens und der Randgebiete ihre Pflicht erkannten. Sie ließen sich keine Vertreterschaft aufzwingen, sie ließen sich nicht einschüchtern. Stolz und mutig erklärten sie, daß sie b er e i t s i n d, den Kampf für ihr Recht weiter zu führen. Nichts konnte sie abhalten. Jedes Meeting, jede Demonstration nach einer aufgelösten Versammlung schloß mit den Klängen der „Hatikwah". Haben die Gegner des Zionismus gehofft, daß die zionistische politische Hegemonie — der zionistische Starrsinn, wie sie sich ausgedrückt haben — diesmal gebrochen werden wird, so haben sie sich überzeugen müssen, wie stark sie ist. Sie mußten einsehen, daß die jüdischen Massen von den Zionisten geführt werden, d a ß d e r Z i o n i s m u s sie so wie früher begeistert, ohne Rücksicht auf die Krisis in Palästina. So wurden die bittersten Gegner des Zionismus überwunden, die Parteien der Zweideutigkeit und Unehrlichkeit, die ausgezogen waren, um mit Regierungshilfe ihre Führer dem Volke aufzuzwingen. Vor den jüdischen Massen wurde das wahre häßliche Gesicht dieser Parteien und Menschen demaskiert, von welchen die Juden des Nationalitätenbiocks, der Anti- S'taatiichkeit beschuldigt, als unpatriotisch denunziert worden waren. Sie hatten Mordverleumdungen erdichtet, keine Lüge war ihnen zu schmutzig gewesen. Es hat nichts geT nützt ... In der jüdischen Gasse fühlt man sich wie von dunklen Wolken befreit. Eindruokslos bleibt der Verlust, den der Block in den Randgebieten erlitten hat; man weint den zehn Mandaten nicht nach, man feiert den Sieg HERRENSTOF flirr Anzüge und Überzieher in herrlichen Dessins und reichhaltigster Auswahl kaufen Sie am besten im Spezialfalls öins Jim l ü b e r d i e finstere Kraft der „A g u d a", welche man selbst so überschätzt hatte. In dieser Hinsicht irrt die Wählermasse nicht. Der Sieg ist groß und er wird bedeutende und weitgehende Konsequenzen haben."' Christliche" gegen jüdische Arbeiter. Aus Warschau wird berichtet: Die der christlichdemokratischen Partei angehörenden Tramway a r b e ite r haben eine Protestkundgebung gegen den 'Beschluß der Direktion, auch jüdische Arbeiter zu beschäftigen, veranstaltet und beschlossen, für den Fall der Einstellung jüdischer Arbeiter bei Straßenbahnarbeiten in den Streik zu treten. Der Rücktritt Stephen Wisest. ' Wie aus New York gemeldet wird, bat das Administrativkomitee der Zionistischen Organisation den Rücktritt von Rabbiner Dr. Stephen S. W ise von seinen Aemtern im Administrativkomitee und im United Patestine Appeal zur Kenntnis genommen. Ein Gespräch mit Wise. In einem Interview erklärte Rabbiner W is e. die Gründe seines Rücktrittes seien die gleichen, außenpolitischen Motive, die ihn auf dem Ziohjste^ik'ohgreß in Basel zur Demission als Vorsitzender der politischen Kommission veranlaßt haben. I>as Verhältnis der Exekutive zur Mandatsmac$t sei ein unrichtiges, da die Exekutive nie h t rhit der notwendigen Energie auf de-r Ein h a 11 ü n g der Mandatsbestim ro tt ni" e h bestehe. Die Tätigkeit der Londoner Exekutive sei als ein Absolutismus zu bezeichnen. Für den 15. April ist (wie bereits in Nr. 28 berichtet) eine Konferenz der Opposition nach W a s h i n g t o n einberufen. Die Versammlung wird, wie man annimmt, sehr stark besucht $e%b Atich die Hadassah, die Organisation der ziöni« stischen Frauen Amerikas, wird teilnehmen. Die Vorsitzende der Hadassah, Fran Lindh ei mr erklärt, die Opposition ihrer Vereinigung richte sich nicht gegen die Exekutive n London oder Jerusalem, „sondern nur gegen de Leitung L i p s k y s. Der Sinn der Mandate. Der Genfer Völkerrechtslehrer Prof. Rappard; früher Leiter der Mandatsabteilung, jetzt Mitglied der Mandatskommission des Völkerbundes, hielt am 30. und 31. März im Carnegie-Lehrstuhl der deutschen Hochschule für Politik in Berlin zwei Vorträge über den Sinn der Mandate, die die große Aufmerksamkeit der völkerrechtlich interessierten Kreise in Deutschland gefunden haben. In dem ersten Vortrag schilderte Rappard die Entstehungsgeschichte desv Mandatssystems. In seinem zweiten Vortrag ' behandelte er die praktischen Erfahrungen in der Anwendung des Mandatsprinzips. Das Mandatssy.stem unterscheidet sich von der Methode der Kolonialverwa'ltung dadurch, daß die verwaltende Macht nicht frei und souverän, sondern an die Beobachtung gewisser Grundsatze international gebunden ist. und daß die Ausführung der Mandate de r Oberaufsicht und Kontrolle des Völkerbundes unterstellt ist. Es lassen sich drei Gruppen solcher Grundsätze unterscheiden: .Eingeborenenschtitz, internationale wirtschaftliche Gleichberechtigung und finanzielle Uninteressiertheit der Mandatarmacht. Der Grundsatz der finanziellen Uninteressiertheit fordert Vorschüsse für das Mandatsgebiet aus der Staatskasse der Mandatarmacht Oberaufsicht und Kontrolle werden in erster Linie von der Mandatskommission ausgeübt, die am 4. Oktober 1921 zum ersten Male zusammentrat. Das Mandatssystem steht und fällt mit dem Vertrauen, das die Mandatskommission durch ihre Unparteilichkeit und Unabhängigkeit der öffentlichen Meinung einflößt. _ Vom rumänischen Antisemitismus. Wie Kinderseelen vergiftet werden. Das zionistische Bukarester Blatt „Renas t ere^a" meldet'aus G alatiz: In einer hiesigen Volksschule spielte sich vor einigen Tagen ebie widerliche Szene ab. Ein Scbttlinspektor betrat die 4. Klasse dieser Schule, ohne sichiVCff-. her mit der Direktion ins Einvernehmen gesetzt m haben, . und stellte an die jüdä sehen Schüler 'folgende „Was seid ihr, Kinder?" JEvrel rotnara" (rwnänlsclie tfude»), wir die' 'Alrifc wart . . . ' ,; „Nicht doch! Seid ihr Rumänen oder• Juden-?'* ' - „Juden!" antworteten alle. „Welcher Religion seid ihr?" ' „Mosaisch." ' „Weicher Religion bin Ich?" wClhristHch,,4 „Was sind wir mn alle?*4 „Menschen." f „Nicht doch. Ihr seid Juden und *ch' bin ehr Ifymltoe. Wenn ihr nun ins Ausland fahrt und man euch nach entern Vaterland fragt, welche Antwort werdet ihr geben?" „Rumänien, Palästina, Palästina, Rumänien, Palästina" war die Antwort der durch direse Fragen irritierten Kinder. „Wtenii nun zwischen Palästina und Rumänien ein Krieg ausbrechen würde, wen würdet ihr wte?^ verteidigen?" „Beide," war die ei-nmü^ge Antwort/ . „Wer für Palästina (ist, soll die Hand-ergeben*'* A&e hoben die Hände. „Wer für Rumänien ist, soH die Hand-«riteb^rf"; Derselbe Vorgang. „Nun werde ich euch sagen, was ihr seidc L'&u-s-e seid ihr, welche das Blut des rumä«i*ch'ea Landes aussaugen, sich bereichem und danji, ■wiegzaehen. Es wäre gut, wenn ihr schon je*zt euer ©ündei packen und verschwinden würdet!" PPrfPrfffW^PPffWTrffBW^WPIPW^flPr?IWlfl^B^^ •*lf»Jt!!Il BECKMANN-LEXIKON umfaßt, Was Du nicht im Kopte hast. Achtung auf die heutige Beilage tt %