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Die neue Welt · 1928-04-04 · Heft 29 (4.4.1928) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 29 (4.4.1928)
Date
1928-04-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Softe 4 die neue Welt ftr. $9 derrcit* unt» $>ameitftoff e oller 3lrfetf, t>om einfod)ftcrt bis ■jitm $etttfteit, infolge Kleiner _ 1W w , f Regien am billtgftett bei Vi.; ^jnflffijeff$fflC40^(imMg) ijumfüW^»»wwwww^wwwwww»w^ywwM^ Die Judenkolonisation der Sowjets. 0fe Utopisten des Zarenministers Ignatieff. — Das Projekt in der mandschurischen Wüste. Von Dr. I. Schechtmann, Paris. iMit der jüdischen Kolonisation im europäischen Rußlaad,*) als mit einer Lösung der Frage und der Schaffung ehier Massenbewegung, ist es aus. Noch ein paar Jahre wird Irtan den Tragriemen schleppen, man wird noch ei« paar tausend Familien au« den Resten des Kolonisationsfonds ansiedeln—aber der Schwerpunkt hat sich unwiderruflich anderswohin verschoben. Hat doch die Sowjetregierung dem so naiv entrüsteten Herrn ßragin ganz ««zweideutig erklärt, daß „es unmöglich sei, die Ukrainer za sswüngen, "den Juden Boden zu geben". Nicht nur die Ukrainer, auch die Tataren in der Krim und die Weißrussen in Weißrußland jtemt man dazu nicht zwingen. Der Boden ist das teuerste Vermögen eines Volkes und in diesen Gebieten gilbt es keinen Bodenüberfhiß. Es ist doch nicht Palästina, wo zwei MUKarien Hektar herrenloser und staatlicher BodeH -vorhanden sind, wo von 1,820.000 Hektar des anbaufähigen Bodens 300.000 Hektar brach fegen, wo 120 reiche Effendifamilien allein mehr als 3 MSÜonen Dunam in ihren Händen konzentrieren wind wo die Fe Hachen einfach nicht imstande sind, aatch nur einem Teil des de facto uubesiedelten Bodens zu bearbeiten. In der Ukraine, in der Krim und in VWeißnußland empfindet die autochthone Bevölkerung selbst einen akuten Bodenhunger. Sich mit dieser Bevölkerung wegen der Juden <zu verfeinden, wäre für die Sowjetregterong'' wenig v-orteH-haft und auch nicht tmge fitJieif&ch. ■Wenn, also eine jüdische Kolonisation weiter erörtert werden soll, so muß man sie unvermeidlich dorthin äeiteä, wo feeine autochthone Bevölkerung vorhanden ist, wo das Land tatsächlich unterfbevöllkert ist und wo keine Ktan^te äii dieser Hinsicht zii befürchten sind. Diesen Weg hat auch die Sowjetregteruhg heschritten. Anstatt der Ulkraine und der Krim kommt jetzt ein ganz anderes Territorium in Betracht, und 'zwar das Getdet von Bir-Bidschan in Sibirien, welches -^fliilten^lfi/^keltar hat und 27-344 Seelea zählt. .Auch, dieses Projekt ist eigentlich'nicht ganz "neu. Seihe Mtrator-en halben ziemlich hochgestellte Vorgänger, <. die Minister des Zaren Alexander III. """ Nach den Pogromen des Jahres 1881 wurde von einigen aagesehenen Jüdischen Pers'önUchkeiiten die Frage der Erweiterung des jüdischen Einsiedlungsrayons aufgerollt. Säe planten die Arisiedhing - der Juden in, ver- *) Siehe „Neue Wort" Nr., 38 vom 30. März d. J. Juwelier Heinrich Thiebert Wäh r i n gers tr ass e Nr. 6 Ein« und Verkauf von Juwelen / Spezialist in Alt-Wiener und Neu»Wlener SHberwraren Zlonlsten erhalten Rabatt! immer entschiedenere Hi-nwendung zum Judentum als Prct^em und WirMicWkest. Das Beispiel Hermann Cohens ist eine gute Illustration hieffür, wie sehr auch der Philosoph als' Kind seiner Zeit ihr seinen Tribut zahlen muß. Festgewurzeit am Libe-, rdisirras seiner Epoche und im besonderem im liberalen deutschen Judentum vermag er sich von gewissen grundsätzflicheh Irrtümern desselben nicht ganz loszuringen. Der tapfere 'KärnpSer und Verfechter des Judentums gegenüber dessen Feünlden von außen ist innerhalb des Judentums — Bekämp*er der nationaJjüdischen Bewegung. Aber dieser Frontfcamptf gegen seine Stammesgenossen verliert immer mehr an Heftigkeit und .Bitterkeit. StSM alber stetig vollzieht sich sein innerer Anschluß an Geist und Seele des iüddsehen Volkes, Die Religion,, für die sich hi seinem System kein Eigenraum iand, weiil er in ihr lediglich einen Ersatz sah ifür die „reine" Ethik, in die sie sich begrifflich und in Warkiäotokeit aullösen müsse, — sie erschloß sich ihm nun auch in ihrem Eigenwert und in ihrer Selbständigkeit als eine seelische Kraft der bedingungslosen Hingabe an den die Welt' duröhwaltenden Schöpfer. Dieser Gemütsverfassung entströmt in der Völtknaff des greisen Denkers das wunderbare Bekenntnis und Vermächtnis Hermann Cohens, das gelöst von allem flüchtig Zeitlichen und zeitlich Vergänglichen unterschiedslos an uns aite, als mit unserem Volke unlöslich verbunden, sich wendet: dieses Vermächtnis ist beschlossen in dem postWn veröffentlichten Wer«k: „Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums". Im Blick und Hinblick auf dieses Vermächtnis wollen wir —? unterschiedslos d;«.s Wort auf ihn wenden: ,, . . . denn er-war unser." schtedenen Gebieten Rußlands. Der Innenminister I g n ar tie ftf hat darauf im Jänner 1882 dem Dr. O r sc h a n s k i erklärt: „Was die Frage der Uebersiedlung der Juden in die inneren Gebiete Rußlands a'itbctrifft, so wird die Regierung selbstverständlich alles "zuvermeiden suchen, was die DcziehtiiiKcn zwischen den Juden und der au<-tochthoneu Bevölkerung zu ko m pI i-zi e r e n v e r in a g. Darum habe ich dem Jüdischen Komitee (bei der Regierung) vorgeschlagen, mir diejenigen Gebiete zu nennen, welche wenig bevölkert und ikolonisationsbedürftig sind und wo die Ansiedlung des jüdischen Elements ohne Schaden für die autochthone Bevölkerung gestattet werden .könnte." Drei Monate später, im April 1882, hat der Minister diese Anspielung erläutert, indem er dem bekannten jüdischen Finanzmann Poliakow erklärte,. '.. daß er „die Uebersiedlung der Juden nur nach Mittelasien, in die neueroberte Oase Achät-Teke gestatten könne". Viereinhalb Jahrzehnte sind . vergangen und jctzT wird dem russischen Judentum ein ähnlicher Vorschlag gemacht. Der Unterschied besteht faloß darin, daß damals von Mittelasien und heute von Ostasien gesprochen wird. Damals kennzeichnete Prof. ' B a k s t den Vorschlag des russischen Ministers als eine „V c r ib a ri n u n g nach den entfernten Gebieten, die' einer offiziellen Diffamierung der Juden gleichkäme", und Dr, MandeTstamm hat darin „eine neue Schmähung gegen die Juden": erblickt. Es handelt sich nun laut dem'Bericht des Professors Bruk, der es erforscht hat, um ein fGebiet, welches 9000 Kilometer weit von den jetzigen Sledlungszentreii der jüdischen Massen entfernt ist und an der Grenze der Mandschurei, 950 Kilometer weit von Wladiwostok, einige Stunden .Eisenbahnfahrt von Chabarowsk liegt. Das Klima ist grausam: die ■ niedrigste Temperatur, erreicht 40 Grad Kälte, die höchste 33 Grad Hitze; der. Sommer ist feucht, der Winter kalt; Mücken und kleine Fliegen sind eine Plage für die Menschen und für das: Vieh. Sogar die ganz anspruchslosen'russischen Bauern wollten- bis. zum -heutigen' Tage nichts von dieser gottverlassenen Gegend wissen, deren Fläche größer" als die der 'ganzen Krimhalbinsel ist und' deren Bevölkerung keine'27.000 Seelen ausmacht. ' '"'.'•'' ' :": — -' Es ist auch nicht äiizüHehlhen, '"daß' 'die" jüdischen Siedler siGh dorthin sehnen Werden; Für die Ue'bersiedlu'fiS; nach der-nahen Krim haben sich mehrere tausend Familien , gemeldet, obzwar; wie dies Mereschin selbst auf der' Konferenz der „Ozet" bezeugte,. den Leuten versprochen wurde/man werde ihnen einen Garten, einen Weingarten: und ein fertiges -Haus geben, man werde ihre Lebensmittelversorgung sichern. X Alls es zur Uebersiedlung kam, erschienen bloß 50 Prozent der Angemeldeten.. Für. die, Uebcrsiedlujig nach Sibirien werden sich ganz wenige, anmelden, •und. noch viel kleiner wird die Zahl de;rer sein, die sich tatsächlich nach Bir-Bidschan begeben werden." Das gewiß;i)ich't';:'beneidenswerte -Schicksal dieser wenigen Verwegenen; wird für die anderen zweifellos alsabschreckendes Beispiel' dienen. Die Lage der jüdischen kleinstädtischen "Massen, die durch die ökonomische Politik der Sowjetrcgierung ruiniert sind, ist verzweifelt und hoffnungslos. Damit ist aber nicht; gesagt, . .rf. . daß diese Massen bereit sind, sich eine Verbannung nach dem fernen Osten gefallen zu lassen, Sogar die Zareuregieruug wagte keine solche Maßregel und hätte sie nicht durchsetzen können. Das Gebiet von Bir- Bidschan'ist für das Judentum dasselbe, was einmal die Oase A c h a;I - T e k e war, -und. sein Schicksal wird wohil dasselbe sein. Dollar und Sowjetstern. Die Millionenspenden für die bolschewikische Kolonisation. - . - Im Zusammenhang mit def Fünf-Millioneni-Dollar-Spende des Chicagöer Millionärs .Julius Rosen wald für jüdische Aufbauzwecke in 'Ruß* land teilte der Führer der jüdischen Sektionen und der Gesellschaft für jüdische Landaiisiedlung „Ozet", Herr Mereschin, dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur miti Die fünf Millionen Dollar, die Herr Julius Rosenwald gespendet hat, Sowie d i e weiteren fünf Mi 11 ioneh, die als Voraussetzung zu seiner Spende von anderen Einzelpersonen aufzubringen sind, stehen a u ß e r h a l b d e <s Rahmens der 25-Million.en-Pollar- Kampagne des American Joint Distribution C o m m i 11 e e urid. der aus , den Mitteln dieser Kampagne z>u vollbringenden Aktionen. Diese neuen zejin Millionen Dollar werden ausschJießUph zur Schaffung j ii d i s c h e r. K f e d i t i n s t i tu t i ön e n in Rußland verwendet werden, mit dem £ieJe, das yerarrnte städtische jüdische Element der hi- -dwstilft wnA fjriyi^aBf*5 ws&^x^t Rascheste Verbindung zwischen DPH ».PALÄSTINA über Aegypten mit den Expreßdampfein „VäENMA" und „HELOUÄN" Für Freunde längerer Ssefahrt onjpfehfen wir unsere horrllchon billlgon 284äqlgact Rundfahrten nftch «»lechanlaiid, Aegypten, Palästina, Syrien, Cypern, Rhodua etc. (mit Berührung von 23 Häfen) I. Klasse S *ß»6, ». Klasse S 104Ä inklusive Verpflegung und Außenkabine. Zahlreiche andere kürzere and noch billigere Reisekantbinaiione»- Wöchentliche Abfahrten l Expreßlinien nach Aegypten, Konsiantinopel, Indien. ' ' : Postlinien nach Chine und Japan. Auskünfte: Lloyd Triestiho, Wien, I., Karntnefring 6 Kwxmmhmwii&mwmBasm ~ Dr. Saajda Mase aus der Haft entlassen. '■' Aus Moskau'wird gemeldet: Dr. Saadiu Mase;'der .bekannte jüdische' Gelehrte, und Hebräiist, "ein Sohn des verstorbenen Moskauer Oberrab'biners Jakoib- Mase. der vor etwa zwei' 'Monaten unter der •Bcsclnildituuijr prozionistfc.chcr iBctätiguBiÄ verhaftet wurde, ist soeben aus der.Haft entlassen worden;- ,• •.;.; •. Dr. Mase .'hat sieh ■•.schriftlich verpflichten, müssen, binnen einem Monat. über. Odessa Rußland, zu verlasset?- uiKl nach 'Palästina zu .u'clicn.. - in yoni .Abwo.rdneten ,J. Griinbaum. :.\;. ■• /luv Ausland, »hat der .Ausgan-K' der AVaWen einen schlechten Eindruck .sumacht. Man .vergleicht die -Zahl-der jüdisühen 'Deputierten und Senatoren im •vorigon Parlameiu. und man irotcrst<reicht, daß die Juden nunmehr weniger, als die 'Hä'I'fte der- Vertreter im Sejm und die 'Hälfte 'der Vertreter i'tri Senat bphalten liasben. Wohl rechnet niau manchmal d:ie Judenhinzu, die auf .anderen Listen gewählt, wurden, 'besonders .auir dor. Regierungsliste, aber die cigent,-,. liehe jüdisch^' Vertretung, weiß mau zu ''betonen, ist stark, vorildeiuert; wovdon. D i.c..R-p c li n u..n g .; s t i m in i, u n d . doch is-t-s-'i e .fa'l sc h..,--'. Zuerst 'iri'U.'ß.; daran erinnert werden, daß iu , üs^galizieh im. Jaihre 1,922 15 (Deputierte und 4 Senatoren gewählt wurden, dadie - Ukrainer:-Abstinenz .übten, picsinal wurdüii iu .0 s t-g.a J i z i e u ,,tß ..Mandate in .den .•Sehn und. f3 .Mandate iu den Seijat verlogen. Dieser.Verlust ist" sanz. ivatiir-/ lieh. Er hätte ,wöhl,.vermieden .-werclen können, wenigstens zum Teil, weivn 'man.Jn f.alizien. sich.iiir.den Mindqrheitsr block entschitMleu: hiitte.- Auch/das jüdische Mandat Wpstgailiziens ging, auf diese- Weise .verloren.. Es, hätte gerettet werden können,- wenin -dc-r ölcck . der Minderheiten , das ganze Land, umfaßt:.iiä(-tc.; :lu Koiigreßpoleii und .in den Raudgc'hieten iraihon. wir 11 Mandate in den Sejni und p in den. Senat verloren. In Wil n a.,-wo \yir im Jahre 1922 nie-; mauden duTchge.s.Gt.z.t 'hatten, wurde ein Mandat gewonnen. Der yqrJust «beträgt'..also 10 Mandate und wir.haben ihn der besonderen Strategie iza verdanken, welche 'die Rcgiemngspartei selbstverständlich,init Hilfe der Regicruu-g anwendete. Es sei -bemerkt,, daß «ejnäß, der Wahi'kre.iseinto|lung die Juden iy 'Kon^reßpden außer in den izwei großen Städten Wa r s.cih.aii u.n^ L od z ihre Vertreter auch np,ch in zv/ei tois 'drei weiteren ^Wahlkreisen hätten duretobriIlgen können; in. ,den, ösWichen Randgöbieten. wiederum nur in. Wi ln.a wnd vieJHeipht noch in zwei Wahlkreisen,, falls..die Stimmen der Ukrainer und Weißriussen sich so zersplitter-. ten, daß die Wahlziffer für ein Mandat höchstens 16.000 bis Es geht jeden an I denn, jeder Jst den Unbilden einer Verkühlung ausdie von vfaVhfngnisvollen Folgen I begleitet sein kann. Der beste Schutz gegen Ver- |ktiWtmg Ist die Abhärtung und die Stählung des] Körpers, die am besten durch ständigen Gebrauch FRANZBRANNTWEIN mit Menthol wmögl'cbt wkd

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