Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 28 (30.3.1928)
- Date
- 1928-03-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 DIE NEUE WELT m** müniques' herausgeben zu wollen. Die Tagungen des Kon« xr^Tes dürften bis -zum 9. April dauern., Während der Kongreßzeit sind verschiedene Exkursionen, öffentliche-. Vorlesungen und; sonstige Veranstaltungen in Aussicht genommen. . Buberiana in der jüdischen IN ationalbibliothek. Anläßlich des 50. Geburtstages Martin Bubers hat die Mitling der Jerusalemer jüdische« Nationalbibliothek in der von Dr. Abraham Schwadron gegründeten Autographensammlung ein eigenes Fach eingerchtet, das auf die Familie Bubcr bezügliclie Briefe und Dokumente ^ttthält und auch in Zukunft weiter ausgedehnt werden soll. In dieser Sammlung befindet sich ein Brief des Urgroßvaters von Martin Buber, Jesaia Abraham ben Josef Zwi Halevy Buber. Der Brief ist „an meinen teuren Sohn, der Wonne meines Herzens und meiner Seele Salomon" gerichtet. Auch eine Kopie der Inschrift auf dem Grabstein Jesaia Abraham Bubers ist vorhanden. Groß ist die Zahl der Briefe des Großvaters Martin Bubers Salomon Buber, des bekannten hebräischen Gelehrten und Schriftstellers. Interessant ist die Kopie des Gesuches Salomon Bubers an Kaiser Franz Josef, offenbar ans dem Jahre 1880, in welchem der Gelehrte mit Berufung darauf, „daß er seit vielen Jahren als hebräischer Schriftsteller selbstlos tätig isrt, ohne auf ein Entgelt oder eine Entlohnung zu hoffen, weil er seihe ganze Befriedigung in der eigenen seelischen Genugtuung und der Anerkennung seitens der Gelehrten und der Kritik erblicke", den Kaiser bittet, seine Werke „Pessikta'* und ,;Lekach tob" gnädigst für die Wiener Hofbibliothek anzunehmen. Von Interesse ist auch ein von Nathan Birnbaum und Sch.nierer unterzeichneter deutscher Brief an Salomon Buber, in welchem ihm von der Gründung der j üdisch-akademischen Verbindung Kadlmah in Wien im Jahre 1883 Mitteilung gemacht wird. Wirklich gut und billig kaufen Sie nur im S p'e z i a Ihaus. Decken Sie daher Ihren Bedarf an englischen Herren- und feinen Damenstoffen ttur im Spezialhaus .Tuohhaus zum Hirschen", IL, Taborstraße 17. Warum Manisckewitz-Mazzoth? Ungefähr drei Millionen Juden in Amerika bevoraugen die weüüberühmten Manischewitz-Mafezos, welche als Delikatesse gern gegessen werden, auch vor und nach Pessach. Der Grund hiefür, daß die Manischewitz-Matzos so beliebt smd, liegt darin, daß dieselben, night nur den strengsten Anforderungen in ritueller . und hygi.enispher Beziehung voll und ganz entsprechen, sondern auch In Geschmack und Bökömmfli.chkei't einfach unerreichbar sind. Mauischewitz hat jahrzehntelange Erfahrung ails Matzoserzeuger, verwendet nur das beste amerikanische Edelmehl, die Erzeugung erfolgt mit den modernsten Spezialmaschlnen nach eigenem Verfahren. Für den Versand nach Europa wurde eine ideale Verpackungsart (Wachsleinen, besonders präpariert) gefunden, die die Matzos vorkommen frisch erhält. Ja, so unglaublich es auch klingt, die hier in Wien verkaufte Maizza schmeckt genau so frisch, als würde man sie ofenwarm genießen. Wer also am Sedertisch einen wirklichen Genuß haben will, wird nur „M a n i s c fo e w i t z - M a t z o s" kaufen. Die „Manischewitz-Mafczos" sind überall erhältlich. Hauptniederlage: IL, Fugbacbgasse 24 (Nordlbahnstraße 38), Tel. 75-9-32. Heimkehrer. Von Jakob Krausz. Während der letzten zehn Jahre bin ich verschiedenen Typen von jüdischen Heimkehrern begegnet, deren Erlebnisse, in eine Geschichte zusammengefaßt, eine farbenreiche Geschichte der Juden der alten Monarchie seit Ausbruch des Krieges bis auf den heutigen Tag ergeben würden. Ich traf Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft, früh ergraute, körperlich und seelisch gebrochene Junge Menschen, die mit den im Kriege erhaltenen Narben auf dem Wege nach dem gesegneten Ungarn in Wien kurze Rast machten und mit Stolz auf Ihre Wunden hinwiesen. Meiner Mahnung, nicht in ihre so heiß geliebte Geburtsstadt weiterzuziehen, weil dort Kriegswunden auf jüdischem Körper keine Empfehlungsschreiben bilden, trotzten sie und fuhren weiter. Die Grenze, die ihre allerdings eng gewordene Heimat von der großen Außenwelt der Zivilisation, abschließt, überschritten sie mit freudigem Herzen. Wenige Monate später suchte, niieh einer jener Heimkehrer wieder in Wien auf; vor mir stand die Ruine eines Menschen, am ganzen Leibe zitternd,' , unausgesetzt hysterisch schluchzend. Kaum in das Zimmer getreten, überreichte er mir , den Stock, auf den er sich jetzt stützen .mußte, und bat weinend:; „ .; , „Ich bitte, hier haben Sie deii; Stock, schlagen Sie mich, prügeln Sie mich! Ich würde es verdienen, (faß Sie mir hundert Stockstreiche auf die, nackten Sohlen versetzen, wie ich sie in meiner gewebten Heimat .erdulden mußte, noch bevor ich.meine arme Mutter,, die meiner sehnsuchtsvoll geharrt hatte, in meine Arme schließen Konnte!" "'. \ : v V V SPEZIALIST I für Kind«*- und M&dah«nxlntm«r', KUch«n« und Vor slmmer-tnOBBl. Schlaflnuttulis, Diwans und Ottomanen e ge* ner Erzeugung. Geschäfisbes'and seit 60 Jahren. Motto: ürofiei Umsat* — Welnsr NuUen. Profits Auswahl!. ..giUlgtte Preis«-1 loitff Kofclltx « Sohn, VII., SUtxniterne. 12 I 4$*+*til jedem Kinde einen schönen \ Gummiballbeim Einkauf von 2 fbav X Strümpfen oder Socken und \ gleichzeiiigemSchtiheinhauf j ßraun,Grösse 19-25 4^4f2. ««WVWfwwAv wäm Dan« riß er sein Hemd auf, entledigte sich der Oberkleider und schrie verzweifelt: „Erinnern Sie sich noch, wie ich Ihnen von meinen Kriegswunden erzählte, wie und wo ich sie erhalten hatte? Sie erinnern sich, es waren vier schwere Wunden. Und jetzt sehen Sie sich meinen Körper an! Er ist , von Wunden förmlich übersät. Wissen Sie, was das für Wunden sind? Das sind die Schriftzeichen meiner geliebten Kompatriotcn, die sie mir aus Freude darüber, daß. ich nach treuer Erfüllung meiner Pflicht gegen das Vaterland wieder in die Heimat zurück- Vom Purhti-Maskehzug in Tel-Awiw. Der Numerus clausus in' Rumänien. Bucharische Juden als Zuschauer. gekehrt war, in die jüdische Haut gegerbt haben!" Dieser Heimkehrer hinkt heute durch die Wiener Straßen als Kolporteur. Dann sah ich einen anderen Typ von Heimkehrern. Da war ein unmittelbar nach dem Friedenschluß ausgesogen, die Welt zu erobern und seinen Geist, den er bis dahin höchstens für eine Schachpartie intensiver in Anspruch genommen hatte, 'darauf* zu verwenden, Finanzgötter zu stürzen, sich sein eigenes goldenes Kalb zu gießen, und da in ihm immerhin ein jüdischer Funke geglommen hatte, den Frieden zwischen Juden und Christen mit Geld zu erkaufen. Aus einer kleinen, niederen Hütte mit Gesinnungen in gleicher Höhe war er ausgezogen. Als ich ihm damals begegnete, warf er mir einen Blick des Bedauerns zu, weil ich ihm auf seinen hohen Flügen nicht zu folgen vermochte. Es war ein hoher Flug; es schien fast, als ob ihm, die Eroberung der Welt, die ihm vorschwebte, gelingen wollte. Er nahm für Tausende von Menschen, die ihm In die Höhe nachgafften, bereits die Form des goldenen Kalbes an. Seil 60 Jahren rnilD Schreiber-Mäzzöth / Gegründet 18*3 Wien, II., Hammer-Purgstallgasse 1 Tel. 44-9-66 In feinster* dünnster, unerreichter Qualität Uebeiull erhältlich! Jctfes Quantum wird , ins Haus zußcslcJli! Auch geizte er nicht an Geldverschwendungen für die ver> meintliche Versöhnung der-Christen mit den Juden, eis deren Friedensapostel er sieh gedünkt haben mochte. Vor einiger Zeit trafen wir uns wieder, ßr benierkte mich wieder, was er während, seines Fehlens > aus dem altgewohnten Milieu nie zu 'tun pflegte, •so. oft. wtr 'Wis -ajjc.libegegnen mochten. Ich konnte mich der Frage rifcht eWtr halieu: „Heimkehrer?" Es War ".eine' ty?ze''Ä*iffäi\föi' hast recht, ich bin wieder heimgekehrt!"! Dieser tage brachte mir die Poist die hiteres-s-ahte Mitteilung, daß zwei' junge Leute in Oberwart Im Burgerflaod. Söhne sehr .reicher .Elterai, wieder zum : judefjtuni „heimgekehrt" seien; Der Brief sehr eitoer verzeichnet das tritt, sjeht^cher-.•"Genugtuung und erwartet offenbar, daß .ich die beiden Brüder: die ganz ohne Grund -vor .'etwa acht jäiren aus dem^jföerifein desertiert waren, anläßlich ihrer Heimkehr Jubelnd begrüßen werde. Diese Brüder S. sind auch ein trauriger Typ von Heimkehrern: Es war in jeneh Tagen, da das Bürgeni'and noch nicht im Besitz« Oesterreichs war und der. weiße Terror in Ungarn verheerend und verwüstend, sengend, plündernd und mordend düreih die Judengassen des Landes tobte. Es war in jenen Tageiij da so viele von,, der ungarisch-jüdischen Assimilation angefressene Juden zu leicht befunden und vom panischen ^Stu ritt .aus dem Judentum hinaus wie. Spreu in die christliche Kirche hinübergefegt wurden. Zu dieser Legion der schwachen Seelen gehörten auch die Brüder S., die sich durch diese Desertion retten .wollten. Seither lebten die Brüder S. in den traurigsten seelischen Verhältnissen. Von den Christen, sagen wir, nicht geachtet, von den Juden erst recht, nicht, nahmen sie in der sogenannten Provinzgeseilschaft die eigentümlichste Stellung ein. Sie mußten schwere Kontributionen in Form von Beiträgen für nichtjüdische,, s,ogar für. aüsgespröchen antisemitische Zwecke leisten. Auch der Plan, durch VerschwägerÜmg mit reichen, angesehenen , christlichen Familien ganz im Christentum aufzugehen, wollte.nicht gelingen. Und jetzt geschah das Sonderbare. Beide fanden den Weg zum Judentum durch die Ehe zurück. Die beiden Brüder heirateten zwei Judeumädchen, die jedoch darauf bestanden hatten, daß die jungen Leute wiederum ins Judentum zurückkehren. Die christliche Gesellschaft atmete auf, : denn sie kann jetzt ihre bisher zurückgehaltene Verachtung über die zwei „Deserteure" laut aussprechen, und sie tut es ausgiebig. Und,, die-jüdische Gesellschaft? Mein Gott, was tot dieses Armitschkerl? . Sie freut sich der „Heimkehrer" . wider Willen. .. Traurig gesänimt hat mich ein junger Heimkehrer, der sich mit geradezu schmerzhafter Ironie Wiederheimkehrer nannte. Seine Geschichte ist kürz und niederdrückend. . Sohn Unverbesserlicher Assimilanten, war er vor drei Jahren gegen den Willen seiner Eltern mit einem Trupp Chalüzim nach Palästina. gezogen, um an dem Aufbau des Länder/Israel mit seinen Jumgen, unverbrauchten Kräften mit^arbeiteh. Seine .ersten Briefe an die Eltern und Freunde waren häufig mit' dem vielsagenden Worte „Heimke.hrer." unterschrieben. Erez Israel war für. ihn das Heim geworden. Aber auch er wurde für zu leicht befunden. Die Krise.. hatte ihn niedergeschlagen und seine Eltern schrieben ihm fast schadenfroh, „daß er doch nicht weiter seie Kräfte, für ein Unding vergeuden möge". Der Junge folgte und kam* zurück, als Wiederheimkehrer. Das sind gefährliche Typen. Es sind Menschen, die mit mangelhafter moralischer und materieller Ausrüstung Höhensport betreiben wollen; sie müssen verunglücken. Aber der Rabatt-Sektion des Jüdischen Natlonalionds. Jeder, der sich pflichtgemäß der Rabatt-Sektion des Jüdischen Nationalfönds anschließt, wird ersucht, den hier folgenden Kupon ausgefüllt an die vorgeschriebene Adresse zu senden. KU P 0 N. fch nielde hiemit meinen kostenlosen beitritt zur Raftatt-Sektion des Keren Kajemeth, IX.,, Schlickplatz 4, Tel. 68-6-69, an. Bitte um Einsendung einer Ausweistoarte und eines Firmenverzeichnisses. Unterschrift: •#.■■ t « i # ' Hern Name: Frau; . « , i , «v» v «■•«*• t « Fräulein: MkimW: ».-.*.'•• ■ ■ » *> »• Telephons ........ .