Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 28 (30.3.1928)
- Date
- 1928-03-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 28 Dil NEUE WELT Seite 7 1000 Dollar Uli II mmmmmmmu/mmmammmmmmmmmmmmmmm ,st d,e beste Empfehlung! ■BMmHanHMHMHBM Die Antipogrom-Liga. *—y. In Paris hat sich eine Antiprogrom-Liga gebildet. Sie hat im Quartier Latin eine öffentliche Kundgebung veranstaltet, zu der sich, wie der eingehende Bericht mitteilt, mehr als 6000 Menschen eingefunden hatten. Es wird leider nicht gesagt, ob dieses Auditorium aus christlichen Franzosen bestand, dagegen ist der Bericht Über die Redner und die Reden sehr aufschlußreich. So sehr, daß man eine nachhaltige Wirkung dieser Liga schon jetzt bezweifeln darf. Es befinden sich nämlich ausschließlich jüdische Persönlich k e i t e n im Vordergrund. Der Ehrenvorsitzende ist Albert Einstein; die Referate erstatteten: der jüdische Journalist Bernard Lecache, der nach dem Schwarzbart-Attentat die „Dark and bloody grounds** in der Ukraine bereist hatte; der Sorbonne- Professor H a d a m a r d, der mit der Erklärung begann, obwohl Franzose jüdischer Abstammung, wolle er hier nur als Gelehrter sprechen; der jüdische Verteidiger Schwarzbarts, Henri Tor res, rief die Zivilisation zum Kampf auf. Es ist sehr wohl anzunehmen, daß diese jüdischen Redner aus dem übervollen Herzen heraus, also sehr gut sprachen, und die Resolution, die die Notwendigkeit der Antipogrom-Liga betont, wurde denn auch einstimmig angenommen. War die Versammlung französisch oder jüdisch? Darüber wird, wie schon bemerkt, nichts mitgeteilt. Aber es ist jede Wette zu halten, daß unter den 6000 Erschienenen die Juden in der Mehrheit waren. Es gibt sicherlich viele, viele Nichtjuden von Rang und Ansehen, die den Pogrom verdammen; wenige, die dies öffentlich bekennen; noch weniger aber, die dies unter den gegebenen Umständen tun würden. Derm die Versammlung begann mit der Mitteilung des Vorsitzenden, daß die Abhaltung des Meetingsursprünglich im Trocadero-Saal geplant war; dieser gehöre jedoch der Regierung und diese Regierung habe den Saal auf Einschreiten einer auswärtigen diplomatischen Stelle verweigert. Sie hätte dies wohl kaum getan, wenn statt der jüdischen Redner französische Persönlichkeiten ihr Urteil über die Pogromseuche hätten verkünden sollen. Dieser Zwischenfall gibt der ganzen Sache das^enräge. und b^}euQjtitej;;jk<^e^;.vj^ausame Notwendigkeit Aj^QWpmtäga, aber keiner, die von Juden gegründet und von Juden propagiert wird. Der Pogrom ist die krasseste und brutalste Verletzung der Gesetzlichkeit (Von der Ethik wollen wir absehen.) Die Bekämpfung des Pogroms, der letzten Ausdrucksform der Hetze, läge also vor allem ihn Interesse der Völker und der Regierungen, in deren Staaten sich solche Metzeleien ereignen. Es sind nicht die Juden, die die Gesetze geschaffen haben, und es sind nicht die Juden, die sie brechen. Die Juden haben auch nicht die Exekutivgewalt, solche Ausbrüche der Raserei zu vereiteln. Sie sehen in den Pogromen ein Entwicklungsstadium der Reaktion, sozusagen den aus der Puppe schlüpfenden Schmetterling, und die Geschichte beweist es auf jedem Blatt, daß der blutige Abschluß einer jeden solchen antijüdischen Aktion, die Anrufung des Mordinstinktes, immer auch ein Mittel der gegen Demokratie und Freiheit sich richtenden Tendenzen war und ist. Und das ist auch der Beweis dafür, daß die nichtjüdische Gesellschaft die Verpflichtung hätte, zur Wahrung ihrer Moral, ihrer Entwicklung, ihrer Entgiftung die Gesetzlichkeit unter den stärksten Schutz zu stellen. Alle Fürsorge, aller Kampf gegen Schmutz und Schund wird zur heuchlerischen Farce, wenn die Gehirne zum Haß erzogen werden und wenn das Verbrechen an einer Minderheit straflos gepredigt und ausgeübt werden kann. Daß die Juden gegen den Pogrom, der doch nur ein Symptom Ihrer abnormen Situation ist, protestieren, daß sie den Kampf gegen ihn fordern, ist selbstverständlich. Aber dieser Kampf ist Sache der Gemeinschaft, des gesamten jüdischen Volkes, Er ist ein Teil des Kampfes um die volle Freiheit des Judentums, um seine nationale Zukunft und staatliche Unabhängigkeit und kann nur als dieser Teil geführt werden. Er wird herabgesetzt, wenn sich eine Liga solcher Art bildet, die bestenfalls ein mehr oder weniger beachtetes Protest- und Resohitionsdäsein führt. Es hat vor Jahren den Stolz der Assimilation gebildet, daß sie in den ausschließlich jüdischen Versammlungen des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus ihre jüdischen Solidaritätsempfindungen abreagierte. Das ist alles erfolglos geblieben, obzwar immer irgend ein Professor jüdischer Abstammung auf dem Podium erschien. Das sollte doch der heutigen jüdischen Generation zu denken geben und ihr sagen, daß die Lage des Judentums sich nur dann wird bessern können, wenn es sich national zusammenschließt und m Steiner nationalen Konzentration in einem Macht-, Zentrum arbeitet. Unter der jüdischen Fahne können wir gegen den Pogrom protestieren und die Welt wird dies respektieren. Borgen wir uns eine andere Fahne, dann verweigert die Regierung den Saal und dann wird der Ruf gegen den Pogrom zur Lächerlichkeit. . iniMtnl hu n.. i ■ Die Völkerßundanleihe für die zionistische Organisation. England soll einen Teil garantleren. Aus London meldet J. T. A.: Wie verlautet, hat Sir Alfred Mond der britischen Regierung vorgeschlagen, für einen Toll der Anleihesumme, die die Zionistische Organisation für das Aufbauwerk in Palästina auf dem internationalen Markte unter Garantie des Völkerbundes aufzubringen beabsichtigt, allein die Garantie zu übernehmen. Sir Alfred Mond hat der britischen Regierung ein Memorandum überreicht, in welchem auseinandergesetzt wird, daß angesichts der dauernd unruhigen Stimmung in Aegypten Palästina für den Schutz der britischen Handelsroutc uaoh dem Osten in erhöhtem Maße hi Betracht kommt. Das ägyptische Volk, heißt es in dem Memorandum weiter, erstrebt für sich die völlige Unabhängigkeit, weshalb die Aufrechterlialtung der britischen Heerstraße nach dem Orient über den S u c zk a n a i sich in Zukunft schwierig gestalten könnte. Die Juden in Palästina aber bilden ein gut europäisches Element, auf welches man sich verlassen könne. Es sei darum zu raten, Palästina als Zentrum für den Schutz der britischen Handelsroute nach dem Orient zu wählen. Der Kampf der Sowjets gegen den Zionismus« Auflösung 'der Organisation der Palästina-Pioniere. Die J. T. A. meldet aus Moskau: Die Sowjetregierung hat ä«i einer offiziellen Mitteilung die Auflösung der Organisation „Hechaluz" ausgesprochen; der russische „Heohaluz" gilt von nun ab als eine illegale Organisation. Aile Hechaluz-Kolouien und -Werkstätten bleiben als private Unternehmungen weiter bestehen, genießen aber nicht mehr die Rechte offiziell an- OTTO KAHMR Die Pro-Palästina-Deklaration der jugoslawischen Regierung. Die offizielle Deklaration der jugoslawischen Regierung, die der jugoslawische Außenminister dem Präsideuten der Zionistischen Weltexekutive, Nahum Soko- ■I o w, bei dessen Besuch in Belgrad übergeben hat, lautet in deutscher Uebertragung: „Mein Herrl Es ist mir eine große Freude, Dank unserer Zusammenikuirft, die rühmenswerten und erfolgreichen Anstrengungen des jüdischen Vol'kes für die Wiederherstellung seines VaterÜandes in Palästina näher und genauer kennengelernt zu haben. Mit der größten Sympathie haben wir alle diese Anstrengungen von deren Beginn an begleitet und sie, wie Ihnen bekannt ist, bei jeder Gelegenheit gefördert. Ich wiederhole Ihnen jene Deklarationen, die bei ähnlicher Gelegenheit in unserem Königreiche gegeben wurden. Bei uns sind wir iinnmer bereit, Ihrer humanitären Arbeit loyale Hilfe zu gewähret!, für welche Sie auch schon das Einverständnis uiid die Anerkennung s e i t e ns d e r Ku l tu rs taa t en und seitens des Völkerbundes besitzen. Zu gleicher Zelt drücke ich Ihnen den aufrichtigen Wunsch aus, daß Ihre Anstrengungen sobald als möglich von einem voHen Erfolge gekrönt sein mögen." Der preußische Landtag bewilligt die Zuschüsse an die jtidischen Gemeinden. Im Plenum des preußischen Landtags fanden aim Dienstag den 20. März, abends, die Abstimmungen zum Kultusctat statt. Mit großer Mehrheit hat das Plenum die vor einigen Wochen vom Hauptausschuß abgelehnte Position betreffend Auszahlung von 200.000 Mark als Zuschüsse an die Synagogengemeinden zur Besoldung ihrer •Rabbiner, zur Versorgung der Ruhegehailtsrabbiner und der Hinterbliebenen der Rabbiner in zweiter Lesung angenommen. Gegen diese Position stimmten nur die Deutschnationalen sowie die Völkischen und Kommunisten.. Die Juden von Tanger. Im Hinblick auf die gegenwärtig in der DuTchftihrung, begriffene Revision der Verfassung von Tanger hat die jüdische Gerne i n d e von Tanger den Staats- Die weltberühmten und bevorzugtesten IANISC Gries Amerikanischen HATZOS yiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiii!itiiiiiiiiiiiiimiiiiini| | nwfwwwwo I Farve! miimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiuiiin sind bereits eingetroffen und in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich Manlschewltz Matzos-Vertrieb Wien, II., Fugbachgasse 24 (Nordbahnstraße 38) Telephon Mr. JS-9-33 und 42-3-38 Filiale: Ig. Frost, IL, Haidgasse 9, Telephon R 46-8:89 □ 3 □ □ □ 0 □ □ □ H □ O □ □ □ H erkannter Körperschaften. Als Grund für die Auflösung des „Hechaluz" wird angegeben, daß die Organisation zionistische und antisowjetistische Propaganda betrieben hat. Verhaftungen von Hedhaluz-MKgliedern fanden im Zusammenhang mit der Auflösung der Organisation nicht statt. Die Führer des Hechaluz in Rußland waren in der letzten Zeit Verdächtigungen und Verfolgungen ausgesetzt. Der Führer der Chaluz-Kolonie „Tel Chai" wurde verhaftet, die Chüluzkolonie in der Nähe von Taschkent aufgelöst. In Verfolg der Razzien auf Zionistensozialisten sind auoh Mitglieder des Zentralkomitees des Hechaluz verhaftet worden. Der russische Hechaluz wurde .1924 als legale Körperschaft erklärt und hieH noch im August 1924 seine erste Konferenz in Moskau ab. Die jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei hörten nicht auf, die Aufhebung der Legalisierung zu fordern. Sämtliche ' K Ii A V I E R E Markw. KREITLER i ~ Ix.UnlversItiUttrefte« auch auf Teilzahlung t kanzleien von Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien einen Antrag betreffend eine R e f o r m der rechtlichen Stellung der eingeborenen Juden unterbreitet. Numerus clausus für Schlachtochsen. Wie aus Berlin gemeldet wird, hat -der preußische Landtag am 21, März einen Beschluü des landwirtschaftlichen Ausschusses bezüglich des Schächtens angenonnmen. Der Beschluß lautet: Das Staatsministenluni wird ersucht, geeignete Maßnahmen zu treffen, daß 1. das Schlachten von Tieren durch das rituelle Schachten nicht über den Bedarf der jüdischen Bevölkerung an geschächtetetn Fleisch hinaus erfolgt und das Verbot des wilden Schächtens streng durchgeführt wird; 2. das Schächten ordnungsgemäß ausgeführt, ferner bei der Vorbereitung des Schächtens, insbesondere bei der Niederlegung des Tieres, Vorkehrungen getroffen werden, die geeignet sind, die Schlacbttiere vor unnötigen Aengstigu ngen und Schmerzen zu schützen; 3, beim Schlachten überhaupt die vorhandenen technischen Verbesserungen In humanitärer Hinsicht angewandt und alle Roheiten verhindert werden. Das Schächten bleibt somit für den Jüdischen Bedarf ges-tatut