Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 28 (30.3.1928)
- Date
- 1928-03-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
- Ukraine 1× ep/1001131
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Nr. 28 "Wir bringen zur öffentlichen Kenntnisnahme, daß die WfeMf Mo!k6l*©l zu den bevorstehenden Pessachtagen streng rituelle Koschermilch in allen ihren Filialen und Depots in Wien zum Verkaufe bringt, und üwar: Vollmilch in Flaschen Kindermilch in Flaschen Kaffeeobers in Flaschen Schlagobers in Flaschen sowie Vollmilch in Kannen Die Milcherzeugung sowie die Füllung der Kannen und Flaschen und der Verschluß derselben stehen unter Aufsicht zweier von Seiner Ehrwüfden He*rn Dr. M. Rosenmann beigestellter religiös verläßlicher Organe. "IIP DPI Seitens des Gefertigten wird hiermit bezeugt, daß die von der WlQfier Molkerei zum Verkauf gebrachte Peesach-Koscher milch aus der Meierei des Gutes Angern (Gänserndorf) unter Streng ritueller Aufsicht zweier von mir bestellter, religiös verlässllcher Organe (D'JVJtPö) erzeugt, gefüllt und zum Verschluß gebracht wird. Sämtliche Kannen und Flaschen sind neu. Die Kannen sind überdies mit Plomben mit dem Aufdruck It^D versehen, die Flaschen haben Verschlüsse mit der eingedruckten Aufschrift "I^D HDD un4 sind außerdem mit einem Streifen versehen, der die Aufschrift fiDÖ *W WD D^H Jedoch wird bemerkt, daß für Milch in offenen Gefässen kerne Garantie in ritueller Beziehung geleistet wird. Wien, 20. März 1928. Rabbiner Dr. M. Rosenmann. zusammenzubekommen. Aber das ist nicht so leicht, wie es sich anhört. Wer zu diesem Kongreß wählen kann, wer wählbar ist, das sind schwer zu beantwortende Fragen. In Jerusalem ist man mit gutem Beispiel vorangegangen und hat gewühlt. Das war so: 60 Notabein kamen zusammen, ein Teil von ihnen verließ die Sitzung unter Protest noch vor den Wahlen, der Rest wählte, und »war 30 Delegierte, so daß im allgemeinen jeder Anwesende sich selbst gewählt haben dürfte. So ist denn die Wahl auch in den Kreisen der arabischen Opposition nur mit Spott aufgenommen worden und die Aufforderung Djemal -Busscinis, in anderen Städten entsprechende Wahlen zu veranstalten, ist zum Beispiel in Jaffa und Haifa abschlägig beantwortet worden. Nur in Bethlehem ist man. dem Jenusalcmer.. Beispiel gefolgt. Die ücueste Nachricht geht nun dahin, daß die Einigung ) zwischen den Husseinis und den Naschaschibis wieder in die B r ü c'h c gegangen Ist. Unter den 30 in Jerusalem gewählten Delegierten findet sich nämlich merkwürdigerweise kein Nascbasctübi, was die arabische Presse als ein Rätsel bezeichnet, was aber vermutlich sich einfach daraus erklärt, daß die Husseinis in der Ueberzahl waren und nur ihre eigenen Leute wählten, während die Naschaschibis vor der Abstimmung weggingen. Jedenfalls scheint es im Augenblick, als wenn der Kongreß nicht zustande kommen wird -und damit die Versuche zur Aktivierung der arabischen politischen Gruppen wieder einmal auf einem toten Punkt angekommen sind. Eine Aenderung dürfte erst dann erfolgen, wenn die Demokratisierung im, arabischen Lager einsetzt und wenn die Notabelnclique gezwungen sein wird, zu beweisen, daß noch Irgend jemand Vertrauen m ihr hat. Die Judenkolonisation der Sowjets, Bankrott und Reklame. Von Dr. J. Sehleehünami, Paris. Wir beginnen heute mit der Veröffentlichung einer Reihe von Artikeln, in denen der . , Autor, .feine., mit den Verhältnissen in . Rußland ' vertraute' Persönlichkeit, das Jüdische Kolonisatiionswerk der Bolschewiken Iii Wert und Grundlagen prüft. Er kommt zu - dem Schluß, daß dieses mit so viel Reklamegeschrei begonnene Unternehmen verkracht ist «nd daß auch das jüngste Projekt, die Massensiedlung am Amur, demselben Schicksal verfallen muß. , Der Ausgangspunkt aller optimistischen Betrachtungen über die Aussichten und Möglichkeiten der jüdischen landwirtschaftlichen Kolonisation in der Ukraine ynd in der Krim war immer der folgende: Freiland in Ueberfluü, unerschöpfliche staatliche Bodenfonds. Die uucfbitflicrie' Wahrheit''hat sehr schnell diese Illusionen vertrieben. Schon vor zwei Jahren hat Professor B o 1 s ch ak'off in einem vom Landwirtschaftlichen Kommissariat herausgegebenen offiziellen .Sammelbuch .festgestellt, daß die Filäche des freien anbaufähigen Bodens-kaum für die Änsied'lung von einer Million Seelen genügt. Die Zahl der Landbedürft4gen im Zusammenhang 'mit der Einstellung der Uebersiedlung nach Sibirien und dem natürlichen Zuwachs der.Bevölkerung beträgt aber zehn Millionen Seelen. In der Ukraine selbst gab es laut den offiziellen Angaben anfangs 1926 zirka 800.000 landbedürftige Bauern. Das Märchen von ungeheuren Flächen, die frei sind und nur nach jüdischen Kolonisten lechzen, wurde in der Ukraine früher als anderswo zerstört. Schon auf der ersten allrussischen Konferenz der „OZET" (vom 15. bis 20. November 1926) mußte Herr Lara«erikJäreh: „War haben noch einigen Bodenvorrat in der Ukraine für das nächste Jahr, ungefähr für", tausend- Famn'lien; es ist ferner möglich, daß nach der Melioration und'Tfockenlegu-ng des sandigen und wässrigen Bodens in der Ukraine w»ir noch etwas für das nächste Jähr bekommen werden. Aber der Ansdedlungsfonds der Ukraine ist fast e r-schöpft. Er ist von uns sowie auch von der lokalen bo4«narmen Bevölkerung beinahe vöttig besetzt. Foiigflich fäfilt die Ukraine für die weitere Massenansiediung, vollständig aus." Diesem. hochofiKaeiten Geständnis folgten auch ohne Verzug die entsprechenden Handlungen, Die Zuteilung de« Bodens an dte jüdischen Kolonisten in der Ukraine wurde eingestellt. Vergebens . wachte Herr B r a g i n der Sowtjetregier««* bittere Vorwürfe darüber. Die Vertreter der Regierung antworteten auf sejne Vorwürfe sehr aufrichtig, daß „es unmöglich ist, die! Ukrainer zu zwingen, den Juden Boden m geben." Mit der ■ Ukraine ist es von ntin ab für die jüdische Kolonisation aus. Man hat 125.000 Dessjaträen, das heißt 7 Prozent des Kolonisationsfonds, in senattöm Proporz zur Zahl der jüdischen Bevölkerung, zugeteilt; man hatirft Laufe von drei Jahren (1925 bis 1927) 7866 Familien angesetzt, und Schluß-damit.- Weiter geht's nicht! Es war aber namentlich die Ukraine (und nicht die K r i m, wie sich das uneingeweihte Publikum vorstellte, das das ganze jüdische Kolonisatiionswerk in Sowjetrußlaud als die „K r i m - K o 1 o n i s a t i o n'4 bezeichnet), die bis jetzt den Löwenanteil in der Kolonisationsibewegung hatte. Im Jahre 1926 fallen 60 Prozent des zhgewiesenen Bodens auf die Ukraine und nur 33 Prozent auf die Krim. Die Zahl der in der Krim angesetzten Familien ist noch niedriger; sie hat im Jahre 1925 16 Prozent, im Jahre 1926 20 Prozent der Gesamtzahl nicht übertroffen. Die Einstellung der Bodenzuteilung in der Ukraine entzieht der jüdischen Kolonisation im europäischen Rußland jegliche positive Bedeutung.'Die „Iswcstia" vom 19. -Jänner d. J. konstatiert melancholisch: „Der Bodeafondsist beinahe gänzlich erschöpft. Für das Jahr 1928 besteht die Möglichkeit, auf - den Boden des Reservefonds nur noch 1200 Familien anzusetzen." Wüe himmelweit sind diese bescheidenen Zahlen von den großzügigen Plänen einer Ansiedhmg von 100.000 Familien entfernt. Alle diese prahlerischen Versprechungen sind jetzt verstummt. Von der „jüdischen Republik" ist es still geworden. Und wirklich, weichen Sinn können alle großen Worte über die „Lösung der Judenfrage", über „den Umbau dei wmmmmmmmmmmBmmmmnmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmn Es Qberfltlgelt dmch seki Renommee, seine riesige Wirkung DIANA FRIM4ZBRANNTWEIN mit Menthol saasfflete' atollndfKfan \?£n Heiwttlt «ad Kopfoettmerzea Leidende wenden mar eine Htasage «n, uro sich zu attischen und 8a**o»Mmik ^EuBcatbeü fortsetzen zu können Nehmen Sie nur Diana! HiB^hÄfciBm&j|#ji wqImmi anritcfcJ jüdischen Wirtschaft", über den „Uebcrgang der jüdischen Massen zur Landwirtschaft", haben, wenn während der ganzen T ä t i g k e i t s d a u c r der „OZET", der „Agrojoint", der „ICA" und der „ORT"- (bis zum 1. Juli 1927) in der ganzen Sowjetunion (Ukraine, Krim, WeißruBland, Kaukasus, Dagestan usw.) 12.483 Familien, das sind zirka 60.000 bis 65.000 Seelen, angesiedelt worden sind. , Das macht ungefähr 50 Prozent des natürlichen Zuwachses der jüdischen Bevölkerung von Sowjetrußland für die letzten drei Jahre (40.000 Köpfe jährilich) aus. Der Grundkern des russischen Judentums ist auf diese Weise von diesem Produklwierungsprozeß gar nicht berührt und sein natürlicher Zuwachs wird nur zur Hälfte durch die Kolonisation absorbiert. Wenn sogar jene 18.000 jüdischen Familien hinzugezählt werden, die noch vor der Schaifänns der „OZET" (d. h. vor 1924), auf eigene Initiative, sozusagen „aus sich selbst", sich zur Landwirtschaft bekehrt haben, so wird auch dann die ganze jüdische landwirtschaftliche Bevölkerung der Union 150.000 Menschen, ausmachen: Die Zarenregierung Alexanders L, die vor 120 Jahren die Ansiedlnitg der Juden auf dem Lamde begonnen hat, hat in dieser Beziehung schon mehr eTreicht: Laut der Volkszählung vno 1897 haben 192.721 Juden (3,81 Prozent des gesamten russischen Judentums) sich von der Landwirtschaft ernährt. Besonders charakteristisch ist in dieser Hinsicht die Geschichte der Schaffung « des „ersten jüdischen Verwaltungsgebietes" in der Ukraine unter dem Naimen „KalinIndorf". Bei diesem Anlaß haben die jüdischen und nächtjüdischen Bolschewiken einen ungeheuren Lärm und Reklame gemacht. Es wurde eine eigene Rayonskonferenz unter Mitwirkung von 32 stimmberechtigten Delegierten und von 7 .beratenden Delegierten einberufen; zirka 3000 „Gäste" wurden, aus allen benachbarten Gegenden zusammengejagt; bei Eröffnung der .Konferenz lagen 80 Begrüßungstelegramme vor und. die Bolschewiken verkündeten in der ganzen jüdischen Welt, welche enorme Fortschritte die jüdische Kolonisation in Rußland zeitigt: Kaum drei Jahre wird die Sache betrieben und schon ist der erste jüdische landwirtschaftliche Rayon geschaffen worden, sozusagen ein Embryo der künftigen jüdischen Republik! Wollen wir aber uns den Gegenstand dieses Rek'laraelärms etwas näher ansehen. Wias wurde hier eigentlich geschaffen? Die Bodenfläche von „Kalinindorf' beträgt im ganzen 57.636 DeOjatinen. Gemäß den Angaben der von der „QZBT" herausgegebenen „Tribüne" (Nr. 3) sind von dieser Bäche mehr als 10.000 Deßjatinen von ukrainischenutiddeutsc'hen Bauern besetzt, Von dem restlichen Boden gehören mehr als 19.000 Deßjatinen den alten, mehr als 100 Jahre bestehenden jüdischen Kolonien (Lwow, Große Seideminucha, Kleine Seideminucha und Bobrowi Kut). Diese von der Zarenregierung geschaffenen jüdischen Kolonien kann man unmöglich auf das Konto der Sowjebkolonisation buchen. Was bleibt dann übrig? „Mehr als 27.000 Deßjatinen — berichtet dasselbe „025ET"- Blatt — sind teilweise schon besiedelt, teilweise müssen sie noch von den jüdischen Umsiedlern aus verschiedenen Gebieten der Ukraine besiedelt werden." Es gehört also den Neuansiediem weniger als die Hälfte des Rayons, wobei auch von diesem Ideineren Teil berichtet wird, daß er teilweise noch besiedelt werden muß, das heißt noch n ä c h t kolonisiert Ist. Kann man nach all diesem „Kahnindorf" als einen Rayon, der durch die kolonisatorische Tätigkeit der Sowjetorgaue geschaffen wurde, bezeichnen? Nicht besser steht es tum die Bevölkerung dieses „neuen" administrativen Gebietes. Wenn aHe Parzellen yon den Umsiedlern besetzt sind ~ berichtet das „OZET"«