Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 28 (30.3.1928)
- Date
- 1928-03-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2711613-2711630-2711643--0368-2713505- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seifet DIE NEUE WELT Nr. 26 gehörigkeitsgefühl, ein Arzt, ein Ingenieur seine Neigungen. Aus unserer Mitte aber muß ein Geschlecht entstehen, das weder eigene Interessen noch private Neigungen haben darf. Ein Stück Eisen. Nicht in seiner harten Form — immerhin aber Eisen. Eisen, aus dem man alles schmieden .könnte, dessen die nationale Maschinerie bedarf. Benötigt sie ein Rad? Hier bin ich. Einen Nagel, eine Schraube, einen Block? Hier bin ich. Muß man die Erde aufgraben, bin ich es, der sie aufgräbt. Be-> nötigt man Soldaten, bin ich zur Stelle. Polizei, Aerzte,, Juristen, Schauspieler, Lehrer, Wasserträger: Ich bin da. Ich habe keine Physiognomie, keine Psychologie, keine eigenen Gefühle, keinen eigenen Namen: Ich bin ein Diener Zions, zu allem bereit, an nichts gebunden, keiwiei bloß den einen Imperativ:. Aufbau!" „Solche Menschen gibt, es nicht", sagte ich. „Es gibt deren." Ich war im Irrtum. Der erste saß damals vor min. So war er selbst: ein Jurist, ein Soldat, ein Farmer. Er ging nach Tel-Chaj, um Arbeit mit dem Pfluge zu fin-> den, und erlag dem Tode durch eine Kugel, sagte „Ejn, dawar" und starb, unsterblich bleibend. :-:—--—;-:-," i —. ."■........ Die in mir, dank „Herma", stets überschäumen. Llclt Ich mein ungereimtes Reimen. Duch brauch' ich noch Jansc die finstern;Mächte, * Die mir, dnnk „Herina", stets überschäumen. ( „Henna" ist Saft von HERba MAtc, alkoholfreies anreitendes' EririschuiiKsgcträhk. En gros; Knrl Huber, Wien, XVilL England läßt Schwarzbart nicht ins Nationalheim. - Unser F> L.-ßerioh'terstatter in Jerusalem schreibt uns: Seit einigen Wochen wird der Name Schalom S c h w a t z »b <ä r t s wieder häufig in Palästina' erwähnt. Die palästinensische Oeffen-töcbJkeit hat seinerzeit den Pariser Prozeß mit lerdenschaftliohef Teilnahme verfolgt; der Freisprach- Schwarzibarts wurde durch Extrablätter'bekanntgegeben und in Tel-Awiw gab es sogar eine Straßenkamdge'bung zur Feier dieses Erei®nfrsses. -Die palästinensische Oeffentlichkeit hat sich inzwischen mit dem Gedanken vertraiit gemacht, daß Schwär zbart nach Palästina übersiedeln wird. Jetzt wird bekannt, daß die Regierung für Sohwarzbart, der inzwischen nach Beirut gereist war, die Einreiseerlaubnis abgelehnt 'hat und daß dieser " Beschluß . vom Co] Olli al Office bestätigt Wiiirde. Weite Teile des Jiscfruw sehen m Sohwarzbart einen nationalen Heros, der nicht mit dem üblichen Maße gemessen' werden dürfe* 'und' dem" die Einreise in,;die, nationale Heimstätrte,, ^desjüdischen Volkes u n>te r. a 1.1,e n U m s tä.nd en .of f ens tehe n müis s.e. Auch wer sich damit begnügt, als. Jude und Mensch volles Verständnis .für .ihn m haben, muß zum mindesten verlangen,, daß Sohwarzbart die Einreise nach Palästina gestattet wird, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen da2.11 gegeben sind. E s scheint a b e r, a 1 s w e n.n d i e R e g i e r n n g S c <h w a r z b a r t d i e G i n reise verweigert, nur weil .es S c h w a r z b a t t \ st.' Dafür spricht die Tatsache, daß die Regierung die Zustimm'ung des Co'lonial Office einzuholen für nötig hielt, was sie doch eben nur deshalb getan hat, weil s4e den Fafl als einen außergewöhfiijichen, politisch behutsamen ansieht. Das aber dittfte sicheriiali nicht geschehen. Schwarzbarte Freispruch, erfolgt durch ein sicher unparteiisches Gericht, unter freudiger - Zustimmung fast der gesamten Kulturmenschheit, sollte ihn davor schützen, jetzt a u s p o 1 i t i s c h e n G r ii n d e n v o n Etez Israel ausgeschlossen zu werben. Daß Sohwarzbart nicht als politischer Agent handelte, daß er inshesottderc nicht in irgend einer Weise mit Sowjetrußland in Verbindung stand, hat der Prozeß klar erwiesen. So fördert unseres Eraohtens die palästinensische Oeffentlich'keit mit Recht die Intervention d e r z'i 0 n i s t i s c h e n O r g an e 111giinsten Schwarzbarts, nicht um Privilegien für ihn zu schaffen, sondern um das Entstehen von Ausnahmebestimmungen gegen, ihn zu verhindern. Koweit - Kairo - Jerusalem. VOn Dr. Fritz Löwensteln, Jerusalem. Wieder einmal, wie, schon so häufig, ist Palästina der einizig ruhende Punkt iitn unfuhigen Vorderen Orient, Das W a h a b i t c 11 r c i c h hat auch »ach der Eroberung des . Hedschas keine Ruhe finden können. Das entspricht.;;den theoretischen Ueberzeugungen dieser Puritaner des Islam, für die der Kampf gegen die Ungläubigen religiöses Gebot ist, der Kampf gegen niohtwahabitische Mohammedaner aber ein noch viel wesentlicheres Gelbot zu sein scheint. Schon seit Monaten mehren sich die Nachrichten über Einfälle wahabitischer Stämme in den südlichen Teil des Irak. Langsam verbreitet sich die Ueberzeugung, daß es hier um mehr geht als um die üblichen und «nveroneidhehen Ueberfällc des Kulturlandes durch Beduinen; daß die strenge Disziplin, im der Ihn Saud seine Scharen zu halten weiß, es .recht (Unwahrscheinlich «nacht, daß diese Stämme auf eigene. Faust handeln, und daß Ifen Saud diese Krietgszüge, wenn nicht befiehlt, so mindestens gern dmldet. Es bandeüt sich auch nicht mehr bloß um den Irak, sondern auch um Transjordanien, und .wenn ein fönmiiehes Heer von Wahabiten Maan und Akaba bedroht, so ist es schwer zu glauben, daß nicht Ifen Saud der Urheber dieser Kriegsdrohungen ist. Wae erinnerlich, gehörten Maan und Akäbä noch vor wenigen Jahren nicht zu Transjordanien; 840 wurden dann von den Engiländerri zü Transiördauien geschlagen, als sie das Bündnis mit Ihn Saud abschlössen. Die Bedeutung Akabas als Hafenort ist ja, bekannt; aus Lawrences „Aufstand i<n der Wüste" ersieht man die hohe strategische Bedeutung dieses Punktes'. Es scheint, daß die -Engländer die* Angelegenheit durchaus' nicht ernst nehmen: man?.melder, daß Kriegsschiffe im englischen Koweit (an der arabischen ■ Ostküste .gelegen) Truppen gelandet haben. (Inzwischen ist es zu Verhandlungen zwischen Ihn Saud und Sit CI a y t o n gekommen. Red.) Auch Aegypten ist ein neues Unruhezentrum und beweist, daß noch lange nicht der Weg gefunden ist, am die ägyptische Unabhängigkeit mit den englischen Interessen zu vereinigen. Es handelt sich in der Hauptsache um drei Fragen: Das Weiter verbleiben der britischen Militärmacht am Suezkajia'l und in der Zitadelle von Kairo, die Selbständigkeit oder Unselbständigkeit der ägyptischen Außenpolitik und das Problem des englisch-ägyptischen. ^Jürdie Osterspeisen kann jeder Strenggläubige ohne Bedenken . ■ Kunerol verwenden. Die KunerokErzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Naturfettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. KUNEROL 100% REINES KOKOSNUSSFETT Kondominiums, im Sudan. Aegypten wird auch diesmal nachgeben müssen: die Zeit ist noch nicht gekommen, wo England' gezwungen werden kann, den Acgyptern mehr einzuräumen, als -es selbst für zulässig hält. Daran ändert es auch nichts, wenn Aegypten in Einzelfragen seinen Standpunkt behauptet, wie etwa neulich, wo England und Frankreich gemeinsam die Ausweisung eines nationalen F ü h r e r s d e r s y r i s c h e n Araber aus Aegypten verlangten und die Aegypter sich entschieden weigerten, dies zu tun. * Im Vergleiche (zu-diesen Vorgängen m der großen ■arabischen Politik muten -aW.e Vorgänge unter den Ara.bern Pa 1 ä s t i n a s als recht provinziell an. Wir haben letzthin berichtet» daß gewisse arabische Kreise die geplante und ihnen unbequeme Refornn der Geb ändert euer zu einer Agitation für die Parlamentarisieriung Palästinas benutzen. t Es hat nicht den Anschein, ais ob diese Agitation zu einem auch nur tei^weiseii Erfolge führen wird, und bei der sprunghaften Art, in der hier arabische Politik gemacht wird, ist nicht anzunehmen, daß man mit allzu großer Hartnäckigkeit auf der Forderung bestehen wird. Die Araber selbst sind keineswegs einig in der Erhebung dieser Forderung. Die oppositionellen Gruppen erklären,- daß erst im arabischen 'Lag&r Einigkeit und Friede herrschen niüisdri,.;ehe i*nan;'äS» die; Regierung mit Forderungen herangehen düffe, und ganz bestimmt,, wenn es sich um' Forderuhgen so weitgehender Art handle. So giät denn im Augenblick im arabischen Lager die Parole. „Einigkeit", nicht als eine Tatsache, sondern als eine Forderung. Es fand wieder einmal die V e r s ö h 11 u n g z w i s c h e n •Hü ss e i ni u 11 d Na s c h a s,chi.b i statt. Djemal Hussein!, der noch existierende Sekretär der nicht existierenden „Arabischen Exekutive", ruft auf zu Wahlen z u m 7. K 0 ng<reß der palästinensische« Araber. Diesen Kongreß versucht man schon« seit langer Zeit immer wieder sowohl in Auswahl als auch in Preiswürdigkeit unerreicht nur bei VI., Linke Wäenzelle 40 (im Hofe( auch in den vom Kaiser begünstigten Freimaurerlogen eifrig betrieben. Dies macht sich Wiener zunutze, befaßt sich eingehend' mit alchimistischen Spekulationen, so daß der Kaiser auf ihn aufmerksam wird, ihn nach Wien berußt, wo er ihn in jeder Weise zu fördern sucht. So wird Wiener zum Lehrer der orientalischen Sprachen an der Wiener Universität ernannt, zum Dolmetsch für Hebräisch bei verschiedenen Gerichten und Behörden bestellt und 1746 mit dem Prädikat „von S0 n n e nf c 1 s" — das er fürderhin als Familiennamen benützt — in den Adelstand erhoben. 1747 veröffentlicht er sein halb hebräisch, halb deutsch geschriebenes alchimistisches Werk: „Or Noga, Splendor lucis oder Giantz des Lichtes, enthaltend eine kurze Physico-Cabalistische Auslegung des größten Natur-Geheimnuß, insgemein Lapis Philosophorum genannt." Dieses im Geschmaoke des frömmelnden, gegen die freieren Bestrebungen des Westens abgesperrten damaligen Oesterreichs gehaltene und mit kabbalistischen Tabellen ausgestattete Buch umfaßt — neben der immer wiederkehrenden Beteuerung der christlichen Rechtgläubigkeit des Verfassers. — eine auf k a b b a 1 i s t i s c h e A u s 1 e g u n g von B ib e 1 s t e 11 e n und auf verschiedenen Zeichensystemen der Geheimkunst aufgebautealchimistische Theorie. ,• Trotz der hohen Förderung, sind seine finanziellen Verhähiiisse durchaus kerne g)änzeii<len. In. den Nachlässen Wiener. Juden-.erscheint ■er oft uis Schuldner kleiner Beträge, die zu den verlorenen gezählt werden. 1751 befindet er sich bereits im Schuldenarrest. Zur großen Berühmtheit gelangt sein noch im Judentum geborener und erzogener jüngerer Sohn Josef (1733 bis 1817), der nach einem wechsefvollen Soldaten!eben durch adelige Beziehungen im Alter von dreißig Jahren zum Professor der ,,Polizei- und Kanjer.'dwls.seiischaften" an der Wiener Universität ernannt wird. Die Professur bedeutet für ihn aber lediglich die gesicherte Lebensstellung, sein Ehrgeiz strebt höheren Zielen nach:, er ist vom Wunsche beseelt, deutscher Schriftsteller zu werden. Seiner übertriebenen Eitelkeit schmeiche-M' es, afls einer" der ersten das, bisher in Oesterreich brachliegende Feld der Literatur zu bebauen, wobei er — da er auf ailen Gebieten besser beschlagen sein will als die Fachgelehrten nach dem Urteil eines modernen Forschers eine „vielseitige Oberflächlichkeit" bekundet. / ' ' In der 1761 gegründeten .Ratschen Gesellschaft" spielt er schon'. eine bedeutsame' Rolle und wird später Präsident der Akademie der Wissenschaften. Trotz ajler Ehrungenbleibt aber der Schriftstelkr das Primäre . bei ihm und selbst nach, seinem Aufstieg — er wird .1779 wirklicher Hofrat und 1797 in. den Relchsfreiherrnstand erhoben — geizt er nach literarischen Lorbeeren. Diese ganz urigew'Öhnüiche Neigung .Sonnenfels,. in Oesterreich ist zweifelsohne auf seine jüdische Abstammung zurückzuführen. Seine eigentliche große Bedeutung für Oesterreich uud seine Berühmtheit erlangt er aber eigentlich durch seine erfolgreiche Bemühung um die Reform des Si i avf g e s e t z e s und vor ällpm.. um die A b s c h a f f % n g der Tortur.. Auch sein Standbild vor, dem. Wiene.r R.ath aus:e .stellt ihn in einer Pose dar, wie er auf die Folterwerkzeuge tritt. -; / \ :? Sonnenfels gehört gewiß zu den großen Vorl^ämpfem fin* wahre. Merjschlich'k&it, sein. Freigeist, der sich imnter bewährt, scheitert aber" an einer K4ippe:~ m seiner }Ödischen Abstammung. Ist es nicht menkwürdig, daß ertlde.r sich wernc den ,iMann ohne Vorurteil" nennt ^- er gibt auch eine Zeitschrift dieses Namens iteraus — und "der im Schatten des Thrones eine große Rotte spieK, mit ängstlicher , S;e h .e 11 j e d e S p. y,r. seiner Ä bs t a 1 n m u 11 g zu verwischen sucht u«d sekier jüdischen M u 11 e r nicht die goringste Erwähnung tut, Obwohl er in seinen ■zahlreic'hen 'Briefen recht oft dazu Gelegenheit hätte? Noch einen nennenswerten _ Täufling hat das Wiener geistige Leben aufzirweisen: den Albbö Loren zo Da 1 Ponte (1749 bis 1838), den Librettisten Mozarts. Dieser venetianische Jude, der in der koketten Abb 6 s 0 u t a n e des achtzehnten Jahrhunderts steckt; dichtet das Textbuch von „Figaro", „Don Juan", „Cosi tfari tuttc" und wie die zierlichen Opern afle heißen. Hochbetagt beschließt eisern wechselvolles Leben ais Theaterdirektor jenseits des Ozeans, in New York. Eine bemerkens'Werte Figur im geistigen Wien ist auch Franz Thomas Schönfeld (1755 bis 1793), Sohn des angesehenen Brünner jüdischen-Tabakpächters Sälomon Dobrus'chka. Als Jude heißt er Moses Dobrüschka," heiratet die Adoptivtochter des Primators der böhmischen Ländesiudenschaft Joachim Popper, schreibt 1775 unter dem Titel „Sefer ba-schaasohna" (,;Buc'h des Vergnügens") einen hebräischen Kommentar zum philosophischen Werke „Bechinett olam" des Jedaia Penini aus Beziers (13. Jahrhundert) und läßt sich noch im selben Jahre taufen. Er geht zum Militär und wird Leutnant im Infanterieregiment Nr. 37; bald darauf erscheint er in Wien afs Direkforstellvertreter der Garellischen Bibliothek des k. k. Theresianums. Hier veröffentlicht er eine ganze Reihe von Werken: „Ueber die Poesie der alten Hebräer", „Ein Schäfergedicht in' eben dieser (hebräischen) Sprache", „Eine geschätzte hebräische' poetische IJebersetzung des Pythagoras goldener Sprüche". 1778 wird er mit seinen fünf Brüdern, die etoenfa?te zum Ghristentum übergehen, in den Ade-Island erhoben. 119S g«ht er in einer poftJsohe» Mission mied Frankreich, wo er, von de» Franzosen ergrlifen, noch im selben Jf«hre «Itter 4m Griftotine dm Tod findet.