Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 27 (23.3.1928)
- Date
- 1928-03-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 10 DIE NEUE WELT Nr. 37 led^r bewußte Zienlstgeht zu PESSACH in das streng Hotel Restaurant A. Barschak II-, Grosse Schiffgasse 3 Vorzügliche Palästina- und ungarisch« W«in« Mäßig« Preise Telephon 40-1-39 junger Juden, die, unbekümmert um Bannfluch und geschäftige Frömmelei, die hebräische Umgangssprache pflegen. Unlängst geschah es nun, daß zwei jüdische Gymnasiasten beim Sabbatgottesdfenst in der großen orthodoxen Synagoge sich hebräisch unterhielten. Darob entrüstete sich eine der Spitzelkreaturen des Rabbiners Schapira, der FJeischatifseher Isidor Bleie r, dermaßen, daß er einen der beiden Knaben, Alexander Schönfeld, bilutig schlug. Der Gottesdienst war gestört, der kleine Märtyrer der hebräischen Sprache dürfte einige Wochen in ärztlicher Behandlung stehen, während Blei gegen den Strafamtshandhing eingeleitet wurde, bei Gericht den Beweis erbringen will, daß er „in begreiflicher Entrüstung und Erregung über die Entweihung der Synagoge durch die hebräische Sprache gehandelt habe". Per ehemalige Abgeordnete Steinhaus gestorben. In Krakau ist der ehemalige österreichische Abgeordnete Dr. Ignaz Steinhaus gestorben. Er war ein Polenkkubiudc, gehörte deren konservativen Fraktion an, mit deren Willen und Hilfe er aus Galizien ins Parlament gelangte. Nach dem Entstehen Polens wurde er automatisch Deputierter des ersten Sejm. In den letzten Jahren trat er nicht mehr öffentlich hervor. Vor den letzten Sehnwahkn, als die Assimilation in Gafeien Morgenluft witterte, unterzeichnet er mit Loewenstct n, K o H scher und arideren den Aufruf an die .'Juden gegen den Minoritätenblqck und für das Zusammengehen mit der Regierung. 1000 Nummern „Jewlsh Daily Bulletin". Dieser Tage erschien die 1000. Nummer des „Jewish Daily Bulletin", der in NewYork herausgegebenen. einzigen jüdischen Tageszeitung in englischer Sprache. An . dem gleichen Tage vollendete, die Jüdische Telegraphen-Agentur das neunte Jahr ihrer Tätigkeit.1 Eüfcrende Staatsmänner, Diplomaten, Geichrtc und Persönlichkeiten des jüdischen öffentlichen Lebens'ergriffen d{e Gelegenheit, um den Herausgebern und den Redakteurendcs,,J. D. B." und der Jüdischen Telegraphen-Agentur ihre .Glückwünsche, zu übermitteln. 1,728.000 Juden in New York. . i Gemäß der soeben abgeschlossenen Volkszählung % Staate New York beträgt die Zahl der jüdischen, Einwohner von Groß-New York! 1,728.000 Personen. Dr. Saadjah Mase als Zionist verhaftet.; Vor einigen Wochen wurde in Moskau Dr. Saadjah M:a?e, der Sohn des verstorbenen hbehangesehenen Moskauer Oberrabbiners Mase, unter, der Beschuldigung; zionistischer Betätigung verhaftet. Es verlauste auch, daß er zur Verbannung nach dem ti e f s t e n S i b i r i e n, dem Gebiet von N a r i m, verurteilt worden sei. Seitens der Angehörigen des Verhafteten wurde Xftrsichert, daß Dr. Saadjah Mase, obwohl Hebraist und , -Palästjna-Freund, sich niemals politisch betätigt habe. Auf, Wunsch der Familie ist auch eine Veröffentlichung des :>Ues in der Presse bisher unterblieben. .... Wie nun der Abgeordnete des lettländischen Sejm, Rabbiner Dr. Nurok, der J. T.-A. mitteilt, war seine Intervention zugunsten des verhafteten Dr. Mase von Erf9lS, gekrönt. ,Der sowjetrussischc Gesandte in Lettland teilte Rabbiner. Nurok mit, daß Dr. Saadjah Mase noch im Verlauf, dieser Woche freigelassen und die Erlaubnis e r h a lte'n wi r d, nach Pal ästin a zu reisen. Dr. Saadjah Mase, der ungefähr 30 Jähre alt ist, ist Privaidozejit für Literatur an der Moskauer Universität. Er ist ein hervorragender Hebraist und beherrscht mehrrere europäische Sprachen. Nach'dem Ableben seines Vaters wurde er von der Moskauer jüdischen Gemeinde gebeten, die Stelle des Oberrabbiners zu bekleiden, er lehnte ab, hielt aber allmonatlich Predigten in der Großen Synagoge. Er genießt große Popularität. Todesurteil gegen einen Pogromführer. , , .Wie aus Mpskatutelegraphiert wird, ist der Organisator des' Pogroms gegen die jüdische Bevölkerung von Heissan in Podohen, Atedinski, zum Tode verurteilt worden. Der Pogrom war eine der grauenvollsten Metzeleien des Jahres 1919., Jugendamt des Zionistischen Landeskomitees. Führerkurs. Ort: II.', Zirkusgassc 33. Zeit: 8 Uhr 4-tands. Jüdische Geschichte: Montag entfiel der Jtyrs des Herrn Dr. Kupfer. Ney hebräische Lite« r a,tu r: Dannerstag, 22. d. Dr. Knqpfinacher: Mendele Mpoher Sfpnim.f J ü dische G'eschichte: Montag, 26. il Dr. „Kupfer: Völksentstehung, Moses, Jostia. Palästinaku nd'e-.Donnerstag, 29. d. Or. Goldhammer: Land (Geographisches). Vom französischen Judentum. Die in Straßburg erscheinende Zeitung „La Tribüne j u i v e" schreibt über die Zustände im französischen, insbesondere aber im Pariser Judentum in Ihret letzten Nummer unter dem Titel: „Die verlöret« F ii h re r r o 1 le": „Vor kurzem hat das größte jüdische Blatt, das! Deutschland erscheint, den Ruf nach einer Neugeburt dt Alliance IsraeJite Universelle erhoben. Unter der Ae.^ide dieser französischen Institution sollte durch eine gemeinsame Anstrengung einer das gesamte Judentum umfassenden Organisation eine Lösung der die Zukunft Israels beherrschenden Probleme unternommen worden. Der Gedanke wir nicht schlecht und der Aufruf ehrlich gemeint. Aber sofort meldete sich energischer Widerspruch m demselben Blatte. Die deutschen Juden wollen von irgendeiner Art Unterordnung unter Frankreich nichts wissen. Als die Alliance ins Leben gerufen wurde, heißt es in der Gegeniiußenmg. spielten die französischen Juden eine führende Rolle. Das ist seitdem anders geworden. Die Alliance hat während des Krieges und nach dem K r'i e g e v er s a g t. D i e J u d e n Ii e i t F r a nk Teichs hat die F ü h r e r r o 1 i e verloren: sie ist heute atomisierter .is irgend eine jüdische Bevölkerung in irgend ei:»em Lande, und gäbe es nicht einen Baron Rothschild, die Welt würde nicht viel von ihr -hören. So schmerzlich diese unbarmherzige deutsche ~ Kritik unsere Eigenliebe berühren mag, wir müssen zugeben, daß wir seit dem Zettalter, wo Crcmicux und Charles Netter den französischen Namen in der jüdischen Welt vertraten, verhängnisvolle Rückschritte gemacht haben. Vor kurzem sind die Resultate der Pariser Konsistorial wählen .bekannt geworden. Der erste Wahlgang war ergebnislos verlaufen, w.eil die nötige Stirn m e n z,ä h 1 n i c h t erreicht w tt r d c. Im zweiten Wahlgang bemühten sich von 5425 eingeschriebenen Wählern 844 zur Urne, keine 16 Prozent. Man muß in Paris der Baron Robert, de Rothschild sein, um die Höcbstzahl von 743 Stimmen davonzutragen. Unter den zehn Pariser Konsistorialmitgliedern ist das militärische Element stark vertreten, ein General und ein Colone!. Der eine erzielte 680, der andere 663 Stimmen, zwölf Prozent der Wahlberechtigten. Man fragt sich, warum Träger so berühmter Familiennamen, um den Kultus verdiente Männer und Offiziere der französischen Armee, die sich jüdischen Aufgaben zur Verfügung stellen. wollen, keinen stärkeren Prozentsatz von ihren Gemeindenritsh'edern in Bewegung zu setzen vermögen, die ihrerseits wieder nur einen schwachen Prozentsatz der Pariser Judenheit darstellen. Ein Pariser jüdisches Blatt, das den Verhältnissen nahe genug steht, um sich ein Urteil erlauben, zu können, raeint;-die• Pariser'.Kultttsgemei^e sei, gelenksteif (frappee d'ankj'löse); und von einer chronisch gewordenen Gleichgültigkeit. Wir haben weder Eignung noch Neigung, irgend jemand anzuklagen und stellen uns die Sache einfach-so vor, daß es: den pariser Glaubensgenossen ähnlich '■. wie denen anderer^Städte |geht. Si| ahmcn|Un; äußeren. Habitus und dann rauchin dervgeisthjen Einstellung denvNicbtjuden nach; und da? in unserer Haittitstadt esnicht gerade; das religiöse. Interesse ist, das die Gemüter beherrscht, so bleibt für Jüdiscbkieit im ganzen nfc*ht viel übrig. Wir wären wahrscheinlich nicht besser, wenn wir den Vorzug hätten, im modernen; Babylon zu wohnen, und Heine hat einmal mit viel Witz einem schwäbischen Maul- und Tugendhclden entgegnet, in Stuckert könnte man leichter tugendhaftrieben als am;Seinestrand, in der Stadt Paris. \\ ', So sehr wir aber die besondere EntwicKluj^..'. des Pariser Judentums begreifen, so tief muß man .sievom jüdischen Standpunkt bedauern. Was in Paris geschieht, ist für das übrige Land tonangebend. Würden die 0 .Pariser Juden sich eifriger auf jüdischem Gebiet betätigen, so würden-wir die: Avohltätige Folge Wirkung auch betfuns; bald verspüren. De Möglichkeit, verlorenes Terrain wieder zu Erobern,/ ist 'durch die R ückk ehr der Elsä^er in äen Schoß des französischen Judentums gegeben., Ejijp-Anstrenguns in^clieser Richtung würden wir im patriotischen wie im jüdisejien Interesse begrüßen." " v^ . .; ' jlliiüiiiiiiiiiiHiiiiiiiiHniiiiiiuin ~^nirififiTfinTffiiifiiTffifnittifiiTirrfmnr*ifiiritrrifififrftfffifffiiiffff irfffintffffiftifffrrrffiffffi nrrimftufiiiffiffinfiniffiimife IM LEHRLING gesucht SIEGM. KORNMEHL aROSSFLEISCHHAUIRE! SgeptanOe .}%., Berggasae 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 Lief*ra n X f ü r Hei I a u s t a 1 t c » Abteilungen für ^ty^Fleltch e mrter Aufsicht des Ehrwürdigen R?bbin»t» der hw. Kultusgeroefoae Wien 15 ✓ XVIII., wahrlngwrstr. «7 m£ für Kultus und Justiz iBdoBiBiWiffigjtjarorRttitWhn Si%n<B»fcW'- In besl«r Quvlltlt za dßn öUUgiten Presen! BÜIMW m m__________ {ktmmummity TeJ.R 45-6.?9 ^||Jr*ic^« belobende Anerkennttngsichrt^o! 1 Mi .£lip|l , l^m^WiJflwpife! i mhwmI1 g aus gutem Hause mit absolvierter §= Volks- und Bürgerschule 1 Vot*t'£" Bücherstube M. RATH 1 | Wien« II., Taborstrafte 20 a 1 ^.ijllUlliiltilllllllllllN Grotesken aus der amerikanischjüdischen Assimilation. Die Sucht mancher aus Osteuropa eingewanderter Juden, in Amerika sich expreß zu amerikanisieren fund auch äußerJioh ihren ostjüdischen Ursprung vergessen zu machen, führt manchmal zu den groteskesten Szenen. So ereignete es sich, wie uns aus New York geschrieben wird, vor kurzem, daß ein Jude mit dem Familiennamen L c w y (sprich Liwai) bei Gericht erschien und bat, seinen Familiennamen auf Leroy ändern zu dürfen. Mister Liwai hatte aber das Pech, gerade vor den Richter am Obersten Gerichtshof des Staates New York Aron Lewy (sprich Liwai) geraten zu sein. Nun entspann sich folgender Dialog: „Weshalb wollen Sie, Mr. Lewy, nicht mehr Lewy. heißen?" „Ich bin Elektrotechniker, und in meinem Berufe ist der prononciert jüdische Name Lewy ein schweres.. Hindernis 'für mein wirtschaftliches Fortkommen. Ich bin ein tüchtiger anerkannter Handwerker und Fachmann und ich bin es mir und meiner Familie schuldig, das einzige Hindernis einer sicheren Karriere, meinen Familiennamen aus der Welt an schaffen and ihn durch einen weniger anstößigen,!wie zum Beispiel Leroy, zu ersetzen." Nun hielt Richter Aron Leway dem kleinen Elektrotechniker Lewy ein strenges Privatissimum über Ehre und Charakterfestigkeit, das sich dieser sicherlich für sein ganzes Leben lang merken wird. In der Entscheidung des Richters stellt dieser zunächst fest, daß Lewy ein Name ist, der jeden, der ihn trägt, mit Stolz erfüllen kann. „Da jedoch Mr. Lewy mit aller Gewalt diesem Namen entr rinnnen will, so beweist er, daß er ein Feigling, ein kleiner Mensch ohne Mut und Selbstvertrauen ist, da Charakter und Mut notwendig seien, um Einflüsse zu bekämpfen, die der Bosheit und dem Vorurteil entspringen. Es äst kein Zweifel, daß Mr. Lewy die in der Bibel festgehaltene Tatsache nicht kennt, dai der Stamm Lew?, sich niemals vor dem goldenen Kalb gebückt hat. Da aber Mr. Lewy mit seinem Ansuchen bekundet, welch für einen Charakter er besitzt, so erfülle ich ^ein Ansuchenj damit sein Volk seiner loswerde." Zu dem Kapitel der AmerScanisierung jüdischer Namen erzählt der New Yorker Korrespondent des .^Moment" einige lustige Fälle. So unter anderem, daß er Jn Kanada einen Juden kennengelernt habe, der „Reverend" und, Mo-, hei war, und Wolf Shakespeare hieß. Tatsächlich stand auf seiner Visitkarte: „Wolf Shakespeare, Reverend, Mohel und Trauungsvollzieher (Messader Kiduschim)." Auf die Frage, wie er zu diesem Namen komme, erzählte Re-. verend Shakespeare, daß er ursprünglich W o I f S e h ä c ht e r hieß. Als er nach Kanada kam, nannte . er sich zu- Palästina-Mazzoth in Wien. Zum zweitenmal wird die jüdische Bevölkerung Wiens und der Umgebung in diesem Jahre die Möglichkeit haben, sich für die kommenden Pessachtage mitM azzoth atos Erez Israel zu versorgen. Daß dies möglich ist, ist ein Beweis der Entwicklung des neuen Palästina, das nunmehr in der Lage ist, auch einen Teil der Qaluth mit Mäzzoth zu versorgen. Zweifellos wird dieses palästinenr sische Produkt in Oesterreich ebenso freudig aufgenommen werden» wie es in Polen, England und Amerika der Fall ist Die Palästina-Mazzoth sind tatsächlich sehr schmackhaft iund bekömmlich und überdies bezüglich des Kaschnrfh über allen Zweifel erhaben. Das Beglaubigungsschreiben für. die rituell einwandfreie Herstellung dieser Mazzoth ist sowohl vom Großrabbinat für Palästina! als auch vom Haupt der aschkenasisch-brthodoxen Judenheit im Heiligen Lande, Oberrabbiner Sonnenfeld, ausgefertigt. Oberrabbiner Sonneufeld hebt in seinem Beglaubigungsschreiben besonders hervor, daß die große Mazzothfabrik in Haifa die modernsten Verbesserungen sowohl in hygienischer als auch in rituelle* Hinsicht eingeführt hat und daß die von den Rabbinaten eingesetzten Maschgichim das vollste Vertrauen verdienen» daß sie allen, auch den strengsten Anforderungen <h»s Rabbinats entsprechen. In der Fabrik muß die Erze«- gunfr jede Viertelstunde unterbrochen werden» damit eine gründliche Reinigung aller Einrichtungen und Maschinen»- teile, selbst derjenigen, mit denen eine menschliche Hand nicht in Berührung kommt, durchgeführt werden kanu. So ist die Mazza aqs Palästina von der Saat des Weizenkorns b|s zur Verpackung und Versendung ein; Ergebnis jüdischer, Arbeit auf jüdischem Boden im jüdischen Geiste, und wenn der Jude am Pessachfest sich der Mazzoth von Erez Israel bedienen wird, so wird er die Genugtuung haben, sich nicht nur des Auszuges der Juden aus Aegypten, sondern auch der Aufbauarbeit des jungen Judentums in der kün,ftigeir Heimstätte des jüdischen Volkes zu erinnern." Die Palästina-Mazzoth sind durch den Generalrepräsentanten für Oesterreich, Herrn Nathan. Brodetzky, 2. Bezirk, Leopoldsgasse 43, zu beziehen. . ' Ii Engen Buchbinder $fadtbaumeist<r n., Taborstrasse Mb ~ Telephon Nr. 48-1-38 übernimmt olle Arten von Bau- und Adoptier ungsarbeiiei}