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Die neue Welt · 1928-03-23 · Heft 27 (23.3.1928) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 27 (23.3.1928)
Date
1928-03-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 27 DIE NEUE WELT Seite 1 Juwelier Heinrich Thiebert . Währfngeratragge Nr 6 Em« und Verkauf von iu««Un / Spezialist In AH.Wiener und Neu.Wiener Sllbarwa> an Zionlsien erhalren R buli Ostjjüdischer Verband in Wien. Sonntag den 18. Marz fand im Vereinslokale der „Stahislauer Freunde1" unter Vorsitz des Herrn Dr. Abraham' S c h m e r! I e r . eine Versammlung statt,, die sich mit der Organisierung der in Wien wohnenden Ostjuden beschäftigte, Herr Dr. Israel Taubes beleuchtete Iii einem längeren Referate die Tendenzen eines ostjüdischen Verbandes und hob die kulturelle Bedeutung dieses Verbandes bei Wahrung der Autonomie der in Wien bestehenden ostjüdischen Vereine hervor. Der Verband müsse bei Ausschaltung jeder parteipolitischen Tendenz den ostjüdlschen Ideengehalt bei den der Fremdheit ausgesetzten kulturell nicht gefestigten jüdischen Menschen erhalten, er müsse ein' Faktor im öffentlichen jüdischen Leben werden und auch hilfreich dort eingreifen, wo es sich um Eingliederung in das Wirtschaftsleben handelt. Diesem Referate folgte eine längere Diskussion, an der sich die erschienenen Vertreter der großen ostjüdischen Vereine beteiligten. Die Versammlung beschloß einstimmig die Gründung des ostjüdischen Verbandes in Wien und betraute drfe Herren Barnnlnger, Hecht, Kreindler, Dr. Schmerler, Singer jun., Dr. Rybaczewski und Dr. Taubes mit der Ausarbeitung des Arbeitsprogrammes für dieses Vereinsjahr. Die nächste Plenarversammtung, die auch die Exekutive wählen wird, findet Sonntag den 25. d. statt. Die Berliner Juden In den Märztagen 1848. Der „C. V.-Zeitung" in Berlin stellt eine Leserin einen Brief zur Verfügung, den sie in dem Nachlaß ihres Großvaters gefunden hat, und der die Stimmung unter den Berliner Juden nach den Freiheitskämpfen im März 1843 illustriert Der Brief ist von H e i n emann Sachs an seine Gattin P a u 1 i n e gerichtet, und trägt das Datum „Berlin, 21. März 1843". Hier einige charakteristische Stellen: * „ . . Morgen findet die große Beerdigung der für die Freiheit Gefallenen, deren Zahl zwar unbestimmt, jedoch auf 1600 bis 2000 angegeben wird, statt. Sämtliche Läden sind geschlossen, auch viele Juden sind gefallen, das ganze Rabbinat, sowie auch sämtliche Geistlichen werden folgen, sämtliche Toten, sowohl Juden wie Christen,: kommen zusammen, es wird ein Denkmal errichtet, wo sämtliche Namen der Gefallenen der Nachwelt aufgezeichnet werden. Das Volk hat den Steg errungen» .und sind viel mehr Soldaten als Bürger gefallen» der König hat alles, bewilligt, und können wir Juden das purimfest doppelt feiern, da wir jedenfalls die Emanzipation errungen haben, ein großes Olück, ein größeres konnte uns nicht, widerfahren, auch ein Sporn für unsere Kinder, sie mögen sich bemühen,-daß sie was leisten. Das Feld ist ihnen geöffnet, die Schranken sind gefallen, den 23. April kommen die Landstände zusammen und es ist keinem Zweifel unterworfen, daß die Gleichstellung aller Konfessionen ausgesprochen wird, denn das Volk will es und der König hat keine Macht, die Minister sind gestürzt, andere gewählt, und der König, welcher noch am vergangenen Sonnabend den Deputationen erklärte, keine Macht würde ihn zwingen, durch Gewalt nachzugeben, sagte heute, ich bin konstitutioneller König, die Minister sind dem Volke verantwortlich ... Wollte ich Dir, meine geliebte Pauline, alles schreiben, was ich gehört, gesehen und empfunden habe, ich müßte tagelang dabei sitzen; das, was ich aber empfinde, kann ich nicht aussprechen, nur danken und loben tue ich den Allmächtigen) daß ich diesen Akt erlebt habe, und weiß, daß meine Kinder das drückende Gefühl der Zurücksetzung nicht zu ertragen haben; danken und loben will ich ihn, solange ich lebe, daß er meinen innigsten Wunsch so schnell hat in Erfüllung gehen lassen. Unsere jungen, der Allmächtige erhalte sie uns,, sollen und müssen was lernen» und ich hoffe und vertraue zu ihm, der alles leitet, daß er uns Freude an unseren Kindern erleben läßt ..." Wie grausam sind doch diese Hoffnungen enttäuscht wnrien! acpaaassaaaaaassBBSB ^rrrrr^rrrrrrrr^ Die weltberühmten und bevorzugtesten Amerikanischen MANISCHEWITZ MATZQS Farvel HJiiililliilHiiiiiiiiiiniiiiiiimiiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiii | Gries i ^»t^%w^^ö i Iiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiirl sind bereits eingetroffen und in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich Manfschewltz Matios-Vertrieb Wien, II., Fugbachgasse 24 (Nordbahnstraße 38) Telephon Nr. 75-9-32 und 42-3-38 Filiale: fg. Frost, II., Haidgasse 9/ Telephon R 46 8 89 aauuidw^^ Der jüdische Schulfuchs. Von Otto Abeles. Nicht der Schmook, der jüdische Schulfuchs ist das schwerstverdauliche und schädlichste Assimilationsprodukt. Selbstverständlich: Wie alte Völker hatten auch die Juden zu jeder Zeit ihre Schulfüchse. Aber so, wie er sich nach dem Jahre 1848 unter den Sonnenstrahlen der Emanzipation gemausert hat, ist er eine jüdische Spezialität geworden. In der Ghettozeit war er der trookeme Buchstabenreiter, beschränkte Frömmler, verstaubte Pädagoge für die Großen „in Schul"*, für die Kleinen in der Schule eine amüsante Figur. Er war ein Hungerleider und gewöhnlich der Märtyrer seiner Scbulfuchserei. Die „Habimah" hat in ihrer Dyfowk-Auff ührung ein ergötzliches Exemplar dieser Sorte auf die Bretter gebracht. Aber der „verdatschte" SchulfuchSj der sich in der europäischen Gesellschaft frei zu bewegen begann und — das muß man ihm lassen — vortrefflichi abschnitt, ist ein bösartiger Siebenmalgerechter geworden, ein perfider' Duckmäuser, ein ärger Streber — und -ein Momser. ABRAHAMOWICZ- /CHUHE ♦ II., T abo r s t ras s e 33 .FrHhj«hr««Mocf«lle In «norm großer Auswählt Prim« QualltaUwar«Ii Billigst« Pretsot Kaufen Sie unseren Hyfjionlschen Kinderschuh! Als er aus d-er Gaß' kam, seines inneren Wertes bewußt, schlicht und bieder, kein Stäubchen am Bratenrock, mit allerhand Wissen ausgestattet, bienenfleißig, genügsam, den Verlockungen der Großstadt gewachsen, weil er für sie nicht empfänglich war, ein Sachliehikeitsfanatiker, ein Auswendiglernen hatte er rasch die Matura nachgeholt, die Universität absolviert, das Doktordiplom erworben. Dann, wurde er auf unsere, aäso die nächste, bereits „frei geborene" Generation losgelassen. * . Lieber gldchalteriger LeSer — du darfst auch um zehn Jahre jünger seirf: Warst; du jemals in der Mittelschule und hattest du einen jüdischen Professor, dann wird dich bei der Lektüre dieser Zeilen die qualvolle Erinnerung so hernehmen, wie den Autor die Niederschrift. Jüdische Menschen anderer, besserer Gattung konnten sich ja damals im Lehrfach nicht durchsetzen, nicht halten; nur der geborene, den neuen Verhältnissen angepaßte, d. h. durch sie korrumpierte Schulfuchs. Hast du ihn genossen, den beintrockenen Patron, den hochmögenden Belehrer, den Hochbeglückten, der sich im Professorenkollegium der Duldung erfreute, ja besonderer Wertschätzung, weil er Immer wieder für andere suppllerte, £iiiiiiu '^HMiiimiimmiiiimmiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitm Vereinigte Jüdische Weinbauerngenossenschaft Richon-le-Zion & S i ch r o n - Jacob (Propr. Baron Edmonde de Rothschild) Palästina t ■ i . empfiehlt ihre IS ORTEN in Fässern und Flaschen allen rituellen Anforderungen entsprechend! Repräsentanz und Alleinverkauf GUSTAV WILDER WIEN. IV. Bezirk. Blechturmgasse Nr. 12. - Telepnon Nr. 53-5-92 'UllllliiufilituilllllMWlIlM uRSfillllUli hast du sie zu spüren gekriegt, diese Gottesgeißel des jüdischen Schülers, den er „im wohlverstandenen Interesse der israelitischen Konfession" weit strenger behandelte und für dessen Verdonnerung in der „Konferenz" er stets plädierte? „Wenn schon Herr Professor X.f der selbst Israelit ist und Ihnen gewiß wohl will . . . ", leitete dann der Klassenvorstand die Verkündigung des Tadels ein. Habt ihr ihn dann aufsteigen und öffentlich wirken gesehen, den jüdischen Schulfuchsen vom Staatsgymnashim oder der Höheren Töchterschule? Er war überall der Gründliche, Objektive, hatte immer den Brustton der Ueberzeugung, war immer zu haben, wenn sie den jungen Geist im Judentum aburteilten, knebelten und zu diesem Behufe das Votum des „Gelehrten", des „Jugenderziehers" brauchten — da war er in seinem Element. Dieser vorsichtige Gerechte, dieser mit Selbsübewunderung ttbersponnene Ekel! * Aber der jüdische Schulfuchs der liberalen Aera betätigte sich nicht nur als Schulpädagoge, b'ezw. später von der 9. Rangsfolasse an — im öffentlichen Löben (etwa, im Kahal, In den Wohltätigkeitsvereinen oder in der Politik). Er wurde auch Beamter. Da erfreute sich der Tintenwischer — übrigens ein peinlichst genauer Aktenerlediger, . ein gründlicher Kenner sämtlicher Kanzleivorschriften, ein stets prachtvoll präparierter Referent des Chefs —y da berauschte sich geradezu;der Schreibtisohkommandant an seiner Machtvollkommenheit, so er sie jüdischen Parteien gegenüber betätigen konnte. Oh, ich sehe noch einen vor mär, einen Amtskollegen, der es zum „Gruppenleiter" gebracht hatte, wie er dasäß * hinter seinem Schreibtisch, angetan mit der UniformMüse, amtshandelnd im Bureau der Bahndirektion, vor sich den würdigen Aktenstoß, neben sich den elektrischen Taster, dem eintretenden, von ihm sehr streng gehaltenen Diener: „Der Nächste!" zurufend. Der Nächste, alle Nächsten waren damals Flüchtlinge, polnische Juden, daheim an Unterwürfigkeit, ergebenes Leisespreohen in den. k. u. k. Kanzleien gewöhnt. Ich sehe ihn noch, wie er diesen gegenüber, die doch ihr Recht fordern kamen, ibr Eigentum reklamierten, mit den Aufgafosrezepissen der Versandstationen in Händen —- wie er sie nach Art eines Untersuchungsrichters verhörte, im Kommandoton anherrschte, mit höchst überflüssigen Belehrungen einschüchterte. Wrucken, Maisbrot und die lieblichen Ersatznahrungsmitte! von damals konnten ihm den Hochgenuß nicht trüben, den ihm dieses Herrengefühl bereitete, er machte jetzt gerne und freiwillig Ueberstunden. Bis eines Tages ein bärtiger Mann im Kaftan utii mit Stirnlocken zu den schulmeisterlichen und zugleich forschen Bemerkungen, mit denen der Herr Inspektor die Protokollaufnahme einleitete, große Augen machte, die respektvolle Entfernung, in der er vor ihm stehen zu bleiben vom Amtsdiener angewiesen worden war, so sehr zu kürzen wagte, daß er dicht vor dem Schreibtisch stand und sagte: „Was erlauben Sie sich, wie, reden Sie denn mit mir?" — und eine dreimal in Seidenpapier eingewickelte Visitenkarte enthüllte, bei deren Durchsicht dem Herrn Inspektor das Herz in die Amtshosen fiel. Er stand sogar auf, stotterte eine Entschuldigung und war überaus bemüht um den „Polischen", einen sehr angesehenen . Mann aus Stanislau, dem edn Armeekommandant höchstpersönlich ein Dank- und Empfehlungsschreiben ausgefertigt hatte. Ich war Augenzeuge der Metamorphose, die damals mit dem jüdischen Schulfuchsen vor sich ging; er war einen Monat lang ein Häuflein Unglüak, peinliche Folgen der Affäre besorgend. .....* Ich «laube, diese Spezies des hochmögen-den do zierenden pensionsberechtigten jüdischen Pedanten, der sich so gut In die Zelt der schrankenlopen Asslmilatilonssuebt fügt«, der „oben" ausgezeichnet angeschrieben war, der sich unter den NichtJuden, so sie mit Juden verkehrten, allgemeiner Wertschätzung erfreut« — ich hoffe, irtieser jüdische Sklavenvogt der Jugend und Plagegeist der dem Dienstweg Überantworteten existiert beute nicht

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