Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1928-03-23 · Heft 27 (23.3.1928) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 27 (23.3.1928)
Date
1928-03-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2711613-2711630-2711642--0355-2713491
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 27 EISLER f IDE ALBEN in Meaalng und Stahl * BETTFBOERN - NYQ. MATRATZEN PAT -SCHLAFMÖBEL KINDERWAGEN BILLIG <*T* PABRIKSPREISC SIOM. EISLER NACH F., WIEN II., Praterstr. 45. Tel. 48-1 40 ✓ V., Diehlg. 19. Tel. 50 105 Gegründet 1870' Prov n»vo»ft*nd testieren müssen. Der aus Polen stammende große Denker Henri Bergson ist jetzt eine Zierde Frankreichs. Der Verteidiger Schwarzbarts, Henri Tor res, dem die Versammlung eine minutenlange Ovation darbringt, führte aus: Wir beschuldigen nicht das rumänische oder das polnische Volk; die Regierungen sind es, die durch sträfliche Duldung Verbrechen fördern. An den rumänischen Universitäten wird statt Wissenschaft Lüge Und Ha 0 gepredigt. Wirkliche Oelehrte werden aus den Universitäten ausgestoßen. Mich besuchte vor kurzem e i n Führer der rumänischen Bauernpartei, der mich davon zu überzeugen versuchte, daß die Propaganda gegen die Pogrome den rumänischen Juden keinen Nutzen bringen wird. Wir aber wissen, daß Antipogrom-Propaganda einen Schlag auf den rumänischen Säckel bedeutet.. Jüdische Bankiers müssen sich gegen Anleihen an Rumänien erklären, solange nicht Wandel geschaffen ist; auswärtige Regierungen sollen auf die rumänische Regierung zu wirken versuchen. Die gesamte Zivilisation müsse gegen Barbareien, wo immer sie vorkommen mögen, Front machen. Prof. L a n g e v i n führte aus, man müsse rechtzeitig für den Abbau des Judenhasses sorgen, da für den Fall eines Krieges eine gefährliche Verstärkung desAntisemitismus zu erwarten ist. Die Antipogromliga müsse mit der ganzen Welt Kontakt halten. Die Versammlung nahm eine Resolution an, in der die Notwendigkeit des Bestehens der Antipogromliga anerkannt wird. Antijüdische Agitation in Griechenland, Dte „Weisen von Zion". — Ausweisung der Juden aus dem thrazischen Grenzbezirk. Aus Saloniki wird gemeldet: Zwei vielgelesene Zeitungen in Saloniki, „Macedonia" und „Phos", drucken gegenwärtig die „Protokolle der Weisen von Zion" in Fortsetzungen ab. Die Bnei-Birth-Logen Und der Vorstand der jüdischen Gemeinde Salonikis wiesen in Zuschriften an diee Zeitungen darauf hin, daß der Abdruck der Protokolle die antisemitische Bewegung stärken werde und erboten sich, Beweise dafür zu erbringen, daß es sich bei den Protokollen um grobe Fälschungen handle, Die Zeitungen drucken diese Zuschriften ab, setzen aber gleichzeitig den Abdruck der Protokolle fort. („Macedonia" ist ein venizelistisches, „Phos" ein royalistisches Organ.) * . Das in Athen erscheinende kommunistische Organ „Rizopastis" meldet, daß die griechische Regierung die Landesverweisung aller Juden, Türken und Arraenier griechischer und ausländischer Staatsangehörigkeit aus dem Grenzbezirk Evrou in Thrazien verfügt habe und gab einen vom 17. Jänner 1928 datierten Befehl des Präfekten A. Djanetos an den Generalgouverneur von Thrazien in Comotini wieder, in welchem gesägt wird, daß die Juden» Türken und 1 Armenier Kommunisten seien und daß darum ihr Aufenthalt in einem von den bulgarischen und türkischen Feinden bedrohten Gebiet gefährlich werden könnte. Auf Initiative der jüdischen Gemeinde von Athen sandten die j ü d i s c h e n Mitglieder des griechischen Parlaments das folgende Telegramm an den Innenminister: Die jüdische Bevölkerung Griechenlands ist empört über die Mitteilung der „Rizopastis" betreffs der Austreibung der Juden aus dem Bezirk Evrou und über das Verbot des Aufenthaltes' von Juden in diesem Bezirk und bittet Sie, die Mitteilung der „Rizopastis" zu dementieren, wenn sie nicht zutrifft, oder das publizierte Ausweisungs- und Aufenthaltsverbotser'ikt au-ier Kraft zu setzen» fallsdie Mitteilungen von „Rizopastis" stimmen sollten. Inzwischen haben die jüdischen Parlamentarier eine Untersuchung eingeleitet und festgestellt, daß tatsächlich ein Verbot des Aufenthaltes von Juden im Bezirk Evrou erlassen worden ist und das auch schon Maßnahmen zur Vertreibung der Juden aus diesem Bezirk getroffen worden seien. Abgeordneter Bessantchi brachte die Angelegenheit im Parlament zur Sprache und erklärte, es handle sich um eine antisemitische Aktion der Regierungsbehörden» die dem Lande großen Schaden bringen könne. Unter dem Vorwand, den Kommunismus bekämpfenzu müssen, soll die jüdische Bevölkerung, von Evrou, die niemals mit Kommunismus etwas zu tu;i gehabt hat, des Landes verwiesen werden. Dagegen müsse jeder rechtlich denkende Mensch protestieren. Die Rede des Abgeordneten Bessantchi machte großen Eindruck. Der Minister ließ ihn bitten» zu ihm zu kommen, um die Angelegenheit näher zu besprechen. Das Beste vom Guten sind die In Geschmack und Qualität unübertroffenen, erstklassig-altrenommierten Schmidl-Mazzoth iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiw ■ welche unter streng orthod. Aufsicht des Rabblnates der Ist. Kttltusgemelnde Wien hergestellt werden. Die Maz/oth werden aus dem feinsten ungarischen Mehl erzeugt! Seit vielen Jahren genießen die „Scnmidi-Mazzoth" das beste Renommee und werden vor allen änderen bevorzugt. Zentrale: N. Brodetzki, II., Leopoldsg. 43 Tel. 46-1-90 Generalvertretung und Niederlage i Jakob WelO, II., Unt. AugartenalraQe 25 Filialen t Heinrich Bendiener, I., Judengasse '1, Kein*an Pappaport, III.. Radetzkystr. 7, Sabine Binder, iX., Hahngasee 3», Joi»f Rosencs, tX , Georg.Sigl-Oasse 3, Blumenstock, XX., TreuslraOe 13, und Lou.se Stein» XVI., Oltakringerstraße 35 m Sir Alfred Mond über seine Palästina-Reise« Die britische Regierung muß sich für eine liberale Einwanderungspolitik entscheiden. — Kein Dauerkonflikt zwischen Juden und Arabern. — Die Kundgebungen in Bagdad. — König Faisal und die Juden. Kein Keiliger Krieg. Sir Alfred Mond empfing nach seiner Rückkehr von der Orientreise, die ihn durch Palästina, den Irak und Aegypten geführt hat, den Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur und sprach sich ihm gegenüber über die Lage im Orient und d i e A u s s i c h .t e n d e s jüdischen Nationalheims aus. Er stellte fest, daß gemäß den Urteilen hervorragender Sachverständiger Palästina in die Lage gebracht wenden kann, drei bis v i e r M 111 i on e n Menschen z ü a b s o r b i e r e n. Dies sei auch seine eigene Meinung und deshalb fordere er von der britischen Regierung die Inauguration e iner liberaleren Ein wände rungspblik für Palästina. Die Tatsache, daß vorübergehend die Auswanderung die Einwanderung übersteigt, spreche nicht gegen diese Schlußfolgerung, da es sich u m e i,n ze i t W;ei.1 iges.FIu k t u;i.eren handle. Die:, jetzt noch bestehende Är-b i\ t s"l b s i g k e i t sollte keinerlei Anlaßv.zu E<rtt,firttjii^n^6ben|.Man zählt jetzt in Palästina 3000' bis' ^OO'^Ärbelillpe,'''!)!! ^täiüd^ber mehr als^eine/MillionF um 9 " /' .■ Sir Alfred Mond kam a^ufcdie Leistungen der Juden in der Landwirtschaft'Palästinas zu-sprechen lind zeigte sich, insbesondere über äieiErfplge' der'a'ui Osteuropa; stammenden Juden sehr erfreut, fir sprach mit viel Lob von den jetzigen jüdischen ^r^iMiMeWiü ^M^na, die den Wert des Zusammenwirkens zwischen Kapital ü n d A r b e i t .'erkannt1 'und weriiger als früher der m a r x i s t a s c h e n- T h e o r i e von : der Unumgänglichkeit des Klassenkampfes anhängen.; Es besteht, sägte Sir Alfred Mond, kein pernranonter Konflikt zwischen Arabern und Juden in Palästina. Obwohl-es nicht' wahrscheinlich ist, daß sich'die beiden semitischen - Völker miteinander vermischen, um eine einzige Nation zu bilden, so können die beiden Völker sehr wohl, Seite an Seite arbeitend, jedes., seine unabhängige Kuifrur zur Entwicklung bringen, wie dies in einigen andreen viel rassigen Staaten, der Fall ist. Tatsache ist, daß die Araber .^von den jüdischen Einwanderern, westliche, Kult u r<i o r m e n annehmen und dies zu schätzen wissen. , <y Sir Alfred Mond äußerte sich auch über die bei seiner Ankunft in Bagdad stattgefundenen K ü n d g ebungen und sagte, mit den Verhältnissen des Landes gut, vertraute Personen hätten ihm versichert, daß ans Persien bolschewikusche Agenten eigens nach Bagdad gekommen waren, um feindliche Kundgebungen zu organisieren. Von.; ariderer Selb wurde ihm versichert, daß die Attacke von der O pp oi i t i o n s- Pärtei ausgegangen war, die die Unfär/jgkeit der gegenwärtigen Irak-Regierung, die Ordnung im Laude aufrecht zu erhalten, dartun wollte. Wie wenig bewußt die Demonstranten handelten, beweise die amüsante Tatsache, daß ^lillWIlllliliw BLAIMSCHEINS IVD * PFLANZEN - Margarine TEMI^O Uneireicht in Qualität und Preis I Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürden? des Herrn Obenabbineis S. Fürst pari In keinem Jüdischen Hauthalt f«Mon i nCD WS Ueberau erhältlich! KARL BLAIM$CH£IN8 vereinigte Margarine- und Buttel '■ labiiKen, Wien, XIV. D etenbaqhgasse 59 * dem Mob erzählt worden war, „Balfour sei gekommen, um Irak Armenien auszuliefern". König F e i s a 1, fügte Sir Alfred Mond hinzu, ist den Juden gut gesinnt. Allein in Bagdad leben 80.000 Juden. Auf die Wirrnisse im Mittleren Orient zu sprechen kommend, sagte Sir Alfred Mond, er halte die Nachricht, daß Ihn Saud gegen die Länder Koweit, Irak und Transjordanien den Heiligen Krieg ausgerufen habe, für ein Märchen. Uebnlgens bedeute ein „Heiliger Krieg" unter gewissen Wüstenstämmen nichts, anderes als einen Ueberfall auf die Kamelhenden der benachbarte!» Stäimme. Die landwirtschaftliche Entwicklung in Palästina. Von Dr. Fritz Löwenstein (Jerusalem). Wenn die Neuregelung des Werko Gesetz geworden sein wird, wind die Regierung in ziemlich kurzer Zeit recht wesentliche Steuerreformen durchgeführt haben, wobei freilich die Reform des Werko weitergehend ist als die .sehr vorsichtige Reform der Oschcrsteuer. Leider ist es gerade die letztere, die für die Landwirtschaft von entscheidender Bedeutung ist und bei welcherauch der neue;Modus wiederum die Gefahr mit sich bringt, daß die Ernten t überschätzt werden und dadurch v/eit iniehr gezahlt wird* als es den wahren Ernteerträgen entsprechen würdu. Trotzdem ist die landwirtschaftliche Entwicklung recht befriedigend. Alfred Mond äußerte sich mit besonderer Anerkennung über N a Ii a'l a 1, vor allem ,aber hob er hervor, welchen unschätzbaren Wert für Palästina die O r a n g e darstellt. In der Tat scheint es, als ob Wer das Gebiet der Versuche und der schwankenden Erträgnisse, unter dem fast alle anderen landwirtschaftlichen Produkte Palästinas leiden, endgültig verlassen worden ist. Im Jahre 1922 führte Palästina rund 1,200.000 Kisten Orangen aus; diese Ziffer Wuchs in regelmäßigem Anstieg, bis sie im vergangenen Jahre die zweite Million überschritt, wobei übrigens nur der Export gerechnet ist, nioht der im Lande selbst verbrauchte Teil der Ernte. Der Wert der Einfuhr steigerte sich entsprechend. Das palästinensische Produkt, die Jaffaorange, erfreut sich großer Beliebtheit, und die Regierung achtet neuerdings sehr darauf, daß nur gute Früchte ausgeführt werden und so der gute Ruf dieses* Palästlinaerzeugnisses nicht leide. Absatzmärkte stehen mühelos zur Verfügung. Heute geht beinahe die gesamte Produktion nach England, während die übrigen Länder Europas noch kaum erschlossen sind; nur in Deutschland beginnt man langsam über Hamburg Fuß zu fassen. In der Tat gilt es als feststehende Tatsache, daß heute die W eTt p r o d u k t i o n an Orangen nicht annähernd die Nachfrage zu decken vermag. Palästina steht in der Weltproduktion an sechster Stelle, hinter den Vereinigten Staaten, Spanien, Italien, Japan und Südafrika. Wie klein die palästinensische Anbaufläche vergleichsweise ist, sieht man aus der Tatsache, daß Palästina heute höchstens 40.000 Dunam mit Orangen bepflanzt hat, während Kalifornien, also nur ein Teil der Vereinigten Staaten, rund eine Million Dunam mit 'Orangen bepflanzt hat. Aus diesen Ziffern erheilt, daß auch eine sehr bedeutende Vergrößerung der Anbaufläche in Palästina keine Absatzkrise zu schaffen vermag. In der Tat dürfte die Küstenebene, wo sich heute fast der ganze Orangenanbau konzentriert, noch Platz für etwa zehnmal so große Pflanzungen haben, als bisher bestehen. Langsam entstehen neue Orangengärten, jüdische und arabische, und die Zeit wird dazu führen, daß die Küste von Gaza bis fast nach Haifa einmal ein großer Orangenhäin sein wird. Die gegenwärtig erzielten Preise sind glänzend:' Man rechnet, daß im Augenblick der Dunam (zirka 120 Kisten) zwischen Pfd. Sterl, 40 bis 45 jährlich Bruttoertrag gibt, wovon etwa Pfd. Sterl. 12 auf Unkosten gehen. Es ist klar, daß auch ein erhebliches Fallen der Preise noch immer mehr als ausreichende Verzinsung ergeben wird. \

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.