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Die neue Welt · 1928-03-23 · Heft 27 (23.3.1928) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 27 (23.3.1928)
Date
1928-03-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr.ar Mß NEUE WELT Seile S 1000 Dollar sind oft nicht so viel wert, als das Urteil zufriedener Gäste. Ein zufriedener Gast ist die beste Empfehlung! 1 OTTO KASfiRtft Hinten weit in der Türkei. —y. Ur in Chaldäa liegt wieder in der Weltgeschichte. Einstmals die Heimat Abrahams, der von dort aus nach dem Gebiet „jenseits des Jordans" zog, vorher wahrscheinlich das Zentrum einer großartigen Kultur, zu deren Kenntnis eine englische Expedition eben unschätzbares Material ausgegraben hat. Heute ist der Ort ein klägliches Beduinennest, aber bedeutsam als Hauptquartier der englischen Luftstreitkräfte, die dort bereit stehen, den auf den persischen Golf und ins Herz Mesopotamiens zielenden Stoß der islamitischen Reformersekte der Wahabiten abzuwehren. TJas ganze sieht wie eine der landesüblichen Auseinandersetzungen einiger Karl May-Stämmc aus, lenkt aber darum die Aufmerksamkeit in höherem Maße auf sich, weil einerseits durch die moderne Verkehrsentwicklung, anderseits aber durch die Einrichtung der Völkerbund-Mandate der Orient dem europäischen Publikum viel näher gebracht worden ist. Damit aber hängt es auch zusammen, daß der Raid der Wahabiten in Schilderung und Wirkung maßlos übertrieben wird und es ist insbesondere zu konstatieren, daß die deutsche nationale Presse und die sozialdemokratischen Organe für den Wirrwarr an dieser heiklen Stelle des vorderen Orient sich auch schon einen Schuldigen konstruiert haben: den englisch e n I m p e r i a 1 i s m u s. Das hat natürlich seine verschiedenen Motive. Bei den deutschen Kolonialchauvinisten ergeben sie sich automatisch. Bei den Sozialdemokraten liegt, die Sache nicht ganz so klar. Es ist doch bekannt, daß die englische Außenpolitik, deren Pulsader die indische Sorge ist, auch von der Labour-Party gebilligt wird. Die kontinentale Sozialdemokratie steht aber gefühlsmäßig unter dem Druck russischer Stimmungen und aus diesem Sentiment heraus ist sie immer geneigt, sich feindlich gegen England zu stellen. Sie übersieht es gerne, wie Rußland zu dem riesigen Territorium gelangt ist und sie hält sich nicht :mit Erwägungen darüber auf, daß Rußland seinen Besitz nicht gerade mit Zuckerln festhält, sondern mit Kanonen und Bajonetten und es einen russischen Imperialismus gibt, <zu dem sieh Tschitscherin genau so bekennt wie irgend ein Romanow. Es ist aber auoh noch ein drittes Motiv für die englandfeindiiohe Stellungnahme maßgebend und das ist P a 1 ä s t i n a, respektive das jüdische Nationalheim, dessen Aufbau England gemäß einem Mandat des Völkerbundes zu leiten hat. Wird dieses Land jüdisch, so wird es den Intrigen entzogen und das paßt ' selbstverständlich nicht in das Konzept der europäischen Giftmischer: Palästina ist eine gar zu wichtige Position und wenn dieses Land aus der Gefahrenzone ausscheidet, so müßte unter großem Aufwand an Geld und Propaganda etwas Neues gesucht werden. Der Haß gegen England paart sich mit dem MordanUsemitism.u s und knüpft geschickt an Empfindungen an, die in den europäischen Massen leben. Zum eisernen Bestand dieser Agitation gehört die Behauptung, daß die Juden ihr Kölonisationswerk im Dienst der großen .englischeti Weltherrschaftsidee vollführen und daß sie zu diesem Behufe die politische und wirtschaftliche Entrechtung der Araber betreiben. Wird nun durch Tartarennachrichten der Orient verdächtigt . gemacht, so erfüllt sich damit ein antir jüdischer und ein antienglischer Zweck. .Alber es könnte auch geschehen, daß sich etwas von dieser Verwirrung den Juden und ihrem politisch aktiven .Teil, den Zionisten mitteilt, die ohnedies in der arabischen Frage völlig desorientiert sind. Die Verständigung .mit dem arabischen Teil der palär stineriisischen Bevölkerung ist ein beliebtes, aber wenig .durchdachtes Thema. Es gibt selbstverständlich feinen. Ztonjsten, der gegen eine -solche Verständjgung wäre, ps müßte aber doch auch, geprüft werden, mi|: wem eine solche Aussprache zu führeil ist..* Das« ^apertuji? ist weder politisch noch sogar national ein einheitlicher Körper. Es gibt, - abgesehen von dejn Beduinenkämmen, etwa ein Dutzend sel& ständiger'arabischer Staatswesen, deren allger meinem Kttlturniveau ein se'jir niedriges ist. Ani höchsten stehen dje Araber in Palästina, aber nichjfc kraft ilirer -eigeneri Arbeit, sondern nur dank der jüdischen'Tätigkeit Wenn Palästina Frieden hat und nic^t \vqn .^«fruh^ verheert wird, so dankt es dies ausschh"e,ßlich der Arbeit der Juden, desseji N^t^en, heijte aueji' schon die Araber einzusehen beginnen; Das entspricht nicht den heißen Wünschen der europäischen Chauvinisten oder der russischkonamunjstisQhen Offensive und da man in Europa Heute bereits den: Wert der jüdischen Aufbauarbeit kennt, 59 . versucht man es mjt den Nachrichten vom heftigen Krieg einfs arabischen Stammes gegen die Engländer, um einzuschüchtern, zu hetzen und Unruhe zu giften. Aber dieser heilige Krieg existiert nicht, die schönen Illustrationen müssen aus den Zeitungen verschwinden, die tiefsinnigen Betrachtungen über den morgen früh eintretenden. Zusammenbruch der englischen Weltmacht sind inhaltslos geworden. In Ur in Chaldäa stehen die Flugzeuge, der Stoß der islamitischen Puritaner, des Lieblings der Klugschwätzer, ist aufgefangen und es kommt wieder Frieden. In Palästina wurde die Arbeit nicht unterbrochen und die Freunde der panarabischen Bewegung müssen sich aufs Abwarten stellen. Vielleicht denken sie inzwischen ein wenig über die Georgier nach. Für Astern 0 Herrenstoffe für Anzüge u. Überzieher, neueste Dess ns, in bester Qualität — bereits eingelangt I D rekter englischer Import — im Spczialhaus Die Brüsseler Konferenz der Völkerbundligen. Die Minderheiten. Eine permanente Kommission beim Völkerbund. — Die antisemitischen Exzesse in Rumänien. In der Zeit vom R «bis 17. März d. J. fand in Brüssel die Sitzung mehrerer permanenter) Kommissionen der Völkenbundligen statt. Besonderes Interesse beanspruchte die Sitzung der permanenten. Minderheiten-Kommission, welche eine reiche und wichtige Tagesordruing hatte und überaus zahlreich beschickt war. Die jüdische Liga aus Palästina war durch die Herren Diesengoff, Mptzkin und Dr. Feinberg vertreten, die jüdische Völkerhundltga für Oesterreich durch Dr. Isidor M a r g uIie s, die Liga für die Tschechoslowakei durch Dr. Emil Margulies und die Liga für Bulgarien durch Dr. S. Mezan. Aus, den gefaßten Beschlüssen seien als die wichtigsten die folgenden mitgeteilt: Auf Grund eines eindringenden Referates* des erwischen Delegierten Sir Walter Napier über die Staatenlosigkeit, in welchem nachgewiesen wurde, daß die Nachfolgestaaten, besonders Polen und Rumänien, bei Regelung der Staatsbürgerschaft sich über die im Friedensvertrag übernommenen Verpflichtungen andauernd hinwc^gsetzen und in ihren internen Ge-, setzgebungen auf diese gar keine Rücksicht nehmen, wurde beschlossen, den Völkerbund zii ersuchen, hierüber ein Gutachten des Haager Schiedsgerichtshofes anzurufen. Der Generalsekretär,, der Völ'kerbitwMigen Professor Ruyssen beantragte, der,Völkerbund möge ersucht werden, eine all gern eine/ Enquete ,üb;er die Lage der Minder hei ten und. die Einhaltung der in den Friedensverträgen diesbezüglich übernommenen Verpflichtungen zu veranstalten. ■ .\ Darüber hinaus ging der Antra« der deutschen D e l e g a 11 o n: Der Völkerbund möge ersucht werden, ein e ständi-ge Mi no r i1 ä te n kom mi s s io n (napfo Analogie der Mandatskomimission) einzusetzen, welqh.e der Völikerbundversamml'ung alljährlich Bericht und Vorschläge unterbreiten und dem Völkerbundrat in Minoritätsfragen beratend zur Seite stehen solle. V? y ' : * Trotz lebhaften Widerspruches, besonders s ei t e.ty's d e r p o Irischen und i t a I lettischen D> c 1 e g i e),rt e: n, wurde sowohl , der Antrag betreffend Einberufung einer Enquete als auch der Antrag betreffend Schaffung einer permanenten Minderheitskommlssion mit großer (Mehrheit angenommen.v ( ..' - , .-.:,.! ' r...,' ßäna Reihe weiterer Anträge, die darauf. , liiinaus? ziejten, den Mi.noritätenschutz'auf eine feste und alle Statin Dividende '^rechtliche Grundlage zu stellen, führen iii keine r endgültigen Beschlußfassu #,g, weiche vielrnehr (der nächsten Tagung im Haag vorbehalten wurde. / .'.b" Zu einer scharfen Auseinandersetzung ka1^ e^ .ilb^r Reich zu werden I ist heutzutage leichter als früher. Das letzte Geheimnis des Erfolges der Milliardäre, der sicherste Wegwejser zu I Reichtum, Macht und Ansehfn! | , ist die En«rgl* ", "•' ' j DazuT: bedarf es stählerner Nerven, einer Widerstands- [faMgen und widerstandskraitigen Konstitution and jefoer tumpftreudlgen Ausdauer. Wer von Kindheit a«f | DIANA Franzbranntwein mit Menthol I gebraucht, stahlt se'ne Nerven, macht die Konstitution | ] widerstandsfähig, kraftvoll und schallt eine k^mpf» fiendige Ausdauer ■. * t ff«hm«ft Sf« nur Ql«*ai [ WeHlo9e Nachahmungen weisen Sie entschieden zuröck j Ueberau erhltuiciu den Antrag der rumänischen Kommission, bei den Diskussionen der Minderhcitenikommission und der Hauptversammlung der Ligen die gegenwärtig bestehenden Mindcrbeitsschutzvcrträge zur Grundlage zu nehmen und über dieselben hinausreiohende Vorschläge auszuschließen. Dieser Antrag wurde schließlich .mit großer Mehrheit abgelehnt. Obwohl für die Sitzung der Minontäteriikommissiön noch ein zweiter Tag eingeschoben worden war^ war es nicht möglich, die Tagesordnung zu erledigen und es mußte die Behandlung der Frage eines Statutes der Minderheiten, ferner die Behandlung der Beschwerden de* bulgarischen Minderheiten in Rumänien, Jugoslawien und Griechenland, der rumänischen Minderheiten in Bulgarien und der jüdischen Ligen über die Ausschreitungen in Rumänien für die Ende Juni dieses Jahres dm Haag stattfindende Tagung verschoben werden. Die jüdischen Ligen hatten der Kommission ein umfassendes und reich belegtes Memorandum über die letzten Vorgänge in Rumänien unterbreitet und an die KommissionsmitgMeder verteilt. Dieses Memorandum wird vom Generalsekretariat in Brüssel an alle Ligen versendet und die Gegenä/ußprunj» der rumänischen Liga den jüdischen Ligen sofort übermittelt werden. Bei der Sitzung der Minoritätenkpmtns^oj» im Haag ■ ■ « •■-' ■•■ ' ' - - .....-;y; wird die rumänische Frage einen der ersten Punkte feder Tagesordnung bilden ■und ihre Behandlung bei dieser Sitzung und bei der: Hauptversammlung gesichert sein. Eine Internationale Liga zijjr Bekämpfung der Pogron^f In P a r i s hat sich unter dem Namen- „Antipogromliga" eine Vereinigung zur Bekämpfung der Hetze gegen J^iden gebildet, der angesehene Persönlichkeiten der Gelehrtenwelt und des öffentlichen Lebens m Frankreich angehören. Die Liga hat dieser Tage ihre erste ö.ff;eint- Jfche Kundgebung gegen Pogrome im .5aal.!wBulliej-" jm Quartier Latin abgehalten. Mehr als ÖOOO Menselien füllten den Riesensaal.! , Der bekannte französisch-jüdische Journalist Bernard ti-ecache erklärte, der Ehrenvorsitz in der'Versammlung! sei Prof. Einstein übertragen worden- Er verlas cjas Schreiben Prof. Einsteins, der mitteilt, daß ex mit Fremden den Ehrenvorsitz annehme und hoffe, daß alle Vö |kev fiür die Freiheit und gegen Pogrome gich erklären werden. Lecache teilt dann mit, daß die Regierung, unter dem Druck einer ausländisch eh diplomatischen Vertretung den ihr gehörenden Trpcadero- S#al für die Abhaltung der Versammlung nicht hat freigeben wollen. Das französische Volk, sagte er, hat %u,r c h dfas. Urteil im Schwarzbart-Prozeß ejn Verdammungsurteil gegen die Pogrome und ihre Lejfer gefillt Lecache, der einige Monate in Rußland geweilt und die Geschichte der Pogrome studiert hat, gal> cjn erschütterndes Bild des Niederbruches der jüdischen:. Bevölkerung in der Ukraine als Folge der Massacres unjd Räubiereien> die jahrelang ungestört vor sich gehen dujrften. Er ging zur Schilderung der Pogrome und Heiligtü^e*- Schändungen in Rumänien über, clie seit dem?Mittelalter ihresgleichen nicht aufzuweisen haben. ' s Nach Lecache sprach der Vorsitzende der r e jjtj b l itauisch en Studentenföderation Frankreichs, D}umas, der ausführte, die französiscJie Studenten|p.ygamsation habe Beweise für die Schuld der rumänis'jchen Regierung in Händen, sie werde jederzeit gegen Pogrome und Pogromführer kämpfen. 1 Professor Hadarmard, der berühmte Gelehrte, sagte: ich bin Franzose jüdischer Abstammung, ich will a^er nur als Gelehrter sprechen. Die, rumänischen Stur* d.enten> die ihre Diplome mit der Ryte in" den Händen erhalten» seien eine Schande für die Wissenschaft. Der Numerus clausus in Rumänien und Ungarn ist ebenfalls eine Schande für die Wissenschaft, weshalb ajjc Gelehrten gegen die Vergewaltigung des Geist^ projgggjggj^

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