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Die neue Welt · 1928-03-23 · Heft 27 (23.3.1928) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 27 (23.3.1928)
Date
1928-03-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 27 DIE NEUE WELT Seite 3 2 MILLIONEN ___________ ____ t ege gegeben, sich zu überzeugen, daß in der Detailabteilung der Schuhfabrik BRÜDER LISSIANSKY, VII., Kaiserstraße Nr. 46 die elegantesten Frühjahrsmodelle bei bester Qualität zu den billigsten Preisen zu haben sind_ der Welt geschafft wird, so weint ein Oberrabfoiner darob beiße Tränen, ein Oberrabbiner übrigens, der ans eigener Erfahrung weiß, weiche Kunststücke der Amtsstubenantisemitismus mit Hilfe der Magyaronen aufführen kann. Er mag sich nur an Hallosi-HoHäwler erinnern! Graf KJebelsb.erg erteilte ihm sofort die Antwort. Er sagte das, was ist, was das Gesetz sein will, und er zerstörte die Heuchelei, in die sich Graf Bethlen und die jüdischen neologen und orthodoxen AssimiÜanten teilen: Das Gesetz will keine künstliche Nationalität schaffen, aber es ist die Auffassung der ethristliehen Gesellschaft Das heißt also, diese Gesellschaft ist bis in die Seele antisemitisch, sie fürchtet die jüdische geistige Beweglichkeit und sie urnihcgt die Juden mit dem Staoheklrahtzaun, so wie sie dies bisher getan hat. Sic hat lediglich für die Praxis eine andere Form geschaffen und das ist der einzige Schluß, den wir aus den nunmehr abgeschlossenen parlamentarischen Kämpfen ziehen können. Die von Telcky und Klebelsberg so nuanciert hervorgehobene christliche Gesellschaft will die Juden zum Erstickungstod drängen und die Assimilation kästet ihr die Schützenhilfe, indem sie das ungarische Judentum isoliert. Dr. Glücksthal hat mir einige wenige Ziffern genannt. Aber auch schon diese kna-ppe und dürre Statistik zeigt, daß das ungarische Judentum im Verdorren ist und daß in wenigen Jahren ein Numerus clausus-Gesetz — nicht mehr notwendig sein wird. Pas Gesetz vom Völkerbundrat zur Kenntnis genommen? Im Außenausschusse des ungarischen Oberhauses teilte am 19. März der Minister des Aeußeren Dr. V a 1 k o mit, daß der Vöikerbundrat in der Nurnerus-clausus-Frage den Bericht der ungarischen Regierung zur Kenntnis genommen und die . Angelegenheit als beendigt erkl ä r t habe. Damit sei die Frage an einem Ruhepunkt angelangt. Audi die „Times" erklären, der Rat des Völkerbundes habe die Frage ad acta gelegt. Orthodoxe Führer der politischen Käuflichkeit vor Gericht überwiesen. Dr. Emil Margulies freigesprochen. Der, Zionistenführer Dr. Emil Margulies (Leitmeritz) hatte den Führern der slowakischen Trennungso.rthodoxie (Agudah) Oberrabbiner Weber und "Hirschler -aus Anlaß der Parlamentswahlen 1925 vorgeworfen, daß sie sich von der tschechoslowakischen Agrarpartei hatten kaufen lassen, um durch Aufstellung einer aussichtslosen Gegenkandidatur gegen die jüdischnationalen Kandidaten die Wahl jüdischer Abgeordneter überhaupt zu vereiteln, undjdaß sie daher die Interessen des jüdischen Volkes verschachert haben. Wegen dieser Vorwürfe war Dr. Margulies von den genannten Rabbinern beim Landesgerichte Prag geklagt worden. Dr. Margulies übernahm die volle Verantwortung für den Inhalt seiner Veröffentlichung und bot den W a h r h e i t s b e w e i s an. Das Gericht ließ diesen Beweis zu, führte die Beweise durch und verkündete dann in der Verhandlung vom 14. März 1928 den Freispruch des Angeklagten. In der Begründung des Urteiles führte der Vorsitzende aus: Die Aeußerungen, für welche der Angeklagte die Verantwortung übernommen, sind zweifellos beleidigenden Charakters. Das Gericht hat aber auf Grund des umfangreichen Wahrheitsbeweises die Ueberzeugung gewonnen, daß der Angeklagte hinreichende Gründe hatte, um diese von ihm erhobenen Vorwürfe für wahr zu halten, da erwiesen ist, daß die Privatkläger die von der jüdischnationalen Partei angestrebte Einigung vereitelt haben, daß ihr Ziel die Verhinderung der Wahl jüdischer Abgeordneter war, daß sie über Initiative von dritter Seite gehandelt haben, daß sie von dieser dritten, nichtjüdischen Seite für die Wahlen Geld genomen haben, und daß sie durch diese ihre Tätigkeit die Wahl jüdischer Abgeordneter verhindern wollten und verhindert haben. Ebenso stehe es für das Gericht außer Frage, daß der Angeklagte in Wahrnehmung öffentlicher Interessen gehandelt hat. Aus diesen Gründen mußte der Angeklagte freigesprochen werden. In der Begründung des Urteils stellt auch das Gericht fest, daß Dr. Emil Margulies in durchaus idealer Absicht und mit bestem Wissen und Gewissen in dem Bestreben, für das Wohl des jüdischen Volkes zu arbeiten, jenen Artikel veröffentlichte. Die klägerische Partei wurde zur Leistung der gesamten Kosten verurteilt. Um den moralischen Tiefstand dieser Führer ..im geistlichen Gewände vollständig zu kennzeichnen, sei noch festgestellt, daß die slowakische Agrarpartei, von welcher sie das Geld und den schändlichen Auftrag entgegennahmen, antisemitisch orientiert ist Als vor einigen Wochen die Demonstration des Rothermere für Borthy-Ungarn und gegen die Slowakei erfolgte, hat die Agrarpartei in einem hetzerischen antisemitischen Aufruf, die slowakische Judewheit des' hochverräterischen Einverständnisses mit Lord Rothmere und Horthy beschuldigt. Man muß über die "zynische ' Leichtfertigkeit staunen, welche düe Männer, deren Denkart in schroffem Gegensatze zu der von ihnen vertretenen jüdischen uiiiiiiiiiiiigillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllf£: Willst Do gut und billig kaufen, maßt zum I I KLE1DER-BIBRING I 172 MARIAH LFERSTRASSE 172 | laufen | Trench-Coat von S 95 - aufw., Mode-Kamms E garn .und Wlpcord-AnzUge von S 8a.— aufw., Sport-Anzüge von. S 75.— aufw. 5 S Prima Qualität und feinste Ausfiihrungj 5 Tilllllllllllllllllllllllllllllllllllllltllllllllllllllllllllllllllllllllll? Lehre steht, ihre Schmach vor Gericht tragen ließ. Die Entfernung so gearteter Menschen von führender jüdischer Stelle ist ein Gebot jüdischer Pflicht, und des schärfsten Kampfes wert. Kampf gegen die Führer, aber nicht gegen die Geführten. Es muß festgehalten werden, daß die Masse der glaubenstreuen Juden in der Slowakei und in anderen Orten aus ehrlichen, opferwilligen Menschen besteht. Zufolge einer gewissen Naivität und politischer und organisatorischer Unerfahrenheit werden sie allzu leicht das Opfer zungenfertiger Heuchelei. Nicht sie sind zu verurteilen und es ist kein Grund vorhanden, sie in ihrer Weltanschauung zu kränken. Zähe politische und nationale Aufklärungsarbeit ist da am Platze, die unermüdlich geleistet werden muß. Dr. Emil Margulies hat durch sein mutiges Auftreten und durclt den errungenen moralischen Sieg dieser Arbeit die Wege geebnet. P»n i s ö» 11 HDD^SP p*nn»| SÄMTLICHE OSTERWAREN H kaufen Sie am besten bei 1 GEFLÜGEL DICKER | VII., LIN0ENGASSE 25, TEL. B 33-3-13 S Altbewährte Firma, führt Wiener und Gödlnger, amerik. ff und Palästina-Mazzoüi sow e Weine, koscheren Slibowftz S und sämtliche Spezereiartikel. Spezialität in ptima S Geflügef, Fettgänse, Indfan, Enten, Suppen-, 3 Back- und Brathühner IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIKIIIIIKIIHIIIIIIM Der Strafprozeß gegen den Rabbiner von Münkacs. Aus Munkacs wird uns geschrieben: Wie erinnerlich, hat der unrühmlich weibbekannte Cberemschreck, Oberrabbiner Spira von Munkacs, am 28. Oktober 1927, dorn tschechoslowakischen Staatsfeiertag, in der großen Synagoge von Munkacs während des Festgottesdienstes eine Rede gehalten, in welcher er die Zionisten „elende Betrüger und staatsfeindliche Elemente" nannte. Dieser Ausfall hat seinerzeit allgemeines Aufsehen erregt und die Zionistische Organisation sah sich gezwungen, diese Niedertracht vor das Gericht zu bringen. Nachdem nun auch die Staatsanwaltschaft sich die Klag« zu eigen gemacht hat, versuchen die Spira-Leute, die einflußreichen Zionistenführer durch Bitten und Versprechungen zur Zurückziehung der Klage zu bewegen. Die zionistische Presse, an ihrer Spitze „Zsido Neplap", fordert jedoch die rücksichtslose Durchführung'* des Prozesses, es sei denn, daß Rabbiner Spira sowohl in der jüdischen als auch in der niebtjüdischen Presse in entsprechender Form Abbitte leistet und das Gelöbnis ablegt, den Zionismus und die Zionisten nicht mehr zum Gegenstand seiner niedrigen Verleumdungen zu machen. Es müsse — sagt „Zsido Neplap" — dem Rabbiner, wenn er schon die Lehren des Talmud mäßachtet, die Lehre beigebracht werden, daß man nicht ungestraft die Ehre von Andersgesinnten in den Kot zerren, gegen sie niedrige Verleumdungen' ausstreuen uirtd sie noch obendrein denunzieren darf. Eine Blutprobe. Von Jakob Krausz. Ich ijabe mit der Medizin nichts zu schaffen und weiche ihr ängstlich aus. Ich bin nicht von der kräftigsten Gesundheit und vermeide daher peinlichst jeden Zusammenstoß mit der medizinischen Wissenschaft und ihren Trägern. Eine meiner Schwächen ist die Sammlung von geschriebenen, gedruckten und gesprochenen Kuriositäten, soferne sie mit dem jüdischen Leben in Zusammfnhang gebracht werden können, und wo gibt es eine Kuriosität, die nicht irgendwie mit dem vielgestaltigen jüdischen Leben in Verbindung stünde? Ich bin auch kein Freund der Methode gewisser Forscher, die Tag und Nacht nur daran denken, nachzuweisen, daß es keine neue Errungenschaft, keine moderne Erfindung und keine neue Idee gäbe, die nicht schon Im Talmud und den talmudisohen Schriften behandelt worden wäre. Der Talmud bleibt für mich auch dann ein fast alleinstehendes großes, reiches Sammelwerk, wenn in ihm nicht wie in einem utopistischen Werk spätere wissenschaftliche Theorien und Entdeckungen vorausgeahnt würden, und die Verfasser der Midraschliteratur sind für mich sehr wertvolle Kulturschöpfer, Vorksdichter und Volksredner, wenn sich in ihrem unendlich reichen und tiefen Schatz an Sagen und Gleichnissen nicht auch Sinnsprüche finden, die erst das Leben und die Entwicklung späterer Jahrhunderte schaffen konnten. Und doch, schürft man ab und zu tiefer in diesen Schätzen von Legenden und Sprichwörtern, so stößt man mitunter noch immer auf irgend einen überraschenden Fund. In den letzten Tagen erst fand ioh unter meinen älteren Ausschnitten und Aufzeichnungen den Hinweis auf eine Stelle im Midrasch Rabbah zum Hohelied, Kapitel 1, in welchem vom Thron des Königs Salomo und den zwei um ein und dasselbe Kind streitenden Müttern die Rede ist. In der biblischen Erzählung werden diese zwei Frauen, die vor König Salomo erschienen, um sein Urteil darüber zu erbitten, wem. das tote und welcher Frau das lebende Kind gehöre, „Sonoth", Dirnen genannt. Im Midrasch zur Stelle wird noch besonders betont, daß es wirklich Sonoth waren. In dem mir vorliegenden älteren Ausschnitt aus einem amerikanisch-jüdischen Blatt len'kt ein Herr Jakob Schapira die Aufmerksamkeit der Gelehrten auf einen Kommentar zw der zitierten Stelle des Midrasch, in welchem die folgende äußerst interessante Legende über eine durcligefi'rhrte Blutprobe erzählt wird: Ein Mann unternahm etne. weite Reise über den Ozean. Er nahm viel Geld und auch einen Diener mit. Seine Frau konnte die Reise nicht mitmachen, weil sie sich in gesegnetem Zustand befand und den Gefahren einer beschwerlichen Reise über das große Meer nicht ausgesetzt werden durfte. Der Mann gab ab und zu ein Lebenszeichen von sich, schrieb seiner Frau von der Reise, zeigte sich sehr besorgt um ihren Zustand und versicherte, ihr, daß er immer bete, daß sein Sprosse, den sie unter dem Herzen trage, gesund zur Welt kommen möge und auch der Mutter kein Leid geschähe. Dann blieben die Nachrichten au«. Der Mann wurde schwer krank und starb. Sein Diener bemächtigte sich des Geldes und der Effekten des verstorbenen Herrn, indem er erklärte, er sei der Sohn des Verblichenen. Dem treulosen Diener wurde Glauiben geschenkt. Er hatte es naturgemäß vorgezogen, nicht meJir i>n die Heimat zurückzukehren; er ließ sich in der Stadt, in weicher sein Herr vom Tode ereilt worden war, nieder und führte das Leben eines reichen, angesehenen Mannes, in derselben Stadt lebte auch der wegen seiner Weisheit berühmte Rajbcnu Saadjo ben Josef. Inzwischen ■ war die Nachricht von . dem Tode des Mannes auch in dessen Heimatstadt gedrungen, wo seine Frau einen gesunden Knaben geboren hatte. Sie wußte nicht, daß der Diener sich'die ganze Verlassenschaft ihres Gatten unrechtmäßig angeeignet hatte, und dachte, daß das nunmehr i!hr und ihrem Sohne zugehörende Vermögen sich in sicherer Obhut der Behörde befinde. Als der Sohn zum jungen Manne herangereift war, beschloß er mit Zustimmung seiner Mutter, im das weite Land zu reisen, um das vom Vater hinterlassene Vermögen heimzubringen. In der Stadt, in der sein Vater begraben wurde, suchte der Sohn den weisen Mann Raibbenuh Saadjo ben Josef auf. Dieser empfing den Gast aus weiter Ferne sehr freundlich, setzte ihm Speise und Trank vor, doch der junge Mann lehnte jede Erfrischung ab, bevor er seinem Gastgeber sein Anliegen vorgebracht hatte. Der Diener wurde vorgeladen und dem Ankömimling, der sein Erbe reklamierte, gegenübergestellt. Der Diener . erklärte mit eiserner Stirne den Fremdling für einen Schwindler und blieb bei seiner Behauptung, daß er der Sohn und legitime Erbe des auf seiner Reise vom Tode überraschten reichen Mannes sei. Rabbewu Saadjo riet nun, den Fall vor den König zu bringen, und der Fremde befolgte den Rat des Weisen. Als der König die seltsame Geschichte hörte, ließ er den weisen Rabbenu Saadjo kommen und übertrug ihm den schwierigen Fall zur Rechtsprechung, doch trug er ihm auf, das Urteil so zu fällen, daß an dessen Gerechtigkeit sich kein Zweifel knüpfen möge. Ueberdies wollte der König bei der Verhandlung und. Urteilsfällung anwesend sein. Der Prozeß begann. Nachdem beide Parteien bei ihrer ursprünglichen Behauptung verharrten, befahl Rabbenu Saadjo, zwei Schüsseln herbeizuschaffen. Beiden Männern wurde nun etwas Blut abgezapft und in je einer Schüssel aufgefangen. Dann wurde von dem Toten, den beide als ihren Vater und Erzeuger bezeichneten, ein Knochen genommen. Rabbenu Saadjo tauchte den Knochen in die Schüssel, in welcher sich das dem Diener entzogene BM

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