Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 27 (23.3.1928)
- Date
- 1928-03-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2711613-2711630-2711642--0351-2713487- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 Offi NEUE WELT Nr. 27 Student mv Wissenschaft gelangen will, so muß er sich heii-Kcii und f/c bleich cm. er mul.i sich den Zutritt durch Prers.erabe seines .Hidischen Charakters, erkaufen. Wirkliche Wissenschaft läßt sidi nur überinitteln, wenn ein persönlicher Kontakt zwischen Lehrern und Hörern besteht Aber 4er jüdische Student kommt nicht in diese enge Fühlung, er. hat vor sich entweder den arischen Professor, der ihm feind und fremd ist, oder den jüdischen Professor, der es vermeidet, sich als Freund des jüdischen Studenten m zeigen; er ist objektiv und wir wissen, was unter dieser Objektivität zu verstehen ist. In solcher Atmosphäre , kann wissenschaftliche Arbeit nicht gedeihen. Ist Wissenschaft wirklich identisch rrnit Freiheit? Man ist fast versucht, zu sagen, daß zwischen Wissenschaft und Antisemitismus eine besondere Verwandtschaft zu bestehen scheint, denn die Hochschule ist heute der Ausgangspunkt für alle reaktionären Bestrebungen, insbesondere aber , des reaktionären Antisemitismus. Dieser Zustand muß z <u r m 6 r a 1 i s c Ii e n u ti d geistigen V e r e 1 e h d u tig des * Studenten und über ihn hinaus des jüdischen Volkes führen. Es nuuß also eine Stätte geschaffen werden, an der ein anderer Geist herrscht, und. diese Stifte soll Palästina sein. Die ''Universität soll ans einem Forschungsinstitut in ein Lehrinstitut umgewandelt werden. Das ist gewiß ein ungeheures Werk voll Schwierigkeiten. Trotzdem muß eine Bewegung erzeugt * und ein ständiger Druck im guten Sinne^ dieses Wortes ausgeübt wejrden.. . ........... : .., . Die Schwierigkeiten sind groß, aber nicht unüberwindlich. Wenn gesagt wird, daß das Studium in Jerusata zu teuer ist, so muß geantwortet werdert, d a ß d i ei jüdische Jugend materielle Not immer' f a s t r,e s 11 o s ü b e r w u n d e%i hat.- Die armen Studenten waren nicht "die schlechtesten 'und die: jüdische Gesellschaft'-war. immer vornehm gegenüber' ihrem Studenten. Das jüdische Volk, das es unter-, ttommen hat, eine Heimat' zu bauen, wird 'es auch treffen, seine Studenten nach Jerusalem au schicken.) Es wird aber auch die Wertung einer solc <h e n Hochschu 1 e eine höhere sein. Dem Ab-J solventen einer jüdischen Universität in Jetusaleniv wird die Gesellschaft nicht die Hindernisse* in .den: Weg legen, die sie dem jüdischen Absolventen einer, ostr oder zentraleuropäischen Universität,, bereitet.; Pie arischen Professoren werden den jüdischen. Lehrern dieser. Universität einen ganzanderen. Respekt zeigen, als ihren jüdischen. Kollegen von ^cjer-' selben Universität. r- ..-.„•. , Aber auch die jüdische Wissenschaft verlangt den Uebergang zum Lehrinstitut. Wissenschaftliches Leben kann nicht ohne Wechselbeziehung zwischen Hörer und: Lehrer entstehen, nicht allein im Lahoratorwiim oder in der. ßibfiothek. oder am Schreibtisch. Das Thema, das diese Vef-. samimi'ung au'behandeln, .hät; ist, aber nicht gar so kompliziert. Man muß nur den Änfangdäriiit machen, es zu bespre.chen. Die Frage darf aber nicht zur Rufte kommen. Das Judentum ist "zerrissen und mit viel Sorgen beladen, aber es kann doch aus sich heraus die Kraft aufbringen, die Frage zw erledigen. Es muß nur der stetige Druck erzeugt werden und das ist die Aiufgäbe der jüdischen j Studenten; (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Dr. E. M. Zweig (Jerusalem) erklärte, die1 heutige Form der Jerusalemer Hochschule sei nur; ein U e b e r g a n g s s t a d i u m; Der Uebergang zum Lehrinstifcut ist das Ziel, das <Jen Professoren vor Augen schwebt, aiber es fehlt: an, Geld. Das Leben in' Palästina ist teuer und. : der Staat stellt weder Boden noch Gebäude oder . Wohnungen zur Verfügung. Es hat große Mühe gekostet, bis das Gelände auf dem Skopusberg bereitgestellt wurde." Die National-1 b'ibliothek ist in fünf verschiedenen Objekten untergebracht. 3s sind auch die* Lehrkräfte, die in hebräischer Sprache vortragen < können, sehr spärlich vorhanden. Trotzdem aber er-1 füllt die Universität ihre geistige Ä>ufgäbe, ' sie beschwingt das jüdische Leben und ist mitteni in der: Barbarei eine Oase der jüdischen Kultur. ' " . Hierauf nahm die Versammlung unter lebhaftem,: Beifall die folgende, vom Vorsitzenden vorgelegte; Resolution an: Die Versammlung des .lüdischen Hochschulaüs-? seliusses,. der Exekutive des Gesarniverbandes jüdischer' Hochschüler Oesterreichs „Judäa" (ziori. äkäd. Landes-' verband, S. C. der wehrhaften zion. Verbindungen, >JHd. akadem. Juristenverein. Akad, Verein iüd. Mediziner,* Jüd-akad. PhHosophenverein, ". Jüd.-akad. Technike ryerV band, Jüd-akad. Verein „Theologia", 'Vereinigungiüd. Hörer an der Hochschule für Welthandel) und der jüdischen Mittelschüler erhebt energischen Protest gegen die ruchlosen Verfolgungen, denen; die Jüdisch« Studentenjugend an verschiedenen HqsIk schulen Ost- und teilweise Zentrakurooas ausgeätzt tot iiiiiiiiiiiiiiiiiiii In keinem jüdischen Haute dürfen an Peiiachtagen not W dl« waltbarOhmlen not W Palästina $ Mazzoth fehlen! hergestellt unter streng ritueller AtiHchtSr.IhrwUrdonMirrnOb«rrabbln«r Jo»«f «halrtlonnarfald, Jaffa, und da« „ChlftMtabbl" von Irax l»raal, Sr. inrw. Harrn A. J. Kook, Jarusalam Gepackt In hygienischen Kartons zu V» kg Genaralraprttsentanz für ganz Oftstarreldh a Nathan Brodetiki, Wien, II., Leopoldsgasse 43, Telephon Nr. 46-1-so Filialen i Heinrich Bendlenor, _________ ________________________ _. Judcncjatta 11, Jakob Wal» Kaiman Raaeaport, M., Radatxkystr. 7, Sabine Bind ar, IX, *" II. Unt. Augartenstr. 25 Hähng. 33« Ioa?*f Hosen«, IX., Qeorg.Sleg.-aässe 3, Blumenstock, XX., Traust raße 12 und Louis* Xtfl., Ottakrlngarstrarse 35 Original Palästina«Wollt« aus „Rischon te Zfon" Zlonlstenl Erfüllet Eure Pflicht und kaufet zu Pessach nur Maxzoth aus Eres Israeli und brandmarkt die Anstifter und die Schuldigen an diesen Schandtaten. Die Versammlung atierkennt die Notwendigkeit und. unterstützt alle -Bemühungen der verantwortlichen jüdischen , Organisationen» die darauf gerichtet sind von .den Regierungen die restlose Unterdrückung derartiger Verfolgungen' und die Wiederherstellung der Lehr- und Lerhfreiheit für die jüdische Studentenschaft zu erlangen; sie fordert gleicteeitig die jüdische ^Jugend zu eine rein mfl.tig en u.nrd;.- o r g a nisierten Abwehr auf. ' Alis, all diesen Gründen und um demjenigen Teil * unserer jüdischen studiereriden: Jugend, die reine nationale Würde am höchsten schätzt, die Möglichkeit zu geben, .in einer von nationalem Geist durchdrungenen Atmosphäre seine Studien auf heimatlichem Boden vollenden z u können, erächtet es die Versammlung als eine Notwendigkeit, daß die hebräische Universität zti Jerusalem aus dem engen Rahmen . eines Forschungsinstitutes iri eine . der . Allgemeinheit zugängliche £ e h ru nd Lern a.us t a l t umgewa ri d e i t ' WerdV ..'!.•. Eine Äkiloin in War^hau. t,;;Ueber Initiative." irischer Hpctepfiüler. in W" a r- .8,cb a u» - die bei ^de,tt ^pi^sfen^Rö^fottisteii.' organisiert sind, wurden unter/;denVjü^ Studenten einige Tausend Überschriften .iür ein ^Memorandüm gesammelt, in demi vpn der, Zionistischen, .E^e.i^^yeV.iiiJ^fidöti die schleunige Um W;ah,d^« n>g - d^^fi^'^äisp/h.e.n -Üni ve r sii.ät , J3.e i' ii *f a .n>...; i nfa 1 .n^e^.q^m'a i e H o o h s c h« I e ^ii .etner 'm^a^tiis^i^';iin.d,)tj']^isbten,Fakultät nach dein; Rüster;«(ei; euroÄ^Heii, Ün|ve'rsitat^n gefordert wird Wieder antlsemltlscbe' Ausschreitungen an der Btikar-i? r^±$^-:^er4Wt;r^ qfö;. ^semit^^ft-.:;ljnf^liöh, (äii;> der hiesigen Uni- •versitäf "siifd seit ^en\'"Ö.H(VMrz^ aufgeflammt. Es kam zu verschiedenen Prügeleien, w'dbai eim'Ke jüdische Studenten (blutig geschlägeti? wurden. Die Polizei schritt ein undn-a'hrti mehrere Ve r h a f t u n gen vor. ■ Die sk^idajösen -fifefenisse wurden auch an der. K ajnmie r zur Sprache gefbracht. Der jüdische Abgeordnete Fi 1 d erm an-.n: Mchieiv an den Unterrichtsminister eine Interpeilation und" machte daraui aufmerksiaan, daß unter der Studentenschaft-gegenwärtig eine Agitation im Gange sei, um Wieden judenfeinidHche Attssohreitungen größten Stils auflebe» zu-lassen.;; . Der Unterrichtsminister antwortete, daß die Re-, 'gierung d 4 e s t r e n g s <t e n M a ß n ia ii m e n ergreifen werde, um die Ruhe und Ordnung zu sichern. Das De'kahat der Rechtsfakultät der Öukarester! ÜniversTtät teilte mit, daß im Falle der Wiederholung der Ruhestörungeil 'die. Fakultät sofort bis Ende dieses Jahres endgültig geschlossen würde, so daß alle Hörer ihre Rechte für das laufende Studlenjü'lir verlieren würden. Brief aus Budapest. Von Iwrt Die im Hertost des1 Vorjahres von der uttgar'rschen Regierung .ausgearbeitete Vorlagie über den Besuch der Hochschulen ist nunmehr in Gesetzeskraft erwachsen. Die Novelle wurde am 14. März vom Oberhaus mit 70 gegen.30 Stimmen angenommen. Das Unterhaus «hatte am 24. Fe<bruar in namentlicher Abstimmung das Gesetz in zweiter Lesung mit 139 gegen 32 Stimmen zum Beschlüsse erhoben. Die Oberhaus-Debatte 'bewegte Sich auf dem gleichen Niveau wie im Abgeordnetenhaus und der eigentliche Spiritus movens der Pogromgesetzgebung, der Grarf Paul T e 1 e k y, gab hier den Ton an. Ihm ist die Albschiiürung der Juden von der wissenschaftlichen Berufsausbildung noch zu wenig. Er will die Juden auch in alien anderen Berufeaweigen .auf die Verhält n i s za h i beschränkt wissen, da die christliche Jugend , ohne den Schutz des Staates nicht konkurrenzfähig sei. Er störte den Grafen und seine^Parte^gertossen seihr wenig, daß. in einer solchen Begründung ein _sob\vcr-es Ärttiutszeugrfis für diese christliche Jugend enthaften fst. Noch weniger stört es ihn, daß' er diese seine Mcinumr, wenn er sie jemals ehrlich besaß, geschickt versteckt h;«t zu einer' Zeitj wo er' für die turanische Rasse1 'hätte ailc Kraift' e'inset^n*müssend-Telöky war UtfÄftr-ns Vertreter>;.in Tri ä n ön und die 'Bihtwemhuij?en gegein den'^Ffifckicfiavertrag stammen aus seiner Feder. Er hat also in-seinem GegeiDbericlht die folgenden Aeußeruugen niedergeschrleiben: ,yDer größte Teil der Juden hat sich den ÜngäTn assimiliert. Ihre Fähigkeit lenkt sie auf -den Handel-und das Gewerbe. Sie halben uns hervorragende ungarlsohe Schriftsteller', . Gelehrte und Künstler gegeben,. und. ihr« Anpassungsfähigkeit muß anerkannt werden." , Wir erblioken keine Assimilation därin, daß Jud^n im geistigen und wirtschaftlichen Leben etwas -Gutes leisten, aber wenn Graf Teleky damails.sich au* die TäMgkeit der Judett berufen hat, so hat er damit seine eigene spätere Stdlunguahme desavouiert. Das besagt» fr.ettich nichts bei einem Antisemiten, dessen System, immer, vom Anfang ibis Mm Ende eirne Lüge ist, ' : .• Im Oberhaus; wurde dieser-Widerspruch dem Frankengrafen von dem Vertreter der Stadt Budapest Dr. Samuel Glücksthal vorgehalten. Der Graf erwiderte, daß sicli die Tatsachen verändert haben. Sind etwa diese „hervorragenden ungarischen Schriftsteller, Gelehrte und Künstler" jetzt zu streichen? Wenn dies dem Tölöky gelänge, was (biieibe denn von der magyarischen 'Kultur bestehen? "'• ' ■ ■ Es sei gerne festgehalten, daß Dr. Gi ücikst h a l einen etwas, mannhafteren Standpunkt vertrat, wenhgleldh «uch er den Friedensvertrag von Trianon als Reditsquelle ablohnt. Er' reklamierte sehr energisch den Anteil der Juden an dem wirtschaftlichen Aufsch'wung, den-: Ungarn nach dem 67er Ausgleich genommen hat,'wies a1>er auch auf ihren Verfall bin. Die Zahl der Juden in Ungarn ist in den Jahren 1920 bis 1925 um 10.000 Personen z u r ückgegangen, die Sterbeziffer übersteigt die' Geburtenziffer um 200Ö Köpfe im'Jahr. Mohr als 2000 jüdische.? identen müssen ausländische Hochschulen besuchen' Mehr als sonderbar mußte es berühren, wie der Oberrabbiner von Szegedin Dr. Imanuel L ö w sich zu dein Gesetz äußerte. Ihm ist es keine unheUbäre Bei eidig ung des Judentums, sondern eine Erschwerung der Assimilation. Der Herr Oberrabtoiner führt bittere Beschwerde dar «her, daß die alte schöne Praxis des 50-K re u z e r - M atya'rentums aufhört. Das Innenministerium verweigert die Magyarisierung der Namen von Juden! Gerade d .r gläubige Jude müßte es begrüßen, daß diese sc'himpifiieiKste Art der Sedenfängerel, die. letzten Endes auf die Annexion jüdischer Arbeit, aber auch auf den Abfall vom Judentum hinauslief, gebremst wird. Aber Herr Löw beklagt es, daß es in Zukunft unmftglich sein solite, 'daß sich aus dem Herrn Laub der Maler La'szlo entwickelt, der. sich hat taufen lassen, daß die H a t v a n y s und M o 1 n a-r s und S'zterenyis « tut« quanti verschwinden. Wenn aiso dU unmoraiisch« und teuflische Prämie auf den Abfull »us