Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 26 (16.3.1928)
- Date
- 1928-03-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 26 EIUERMDE ALBETT1 m Messing und Stahl I BETTFEDERN ~- HYG. MATRATZEN PAT.-SCHLAFMÖBEL KINDERWAGEN BILLIGST«- FABRIKSPREIS K J SI G M. EISLER NACH F., WIEN II., Prateratr. 45, Tel. 48-140 s V., Diehlg. 19, Tel. 68 106 I Gegründet 187D! Provin*vers<md s Heraus mit den Dokumenten! Von Rechtsanwalt Dr. Ephraim Waschitz, Haifa. In den letzten Tagen wurde der Vierteljahresbericht der Zionistischen Exekutive an die Mitglieder des großen Aktionskomitees versendet. Der Bericht, ist ziemlich stark und hat drei Beilagen. Man greift nach dem Bericht und hofft, darin etwas Neues zu finden, etwas, was die niedergedrückte Stimmung dieser Krisenzeit ein wenig heben könnte. Doch nichts von alledem. Die Mitglieder des großen Aktionskomitees werden sehr unangenehm enttäuscht sein, in dem Bericht der Exekutive eine bloße Zusammenstellung aller jener Nachrichten zu finden, die jeder fleißige Leser der jüdischen Presse genau kennt . . . Und gar die Beilagen! Einige Bemerkungen über das jüdische Gemeindegesetz in Palästina auf Grund eines Memorandums des Col. Rish, der Aufruf der Exekutive, betreffend den Fonds für poiti tische Arbeit und — ein dreisprachiges Verzeichnis von vier Publikationen der Exekutive! Wir besinnen uns ein Weilchen und stellen bald fest, daß seit vielen Jahren unsere Exekutive beinahe kein einziges wichtiges Dokument veröffentlicht hat. Das sattsam bekannte Weißbuch wurde von der englischen Regierung veröffentlicht. Und man erinnert sich mit Wehmut an jene Herzischen Kongreßtage, in denen der Führer durch Veröffentlichung diplomatischer Dokumente in der Kongreß-„Welt" die ganze jüdische Oeffentlichkeit aufhorchen machte. Man erinnert sich an den starken Einfluß dieser Veröffentlichungen auf das Vertrauen, welches die Bewegung ihrem Führer entgegenbrachte. Nun wird man ja zugeben müssen, daß in dem neuen Stadium der zionistischen Entwicklung die Verantwortungen der Leitung viel ernster und größer sind als im Anfangsstadium und daß eine Veröffentlichung von Staatsdokumenten auch die Zustimmung des betreffenden Staates voraussetzt. Wir sind auch nicht so töricht, zu verlangen, daß Dokumente über noch Im Gange befindliche/ Verhandlungen der Oeffentlichkeit preisgegeben werden. Wohl aber kann von einer verantwortlichen Leitung gefordert werden, daß sie von Zelt zu Zeit(Blauweiß-Bücher, enthaltend den Dokumentenaus tausch über bereits abgeschlossene Gegenstände, veröffentlicht und die dazu nötige Zustimmung der britischen und anderer Regierungen erwirkt. Nehmen wir einige Beispiele. Anläßlich der-Erlassung gewisser Verordnungen der palästinensischen Regierung war die Zionistische Exekutive Gegenstand heftiger Angriffe. Sie wurde geradezu der Vernachlässigung ihrer Pflichten und ihres Beeinflussungs:- und Beratungsrechtes der Mahdatsregierung geziehen. So bei der Staatsbürgerschaf tsverordnüng, der Einwanderungsverordhung, der Gemeindewahlrechtsverordnung, verschiedenen Zoll- und Steuerverordnungen usw. Es würde die Exekutive bedeutend entlasten und ihren Kredit in den Augen des Publikums ungeheuer hebend wenn sie in der Lage wäre, die über diese Gegenstände zwischen ihr und der Regierung geführte Korrespondenz auch nur teilweise zu publizieren. Es ist nicht recht einzusehen, warum die englische Regierung, ein besonderes Interesse an der Geheimhaltung. dieser Korrespondenz haben sollte. Im jüdischen Publikum herrscht eher das Gefühl vor, daß das Gehe 1m ha 11 u n gsi n\t er esse auf Seiten der "Zionistischen Exekutive ist, welche von ihrem Beratungsrecht keinen oder nicht genügenden Gebrauch gemacht h a t. Und vollends gar in Sachen der jüdischen Gemeinde-, Organisation, deren gesetzliche Verabschiedung mehr als sieben Jahre in Anspruch nahm und die Jetzt endlich promulgiert wurde. Wie wäre es da nach getaner Arbeit nützlich, durch Dokumentenveröffentlichung zu beweisen, welchen Einfluß die Zionistische Exekutive auf den Werdegang dieser Verordnung genommen hat und wer daran Schuld trägt, •daß aus der von jüdischer Seite vorgeschlagenen weltlichen Gemefndeorganisatioh" ein klerikales Maqhwerk wurde, welches in der Hauptsache für Rabbiner, Schächter und!Begräbnisstätten sorgt. Es ist geradezu beschämend, in der Beilage zum Bericht der Exekutive statt einer Dokumentens-ammlung einige nichtssagende Bemerkungen aus einem Memorandum des Col. Klsh zu finden. Wir glauben auch nicht in der Annahme fehl zu gehen, daß periodische, sorgfältig gesichtete und von der Mandatsregierung autorisierte Veröffentlichungen von Blauwelß-Büchem nicht nur das Prestige unserer Exekutive in den Au-gen der gesamten jüdischen Welt heilen und nicht nur das Vertrauen der Parteimitgl<ieder zur Leitung stärken würden, sondern daß sich die Wirkung auch In den zionistischen Fonds, in den Kassen des Keren- Kajerneth, des Keren-Hajessod bald bemerkbar machen würde. Daher — im Interesse des jüdischen Nationalheimes, im Interesse der Zionistischen Exekutive, im Interesse der zionistischen Fonds und — last not least — im Interesse der historischen Wahrheit: Heraus mit den Dokumenten! m Das Beste vom Outen sind die in Geschmack und Qualität unübertroffenen, erstklassig-altrenommierten Schmidl-Mazzoth welche unter streng orthod. Aufsicht des Rabbinates der isr. Kultusgemeinde Wien hergestellt werden. Die Mazzoth werden ans dem feinsten ungarischen Mehl erzeugt! Seit vielen Jahren genießen die „Sciimidi-Mazzoth" das beste Renommee und werden vor allen anderen bevorzugt. Zentrale: N. Brodetzki, II., Leopolds* 43 Tel. 46-1-90 Generalvertretung und Niedertag« i Jakob Weiß, li.v Unt. AugartenstraBe 25 Filialen! Heinrich Bendiener, I., Judengatse 11, Kaiman »appaport,III.,Radetzkystr. 7, Sabine Binder, IX., Hahngasse 33, Josef Rosencs, tX , Georg-Sigl-Oasse 3, Blumenstock, XX., Treustraße 13, und Louise Stein, XVI., OttataringerstraBe 35 Drei Tage antisemitische Stiidentemimuilieii in Lemberg, Eine Million Schaden, 300 Verhaftete. Die am Montag abends nach Bekanntwerden des Wahlresultats, wonach in der Stadt Lemberg zwei Juden in den Sejm gewählt wurden, begonnenen antisemitischen Unruhen (über die von der „Neuen Welt" bereits berichtet worden ist) setzten sich am Dienstag und am Mittwoch in.verstärktem' U;m fange fort. Dte antisemitische St ud e n t e n s c h «t f t hielt am Dienstag die Eingänge zur Universität und zum Polytechnikum besetzt und empfing die jüdischen Studenten mit Stockhieben und . Beschimpf uiigen; Auch die Professoren wurden nicht eingelassen., Später versammelten sich die Studenten wieder , vor dem Mieikiewicz-penikmal auf dem Mariackiplatz und terrorisierten von dort aus das gesamte Stadtviertel. Zahlreiche jüdische Passanten wurden schwer m i ß h a n d e 11. Als mehrere Studenten von der Polizei festgenommen wurden, blockierten ihre Kollegen die Pollsei Wachstuben. Die Studenten zogen auch in die von Jnden bewohnten ,Gassen und schlugen in zahlreichen Läden und Wohnungen .die.Scheiben ein. In der Kaziml rszowskagasse traten ihnen die jüdischen Lastyr.äger und Fuhrleute entgegen; hier zogen die Studenten es vor, schnell das Weite zu suchen. Am Mittwoch dauerten diie Unruhen noch einen ganzen Tag; an. Die Polizei hatte viel zu tun, um die Exzedenten zu zerstreuen, diese sammelten sich aber immer wieder an und richteten durch Steinbomibardements großen Schaden an. Im Verlauf "def Kundgebungen wurden von der Polizei etwa 350 Personen verhaftet, die Mehrzahl aber nach Aufnahme der Personalien freigelassen. Der den jüdischen Ladenbesitzern und Schankwirten durch Einschlagen der Scheiben und Raub von Waren und Spirituosen verursachte Schaden' übersteigt eine Million Zloty. Am 8. März herrschte Ruhe. Eine Abordnung der jüdischen Studentenschaft beschwerte sich beim Rektor wegen der Mißhandlungen und Bedrohungen,. denen die jüdischen Studenten , im Univörsitätsgebäüde ausgesetzt sind. Der Rektor ersuchte <lie Abordnung, die jüdische Studentenschaft z u b e r u h l gen und sie zum Wiederbesuch.' der Vorlesungen zu bewegen; die Universitätsbehörden seien entschlossen, mit allen Mitteln für die Aufrechterbaltung der Ordnung zu sorgen. Mehrere Unke und gemüßigte polnische Studentenorganisationen veröffentliche n in . den Zeitungen P r o t c s t k u ndgebungen gegen die antisemitischen Studentenexzesse. Der Starosta von Lemberg'hat die Direktoren der höheren Schulen ersucht, auf die Studenten ein Auge zu haben und die Fortsetzung der Ausschreitungen zu verhindern." Die Polizei sei angewiesen, mit äußerster Schärfe gegen die '/Ruhestörer vorzugehen. In politischen Kreisen nimmt man an, daß die Terrorakte, die-die ganze, Bevölkerung in äußerste Erregung .ver- . setzt hatten, von ,1 an ger Hand orga n ts i er t sind. BLAiMSCHBINS ittO PFLANZEN - Margarine Unetreicht In Qualität und Preis t Erzeugt unter strengritueller; Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Oberrabbihers S. F ü r s t Darf in keinem jüdischen Haushall fehlen 1 ncD b& w Ueberau erb Ältlich! KAR!, BLAIMBCHEINS vereinigte Maigarine- und Buttertabiiken, Wien, XIV,. Diefenbachgasse 59 Der getaufte Jude Landgerichtsrat Gellln wegen antisemitischer Redeexzesse verurteilt. Ver dem Breslauer Landgericht fand am 9. März der Prozeß gegen den Landgeriohtsrat Gell in, einen getauften Juden, statt, der in einiem Breslauer Weinlokal schwerste antisemitische Schimpfworte in den Saal hineinrieif und den Landtagsabgeordneten Herrmann, einen Nicht- Juden, der an seinen Beschimpfungen Anstoß nahm, beleidigte und ihm zurief: „Sie sind auch so ein Jude!" Zunächst weigerte sich Gellln, seinen Namen anzugeben. Erst auf dringendes Zureden nannte er seinen Namen. Als Abgeordneter Herrmann ebenfalls seinien Namen genannt hatte, rief ihm Gellln zu: „Sie Jude, schämen Sie sich! Sie wundern sich, daß ich auf die Juden schimpfe, ich bin aus einer jüdischen Familie!" Herrmann sagte kurz: „An Ihnen hat ein preußischer Justizminister auch keine Freude." Darauf der Landgerichtsrat: „loh lege keinen Wert auf den Herrn Justizminister." Gellln schimpfte auch hoch maßlos auf die „jüdischen Zeitungen", die überhaupt verboten werden müßten, und schloß seine Schimpfkanonade mit dem Ausdruck: „D i e Juden sind alle Betrüger!" Die Anklage lautete auf öffentliche Beleidigung. Der Angeklagte erklärte, er habe sich an jenem Abend in einem Zustand der Erregung befunden, habe dazu viel Alkohol zu sich genommen. Seine damaligen Bemerkungen über die Juden entsprächen keinesfalls seiner Ueberaeugung, er bedauere sie; er habe sich auch bei Herrmann entschuldigen wollen. Demgegenüber sagten fast alle Zeugen aus, daß der Angeklagte nicht sinnlos betrunken gewesen sei, er könne als alter Weintrinker schon eine gehörige Portion vertragen. Der Oberstaatsanwalt Schäffer sprach sehr scharf von dem engstirnigen Fanatismus -des Angeklagten, der die Würde des Richters in den Schmutz der polltischen Verhetzung gezogen habe. Er beantragte 800 Mark Geldstrafe. Der als Nebenkläger auftretende demokratische Abgeordnete Herrmann bezeichnete als charakteristisch für den Angeklagten dessen eigene Worte, daß er die schlechten Selten des Juden am allerbesten kenne, da er selbst von jüdischen Elternstamme. Das Urteil lautete auif 500 Mark Geldstrafe oder 50 Tage Gefängnis. Die 53. Grabschändung. Aus Weimar wird telegraphiert: Auf dem Friedhof der israelitischen Kultusgemeinde in Gleicherwlesen (Landkreis Hildburghausen) sind am 11. Mär« nachts 12 Grabdemkmäkr umgestürzt worden. Gemeindevorstand und Kultusgemelnde haben für die Ergreifung der unbekannten Täter eine Belohnung von 200 Mark ausgesetzt. Der Landkreis Hildburghausen ist schon seit Jahren bekannt als ein Hauptsitz rechtsradikaler Elemente, die mit ihren Gesinnungsgenossen im benachbarten Koburg in enger Verbindung stehen. Der Senior der Radomichler Familie Hornstein in Wien verstorben. Am Freitag den 9. März starb in W1 e n frn Alter von 72 Jahnen Herr Gur Ar je Hör nstedn, bis zur Revolution einer der führenden Zuokerindustrlellen Rußlands und ein bekannter jüdischer Philanthrop. Er war ein Sohn von Naphtali Hornstein, dem Begründer des großen Handelshauses in Radomlchl, unweit Kiew, dessen Name unter der russischen Judenheit legendären Klang gewonnen hat. In der Zeit der Bürgerkriege Rußlands erlitt das Haus schwere Schicksalsschläge; fast alle Mitglieder der Familie mußten die alte Heimat verlassen. Sie nahmen teils in Wien, teils in Berlin Aufenthalt, Der Verstorbene war der Vater des Repräsentanten der Berliner jüdischen Gemeinde Marcus Hornstein und der ebenfalls in Berlin lebenden Herren Moses, Abraham und Mendel Hornstein. HERRENGARDEROBEN DAMEN-MÄNTEL U< KOSTÜME NACH MASS Feinste Auslührun t Konkurretulose Relsel Fronarbeit aus mitgebrachten Stoffen wird billiget berechnet Mi *m&h & Co., Hl., Marxergaste 10, Tel, 90^701