Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 26 (16.3.1928)
- Date
- 1928-03-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Hr. X_ Für Astern w Herrenstoffe für *nzUg* u. Überzieher, neueste Dess ns, in bester Qualität — bereits Hingelangt I Direkter englischer Import - im Spezialbaus luchhaus .zum Hirsüien\ II. Taöorstraße 17D Exzesse in Siebenbürgen Meinungsverschiedenheiten. Die jüdischen Komiteemitglieder verlangten, daß der Verein gegen die barbarischen Ausschreitungen protestieren solle, die christlichen Komiteemitglieder weigern sich, einer Protestresolution zuzustimmen. Die Entscheidung wurde einer allgemeinen Versammlung überlassen. Diese begann im Zeichen großer Erregung, als bekannt wurde, daß der Präsident des Vereins, ein bekannter fortschrittlicher Gelehrter, von dem Sekretär, einem Antisemiten, tätlich mißhandelt worden war. Als dann die Resolution gegen aie Pogrome eingebracht wurde, hielt der antisemitische, rumänische Professor R a 1 i T r e t eine provozierende, judenhetzerische Rede, die von einem Teil der Zuhörerschaft mit Beifall begrüßt wurde. Die jüdischen Studenten protestierten, woraufhin die christlichen Studenten sich auf ihre jüdischen Kollegen stürzten. Es entwickelte sich ©ine S c h 1 äger ei, beider die Einrichtungsgegenstände des Saales als Wurfgeschosse benützt wurden. Auf beiden Seiten zählte man viele Verletzte. Mit schwerer Mühe gelang es der Polizei, die Streitenden auseinanderzubringen und den Saal zu räumen. Der Bestand des Vereines ist nun in Frage gestellt. Wohltätigkeit wird bestraft Die Czernowit'zer „Ostjüdische Zeitung" berichtet: Bekanntlich gibt es in Bessarafoien gemäß den dort noch in Geltung stehenden russischen Gesetzen keine vom Ge- . setz anerkannten jüdischen Gemeinden. Nunmehr hat die Gemeinde in Ghisinau (Kischinew) dem Kultusministerium einen nach' langen Beratungen zusammengestellten Sta-; tuitenentwurf vorgelegt. Das Kultusministerium hat aber die gesetzliche Anerkennuaig verweigert, mit der Begründung, daß sich die Gemeinde außer mit religiösen Ange- . legenheiten auch noch mit solchen der sozialen Fürsorg e belasse. Man kann sich danach denken, in welchem Geiste das neue Kultusgesetz zusammengestellt sein wird. Trumpeldors Todestag, Der ächte Jahrestag des heldenhaften-Todes des Kapitäns Josef Trum p e 1 d o r, der bei der Verteidi- , gung der jüdischen Kolonie Tel-Ghai gegen arabische Plünderer sein Leben gelassen hat, wurde am 1. März in; ganz Palästina als Tag des Gedenkens begangen. Der Ver- . band „Brüh .Truinipeldor" organisierte aus ganz Palästina P i 1 g e r lab r t e n zum Grabe Trumpeldors in Tel - Ghai, wo Gedenkreden sehalten worden sind.; : Die Rticktrittsabsichten Dr. Eders. Das Mitglied der Zionistischen Weltexekutive, Doktor E derj hat sich neuerdings zu den Gerüchten über sein bevorstehendes Ausscheiden aus der Exekutive geäußert.; ' Dr. Eder erklärte, er habe dem Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation Dr. Weiz-mann seine Demission als Mitglied der Exekutive angeboten. Er habe sich. zu diesem Schritte gedrängt gefühlt, weil er durch seinen anstrengenden Beruf (Dr. Eder ist gleichzeitig ein viel beschäftigter; Arzt) oft daran gehindert werde, die Agenden der - Exekutive lückenlos zu versehen. Dr. Weidmann habe ihn' .alper gebeten, bis zu seiner Rückkehr von seiher Amerikareise im Amte zu verbleiben. Dr. Eder hat dem Wunsche Dr. Weizmanns nachgegeben und versieht . aaioh weiter die" Geschäfte der Exe!kutive. Die internationale Anleihe für Palästina-Aufbauzwecke. Wie die J. f- A. berichtet, hat die Zionistische Exekutive sich an die englische Regierung gewendet; wegen Garantierung einer Anleihe, die für den., Aufbau Palästinas durch die Zionistische Organisation -verwendet werden soll. Die Zionistische Exekutive hat (Jem Golonial Office ein Memorandum überreicht, in dem'die Einzelheiten des Anleiheplanes dargelegt werden. In einem weiteren Memorandum an das Colonial Office weist die Exekutive auf die Besserung der Lage in Palästina, hin. Wie der Warschauer „Moment" aus sicherer Quelle erfahren haben Witt, sollen bisher bereits 6 Staaten ihre Bereitwilligkeit erklärt haben» den Plan einer internatio* nalen Anleihe für Palästina-Aufbauzwecke beim Völkerbunde zu. ..unterstützen, und zwar die Regierungen Englands,' Frankreichs, Italiens, Deutschlands, Hollands und Norwegens.'.' Die «Zion. Korrespondenz*' bemerkt dazu: Da für die Frage der jüdischen Völkerbundsanleihe großes all* gemeines Interesse 'besteht, geben wir diese Meldungen, für die e:ljfie Bestätigung bei uns nicht vor» He g t, wieder, machen aber darauf aufmerksam, daß sie nur mit entsprechender Reserve aufzunehmen sind. Pas Tuchhaus „zum Hirschen" gibt 'hiermit bekannt, daß diV englischen Neuheiten in feinsten Herrenstoffen für Anzüge, Ueberzieher* etc. bereits eingelangt sind und ladet die P.'Ti Interessenten zum unverbindlichen Besuch ein. DIE NEUE WELT Nach achtzig Jahren. —y. Das sind nun 80 Jahre her, seit Ludwig August Frank.1 sein so berühmtes Lied von der Universität gediohtet hat. „Was kommt heran mit kühnem Gange? — Die Waffe blinkt, die Fahne weht — Es naht mit hellem Trommelklange — Die Universität." Das war im Märzensturm des Achtundvierzigerjahres und es waren nicht nur die Wiener Studenten, die sich gegen den Despotismus, die Zensur, die Verknechtung der Völker erhoben. In ganz Mitteleuropa kämpften die Hochschüler für die Freiheit, in allen hatte der MerfSchheitsgedanke, den die französische Revolution entzündete, festen Fuß gefaßt. Die Idee von der Freiheit und Gleichheit hatten Napoleons Waffen durch Europa getragen und der Betrug, den nach seiner Niederwerfung die Autokraten und der Feudalismus an den Völkern verübten, rief zuerst die akademische Jugend zum Kampf. Das ist nun achtzig Jahre her. Aus diesen Studenten sind Führer, Gesetzgeber geworden, sie haben die nächsten Generationen ausgebildet. Diese achtzig Jahre haben keine politische und kulturelle Höherentwicklung gebracht. Nur einen technischen Fortschritt und er ist das vornehmste und willigste Werkzeug der Reaktion geworden. Wie sieht die Welt heute, nach diesen achtzig Jahren aus! Als Frankl sein Lied dichtete, standen viele Juden mit ihm in Reih* und Glied in der Legion. Das ist kein Wunder. Sie sahen den Weg ins helle Licht der Freiheit vor sich, es war nur zu kämpfen. Diese jungen Mediziner und Polytechniker mußten nur sich selbst, ihr junges Leben opfern und für ihr Volk, für ihre Gemeinschaft, die sie für ebenso geknechtet hielten wie die anderen Völker, schloß sich das Tor zur Zukunft auf. Man hatte nichts anderes zu tun, als zu sterben, für die nächsten wurde dann alles besser. Führte nicht die einen der Tiroler Pfarrer Fitster, die anderen der Mediziner Fischhof? War das. nicht die Gewähr dafür, daß nun die wirkliche Emanzipation kam, das Ende der Sklaverei, das die Pariser Revolution verkündet hatte, das jetzt nicht aus der Gnade der Regierenden {Hießen sollte, sondern aus dem souveränen Willen des Volkes, nicht erkauft und erbettelt, sondern erkämpft mit der Waffe, ertrotzt aus dem Todesmut glühender jugendlicher Herzen! Schritt nicht Mannheimer hinter den Särgen der Gefallenen? Und standen nicht auch in Prag, in Berlin jüdische "Studenten an der Seite ihrer Kommilitonen auf den Barrikaden? Gewiß gab es in Wien antisemitische Hetzaufrufe, in Prag Pöbelangriffe auf die Trödlerläden in der Judenstadt. Ataer das waren Todeszuckungen der Kamarilla, Spitzelprovokationen, die verschwinden und zerschellen mußten unter dem brennenden Hauch der Freiheit. Die Studenten, die geistige Blüte der Völker, ihr Stolz und ihre Zukunft, waren ja aufgestanden, die jüdischen und die christlichen hielten Wache am Tor der neuen besseren Zeit. .: Diese Studenten waren dann später das Bürgertum und dieses Bürgertum hat seine Sache im Stich gelassen. Und am tiefsten erniedrigt, bis in die Seele betrogen wurde das Judentum. Das Freiheitssehnen erstickte in sich selbst und das Judentum taumelte, verlassen, gedehmütigt, verzweifelt in die starre Lethargie des Ghetto zurück oder in die ÄSr similation, in das Streben, sich selbst zu vergessen, um spurlos aufzugehen. Die Mächte der Reaktion nahmen ihre Rache und am stärksten an den Juden. Sie trafen sie dort, wo sie am verwundbarsten waren, an dem Vertrauen in die Macht der Wissenschaft und Bildung. Die Hochschulen wurden .zu Nestern des Hasses und von hier ging die Vergiftung in das so aufnahraswillige Volk. Die Söhne der Achtundvierziger-Kämpfer waren die deutschnationalen Hetzer und Pogromrufer, die Enkel zündeten den Weltkrieg an. Das Judentum war ein ohnmächtig zückender Körper, ohne Willen, ja ohne Erkenntnis seiner Lage. Bis langsam, nach fast vierzig Jahren die jüdische Jugend zu politischem Bewußtsein kam und zum Verständnis der historischen Förderung, daß das jüdische Volk sich nur selbst befreien miiß und daß es als Volk sein Recht zu fordern hat, Achtzig Jahre sind vergangen, und heute taumehe, verlassen, gedemütigt, verzweifelt in die stehen die Studenten und Professoren in der ersten Linie der Reaktion, im Vordertreffen des antisemitischen Kampfes. Studenten stürzen auf deutschen Friedhöfen die jüdischen Grabsteine um, Studenten brandschatzten in Großwardein und Klausenburg jüdische Gotteshäuser, Studenten schlugen jft Lemberg die jüdischen Fensterscheiben ein, Studenten •treiben in Budapest, in Kowno, in Wien die jüdischen Hörer auf die Gasse. Hinter den Studenten stehen segnend die Professoren und im Hintergrund die Regierungen und die finsteren Mächte, die sich, freuen, wenn der revolutionäre Trieb der Jugend sich auf die Juden ablenken läßt. Und sie alle, die Minister, die Professoren, die Studenten sind Nachfahren der Achtundvierziger. Sie vergiften die kommende Zeit, historische Erben und Vollstrecker eines Betruges. Aber das Judentum i§t ein anderes geworden, es kennt seine Lage und seine Feinde und es weiß, daß es seine Freiheit nur sich selbst erwerben kann, Wie Seite 5 WARNUNG schließt doch Frankls Lied? „Doch wird dereinst die Nachweit blättern, — im Buche der Geschichte steht — die lichte Tat mit gold'nen Lettern: — Die Universität." Wir sind dessen Zeugen. Präsident Masaryk. Der bekannte tschechische Schriftsteller Kar! C a p e k veröffentlicht in der Presse Jugenderdnnerungen des Präsidenten der tschechoslowakischen Republik Thomas G. Masaryk, der ra diesen Tagen'78 Jahre-alt geworden ist. Der greise Staatsinann berichtet: In meiner Rinderzeit pflegte ich dde Juden zu fürchten, da man mir einredete, daß sie Christenblut brauchen. Ich pflegte einen großen Umweg zu machen, um nicht an einem Judenhaus vorbeigehen zu müssen. Die Judenkinder bevorzugten nrich beim Spiel, weil ich etwas deutsch sprechen konnte, ich alber wich ihnen aus. Erst. als ich in die Realschule nach A u s p i t a kam, gewöhnte ich mieb an Umgang mit jüdischen Mitschülern. Einmal machten wir einen Schulausflug in die Polauer Berge. War tollten herum und machten die größten Dummheiten. Auf einmal bemerkte ich, daß ein jüdischer Mitschüler fehlt. Ich suchte nach ihm und entdeckte ihn hinter dem offenen Torflügel des Gasthauses. Was tat er? Er stand, das Gesicht der Mauer zugewendet, betete und machte Verbeugungen. Plötzlich stieg Scham in mir auf, daß wir so unbändig 'herumtollen, während der Jude in Andacht verharrt. Mein ganzes Leben lang, fährt Präsident Masaryk fort, war ich bemüht, Juden gegenüber nicht unge« recht zu sein. Und nur darum wurde stets von;mir behauptet, daß ich zu ihnen halte. Wann ich diesen Volksa,hfcisemitism'U3 uberwunden habe? Gefühlsmäßig nie. Aber die Vernunft half mir, die Bin tiegenden! zu; überwinden, mit denen meine Mutter meine Phantasie genährt hat. Eine Synagoge im Fernen Osten durch Explosion zerstört Die Synagoge von Tsitsikar, einer Stadt an der os^tchinesischen Eisenbahn, 300 Kilometer von Gharbin entfernt, ist durch eine unaufgeklärt geblSeibene E x p 1 osion vollkommen zerstört worden, wobei der Hauswar^ ein Nicht jude, den Tod fand. Man nimmt an, daß russische Monarchisten, die im Fernen Osten eine gefährliche antisemitische Propaganda betreiben, Urheber der Tat sind. können Sie vollständig wieder zttrueker'angen, von allen ihren Schmerzen werden Sie gründlich befreit, wenn Sic DIANA Franzbranntwein mit Menthol äußerlich zu Einrelböngen, rnnef- Hch auf Zucker tropfenweise genottt« men, verwenden. Das beste rUworaittei überall erhältlich Lassen Sie sich nicht andere Erzeugnisse aufdrängen! Verlangen Sie überall nur* Strum Mazzoth u.-Grieß die als vorzüglich, schmackhaft, hygienisch einwandfrei erzeugt, bestbekannt sind und wegen ihrer Güte und Billigkeit allgemein bevorzugt werden! 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