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Die neue Welt · 1928-03-16 · Heft 26 (16.3.1928) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 26 (16.3.1928)
Date
1928-03-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nf. 26 .ftnng nach die christliche Jugend dort nicht unterkommen könne. Die Jugend hätte sich, seit die Frage des Numerus clausus wieder auf die Tagesordnung gestellt worden ist, die größte Zurückhaltung auferlegt Es wären wohl Ausschreitungen vorgekommen, die nicht genug scharf getadelt und verurteilt werden können, sogar verachtenswerte Ausschreitungen, zu denen es aber sicherlich nicht gekommen wäre, wenn man die Jugend nicht von außen her gehetzt hätte. Er könne es nicht begreifen, warum die Juden sich beleidigt fühlen, wenn man behauptet, sie wären eine Rasse. Wenn die Juden sich auf das Gesetz berufen und sagen, sie seien eine Konfession, so müsse er dem entgegenhalten, daß die Gesetze, nicht Realitäten ausdrücken, sondern den Willen der gesetzgebenden Körperschaft. Ihre Exklusivität, und ihre Inzucht sind ein Beweis, für ihre Rasse. Der Unterschied zwischen Juden und anderen Völkern in seelischen Eigenschaften, In Denkweise und in der Auffassung bleibt bestehen, trotz ihrer Fähigkeit, Sich zu assimilieren. (Lebhafter Beifall rechts.) Der '.-Präsident der ungarischen Akademie der Wissenschaften Albert v. Berzeyiczy erklärte, daß. nicht nur das alte Gesetz, sondern die in. Verhandlung stehende Gesetzesvorlage verfehlt und schlecht sei. Er "habe gehört, daß auch solche jüdische Hörer von der Universität verjagt wurden, die im Krieg bis zum Ende mitgekämpft haben.. Diese durften, siqh doch assimiliert haben. Die Anhänger des. Numerus clausus haben auch darauf hingewiesen, daß die Laboratorien an den Hochschulen' nicht' genüg Fassungsraum haben und daß man deshalb die Zahl der Hörer einschränken müsse. Dies mag ein richtiger Gesichtspunkt sein. .Professor K o r a n y i hat'mir aber gesagt, daß von den inskribierten Medizinhörern 40 Prozent ständig den Vorlesungen fernbleiben. Man darf nicht diesen Hörern zuliebe die jüdischen Studenten von den Universitäten ausschließen, die dann, gezwungen sind, im Ausland zu lernen. Im ttbrjgen wird man gezwungen sein, d i e Diplome der jm Ausland studierenden jüdischen H.ö're r zu ,n o s t ri.f i z i e r e n. Die Nostrifizierung kann, man ohne ernsten Grund nicht verweigern, denn dies' würde zu sehr e m s t e n R e p r e s s a- 1ie ii führen. Der Redner befaßt sich sodann mit den Univers i t ä t s s k a h d a 1 e n und sagt, daß gerade die Führer 'die randalierenden Elemente der Studentenschaft hätten zurückhalten müssen. Es wäre auch die Pfl'cht derjenigen,' die die Jugend zu Ruhestörungen. •anstifteten; und def-jenigen.J%die-an den Ruhestörungen ieilnahmen, gewesen* sich "den Behörden zu Spelle n. (Lebhafte Zustimmung.) Nach den neuen Bestimmungen des Gesetzes würde man nur diejenigen art den Hochschulen aufnehmen, die Protektion-haben. - :Der Rektor der Polytechnik Koloman Szily sagte, er gebe zu, daß die Zivilisation d e n Juden sehr viel zu danken habe, e'benso auch Ung a r n, sowohl auf geistigem wie auch auf wirtschaftlichem Gebiete. Er wisse auch; daß die Juden an den Blut opfern der Nation entsprechenden Anteil genommen haben. Er wisse weiter, daß zur Regeneration der Nation die Arbeit der ". ungarischen Juden, notwendig sei. T r o t z d e.m müsse e r a n d e m : Numerus clausus festhalten. Es sei unleugbar, daß die Revolution zum Teil durch den Galilei-Klub hervorgerufen wurde, dessen 1100 Mitglieder ausnahmslos Juden waren. Zu jener Zeit gab es im ganzen 3000 jüdische Hörer an der Budapester Universität, Daher war jeder dritte jüdische Hörer. Mitglied' des revolutionären Galilei-Klubs. Das Gesetz über den Numerus clausus hat einen gewissen Ruhezustand geschaffen. Bethlen wünscht keine jüdischen Schufen. , , D,er Ministerpräsident. Graf Bethlen wird einst in der. Geschichte den. wohlverdienten Beinamen des unerschrockenen Zynikers erhalten. Geradezu aufreizend zynisch benimntt: sich .Bethlen wohl den ungarischen Juden gegenüber. War er da vor . einigen Tagen bekanntlich in Debreczin, der Hochburg des ungarischen Protestantismus und dem Sitz des Bischofs Dr. B a 11 h a z a r, der .sich durch seinen mutigen Liberalismus die Verehrung der Jijden und demokratisch gesinnten Christen' verdient hat. Bethlen Welt hier eine seiner vielen großen Reden, die .so unklar und .mehrdeutig war, daß in der Tat noch heute'die versebiedenpn Parteien gezwungen sind, ..durch .'Kommentare' nach^'wefsen, daß Bethlen Je nafch Bedarf liberal und versöhnlich oder, wie es die anderen wollen, iritransigent reaktionär gewesen sei. ' lieber Intervention des Bischofs- B a 11 h a z a r würde eine 1 Deputation der' Jüdischen' Kultusgemeihde unter Führung des Präsidenten Dr. Franz Feier und des Rabbiners Dr. Bela - Be r n s t ei n empfangen, die die Beschwerde' vorbrachte, daß das Debrecziner jüdische Realgymnasium in dessen sieben Klassen 370 Schüler Unterricht genießen, weder die staatliche Pausubventlon, noch die vom Stadtrat 'zweimal votierte Subvention von 10.000 Goldkronen erhalten konnte. Die Rassenschützler haben gegen den Subventionsbeschkiß' des Stadtrates an den Minister des Innern berufen, bei dem der Akt b errüs seit J?a*refl un er Udljet, liegt. Unwirsch antwortete Graf Bethlen, daß er persönlich es nicht billige, daß die ungarischen Juden eigene jüdische konfessionelle Mittelschulen errichten. Dadurch erschweren sie die Solidarität zwischen den jüdischen und den christlichen Jungen, während sie in einer gemein« samen Lehranstalt einander näher kommen würden,- Als Rabbiner Dr. Bernstein — offenbar empört über solchen Zynismus — den Ministerpräsidenten mit der Bemerkung unterbrach, daß die Juden infolge der rassenschützler i s c h e n Politik zu diesem Schritt gezwungen wurden, meinte der Ministerpräsident verlegen, daß er bloß seine P r i v a t m e i n u n g geäußert habe. Im übrigen werde er mit dem Kultusminister wegen der Beschwerde der Debreczlhcr jüdischen Gemeinde Rücksprache pflegen. Der „Blutbund der schwarzen Hand". Wir berichteten bereits .von dem in Ungarn bevorstehenden Prozeß, den der Verfasser des auf Grund aller bereits unzählige Male als Fälschung erwiesenen Talmudübersetzungen herausgegebenen Schahd- Werkes „Der Talmud-Alfons". Luzsenszky gegen den Juden Ladislaus F r i e d in Fünfklr.chen angestrengt hat, well dieser das Machwerk Luzsenskys öffentlich gebrandmarkt hat. Das Bezirksgericht hatte .wohl seinerzeit Fried wegen Beschimpfung verurteilt, dabei aber in der Begründung, selbst die Fälschungen' Luzsenskys als sehr wahrscheinlich angenommen. Das Berufungsgericht hat nunmehr den Beweisanträgeri stattgegeben und so steht wiede'r einmal ein sensationeller „Talmudprozeß" bevor. Luzsensky scheint sich doch im gegenwärtigen Stadium des Prozesses nicht sehr wohl zu fühlen, denn er und sein Kreis lassen es an Drohungen und Einschüchterungen der Juden und etwaigen Zeugen und Sachverständigen nicht fehlen. Fried' selbst erhielt dieser Tage, von dem .„Blutbund der schwarzen Hand" ein mit - zwei schwärzen Händen als Wappen ' geziertes Schreiben mit folgendem Inhalt: •; •' „Du niedriger Hendelfan£er. . und Gauner! Du streust bewußt Spreu m: die Seele des Volkes. Bei der Verhandlung bemühtest"du dich, "für: dich .und d e i u c Gau n.erras~se,•Stimmung zu machen, damit du dem Verderben entrinnst . . . Deine verleumderischen Fragen blieben wohl vor dem Gericht erfol.elos, sind jedoch geeignet, das ungarische Volk Hinsichtlich deiner Rasse und deines Talmuds irrezuführen. Dafür wirst du büßen, du Gauner. Der Zusammenstoß Szekzard. war nur die Einleitung. Wir .sind k e. i n.e M e u che) tri ö rder deshalb fordern wir dich auf, bevor du deine nächste Autotour machst. ■ d ef n T.e s-f ä m o n tan? ii f e r t i e,e a! Du jüdischer. Gauner zittere vor :uns> du Seelenschinder! Gezeichnet der F. lutkqmmandant." Fried übergab, den- Brief .der,. Fünfkirchner Polizei Und dieser T$ge.•erliielt^-L^di^usx^ri.ed:' den- Bescheid, daß die unbekannten ' rB.rieigchre'©ern^flicht; eruiert werden konnten, Y: Weshalbvi;d-;a,%.: Vep f ah r e n.. e(in g as t e 11t;W/Urde; j; ' .• o y ' v --". jw -W-S"'" -.' •. :v-,v .• Im Rörijer{rafrifrig wirst Du!*Star, '" " '" Stärkst Du .'mit ..HerM'rßeln&^ehnen.-. „Hemm" Ist Saft von HERba).MAf$. alkoholfreies, inregendes n ErfrJschunfrsgetrfink.. . *. . Etigros. Qhrl Hüber, Wien, XVlil.__ Der Arierparagraph im österreichischen Skiverein. Der oWrreicitfschS''SläveröMi ''hat am Mittwoch abends eine außerordehthöhe' Genefälversarnrnturig abgehalten, um lieber drö Einführung des Arierparagraphen zai 'beraten. Der Präsident des Vereines, p)r. Gustav K1 e i n - D o p p'I e-r, mit dem wir uns bereits früher beschäftigten, .h-ät-%fcti-aüs hakenikreuzlerisehen Studenten der Universität ■ eine eigene akademische Sektion gebildet, die er zair Majörisierung und Durchsetzung seiher antteemitlsohen •'Pläne benützt.- Die Generälversamimlung fand im Vortragssaal der politischen G &se 11 s c haf t in der Annägasse sta-tt. Bs ist' merkwürdig; daß d-er Präsident der polMsehen Gesellschaftler ehema-Mge' Ministerpräsident Dr. Max Wladimir-Beck, den Saal für einen antisemitischen Zweck-bewilligt hat. Für die jüdischen Mitglieder des Slcivereines ergibt sich nunmehr, da volle Klarheit geschaffen wurde,-die zwingende Notwendigkeit, der arischen' Gesellschaft den Rücken zu wenden, und einen jüdischen. Verein zu bilden öder sich der Mühenden WiftterspörtSektiön der Hakoah anzuschließen. " Es wäre:zumindest unverständlich, wenn s'e auch noch den formellen I-Iinauswiirf abwarten würden. Das zionistische AHJonskoTn»te.e, Wie; die. Bpr.'her .„Jüdische Rundschau" berichtet, soll die nächste Sitzung: des. Aktionskomitees im Juli stattfinden, und zwar in. Berlin. , Die Brüsseler Tagung der Vöikerbundligen, Wie schon mehrfach angekündigt, hat am 15. März in Brüssel; die Konferenz des Generalrats und der Minor!-' tätenkommission der Union der Vöikerbundligen begonnen. Die Jüdische Liga für Oesterreich ist durch ihren Generalsekretär Dr. J. M ä r g.u 1 i es vertreten. Neuerliche ZionistenVerhaftungen in der Ukraine. Nach in Riga eingetroffenen Nachrichten sind In den letzten Tagen in der Ukraine wiederum gegen hundert j junge, Juden wegen zionistischer Betätigung' verhaftet wpr* j den, davon, fünfzig In Winniza, siebenundzwaiizig in Kiew und die übrigen in Nikolajew und Gharköw. Judentag In cjer Bukowina. Der Bukowinaer Judentag wurde für den 8. Hiid 0. April d. J. einberufen. ^türdie Osterspeisen kann jeder Strenggläubige ohne Bedenken Kunerol verwenden. Die Kunerol^Erzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Naturfettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. KUNEROL 100% REINES KOKOSNUSSFETT Schalom Schwarzbart darf nicht nach Palästina» Die J. T. k. meldet aus Jerusalem: Die PaJästinaregierung hat das Ansuchen Schalom Schwarzbar t s, ihm. ein Visum für dde Einreise in Palästina zu geben, nach vorausgegangener Verständigung mit dem Kolonialamt in London abschlägig b e s c h i e d e n. Dieser. Bescheid trifft Schwarzibart, der in Palästina seßhaft werden wollte, schwer, da er in Erwartung der Einreiseerlaubnis bereits nach Syrien gereist war, um von dort sich weiter nach- Palästina m .begeben. In Synien genießt Schwarzibart a ls f r a n-zö s i s c h e r Bürger volle Bewegunigsfredheit Das Einwandierungsdepartement erklärt, daß Schwarzbarts Gesuch nicht dem Reglement entsprochen haibe. Jeder Einwanderer müsse im Besitze einer, gewissen Geldsumme: sein . oder, von einem Arbeitgeber als Spezialist angefordert werden. Diese. Bedingungen , seien bei Schwarzibart nicht gegefben. . •—:. Es. bleribt .natürlich .ein Skandal,' daß .- Herrn OSchwarabart unter bureau-kratischen Vorwänden die Ansiedlung .im jüdischen National-heim unmöglich gemacht wird.- . Die Judenpogrome in Großwardein. Unter den^seiherzeii- Wegen "der antisemitischen StudentenausschreitungeTi >..;.c.in^.,v^pßwardein erbrachten liriegsgerichtlicben Urteilen, war wohl das sensaUgnellSte und unglaublichste , Urleil dasjenige, durch .welches., der Großwardeiner jüdische Privatangestellte Josef Blau zu vi,e r Jon a.t e.n G e,f ä.n,g n i s verurteilt wurde. . Das Urteil, stützte sich auf die Aussage des gewesenen Poliz'elpräfekten, der . angegeben .hatte, daß er Elau unter den Demonstranten gesehen habe, Blau, der im Militärdienst stand und erst vor kurzem abgerüstet hat. gehörte zur Fußballmannschaft seines Regiments. Josef Blau traf am Tage des. Studentenkqugresses mit einem Dienst- und FußbaHkameraden zusammen, ,der in seiner Eigenschaft als Student zum/Kon^re'ß. '.inäch' Grqßwärdein gekommen war. Blau bat seinen Kameraden, einen alten, schwachen Juden, der von den demonstrierenden Studenten mißhandelt wurde, in Schu tz zu nehmen. Diese Szene nun hätte der gewesene Pollzeipräfekt gesehen, Blau wurde v e r h a f t et und. vor das'- K'fausenburger Kriegsgericht-;gestelit. Zuversichtlich und im Bewußtsein seiner Unschuld, erschien Blau vor seinen Richtern, ohne sich einen Advokaiten zu nehmen, denn er hielt es für unmöglich, daß die Richter glauben könnten, . daß er gegen seine eigenen Glaubens- und Stammesbrüder gehetzt hätte. Das ..Kriegsgericht verurteilte jedoch Blau auf Grund des Berichtes des Präfekten zu v i er ,M o n a t e n Gefängnis. Seit jener .Zeit büßt Blau auch tatsächlich seine St ate ab. Dieses Urteil erweckte in allen Kreisen der Stadt großes Entsetzen. Die Eltern Blaus brachten die Nichtigkeitsbeschwerde ein und das Oberste .Militärgericht hob jetzt das unglaubliche Urteil auf und wie? die Angelegenheit zur neuerlichen Verhandlung ap das^Militärgericht des siebenten Korps. Zusammenstöße zwischen rumänischen und Jüdischen Studenten in Paris. Aus Paris' wird gemeldet: Im Quartier £atJn kam es In. den letzten Tagen zu scharfen Zusammenstößen zwischen ru mänisehe n, jüdischen und ch ris.t- H c he n S t u d e n t e n. Die Ursache war folgende; In Paris haiben bis vor kurzem zwei rumänische - Studfentenyereine, ein jüdischer und ein christlicher, existiert. Vom rumänischen Unterrichtsministerium und von französiseshen Universitätskredsen wurde der-Wunsch geäußert, daß sict beide Vereine zu e I n e m ein z i g e n zMsammenschließeti. Dfö rumänische Regierung drohte sogar mit Entziehung der Geldunterstützu'ngen für den Fall, daß die Einigung nicht zustande käme.. Es wurde ein „Ver e?i n der rumänischen St-udenten In Par«ls" gebildet, der etwa 300, Mitglieder zählte und dessen Komitee .aus Juden und Christen zusammerigesetet war. ^wischen den einzelnen Komiteemitglledern entstanden 1»; Hüjbüds auf du

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