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Die neue Welt · 1928-03-16 · Heft 26 (16.3.1928) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 26 (16.3.1928)
Date
1928-03-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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DIE NEUE WELT Nr. 26 IlllllfiflUllllli In keinem jüdischen Hause dürfen an Pesiachtagen HDD die weltberühmten nbo Palästina $ Mazzoth fehlen I hergestellt unter streng ritueller AuMchtSr.BhrwIlrden Her, nOberrabblnet Josef Chatm Sonne* leid, Jaffa, und da« „ChiaMUbbi" von eres urael, Sr. Etirw. HiHn A. J. Kook, Jerusalem Gepackt in hygienischen Kartons zu «/, kg Generalreoräsentans für ganz Oesterreichs Nathan Brodetiki, Wien. II., Leopoldsgasse 43, Telephon Nr. 461-90 Fllla'eni Heinrich Bendlaner, l. fudengasse 11, Jakob Welfi, II. Uni. Augartenstr. 2« Kaiman Radsport, I I., fladetzkystr. 7, Sabine Bind«r, IX., Hahng. 33, loset Rosencs, IX., Georg.Sieg.-Gasse 3, Blumenstock, XX., TreustraBe 12 und LouUe m' % XVI., Öltakrlngerstraße 35 Original Palästina-Weine aus „Rischon le Zton" Zlonislenl Erfüllet Eure Pflicht und kaufet zu Pessach nur Mazzoth aus Erez Israeli Hill Seite 2 Juwelier Heinrich Thiebert _Währlngerstrasse Nr 0 Ein« und verkauf von Juwelen / Speslailst In Alt«Wiener und Neu»Wiener Silber w en Z*onis<en «malten « ba t ganzen Artikel und mit der dann später erschienenen Berichtigung; zu verstehen Ist, Dr. Höflmayr: Ich habe den Artikel selbst gelesen. Welche Tatsachen stellen Sie unter Beweis? Dr. Plaschkes: Ich werde beweisen, daß Herr C zern in als Österreichischer Gesandter in Bukarest während des Krieges bei Lebensmittelgeschäften und Waffentransporten sowohJ nach Oesterreich und über Oesterreich hinaus Provisionen genommen hat. Wie die Worte des Artikels aufzufassen sind, hat der Verfasser in der an die Berichtigung angeschlossenen Bemerkung, erklfirt. Ich muß Jedoch auf den ganzen Artikel eingehen. Eine solche Sache kann man nicht aus dem Zusammenhang reißen. Ich habe Ottokar Czernin als antisemitischen Hetzer zu charakterisieren .. . Dr. Höflmayr: Das ist nicht Inkriminiert. Dr. Plaschkes: Daß das andere nicht inkriminiert ist, reicht gerade dazu, den Wahrheitsbeweis für das Inkriminierte als erbracht anzusehen. Dr. Höflmayr: Sie können niemand zwingen, eine Ehrenbeleidigungsklage zu erheben. Dr. Plaschkes: Dann muß es sich Herr Czernin gefallen lassen, daß der Unterschied zwischen ihm und den Sonnenfischen ... Dr. Höflmayr: Er hat es sich aber gefallen lassen. Sie behaupten,-daß der Privatkläger wahrend seiner Wirksamkeit in Bukarest ... Rechtsanwalt Dr. Katz: Das ist zwischen 1914 und 1918. Dr. Höflmayr : . . ... von Lebensmittel- oder anderen Transporten Provisionen oder ^Geschenke sich hat geben lassen. Dr. Plaschkes: Das ist aus den Akten ersichtlich. Jch beantrage also die Herbeischaffung der Strafanzeige Czeruins gegen Nathan Eidinger und Eidingers gegen Czernin. Die Anzeigen erliegen bei der Wiener Wdrtschaftspolizei und sind vom 26. Februar 1926, respektive 5. Dezember 1926 datiert. Dann beantrage ich. die Beschaffung des Aktes der Verlassenschaft Meier Krämer in Czernowitz gegen Nathan Eidinger in Wien bezüglich der Superprovisionen aus rumänischen Lieferungsgeschäften. Dort ist der Name Czernins als Beteiligter zu lesen: Der Herr Krämer verlangt. Provisionen qnd Gelder ' für Reisen nach Bukarest zu Herrn Czernin,. der an den Geschäften Eidingers werktätigen Anteil genommen hat. Ueber diese Angelegenheit wären auch Rechtsanwalt Dr. Markus Krämer in Czernowitz und Rechtsanwalt Dr. Israel Wa l d ma nn in Wien zu vernehmen, die, falls der Akt nicht vorfindlich sein sollte, zur-Rekonstruktion des Inhalts zu hören wären. Aus diesem Akt ergibt sich ein ganz reizendes Waffengeschäft mit Spanien. Ich komme nun zur Angelegenheit der Sonnenfische. Aus dem bei der WirtschaftspoHzei erliegenden Akt ergibt sich, daß sich einzelne dieser Herren einer zwölfjährigen geschäftlichen Bekanntschaft mit dem Herrn Czernin berfthmen. Ich beantrage die Ladung der folgenden Personen: Nathan E1 d I n g e r in Wien und Sami Bronner in Wien, ferner folgender drei Herren, die als Beauftragte des Herrn Eid Inger die Geschäfte abgeschlossen haben: Karl Haber in Wien, Dr. Mordko Rothfeld In Berlin-Charlottenburg und Dr. Karl Reis, der sich derzeit In Holland aufhält. Sie haben Auskunft darüber zu geben, daß In den Jahren 1912 bis 1926, also auch insbesondere von 1914 bis 1918 Herr Czernin mit Herrn Eidinger in Geschäftsverbindung gestanden Ist. Es bandelte sich um Getreide, Waffen, Häuser, Holz, wobei Czernin sich die Beteiligung ausßedungen hat und sozusagen Geschäftsführer des Herrn Eidinger gewesen Ist. Dr. Katz: Sie haben zu beweisen, daß er an Getreidetransportkosten mit Provisionen beteiligt war . , , Dr. Plaschkes: . , . und daß er 3000 Pfund bekommen hat. Dr. Katz: Wann war das? Dr. Plaschkes: Im Jahre 1918. Dr. Katz: Ich konstatiere, daß Czernin im Jahre 1918 nicht mehr Gesandter in Bukarest war. Die Kriegserklärung Rumäniens erfolgte 1917. Dr. PI a s c h k e s ' loh Habe ausdrücklich davon gesprochen, daß die fraglichen Geschäfte in die Zeit von 1914 bis 1926 fallen. Ich beantrage weiter die Vernehmung der Zeugen Isak Axel in Wien, Oskar von Körner in Mauer bei Wien, Siegmund Amarant in WSen* Osias Kiioll in Wien und Moses Krämer in Czernowitz. Sie sind zu vernehmen über Geschäfte in Getreide, Holz, Häusern und Waffen während der Jahre 1914 bis Oktober 1926, also uucb während der Jahre 1914 Ws 1917. Die Rechtsanwälte Dr. Emil Lewitus und Doktor Markus Prem Inger In Wien sind w vernehmen aber eine in ihrer Gegenwart am 30. November 1926 stattgefundenen Aussprache zwischen Czernin und Eidinger über die absolvierten Kri.egsgeschäfte, über diese Besprechung sind auch Eidinger und der Privatkläger zu vernehmen. Dr. Höflmayr: Ist Herr Czernin in Wien? Dr. K a t z : Heute nicht, . Dr. Plaschkes: Sie sind darüber zu hören, daß Herr Eidinger dem Herrn Czernin für die Unterstützung bei dem rumänischen Geschäfte während des Krieges300Ö englisöhö Pfund gegeben hat. .; Herr Eidinger ist aufzufordern, jenes Schriftstück mitzubringen, in welchem er an Czernin schreibt: „Damals habe ich Ihnen 3000 Pfund gegeben. Da waren wir ebenbürtig. Heute sind Sie der Graf und icb der .. Jude!" .. , Dann ist noch ein Brief da, in welchem etwa das Folgende steht: . , . „Sie sagen, Sje können auf den Knopf drücken. Ihre Beziehungen zu Seipel, Schober usw. reichen aus, um mich um 6■••Uhr früh verhaften zu lassen. Tun Sie das, Herr GrafI Bei dieSör Gelegenheit1 werden wir - sehen, wem dasv,kiaHpfj^dikett unangenehm wird. 'Iclr' -habe auch raeine Er-InberWngen," (Bewegung im Auditorium). -I '• ' 'V:v v'"' Diie Abschriften; liege'ri' 'bei der Wirtschäftspolizei. Ich' Wtte nun, zü Veranlassen, daß "der hier anwesende Herr Theo'b'al.d CzeVni rt/den Saal verlasse, da ich ihn als Zeugen fuhren'will. " Dr. HöNmayr.: Ich bitte Herrn Czernin sich zu entfernen. ' .• Dr. Plaschkes: In seiner Gegenwart hat ein G e s p räch stattgefunden zwischen Ottokar Czernin und' Eidinger, eine Verrechnung der von 1914 bis 1926 getätigten Geschäfte. Das ist wohl der eindeutigste Beweis. Auf Grund dieser Verrechnung hatte Herr Ottokar Czernin vier Millionen Schillinge zu fordern. Dr. Höflmayr: 'Vier Millionen Schilling? Dr. PI a s c h'k e s : < Das ist keine Uebertrcibung. Von dieser Summe hatte -er dein Eidinger 500.000 S nachgelassen. Für 2 Millionen Schilling wurde die Möbelfabrik D e a in Wien von Eidinger an Czernin übergeben. Wir könnten uns — fährt Dr. Plaschkes fort — mit dem zufrieden geben, was Herr.Czernin nicht geklagt hat, was er auf .sich sitzen lassen mußte. Herr Czernin hätte... Dr. Katz: Sie sind ja nicht Czernin. . Dr. Plaschkes: Ich freue mich, daß ich es nicht bin, wenigstens nicht in diesem, Prozeß. Wenn ich aber seine Klage mit dem vergleiche, was der Artikel der „Neuen Welt" enthalten hat, so erinnere ich mich an eine Szejie des Volkssängers S t e 1 d 1. Der kam mit einem kleinen Stückchen Fleisch auf die Bühne und sagte be~ trübt: „Wegen so an klau' Rostb'ratI hat der große Ochs sterben müssen!" (Heiterkeit.) Wir wollen nicht etwa die Sonnenfische gegen ihn in Schutz nehmen. Wir wollen feststellen, daß dieser österreichische Politiker, der mit jüdischen Stimmen und für jüdisches Geld Im Kaiviertel gewählt worden ist, ein antisemitischer Hetzer Ist. Wir wofien den jüdischen Wählern zeigen, wer dieser hochmütige Graf ist, den Wh nach Hitler und. Ford den W e g a 11 e s F1 e d s c h e s schicken. Das wird uns gelingen auch m d t der k 1 e i n e u Stelle, die er au;- dem ganzen großen Artikel mit der. zahlreichen schweren Anschuldigungen inkriminiert. Die weiteren Dinge -werde ich in einer schriftlichen Eingabe dem Gericht mitteilen, Rechtsanwalt Dr. Katz erklärt,, Herr-Czernin habe nur die eine Stelle inkriminiert, weil sie ihm Mißbrauch des Amtes vorwerfe. Ueber, die übrigen Anschuldigungen .könne er 'hinweggehen, weil :sic kleinlich und unwahr seien! Was "Herrn . *E i d I ng e r. anbelangt, so. ist er rnmiW irischer .Staatsbürger :und> hat sich'in Bukarest ou{gehalten., wo er während, des Krieges der Gesandtschaft , k o nf i d e n Helle Dienste geleistet hat. Geschäftlich Verbindungen zwischen Czernin . und Eidinger hat es, damals nicht gegeben. Als nach.Kriegsausbruch Czernin niii seinem Personal abreiste, hat er für Eidinger interveniert, den die rumänische Regierung als ihren Staatsbürger zurückbehalten und dem verdienten Schicksal zuführen wollte. Die Intervention hatte Erfolg und Czernin hat Eidinge? das Leben gerettet. Eidinger hat sich während des Krieges ein ungeheures Vermögen erworben. Leider hat er den in Geschäftssachen unerfahrenen Grafen Czernin dazu verleitet, ihm GeW zu borgen, indem er. ihm in Aussicht stellte, er werdees ihm angemessen verzinsen. Dieses Geld hat Czernin eingebüßt. Es war dies ein großes Vermögen und Czernin steht jetzt fast vor dem finanziellen R u d u. Dr. Plaschkes: Er bezieht 10.000 Dollars aus dem Berliner Häusergeschäft und ist pensionierter Minister. Dr. Katz: Das ist die geschäftliche Verbindung zwischen den beiden. Czernin hat nie von Eidinger irgendwelche Provisionen . bezogen und er sieht der Beweisführung mit Ruh e entgegen. ■ Dr. Plaschkes i Alle die schwerwiegenden Anwürfe, die In der „Neuen Welt" erhoben wurden, bat Czernin nicht zum Gegenstand der Klage gemacht, sondern eine Kleinigkeit. Wenn die Zeugen die Wahrheit sprechen, wenn sie nicht das Gedächtnis verlieren oder sJch hinter den § 153 zurückziehen,... Dr. Katz: Sie werden reden, weil sie als Zeugen reden müssen! Dr. Plaschkes:.. . dann wird diese feine Konstruktion, die einen Punkt herausgreift und die anderen ignoriert» zusammenbrechen. Es ist lächerlich, an das MtfÜekl mit dem verarmten Czernin zu appellieren, der 10.000 Dollars Monatseinkommen aus den Berliner Geschäften zieht Das kann ebenfalte nachgewiesen werden. Der Richter vertagt sodann die Verhandlung und wird zunächst die im Ausland lebenden Zeugen vernehmen lassen. Sodann wird er den Termin der nächsten Verhandlung ansetzen. Dem Verteidiger Dr. Plaschkes wurde eine Frist von 14 Tagen sui schriftlichen Erstattung seiner Anträge erteilt. Die Wirkung der von Dr. Plaschk«« gestellten Beweisanträge war in dein zahlreichen

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