Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 25 (9.3.1928)
- Date
- 1928-03-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sefte TO DU NEUE WELT Nr. 25 SIEGM. KORNMEHL GROSSPLEISCHHAUfiREI Zentrale IX., Berggawse 19, Telephon 17-3-99 n. 16-9 34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für «^«Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinots der lsr. Kultusgemeinde Wien IX. Berga. IS / XVIII., Währingerstr. 97 sorgt, weil in Deutschland führende Männer die konfessionelle Schule abgelehnt haben, weil dadurch das Bildungsniveau der Oesamtbcölkerung sinken würde und die notwendige Konsequenz eine Intensivierung des Judenhasses wäre. Sein warmfühlendes Herz für das geistige Niveau der Gesamtbevölkerung Oesterreichs macht Herrn Dr. Ticho alle Ehre, aber die christliche Bevölkerung hat uns bis jetzt noch nicht um unsere Meinung gefragt, wie sie ihre Kinder zu erziehen habe. Schon aus rein taktischen Gründen muß ich es entschiedenst ablehnen, mich in interne Angelegenheiten der christlichen Bevölkerung hineinzumengen. Ueber diese Frage mögen die Christen selber entscheiden und nichts hat die Nichtjuden gegen uns so sehr aufgebracht, wie die. Tatsache, daß Juden» gleichgültig ob „Religionsjuden" oder „konfessionelle Freidenker" ihnen Belehrungen erteilen wollten. Was aber die Angst vor der Intensivierung des Judenhasses betrifft, so möge Herr Dr. Ticho ganz beruhigt sein. Die Dekane, Rektoren und Professoren der akademischen Lehranstalten Mittel- und Osteuropas habe» sicherlich ein sehr hohea Bildungsniveau, aber ebenso stark ist auch ihr Judenhaß, während der ganz unwissende Volksmensch trotz „sin kenden Bildungsniveaus" gutmütig und am allerwenigsten judenfeindlich gesinnt ist. Aron Schwertfinger. Das italienische Pro-Palästina-Komitee.;■.«•..' Das . italienische ^Pro-PaJästina-iKomdtec (ftalia- PalesÜiia) hat die ihm von der provisorischen Leitung vorgelegten Statuten angenommen und sich wie folgt kon- "stituiert: . Präsident des Komitees ist Prinz PietroL a n z a di Sical ea, .der frühere Minister für.die Kolonien Italiens; Vizepräsident ist der frühere Finanzminister der Mussolini-Regierung Deputierter Alberto de Stefantf Dem Präsidium gehören noch die folgenden Persönlichkeiten ah: Deputierter Roberto C a n t a 1 u p o, früherer Unter- -stäatssekretär für. die Kolonien und hervorragender Kenner der Kolonial-, insbesondere der Mittehneer- Wöbleme; der frühere' KültusrnJhjster Senator Alfredo Bacce 11 i; Senator Antonio C i p pic o, Mitglied der italienischen Delegation beim Völkerbund; der frühere Fin'arizmkiister Senator Ugo A nco na; Deputierter Gino Oflivetto, Vorsitzender der italienischen Industriekammer; Deputierter General Nicola Vacchelli; Deputierter Gino Alfieri, Vorsitzender des Verbandes der italienischen Kooperativen; Deputierter GSacinto Motta, Direktor der Italienischen elektrotechnischen Gesellschaften; der berühmte* Historiker der Universität Rom Prof.f"Gioäcoh.ino V o 1 p a; der/.'G;e(»MiriWet)rofe«sör der Universität ' Rom Ing. Roberto1 A I m a gl a; der Vorsitzende , der jüdischen Gemeinde Rom Advokat Angelo Ser'entöefaetär '.'des Komitees" fet Professor Dante LVat t e s,^ Schatzmeister ist' der Oberraibblner von Rom Dr.- Angelo" S a c a r d o t i. , . Eilte Zwangstaufe in Polen. Alis Warschau ,wird »ns geschrieben: Noch ist das vor einiger, Zeit in ein Kloster" verschleppte jüdische Mädchen Promis ihren Eltern nicht zurückgestellt wor- Wie werben Mazzoth erzeugt? Besuch in einer,Mazzoth-Bäckerel. .....,,Strtllm-Ma'Z^zpth,^ überall wimmelt es. von diesen Aufschriften, '„Strurn-MazzorlT auf den .Straßen, „Strum- Maizoth" i-n den Kinos, in den Kaffeehäusern ... Wie werden eigentlich1 dipse Maz-zoth erzeugt? Um das zu erfahren,' muß man die Rotensterngasse aufsuchen. In dem äußerlich nicht, sehr'interessanten Haus Nr. 11, sieht man sich, ist rnan eingetreten, erstaunt in einem mit verschiedenen großen Maschinen ausgerüsteten prachtvollen Raum. In erster piiie beführt die peinliche Sauberkeit aufs angenehmste lind dann wird der Blick auf die zahlreichen Maschinen gelenkt,; die,' wie man erfährt, vom Herrn Staun hin. nach eigenen Plänen konstruiert wurden. Solcher Räume gibt es sechs, die streng separiert sind: der Mehlraoun .ist vollständig vom Maschinenraum und dieser, vom Ofen- und Backraum reserviert. Das Mehl wird durch eine schmale Oeffnung In den Mischraum befördert, ein Wassermesser gibt automatisch jeweils nur die für eine Mischung nötige Wassermenge ab und der von der Mischmaschine erzeugte, Teig geht zur Walgeinaschjne, Hauptmasohine und dann in den Ofen. Der ganze Vorgang-dauert etwa '3 bis. 4 Minuten. Alle 15 Minuten wrden die Mischgeräte ausgewechselt und gereinigt. Wie der Besitzer des Betriebes, Herr Strum, mitteilt, ist dies der einzige Betrieb in Wien, der zwei Mazzothmasehinen arbeiten läßt, so daß jede Viertelstunde abwechselnd ein« Maschine, $e Mazzoth erzeugt, während die andere gerei^gt wird. - Die. Maschinen. verfertigen Je nach der Einstellung ninde, eckige, dünne oder dicke Mazzoth. Die särize Erzeugung steht unter ritueller Aufsicht des Rabbinates der Kultusgemeinde Wien und ein sogenannter QberimSöhgiach und drei Maschgichim sorgen dafür, daß die rituellen Vorschriften streng eingehalten werden. den» und schon wird die jüdische Bevölkerung in Ostgalizien durch einen neuen Vorfall in Unruhe versetzt. Im Dorfe Markowa bei Lanzut wohnt der Jude — der einzige im Dorfe ~ Mendel Rips. Er hat ein einziges Kind, G i t e 1, die vor kurzem 16 Jahre alt geworden ist. Schon seit längerer Zeit suchten die Bauer» des Dorfes, aufgemuntert durch den Dorfpfarrer, die Tochter des Jvden zu überreden» daß sie freiwillig ihre Eltern verlasse und die Taufe nehme, für welchen Fall ihr eine glänzende Zu ku nft in Aussicht gestellt wurde. Gitel blieb standhaft. Und nun geschah das Unglaubliche. Die Bauern beschlossen, zur Ausführung ihres gottgefälligen Werkes Gewalt anzuwenden und führten ihre Absicht auch aus. Eines Abends erschien eine Bande von Bauern unter Führung des Ortsvorstehers, bemächtigte sich in Gegenwart der Eltern des jammernden Judenmädchens und entführte es. Die entsetzten Eltern waren der Uebermacht der fanatischen Menschenräuber gegenüber ohnmächtig. Trotz aller Bitten der Eltern und der Nachforschungen der Polizei war es bisher nicht möglich, den Aufenthalt des Mädchens, das offenbar nach bewährtem Rezept in ein 1 Kloster verschleppt und zur Taufe gezwungen wurde, ausfindig zu machen. Unter den Juden der ganzen Gegend herrscht begreiflicherweise große Unruhe. Architekt Bärwald. Der Architekt Professor Alexander Bärwald, der Erbauer des Haifaer Technikums und Professor an dieser Anstalt, hat im Wettbewerb der Entwürfe zum Bau des Nationalmttseums für die Libanon-Provinz den zweiten Preis erhalten. Senator Henri Polak — 60 Jahre alt. Henri Polak, Mitglied der Ersten Kammer des holländischen Parlaments und Präsident des Verbandes holländischer D i a m a n t e n a r b e i t e r, beging dieser Tage die Feier seines 60. Geburtstages. Er erhielt so viele Tausende Glückwunschtelegramme und -Schreiben, daß ein eigener Postdienst für die Uebermittlung der Kundgebungen an den Jubilar 'eingerichtet werden mußte. Senator Pölak ist Präsklent des Keren Hajessod in Holland. Aus Anlaß seines 60. Geburtstages haben ihn die Zionisten Hollands in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eintragen lassen. Das Warschauer judaistische Institut. Aus Warschau wird uns geschrieben: Ende Februar wurde hier im Hause der Bnei Brith-Loge das von Prof. Dr. M. Balaban, Senator Dr. M. Brau da und Abgeordneter J. Grün bäum gegründete Institut für jüdische Wissenschaft ,in Anwesenheit, von Vertretern der Regierung und der Universität feierlich eröffnet. Der Rektor der Warschauer Universität, Prbf. Szlagowski, ein höherer katholischer Geistlicher, hielt eine bemerkensK werte Ansprache, in der er unter anderem ausführte: Das Institut für jüdische Wissenschaft hat außer für das Judentum auch für die Warschauer Universität eine große Bedeutung, weil es: die Lehrtätigkeit der Universität vervollkommnet. Das Institut 'wird die Wissenschaft eines alten Volkes pflegen, das alle Kulturen beeinflußt hat. Die Universität ist sich dessen bewußt, daß sie durch die Gründung des Instituts um eine neue Position bereichert worden ist, die für das Judentum wie für die allgemeine Wissenschaft gleich wichtig ist Predigten. Freitag den 9. März! 1928 werden bei dem um 5 Uhr 45 Minuten beginnenden Abendgottesdienst in nachbenannten Gemeindetempeln'; Predigten abgehalten, und zwar: L, Seitehstettengasse > (Rabbiner . Dr. M. Rosenmann); II., Tempelgasse 5 (Rabbiner Dr. M. Grunwald); XV., Turnergasse 22 (Rabbiner Dr. I. Taglicht); Samstag den 10. März 1928 findet im Gemeindetempel, XVUU Schopenhäuerstraße 39, beim .Morgengottesdienst (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang) (Beginn 8 Uhr 30iMinuten) ein exegetischer Vortrag statt. — Samstag, 3 Uhr nachmittags, Jugendgottesdieiist in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen. |lllllllll!llllllllllniiiiiiiiiiiiiiii!|| ' Grundstück f§ Angelegenheiten I Kauf * Verkauf Verwaltung Belehnung betreffend [ Häuser »Villen Güter wendet sich jeder Interessent an die ~.—r~— i faftUiftiea-aad VerwftUnnJtkaaslei DiYjur, Marcm Somer IM Wicn,lX,W&hriiigeritr«*e5 §§ | §§ Telephone * A 20-4-47 »15506 |§ | IIIlllMIlIIIIIIIilJ Trotz Billigkeitl ■■Qualitätsware! Klelder-Kasha.........s 5.60 Prima Mantel-Kasha......S 11.50 Badruckte Kleider-Seide . . S 2.98 Mfflafete'.ii.aE Jüdische Kulturarbeit in Buchara. Vor kurzem berichtete der Petersburger Anthropologe VVischnewsky in einem •in Berlin gehaltenen Vortrag über einen a e u e n t'd ec k t e n jüdischen Volksstamm in Mittelasien. Wdschnewsky berichtete auch über die segensreiche kulturelle Tätigkeit des von Petersburg nach Samarkand übersiedelten jüdischen Gelehrten Dr. L u r i e. Dr. Wdschnitzer wandte sich direkt an Dr. Lüne mit der Bitte, Ihm einiges über seiine Arbeit mitzuteilen, und erhielt von ihm ein ausführliches Antwortschreiben, dem u. a. zu entnehmen ist: Dr. Lurie hat längere Zeit in Buchara die Sitten, Gebräuche und kulturellen Verhältnisse der einheimischen jüdischen Bevölkerung studiert, die eine kompakte Masse von etwa 12.000 Personen bildet. Man trifft dort viele jüdische Familien, die nicht weniger als 200 Angehörige zählen, wobei der Urgroßvater der gesamten Familie häufig noch am Leben ist. Dr. LuTie hat es sich zur AuU gäbe gestellt, die Kulturdenkmäler der Juden des Orients, vor allem der persischen Juden, zn sammeln. 1926 wurde das Statut der „Jüdischen Gesellschaft für Wissenschaft und Bildung in der Sowjetrepublik Usbekistan" von der Regierung bestätigt. Es arbeiten zurzeit noch wenige Personen in der historischethnographischen Sektion der Gesellschaft. 1927 wurde die von Lurie angelegte Sammlung des Museums anerkannt und deren Erhaltung vom Staate übernommen. Das Museum besteht aus einem Archiv und einer Bibliothek. Die Bibliothek besitzt u. a. Frühdrucke aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts und 36 jüdisch-persische Handschriften. Im Museum wird eine j ü d i s c h - a n t <h r o p o 1 o g i s c h e Station eingerichtet. Es macht sich, berichtet Dr. Lurie weiter, im Kulturleben der einheimischen Juden ein großer Aufschwung bemerkbar. Eine einheimische Intelligenz, ist im Entstehen begriffen. Lurie gibt jetzt eine von einem jüdischen S c h 1 o s s er in Buchara gemachte hebräische Uebersetzung der Dichtung „Die Zwölf" des verstorbenen russischen Dichters Alexander Block heraus. Die Bibliothek benötigt Bücher, namentlich über jüdisch-persische Literatur, Kultur usw. Dr. Lurie ist gegenwärtig u. a. mit der Registrierung der Thorarollen beschäftigt, * die der 'bucharischen Geniza entstammen. Es befinden sich darunter zahlreiche Handschriften aus der Zeit vor Maimonides. Produktive Kredithilfe. Am 27. Februar 1. J. fand bei zahlreicher Beteiligung der Genossenschafter . die fünfte ordentliche Generalversammlung der Kreditkassa für Kleingewerbe und Kleinhandel in Wien» r. G. m. b. H., statt, dieser einzigartigen jüdischen Kreditinstitution» die auf Initiative des Herrn Oberrabbiners Dr. C h a j e s und dank der materiellen Förderung seitens des American Joint Distribution Committee vor genau fünf Jahren ins Leben gerufen wurde. Herr Börserat Ignaz Glück, der als Obmannstellvertreter des Vorstandes den Vorsitz führte, eröffnete die Generalversammlung mit einem warmen Nachruf auf den verstorbenen Oberrabbiner Dr. Chajes, welcher der Kreditkassa seit ihrer Gründung als- Obmann vorstand, sowie auf den gleichfalls verstorbenen Präsidenten des Aufsichtsrates Herrn Direktor Siegmund Epler. Aus dem zur Verlesung gelangten behördlichen Revisionsbericht für die vorletzten zwei Geschäftsjahre konnte die Generalversammlung zu ihrer Genugtuung erfahren» daß die Gebarung der Genossenschaft „s o w o h I vorsichtig als auch umsichtig ist" und daß das Ergebnis der im Auftrag des Handelsgerichtes Wien durchgeführten Revision als „ein günstiges und vollkommen befriedigendes" bezeichnet wird. Diese Gelegenheit hat nun der Vorsitzende auch wahrgenommen, um der Beamtenschaft . der Kreditkassa Dank und Anerkennung auszuw sprechen. . . Der durch Herrn Direktor M. Henisch erstattete Tätigkeitsbericht gab ein anschauliches Bild der segensreichen Wirksamkeit der Genossenschaft im Interesse des jüdischen Kleinhandels- und Kleingewerbestandes. Trotz der besonderen Vorsicht, zu der die andauernde wirtschaftliche Krise mahnte, hat die Tätigkeit der Genossenschaft im abgelaufenen Jahr eine Erweiterung erfahren. So wurden in der Berichtsperiode 927 Darlehen bewilligt, von denen 793 zur Auszahlung' gelangten, mit einer Gesamtsumme von S 393:340, gegenüber 752 Darlehen mit S 362.000 im Jahre 1926. Nach Brufskategorien der Darlehensnehmer geordnet, entfallen auf Kleinhändler 551 Darlehen (zirka 70 Prozent), auf Handwerker 163 (über 20Prozent), auf K1 e i n i n d u s t r i e 61 (zirka 8 Prozent) und auf Angehörige freier Berufe 18 Darlehen (über2Prozent). Die Gesamtsumme der Rückzahlungen im Jahre 1927 beträgt S 378.588.41. Der Darlehensstand mit Jahresende beziffert sich auf zirka S 200.000. Als erfreulicher Umstand erscheint es auch, daß die Klagefälle im Berichtsjahr gegenüber dem Vorjahr abgenommen haben und daß die Rückzahlungen der Darlehen auch in diesem Jahre im allgemeinen pünktlich, wenn auch in kleineren Raten, erfolgten. Namens des Ausschusses zur Ueberprüfung der Jahresschlußrechnung brachte Herr Oberrechuungsrat M. Weiner. die Bilanz