Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 25 (9.3.1928)
- Date
- 1928-03-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nf. 25 DIE NEUE WELT Seäte9 Klub radikaler Zionisten Mittwoch, den 14. März 1928 um halb 9 Uhr abends findet im Klublokalc Cafe Atlashof, Wien, I., Aspeinplatz, eine Klubversammlung Gegenstand: Die Wahlen in Polen Referent: Dr. Israel Weidmann Im Osterreichischen Landesverbände organisierte Zionisten als Gäste willkommen. Zu dieser Versammlung ergehen keine besonderen Einladungen IIIIIIIIIlllllllllllllllllilllllH KLUB RADIKALER ZIONIiTr N. WIEN Mittwoch, den 21. März 1928 um halb 9 Uhr abends i m Klublokale, Cafe Atlashof, I., Aspernplätz, 3. ordentl. Generalversammlung Tagesordnung: 1. Tätigkeits- und Kassabericht. 2. Statutenänderung. 3. Neuwahlen. 4. EventuaHa. Stimmberechtigt sind statutengemäß nur Personen, welche Beitrittserklärungen gefertigt und den Mitgliedsbeitrag entrichtet haben. wurde tatkräftigst durch Frau Dora Schwarz aus Salzburg unterstützt, welche insbesondere jene Kreise, welche bisher jede Zahlung verweigert haben, besucht hat. Es ist erfreulich, festzustellen, daß es Frau Dora Schwarz gelungen ist, auch von bisher ferne stehenden. Kreisen einige nennenswerte Zeichnungen für den Aufbanfonds zu erhalten. Die Sammlung wird fortgesetzt und hat bisher 9000 Schilling an Zeichnungen pro 1928 eingebracht. Sokolow beim König von Bulgarien. Natomm Sokolow ist, wie aus Sofia berichtet wird,' am 28. Februar vom bulgarischen Premier und am 29. Februar vom König von Bulgarien empfangen worden. Jüdische landwirtschaftliche Kolonisation in Marokko. Unter der Juderrschaft Marokkos macht sich eine starke Bewegung für Ansiedlung auf dem Lande bemerkbar. In Casablanca wurde dieser Tage die Generalversammlung der Organisation für berufstechnischo Ausbildung der Juden in Marokko abgehalten, in deren Verlauf der Generalsekretär, Herr Ghlc,; die Mitteilung machte, daß in Marokko eine jüdische Handwerkerschule begründet wurde und daß Vorbereitungen zur Eröffnung einer jüdischen Landwirtschaftsschule getroffen worden seien. Die jüdische Jugend Marokkos, sagte er, wolle in die Fabrik und aufs Feld. Die Protektoratsregierung hat für die beiden Schulen Beträge bewilligt, Die Frage der Berufsumschichtung unter den marokkanischen Juden wurde auch auf einer Konferenz früherer Zöglinge der Alliance-Schulen behandelt, wobei der jüdische Kolonist Na hon über die landwirtschaftliche Siedlung referierte und sagte, die jüdischen Handwerker von Marrakesch, die jüdischen Lastträger von Tanger und Mogador, die jüdischen Maultiertreiber und Bootsführer hätten zur Genüge bewiesen, daß der Jude auch die schwerste körperliche Arbeit nicht scheut. Auch eine bodenständige Zeltung. Der Wiener Bezinksrächter Nehoda hat eine Wäscherin, dite einen Mann als S a u j u d e n beschimpfte, zu einer Geldstrafe von 30 Schilling verurteilt. Da der Kläger Jude und Hausherr ist, so hat das Urteil die Mißstimmung einer Wiener Zeitung erregt. Sie leitet ihren Bericht mit der Konstatierung ein, daß der Kläger „zu den bodenständigen Wiener Hausherren gehört, für die der Mieterschutz abgeschafft werden soM". Das soll wohl die Aeußerung der Wäscherin gewissermaßen rechtfertigen. Däese Zeitung ist natürHch die „Arbeiter-Zeitung*4. . Jüdische Arbeitsvermittlungsbüros in Südamerika. Aus Buenos Aires wird berichtet, daß neben dem in dieser Stadt bereits bestehenden Arfoeitsvermlttlungsbüro für Einwanderer soeben in der zweitgrößten Stadt Argentiniens, Rosario, ein solches Büro begründet worden ist, dem seitens der lokalen jüdischen Bevölkerung die wärmste Förderung zuteil wird. Seitens des Immigrantenschutzverelns wird ferner mitgeteilt, daß demnächst in den Städten Bahia, Bianca und Cordova Arbeitsvermittlungsbüfps \ eröffnet werden. Demnach bestehen in Argentinien fünf Arbeitsverinittlungsbüros für jüdische Einwanderer. Amerika versorgt die ganze: Welt mit Mazzoth, . Die New Yorker Zeltungen vejröHehtlichen: ein sehr interessantes Verzeichnis vqn'.Mazäöthtränsparten,4 die In den letzten Wochen vom New Yorker Hafen in alle Weltgegenden abgegangen: sind. Ans dem Verzeichnis ist zu ersehen, daß die Firma ManisVhewitz 'fast alle Länder, in denen Juden wohnen, mit Mazzoth beliefert. Die Transporte sind nach allen amerikanischen und europäischen Staaten, nach Ozeanien und nach Australien Instradiert. In dem Verzeichnis ist aueh ein Transport nach Oester reich angeführt. Die jüdische Schule. Wir haben in der „Neuen Welt" über die Auslassungen des Schulinspektofs der Wiener Kultusgemeinde. Herrn Dr. Redfsch, welche mir geeignet scheinen, die Entjudüng der jüdischen Jugend zu fördern, kritisch berichtet, und Obmann der Schulkommission, Herr Dr. T i c h 0, ist in einem Zeitungsartikel für Herrn Dr. Redischeingetreten- Hiezu bringen wir nachstehend die Antwort eines jüdischen Lehrers. Herr Dr. Joset Ticho, Obmann der Schul- und Unterrichtskommission der Wiener Kultusgemeinde, hat in einem Zeitungsartikel zu den Vorgängen bei der Religionslehrerkonferenz vom 21. Jänner 1928 Stellung genommen und Behauptungen aufgestellt, mit denen ich mich hier, als einer, der achtzehn Jahre im Unterrichtsfache tätig ist, auseinandersetzen will. Der Zweck des Religionsunterrichtes kann natürlich nur der sein, die Kinder vor fremden, das Judentum schädigenden Einflüssen zu bewahren und sie so zu erziehen, daß sie selbstbewußte Juden werden, unsere Vergangenheit schätzen und ihr Judentum über alles lieben lernen. In der erwähnten Konferenz wurde darauf hingewiesen, daß die öffentliche Schule mit ihrer \iw und antijüdischen Tendenz die größte Gefahr für den Nachwuchs unäeres Volkes bildet. Der Geist der öffentlichen Schule ist ein christlich-germanischer und wirkt auf unsere Kinder entnationali9ierend und assimilierend. Den ganzen Vormittag sitzen die Kinder unter dem Christusbild. Wochenlang werden im Winter Arbeiten für den Christbaum gemacht. Christtag und Stephanitag sind offizielle Feiertage, auf die sich die Kinder freuen und die sie kaum erwarten können. Theaterstücke werden aus diesem Anlaß in den Klassen aufgeführt, Gedichte auswendig gelernt und beim reichgeschmückten Weihnachtsbaum singen Judenkinder das Lied „Stille, heilige Nacht". Schließlich folgen zehn bis vierzehn Tage Weihnachtslerien. Was nützen da die schönsten Lehren vom ChanukahfeSt, die herrlichsten Makkabäergeschichtenl Wochenlang stehen die Kinder vier bis fünf Stünden täglich unter diesem Einfluß. Die KmdCr empfinden die jüdische Religionsstunde als , eine unangenehme Unterbrechung ihrer Lieblingsbeschäftigung. Dann kommt Pessach. Ein herrliches nationales und religiöses Fest. In der Klasse zeichnet man Ostereier und Osterhasen,, schulfrei sind nicht die Sedertage, sondern Judenkinder feiern offiziell Gründonnerstag,; Karfreitag und Ostermontag. Dann kommt daä Wochenfest, allein unsere Kinder feiern Pfingsten und so geht es das 'ganze Schuljahr hindurch. „Sabbat ist der Ruhetag der Juden",, lehrt die Religionslehre. „Das stimmt nicht," sagen sich die Kinder, denn die Woche beginnt am Möntäg und der offizielle Ruhetag ist der Sohntag.. Jedesvom Religionslehrer gesprochene Wort wird von .den, Kindern praktisch als falsch. iiiiiiinjiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiü . W*. V FRÜHJAHR iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii die allerletzten Kreaiionen der Pari*** Haute eduture u. eigener SihSptungen aus adelst. Matei taten in unereichter Auswahl zu den bekannt billigen Krupnlk - Preisen lfllllliillJlllitfJlililiMiiiisiaii ■ IWaiiiDlIllI Ml ID VII. Ka?serstr.115 Wir haben n i rg e,n ds Filialen! erlebt. Nur darum versagt der Religionsunterricht. Mit diesem Wahnsinn muß endlich Schluß gemacht werden. Es muß einmal aufhören, daß die jüdischen Kinder mit Weihnachtskerzen» Ostereiern, Osterhasen, Krampiisruten, Nikolo, Christkind!. Glücksschweindl und Palmkätzchen erzogen werden. Aus diesen schwerwiegenden Gründen wurde bei der Konferenz die Forderung nach der jüdischen : Schule erhoben, und zwar nach1 der „konfessionellen", damit Herrn Dr. Ticho und seiner Richtung in logischer Konsequenz ihres „Religlonsjudentu'ms" keine Gelegenheit gegeben werde, abzulehnen. Damit nicht ihr „patriotisches Gefühl" durch die vaterlandslose „jüdische Nationalität?' verletzt werde. Herr Dr. Ticho ist doch ein „Religionsjude", das Judentum ist doch für ihn ejne „religiös© Weltanschauung". Die öffentliche Schule ist aber die größte Gefahr für das Religionsjudentum. Wie kann nun Herr Dr. Ticho gegen die jüdische Schule sein? In den öffentlichen Schulen wird der Keim für. den späteren Abfall gelegt. Was Jahre hindurch an der zarten Kinder- Warnung I Lassen Sie sich nicht andere ' Erzeugnisse aufdrängen! 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STRUM Wien, IL, Rotensterngasse 11 seele gesündigt wird, ist nicht so leicht zu beheben und Herr Dr. Ticho soll nicht mit stoischer Ruhe erklären, daß man gegen die Abfallsbewegung machtlos sei und daß es auch den Zionisten, trotz Veranstaltungen und Versammlungen, nicht gelungen sei, diese unsere Volks1schande zu beseitigen, sondern er soll als „Religionsjude" mit „religiöser Weltanschauung" die Abhilfe rechtzeitig) einsetzen lassen, rechtzeitig und an richtiger Stelle. D/enr jüdischen Kinde jüdische Schule geben und unsere! Kleinen mit echt jüdischem Inhalte so ausfüllen lassen,; daß sie gegen jede Verlockung zur Felonie immunisiert sind. Herr Dr. Ticho beklagt sich, daß in der Konferenz; „plötzlich mit einer Forderung nach judischen Schulen, debütiert wurde. Schon diese Forderung, vorgetragen In emer ganz und gar unpolitischen Konferenz, mußte dem schärfsten Widerspruch hervorrufen". Ja warum denn? Ist. vielleicht die Religionslehrerkonferenz nicht der richtige Ort? Gerade die unpojt'sche Religionslehrerkonferenzi ist die entsprechende Instanz, um diese himmelschreienden Zustände zu besprechen., Sitzen doch dort diejenigen Perr £,onen> denen die jüdische Erziehung, der Kinder anvertraut ist, die darüber zu wachen haben, daß jede Entjüdungsgefahr rechtzeitig im Keime erstickt werde und die mit verschränkten Armen zuschauen müssen, wie ein im- und antijüdisches Schulsystem , ihre besten Absichten zuschanden macht. . Herr Dr. Ticho ist. auch aus prinzipiellen Gründen gegen ,die jüdische Schule, Ich zitiere ihn wörtlich: „Die Forderung nach der konfessionellen Zwangsschüle (dasi Wort „Zwang" wird hier fälschlich eingeschmuggelt, das hat niemand verlangt) , müssen abgelehnt werden, denn abgesehen von der finanziellen Unmöglichkeit, diese Forderung zu erfülle«, würde diese eine Herabdrückung des Bildungsniveaus der jüdischen Jugend im Qefolge haben, weil diese Forderung naturgemäß mit der Ausstoßung! der jüdischen Jugend aus den öffentlichen Schulen, insbesondere aus den Mittelschulen, sohin mit der Einführung des ^numerus clausus" gleichbedeutend wäre." Hier liegen die Widersprüche so eng nebeneinander, daßi man staunen müßte. Herr Dr. Ticho sollte doch als Jurist wissen, daß die -jüdische Schule keine finanzielle Belastung für die Kultusgemeinde bringen wird, denn nach unserer Verfassung sind Bund und Gemeinde verp f 1 ich te t, sie zu eröffnen. Herr Dr. Ticho erkennt unsere „nationale Minorität*' nicht an. Aber unsere, ^religiöse Minorität" wird er wohl nicht ableugnen können. Minoritäten haben aber auf feigenes Schul werk Anspruch. Was für die österreichischen Tschechen als „sprachliche Minorität" recht ist, muß für uns als. „religiöse Minorität" .billig sein. Die österreichischen Tschechen haben, obwohl 'sie alle katholischer Weltanschauung sind, vom Mmoritätenrecht sofort Gebrauch gemacht und für sieb die tschechischen VölfesChuIeh W ganz Wien durchgesetzt, we1!'! sie um ihre „Sprache*^ besorgt,sind, und wir sollten unsere. Kinder .Weiter durch Nikolo« Weihnachtsbäume, Sabbatentweihung usw. eotjuden lassen? Unssollte unsere Religion, für die wir to den Jahrtausenden der Vergangenheit ein grandioses Martyrium getragen haben, nicht so viel wert sein, wie den Tschechen ihre Sprache? Nun wird der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß die jüdischen Schulen zum „numerus clausus" führen werden. Demgegenüber sei bemerkt, daß. nach unserer Verfassung alle Bürger ohne- Rücksicht auf Nation und Religion gleich zu behandeln sind. Warum sollten übrigens auch die Absolventen: einer jüdischen Volksschule ^und selbst die einer Zwangsschute; d.e. jjiemand verlangt) ausl den Mittelschulen ausgestoßen werden? Wo Jiefct die rechtliche Handhabe dazu? Das wäre ja ein krasSer Verstoß! gegen die. österreichische Verfassung. [ Diese Argumente* gegen die jüdische Schule kann man hur dann gelten} lassen, wenn man der I ogik die Zähne ausbricht und der Vernunft den Kopf abschlägt. Herr Dr. Ticho ist aber auch) um das Schicksal der Gesamtbevölkerung Oesterreichs, fce,-