Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 25 (9.3.1928)
- Date
- 1928-03-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2711630-2711640--0327-2713461- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 25 BLAIMSCHEINS PFLANZEN - Margarine . Unerreicht in Qualität und Preis! Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürderi des Herrn Öberrabbiners S. F ü r s t Darf In keinem jüdischen Haushalt fehlen I nee bv WS Ueberau erhältlich! KARL BLAIMSCHEINS vereinigte Margarine und Butlertabiiken, Wien, XIV., Diefenbachgasse 59 hatte, aber ich gab mir alle erdenkliche Mühe, dem Manne angenehm zu sein und ihn für Palästina zu interessieren. Während der Mahlzeiten war nicht viel mit ahm anzufangen, denn er wollte fürs teure Geld auch tüchtig essen, gab dem Steward stets neue Aufträge und vertilgte unglaubliche Quantitäten. Aber sonst stand er mir durchaus ztir Verfügung. Warum auch nicht? Ich hatte ihm eine meiner mitgenommenen guten Zigarren angeboten — er rauchte während der ganzen Ueberfahrt keine andere Sorte mehr. Er fand meinen Streckstuhl weit angenehmer als den seinen und hatte ihn nach einigen Stunden bereits annektiert. Er entdeckte, meine Kabine sei luftiger, besser ventiliert als die seine, und hielt, während ich im Schreibzimmer arbeitete, stets -in meiner Kabine Siesta (dort Jagen ja meine Zigarren bereit). Er war alsbald ungehalten, wenn ich nicht rechtzeitig meine Arbeit abschloß, um ihm Gesellschaft zu leisten oder Cicerone zu sein. Ich tat. alles mit Zionsliebe. Denn als ich auf den Strauch geklopft hatte, packte er aus, was er alles für Erez Israel tun wc*lle. Zwar habe er sehr viel Geld in seinem Geburtsorte Kalusz zurückgeelassen — er seufzte tief bei der Erinnerung an das Elend, das er dort gelindert habe — aber Erez Israel sei Erez Israel, da müsse man »ich besonders anstrengen.' Ich war zukunftsfroh, als er. solches sagte und er ließ mich den Kognak zahlen, den er zum Genuß ineaner Zigarren im Rauchsalon für uns beide . bestellt hatte. " Die Fama von "dem fabelhaft reichen, für Zion entflammten Amerikaner sprach sich auf dem Schiff herum, die zionistischen Palästdnatouristen nannten ihm diese und jene notleidende Institution, diese und jene fördernswerte Siedlung. Selbstverständlich machten wir ihn auf die imposante Zahl der Ohaluzim aufmerksam, da'e als Zwischendeckpassagiere mitreisten und er fand, es gehöre sich, .ihnen eine „Sude" zu bereiten. .; Und da geschah es, daß einjduger Jude aus Grodno mich zur Seite nahm, und mir eröffnete: „Der wird nichts hergeben für Erez Israel. Dieser ist der richtige Olreitnik." An Hand seiner untrüglichen Aufstellung wies mir mein Gewährsmann nach, daß der Amerikaner für Zwecke der „Sude'-', die tatsächlich gefeiert wurde, bei allen jüdischen Passagieren der I. und II. Klasse ansehnliche Beträge eingefordert, hingegen selbst keinen Penny 'beigesteuert hatte. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung des Grodnoers ergab sogar,' daß sich unser Olreitnik für die umständliche Arbeit des Ejusammelhs bezahlt gemacht haben dürfte. Aber bei der Sude spielte er die angenehme Rolle des Gastgebers, aß und trank für drei und stimmte die Tikwah an. Was soll ich euch viel erzählen? Der weitere Berieht ist nur ein Beitrag zur Naturgeschichte des Olreitnik. Als palästinensisches Land in. Sicht kam, waren alle sehr gerührt, er ganz besonders, und ich suchte ihn mit tauglicher Assistenz nochmals auf das Versprechen festzulegen, das er in Triest feierlichst abgegeben hatte. Er machte ein nachdenkliches1" Gesicht, überprüfte sein Scheckbuch, sagte, er könne seiner Frau nicht unter die Augen treten, ohne in . Neapel, Rom und Venedig gewesen zu sein und reduzierte die ursprünglich genannte Summe, die er für Erez Israel^ausgeworfen hatte, auf 5000 Dollar. Die restlichen 35.000 Dollar werde er in New York prompt einzahlen. Die kompetenten Leute' in Palästina waren von Triest "aus pflichtgemäß von der bevorstehenden Ankunft des spendefreudigen amerikanischen Touristen verständigt worden. Kaum aber hatte man ihn zu Gesicht bekommen, waren sich alle, durch jahrelange Erfahrungen geschult, unverzüglich klar darüber, daß sie es mit einem ansgegewachsenen Exemplar des Lebewesens „Olreitnik" zu tun hätten und gaben sich weiter keine Mühe. Mir ging er zunächst nicht von der Falte, nützte mich weidlich aus, setzte sich tiberall plump und aufdringlich als reicher zionsfreundHcher, opferfreudiger Mann in Szene, bis mir die Geduld riß, bis es mir über die Hutschnur ging, bis wir — nämlich ich und ein robusterer, geschickterer Assistent — ihn abschüttelten. Er hatte im Emek zu einer anderen Reisegesellschaft, die eben angekommen war und zu uns stieß, mit Emphase gesagt: „Seht, dies ist alles, von „unser Geld" gemacht worden!w Da bekam er von uns zoi hören, was gut und teuer ist, wir schifften ihn aus, er schiffte sich ein. Nach Neapel, Rom, Venedig. Keinen Dollar hat er. hergegeben, keinen Baum gespendet, kein Dunam gekauft, hingegen aus Unvorsichtigkeit einen Staubmantel miitgehen lassen, den mir ein Freund in Haifa für die Automobilfahrten geliehen hatte und den der Olreitnik so praktisch fand, daß er ihn statt meiner trug. Auch sonst hat sich seine Palästinareise bestimmt bezahlt gemacht. Bei allen Drives für Erez Israel, die in New York veranstaltet werden, beruft er sich, seitdem er heimgekehrt ist, mit dem besten Erfolg für seine Tasche, auf schwere Opfer, die er an Ort und Stelle erbracht hat, denn er gehöre Vu jenen, die nicht bloß von Palästina sprechen und gelegentlich '-etwas spenden, sondern die hinfahren und dort ihre jüdische Bruderpflicht erfüllen. Industrielle Entwicklung in Palästina. Küitstttche Zähne, Zigaretten, Möbel. Während sich die drei größten jüdischen industriellen Betriebe in Haifa befinden, besitzt Tel-Awiw die größte Anzahl von Industrien und die größte Differenziertheit der Produktion. Die Zahn fabrikation wurde von einem Amerikaner, Herrn S. S. Bloom unternommen) der in Philadelphia der Gründer der International und der Standard-Zahn-Gesellschaft war und auf Grund einer Erfindung einen Standardartikel auf zahntechnischem Gebiete herstellte. Es war eine mutige Tat, diesen Fabrikations- , zweig in Palästina einzuführen. Bloom ging vorsichtig zu . Werke und begann zuerst in kleinem Maßstabe. Inzwischen j machte er sich mit den Bedingungen des Absatzmarktes j bekannt, bildete ein Personal aus und setzte die Reklame « fort Bald ging sein Betrieb so zufriedenstellend, daß er S den Maßstab vergrößern konnte. Er arbeitet jetzt mhr 40 Arbeitern und denkt, den Betrieb auf 200 und mehr auszudehnen. Die Löhne bewegen sich von 60 Cent für Anfänger bis zu zwei Dollar für geübia Arbeiter. Die Arbeiter sind nach den Aussagen von Herrn Bloom leistungsfähiger als ähnliche Arbeiter in Amerika. Herr Bloom beabsichtigte, seinen neuen Betrieb schon in diesem Frühjahr zu erweitern, doch verursachten die Schwierigkeiten mit dem Zollamt eine Verzögerung seines Planes. Da er alle Rohmaterialien vom Auslände einzuführen gezwungen ist, rechnete der Fabrikant auf einen sehr geringen Zoll.' Doch wurden anscheinend die Die bestrenommierte I. Wiener orthodoxe Mazzothfabrlk Israel Vortrefflich WIEN, II. Bezirk, obere Augartenstraße 52 erzeugt^unter Aufsicht des ehrwürdigen orth. Rabblnats.der . Israel. Kuliusgemeinde Wien die feinsten, dOnnslen u. besten MAZZOTH und GRIESS Streng hyglanlteh! Ueberau erhältlich! Tügtleh frisch gebackent AUS RUSSLAND NEU BIBmSERIHRTl ORENBÜRGERSCHAL j hergestellt aus ganz feiner Wolle. Sehr.dünn und warm. Kann im 1 kleinstea Handlflschchen untergebracht werden. 1 ALBERT MATZNER ] Wien, I. Bezirk, I^ohlmessergasse 8, und Filialen. 1 Neue Niederlage: Wien, ML Bezirk, MariähilferstraBe 64.} Materialien mit dem gewöhnlichen Zoll belegt. Vor einigen Monaten versuchte es Herr\: Bloom mit der Verweigerung! der Zählung von 7oll auf eine gewisse Schiffsladung, ließ sie im Zollhaus liegen und schloß zum Protest die Fabrik. Diese Prozedur scheint vollen Erfolg gehabt zu haben, denn die Regierung versprach, die Schiffsladung von Abgaben zu befreien^ damit der Betrieb wieder eröffnet werde. In diesem bis jetzt experimentellen Betrieb sind 40.000 Dollar investiert, während der neue Betrieb eine Summe von 200.000 Dollar absorbieren wird. Ermutigend für den Betrieb sind die. einlaufenden Nachfragen nach der Produktion aus Australien, Süd-Afrika, Indien und Sibirien sowie aus den benachbarten Orientländern. Ebenso fand die Produktion. bereits in Aegypten Absatz.., Auch) werden die Balkänstaaten, trotz der scharfen zu erwartenden deutschen ^Konkurrenz als ein gutes Absatzgebiet betrachtet. Gegenwärtig beläuft sich die Produktion auf 10.000 Zähne pro Tag, wobei zweimal , soviel produziert werden kann, wenn es nötig sein wird. ■■:-V'- * Die Bedeutung der Lubliner Zigarettenfabrik des Herrn Lubliner besteht darin, daß sie die jüdische Tabakindustrie in Palästina||u..#'t: a b i Ii sie r eh nSatande' ist. Als man in Palästina'Tabak in größerem Maßstäbe anzubauen begann» verstand man nicht genug die Schwierigkeiten, die mit dem Absatz des Tabakes verbunden sincr. Herr Samuel Lubliner, der Inhaber der bekannten Malkah- Fabriken in Berlin, begann sich für die Sache zu mteresS sieren und im Laufe von zwei Jahren kaufte er eine halbe Million Kilogramm des Palästinatabakes auf, was ungefähr 30 Prozent der gesamten Produktion des Landes ausmacht. Herr Lubliner hat ungefähr eine halbe Million Dollar in palästinensischem Tabak investiert, von welcher Investition die Zigarettenfabrik nur ungefähr 5 Prozent; des Betrages ausmacht. Die Fabrik produziert 500.000 Zigaretten pro Tag. Die jetzige Unterkunft der Fabrik im alten jüdischen Vueirtel in Jaffa ist recht alt und zeigt ein charakteristisch/ orientalisches Chaos in der Konstruktion. Die neue Fabrik wird offenbar in Anlage und Zeichnung moderner sein. Gegenwärtig sind ungefähr 60 Arbeiter angestellt, von denen ungelernte weibliche Arbeit minimal mit 75 Cents täglich, ungelernte männliche Arbeit mit 1,25 Dollar bezahlt wird. Der Durchschnittsverdienst beträgt 60 Dollar monatlich. Die Fabrik produziert sechs Marken: die billigste ^Esther.", in einer Packung von 20 größeren oder. 30 kleineren, für 10 Cents und die teuerste „Nr. 18", in einer Packung von 20, für 20 Cents. Eine mittlere Marke ,.Malkah", eine ziemlich gute milde Zigarette, scheint an Boden an ihre Konkurrenz „Jasmine", hergestellt von der. Filiale der ägyptischen Fabrik Maspero, verloren zu haben. Die1 Zigarette „Aviv" dieser Firma ist die billigste für, diejenigen, die nicht yjel Geld haben und auf Rauchen, nicht verzichten wolle». * Die Geschichte der Möbelfabrik von Goralski & Krinizi war eine ziemlich wechselvolle. Im Jahre 1013 zur Herstellung von Türen, Fensterrahmen usw. geschaffen, paßte sie sich rasch an die Bedürfnisse der vierten Alijäh an, zumal sich die Fabrik in Tel-Awiw befand, wo die Immigration ihren Höhepunkt erreichte. Im; Jahre 1911 gab es in Tel-Awiw 346 Zimmer, im Jahre 1925 14.000, die alle möbliert werden mußten. Die Firma unternahm die Herstellung von besseren Möbeln, die von den kleineren Handwerkern nicht hergestellt werden konnten. Die Arbeit war mit ziemlichem Risiko verbunden, denn diese Art Möbel war nur für die Mittelkferese und für wohlhabende Einwanderer bestimmt, die nicht in großer Anzahl kamen. Mit all den nötigen Maschinen verschlang die Ausstattung der Fabrik ungefähr eine halbe Million Dollar. Die Fabrik erlebte gefährliche Zeiten, doch ist ihr Ruf so gut, daß sie durch genügenden Kredit die schwere« Zeiten überstehen konnte. Im Jahre 1925 hat sie für ungefähr 100.000 Dollar Waren abgesetzt. Während der größte Teil für Palästina selbst bestimmt war, wurde ein kleiner Teil, auch nach Südafrika und Amerika ausgeführt Kiefernholz wird aus den skandinavischen Ländern, Nuß, Eiche und ähnliche Holzarten von Ptolen und der Tschechoslowakei eingeführt. Alle diese sind einer nicht unbeträchtlichen Zollabgabe unterworfen, die die Exportmöglichkeiten verbindet. Die Firma macht jetzt Versuche der Verarbeitung von Eucalyptusholz, das von der landwirtschaftlichen Versuchsstation der zionistischen Organisation als außerordentlich hart und in seiner Linienführung und Farbe als sehr schönes, und widerstandst fähiges Holz gerühmt wird. Sokolow in Graz. Wie-bereits kurz berichtet, hat der Präsident der Zionistischen Exekutive, Herr Nahum Sokolow, auf seiner Reise von Wien nach Sofia auf Einladung der Zionistischen Organisation in Graz dort kurzen Aufenthalt genommen. Aus Graz wird uns hierüber berichtet: Präsident Sokolow traf Donnerstag den 23. Februar d. J., mittag, in Graz ein und wurde am Bahnhof von' dem Präsidium der, Kultusgemeinde und den zionistischen Korporationen erwartet.. Hierauf fand nachmittags ein Emp- fang im großen., Sijtrunfis.s.aal ..der, ^tus^emetode statt,,..tyei welchem der Präsident der liultusgemeinde, Herr Dr. Robert Sonnenwald, den Gast begrüßte. Präsident Sokolow übermittelte bei diesem Anlaß den Gruß und den Segen der Jerusalemer Gemeinde. Ajjends sprach Sokolow im großen Tempel, der bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war, und in welchem sich auch so ziemlich die Gesamtheit der hier lebenden Juden versammelte. Der Eindruck seiner Rede war überwältigend und hat auch in jenen Kreisen, welche dem Aufbauwerk bisher fernstanden, ungeteilten Beifall gefunden. Albetids fand lim FestsaaJ der Hotels Erzherzog Johann ein Bankett statt, an welchem auch die Gemeinde-, vorstände und die zionistischen Korporationen teilnahmen. Mit Recht wurde in den Festreden hervorgehoben, .daß der. Besuch des Präsidenten der Weltorganisation in unserer kleinen Gemeinde eine Anerkennung der Position , darstellt, welche der zionistische Gedanke in G r a z errungen hat. Donnerstag nachmittags fand tan Salon des Hoteis Erzherzog Johann e.in Presseempfang statt, auf Grund dessen die führenden Grazer Zeitungen ausführlich' über den. Stand des Aufbauwerkes berichteten. . a ' Unter dem Eindruck der Rede Sokolows führte die Keren Hajessod-Kommission ihren Drive durch. Die Aktio'n ^||lllllflfllllflllfil1lllfllflllllflffl fllHIIfllflllflllftfllflfllllifflfffffllflfffflfllftirUlIlflllllf^ iTalare-n« Barette' für Kultus und Justiz in den mannigfaltigsten Formen erhalten Siefeitig und nadi Haß . In bester Qualität zu den billigsten Preisea! in der allbekannten üniformierungsu. Maßschaetderei ItallÄMßtil.y (Athiung auf Hausnummer 1) WS Tel. 45-29 Gegr. 1866 | Zahlreiche belobende Anerkennungsschreiben! H Versand nacfi allen WeltfeilenI Reith illustrierte Kataloge gratis! _ ^iMtllliMiMItltlUlUlllllltlJItlllltllllllUlllIllllllllllllllllltllllllllllllltlUlllSllllIlllSUlllll^