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Die neue Welt · 1928-03-09 · Heft 25 (9.3.1928) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 25 (9.3.1928)
Date
1928-03-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nf. 25 DTE NEUE WELT Seite 5 Aus dem Nationalheim ausgewiesen* —y. Wie bereits berichtet, sind 16.Juden ans Mossul, die auf der Flucht vor antijüdischen Exzessen nach Palästina kamen, von der Polizei verhaftet worden. Sie führten zwei Thorarollen mit sich und erklärten, sich in ihrer palästinensischen Heimat niederlassen zu wollen. Die Flüchtlinge wurden wegen unerlaubter Einreise vor Gericht gestellt. Das Urteil lautet auf Landesverweisung. Die palästinensischen Behörden haben sich eine merkwürdige Anschauung von der Institution des Nationalheims zurechtgelegt. Kürzlich ist ein amerikanisch-jüdischer Tourist von der Landung zurückgewiesen worden, da er auf dem Schiff die Absicht geäußert hatte, in Palästina zu bleiben, wenn es ihm dort gefällt. Dann ist in Haifa ein jüdischer Schneider, der eine Frau beleidigt hatte, durch Erlaß des Magistrats ausgewiesen worden. rNur ein Gnadenakt des Öberkommissärs konnte ihn davor retten. Zu diesen Fällen, die an sich schon grell genug sind, kommen nun diese sechzehn Juden aus Mossul. Sie hatten Thorarollen bei sich, sind also keine jüdischen Bolschewiken, deren dunkle Aspirationen den Lord Rothermere und seine Kompatrioten so stark beschäftigen. Es sind arme Menschen, die vor Pogromen flüchten, denen also in früheren Zeiten England das Asylrecht. gewährt hätte. Das jüdische Nationalheim, das unter den Auspizien des Völkerbundes aufgerichtet wird, bleibt diesen Juden aus Mossul verschlossen. Sie hatten davon gehört, daß nur wenige Tagesreisen von ihnen entfernt eine jüdische Heimat errichtet wird, die allen Juden Schirm und Schutz, den Verfolgten Zufluchtstätte sein soll. Aber vor dieser Heimat steht die Polizei und schützt sie vor der Einreise jüdischer Unerwünschter, von denen man nichts weiter weiß, als daß sie ihr Leben retten wollen. Für wen wird nun dieses jüdische Nationalheim eigentlich eingerichtet, wer darf es betreten und wer sagt eigentlich, was man unter jüdischem Nationalheim zu verstehen hat? Als der politische Zionismus seinen Weg antrat, warf er die Parole vom J u d e n s t a a t, von dem freien, unabhängigen jüdischen Land, in die Massen und eroberte ihre Phantasie und ihr Herz. Er bekam von ihnen die Legitimation, für das jüdische Volk die Souveränität mit allen ihren Attributen zu fordern und er hat auch tatsächlich den Erfolg erzielt, daß der Völkerbund die historische Verbindung zwischen dem Volk ohne Land und dem Land ohne Volk anerkannte und eine jüdische Vertretung der Mandatsverwaltung für alle Angelegenheiten zur Seite stellte, die mit dem Aufbau des Nationalheimes, mit der jüdischen Einwanderung und der jüdischen Ansiedelung in Verbindung stehen. Damit war doch ausgedrückt, daß das jüdische Volk,; vertreten durch die zionistische Exekutive, die Einrichtung seiner Heimstätte selbst besorgen soll. Von diesem politischnationalen Inhalt ist aber in der Folge ein Stück nach dem anderen abgebaut worden. Die jüdische Vertretung hat sich vom Geist des Schutejudentums umnebeln lassen; ihre Schwächlichkeit hat dem selbstherrlichen Kolonialbureaukraten den Weg geebnet und die Juden sind heute in Palästina nicht, wie. das- Mandat ausspricht, kraft ihres natürlichen und historischen Rechtes, sondern kraft der Duldung des englischen. Beamten, dessen ausführendes Organ der arabische Polizist ist. Es ist eine skurrile Erscheinung, aber sie ist da: der Jude, der in Palästina wohnt oder sich dort niederlassen will, der dorthin flüchtet, wird ausgewiesen. Wo ist die Instanz, die da Ordnung schafft? Der Völkerbund hätte die Verpflichtung; Aber da Rußland groß ist und der Zar weit, sp muß irgend jemand den Völkerbund auf diese Was machen Sie jeden Abend? ».Ich lasse mich mit Diana-Franzbranntwen massleren 1" - „ Waium gerade mit D i a n a - F r a n zp r a.n n t w e 1 n?a .Well Ich mich uberzeugt habe, dass nur Massage mit DIANA- | FRANZBRANNTWEIN! mit Menthol solche Schmerzen lindert, welche von UÜberanstrengung und schwerer Arbeit herrühren. Eben daium kaufe ich nur Diana-Franzbranntwein und nichts anderes. Nehmen Sie nur Diana I W«rtl9»a N9«hQhmiingen w«l»»n $1« xurtkk 1 Überall erhältlich I eseasBE^^ naaraa^^ Die weltberühmten und bevorzugtesten Amerikanischen Manischewitz Matzos Gries nwpDny»'jKD Farvel sind bereits eingetroffen und sind in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich sein. Manischewitz Matzos-Vertrieb Wien* II., Fugbachgasse 24 (Nordbahnstraße 38) Telephon Nr. 75-M3 und 42-3-38 Filiale: Ig. Trost, II., Haidgasse 9, Telephon R 46-8 89 aa^aidua^^ Dinge aufmerksam machen und dies nicht einmal in der Festwoche der Mandatskommission, sondern immer dann, wenn es notwendig ist. Es hätte also die zionistische Exekutive die Aufgabe. Sie hätte sie. Das jüdische Hochschulelend und die Jerusalemer Universtät. Von Wladimir Jabotinsky. Im Namen der Union der Zionisten- Revisionisten versendet Jabotinsky nachstehenden Aufruf, in welchem gefordert wird, an der hebräischen Universität den normalen Lehrbetrieb einzuführen und -die verfolgten', jüdischen Studenten aus aller Welt zuzulassen. Wir bringen die interessanten Ausführungen ohne ihnen in allen Punkten beizupflichten. Die traurigen und erniedrigenden Ereignisse in Großwardein (Oradea-Marc) sind —; obwohl in diesem Falle nicht bloß die jüdischen Studenten, sondern auch die gesamte jüdische Bevölkerung Ausfälle der wildesten Barbarei zu erdulden hatte — in ihrem Wesen nichts anderes als ein neues Glied in der langen Kette der Verfolgungen, die an den meisten Hochschulen Osteuropas, und teilweise Zentraleuropas, das Leben des jüdischen Studenten verbittern, ihn am Studium hindern, seine Jugendjahre..'in ein Martyrium verwandeln. Durch diese Ereignisse wird,, wiederum in aller Schärfe die. Frage der, Schaffung einer jüdischen Hochschule aufgerollt: einer Hochschule, in welcher derjenige Teil unserer studierenden Jugend, der seine nationale Würde am höchsten schätzt und daher am schwerste^ unter den Verfolgungen leidet, sein UniversLtätsstudium, vom Anfang bis zur Endprüfung, in einer ruhigen und freundschaftlichen nationalen Atmosphäre verbringen könnte. Diese Forderung nach einer jüdischen Hochschule erscheint so natürlich, daß — wäre das Unheil in Großwardein vor ewigen Jahren geschehen, — jeder Ziöriist und jeder ehrliebende Jude unmittelbar ausgerufen hätte: »Die beste, die würdigste, die einzige Antwort darauf ist, die Schaffung einer hebräischen Uni vctsi tät in J erusa 1 cin." .' Heute aber stehen wir vor einer paradoxalen.Lage: In Jerusalem gibt es schon eine Anstalt, die den' stolzen Namen einer „Hebräischen U n i v e r s i t ä t." führt, die aber weder eine Hochschule für Studenten 'ist, noch eine solche sein will. Durch den Willen einer kleinen- Anzahl von Personen wurde dieser Anstalt der Charakter eines „Wissenschaftlichen Forschun'gsi ns ti tu ts" gegeben; jede Forderung, sie in eine wirkliche Studien? Universität zu verwandeln, wird unter dem Vorwande abgelehnt, es sei des jüdäschen Genies unwürdig, .eine „D i p 1 o m f a b r i k" zu schaffen. Die wenigen jungen Leute, welche in dieser Anstalt planlosen Vorlesungen beiwohnen —, die weder den Anfang eines systematische» Kursais darstellen, noch zu irgendeiner abgeschlossenen Ausbildung, führen —, beklagen sich öffentlich 'üb&^,yejf* lojene Zeit, und Mühe; die besten Elemente unserer Jugend aus Palästina und aus dem europäischen Osten", <iie eine systematische Ausbildung suchen, dürfen an diese sogenannte jüdische Universität nicht einmal denken, da säe-' absichtlich;und grundsätzlich keinen Platz für wirkliche Studenten hat. Gegenüber dem Numerus claiisüs, der den Juden in den Ländern des herrschenden Antisemitismus geboten wird, setzt diese hebräische U/niver» sität im Lajide des jüdischen National Home den jüdischen Studenten einen Numerus nuJlus entgegen. Es ist unangemessen, die geschilderte Sachlage mit der banalen Phrase zu beantworten, eine hebräische Universität sei etwas Höheres als eine bioöe Unterkunft sstätte für Flüchtlinge von , fremden Universitäten. Das Ziel des Zionismus ist auch etwas Größeres ajs das Streben, ein Nachtasyl für Verfolgte zu schaffen. Aber ebenso wie das Judenland —•, ohne vor allem, ein Einwanderungszentruni für verfolgte Juden zu sein -r. als eine empörendeUngerechtigkeit empfunden .wird; Ist auch die jüdische Universität ohne Platz für unsere vertriebenen Studenten —, ein un< nützes und erniedrigendes Absurdum. Wir wenden uns deshalb an das zionistische Aktionskomitee mit dem dringenden Appell, seinen gesamten moralischen Einfluß darauf zu verwenden, daß diesem unhaltbaren Zustande ein Ende gemacht werde. Die Durchführung unverzüglicher und grundsätzlicher Reformen soll .erwirkt werden, die die Jerusalemer Quasi¬ Universität allmählich An eine Reihe von Fakultäten für systematische fachliche Ausbildung umfassende — r e g e lrechte Hochschule verwandeln würden. Dabei möchten wir die Aufmerksamkeit auf folgende Umstände lenken: 1. Das Budget der Jerusalemer Universität kann schon Jetzt den Vergleich mit dem Budget einer beliebigen durchschnittlichen europäischen Hochschule aushalten. Der Finanzbericht der Zionistischen Exekutive zum XV. Kongreß, bemißt die Ausgaben der Universität in Jerusalem für das Jahr 5687 mit Pfund 35.819, das heißt mit 180.000 Dollar. Der Kanzler der Universität, Herr Magneß, erklärte vor kurzem in Jerusalem den Pressevertretern, daß das diesjährige Budget der Universität Pfund 46.000 ausmacht und daß in fünf Jahren das Budget die Summe von Pfund 100.000 erreichen wird. Dabei übersteigt das Jabresbudget der Universität in'Kowno (6 Fakultäten, 3000 Studenten), nicht 300.000 Dollar; in Athen (6 Fakultäten) 200.000 Dollar; in Madrid (4 Fakultäten) 400.000 Dollar; in Jena 250.000 Dollar, Neuchatel 72.000 Dollar usw. 2. Lehrkräfte für eine solche bescheidene Hoch* schule stehen schon heute reichlich zur Verfügung. Sogar unter dem gegenwärtigen Personal des „Forschungsinstitutes" gibt es Personen, die die hebräische Sprache ganz zufriedenstellend beherrschen. Diese Personen sind zweifellos nicht weniger dazu qualifiziert, der Jugend Kenntnisse, die von der Wissenschaft bereits errungen sind, zu vermitteln, als selbständig neue wissenschaftliche Wege zu suchen. Wäre die Jerusalemer Universität in. eine richtige Hochschule verwandelt, dann könnten viele wissenschaftlich vorgebildete Mediziner, Juristen, Naturforscher, Philologen usw. an die Vervollständigung ihrer wissenschaftichen Ausbildung energisch herantreten und uns in kürzester Zeit eine genügende Anzahl von Dozenten verschaffen. 3. Das Argument: „Die Jerusalemer Universität brauche nicht einfache Prof essor en-Dozenten, sondern erstklassige Gelehrte m$t weltberühmten Namen", ist unter jeder Kritik. Keine einzige Kwlturänstalt einer Nation, die bloß die ersten Schritte auf dem Wege ihres Kulturaufbaues macht» kann mit „erstklassigen" Kräften beginnen, Nur ein bescheidener Anfang ist ein. gesunder Anfang. Das Lehrerkollegium einer hebräischen Hochschule wird — quantitativ und quai..ativ — hu Verhältnis zur allseitigen Entwicklung der Hochschule wachsen, und so wird die Zeit kommen, da die Universität selber, im Resultat einer natürlichen Evolution, ihre eigenen, wärkHch erstklassigen Lehrkräfte schaffen wird. 4. Die Forschungstätigkeit als solche war nie und nirgends der AmVi;* einer Uirversität. Sie ist Iogischerwfcise ausschließlich als Resultat eiaer längeren Entwicklung möglich. Sie ist die Krone, nicht die Wurzel ehier Universität.; 5. Für einen beträchtlichen Teil unserer des höheren Studiums bedürftigen Jugend wird auch die Möglichkeit, euie sogar au. einem bescheidenen Niveau stehende jüdische Hochschule ta besuchen, einen kolossalen Sphritt nach vorwärts bedeuten. Jetzt sind manche jüdische Studenten in;gewissen Ländern des europäischen Ostens gezwungen, „Hochschulen" zu besuchen, die, vom wissenschaftlichen Standpunkt aus, wirklich minderwertig sind und auch dort gibt ihnen die herrschende antisemitische Atmosphäre keine Möglichkeit, dieses mehr als bescheidene Studium gehörig zu genießen. 6. Die Verwandlung der Jerusalemer Universität in e|ne wirkliche Hochschule wird sie zweifellos auch materiell stärken. Die Anwesenheit einer bedeutenden Studentenmenge wird der Anstalt eine ungeheure Popularität verschaffen, wird sie mit den Lebensinteressen und Hoffnungen von Hunderten von Familien in verschiedenen Ecken der Diaspora verbinden, was unvermeidlich | auch einen gesteigerten Zufluß von Sympathie» uad Geld*

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