Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 25 (9.3.1928)
- Date
- 1928-03-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 25 Internationale Untersuchung der rumänischen Pogrome.; Die Forderungen der jüdischen Völkerbundligen auf der Brüsseler Konferenz. — Das Referat Margulies'. Mitte März beginnt in Brüssel die Jahres, konferenz der .Internat! o n a 1 e n Union der Völkerb-undligen. Auf dieser Kon ferenz werden auch die Frage der Verfolgung der Juden in Rumänien und die Frage der Zwangssonntagsruhe iri Griechenland zur Behandlung-kommen.. An der Konferenz werden die jüdischen Völkerbundligen in ,Oesterreich» Bulgarien, Tschechoslowakei und Palästina teilnehmen. Ueber- Einladung der Jüdischen Liga in Oesterreich referierte am 5. d. M. der Generalsekretär der Jüdischen Liga in der Tschechoslowakei. Herr Dr. Emil M a r g u 1 i e s, in einer öffentlichen Versammlung, die im Saale des Handelsmuseums stattfand, über die Fragen der Brüsseler Konferenz und insbesondere über ,; *; die Behandlung .der rumänischen Exzesse. Er führte aus: , .. Die Frage der antisemitischen Ausschreitungen in Siebenbürgen muß als cin Teil des Minderheiten- Problems behandelt werden. Die jüdischen Vertreter auf den Minderheitskon-gressen und Ln der Union der YÖlkerbundljgen sind dort Vertreter der jüdischen Minoritäten und ihre Anwesenheit beweist, daß das jüdische-Volk als ein Volk wie. jedes andere betrachtet wird, nicht aber als ein Ausnahmsvolk.. Das ist ein .Fortschritt in. der Entwicklung : des Jüdischen Problems/ Wir können uns auf die Minderheitsschutzbestimmungen . berufen; und diese' wieder haben ihren Ausgangspunkt in den allgemeinen 'Prinzipien, die einen Teil der im Völkerbund sich ausdrückenden Rechtsiiberzettgung darstellen. Diese Grundsätze sind formuliert ' b dem wichtigen Brief Clemenceaus an die pol- ' - - -; nisehe Regierung. 11 Polen hatte sich durch den Präsidenten Pade- Ire.wski sehr heftig gegen die Aufnahme des Mmderheitsschutzes gewehrt und der französische Ministerpräsident Clemenceau richtete an den polnischen Ministerpräsidenten einen Brief, der. b ",,; . .- ' eine authentische Interpretation aäler Miiiderheitsschutzbestimmürigen''gibt: Gemehceau erklärt, daß diese Bestirnmung€n<"-sic^atts;ä'en allgemeinen ' Grundsätzender Freiheit und';Gerechtigkeit ergeben, wie ■s!ej bereits 1878 auf dem Berliner HK-ongreß vön detnJ'Vertreter Frankreichs lrFeiner Redö:'über' die religiöse Freiheit tmd über die Verpflichtung der. dafnals entstandenen neuen Staaten (insbesondere Rumäniens) ausgesprochen wurden, gleichsam als Garantie dafür, daß diese Staaten, wötin sie Ün die europäische Gesellschaft aufgenommen werden, sich den Grundsätzen der Freiheit; und Gerechtigkeit anzupassen ^haberi. Das ist die Grundlage für die Mihderheitenverträge.' '• •-' Wenn die Verbrechen in' Rurnfcn'ien Ifir'e'Sühne •''nicht finden, so Wörden sie zu 'eln e m ih t e r nationalen Problem. Es handelt sich nicht'um Ejnzeläkte,^sondern darum, .daß geistig führende Volksbestandteile aus der Verubung von Verbrechen . eine. Art Religion Anschluß an die Arader Bewegung.* Es handelte sich eben nicht nur um die Aenderung der deutschklingeriden Juden" narnen,- sondern um ei ne be wu ßt« U/eb e r 1 e it y n g des J udentums zum Christentum auf dem Umwege einer reformistischen judenchristliehen Gemeinde. Die Ergebnisse dieser christlichjüdischen Sektiererei im Jahre 1848 waren allerdings andere, als. die-Fuhrer-es sich gedächt haben. Die. Assimilanten, die sich bereits rfeif gefühlt hatten für die Taufe, und andere wieder, die in falsch verstandenem Dankesüberschwang an die Revolution nicht nur Hab und Gut, sondern i auch Jhre Religion und ihre Ueberzeugung auf den; Altar des ^Vaterlandes \ legen zu müssen» glaubten» machten ohne alle Umwege den moralischen TodessprUng direkt in die christliche Kirche., Die anderen wieder, die noch rechtzeitig zur Besinnung gekommen wareji» zogen sich schleunigst in. ihre konservative Positionen zurück, und es ist für mich heute Hein Zweifel mehr» daß das Verhalten der jüdischen Abgeklärten und ihrer rabhinischen Führer, im 1848er. Revolutioosjähre die bis in das Emanzipationsjahr 1867. „nachwirkende Ursache odei zuraindesreine der Urac^en dafür war, daß der judische Kongreß'von? Jahre 1807 nicht die Einigung, sondern die Trennung des nngarlähdiscnen Judentums herbeiführte. Diese Feststellung exkulpiert; aber meines Ecachtens' nicht die uhgarländische Orthodoxie yoh.der Schuld der bis auf den heutigen Tag fortbestehenden Kampfesparole der Trennungsorthodoxie und ihrer Anwendung .in der Öaluth und auch im Lande der Vater. Das Scheitern des ungarischen Freiheitskanipfes hat auch die Arader judenchristlicbe Bewegung zürn Scheitern verurteilt, Einmal noch versuchte ein ungarischer Rabbiner in Amt und Würde als Prophet einer neue« judenehristlichen Religion eine größere Belegung anzufachen. Ueber diese Bewegung und den Rabbiner, der sie verursacht hatte, soll demnächst gesprochen werden. Die akademische Jugend, die man die Blüte und die Hoffnung des Volkes zu nennen pflegt, hat die Exzesse sozusagen alsihreAÜfgabe organisiert. Diese Studentenschaft hat sich unter Führung eines Menschen, der wegen eines Verbrechens dieses Charakters vor Gericht gestanden und freigesprochen worden war, zu einem Kongreß versammelt, sie-hat von diesem Kongreß aus FaHr ten uit'ternomm'en und das getan, was uns bekannt ist. Das war von der Studentenschaft als solcher . organisiert. Das könnte man vielleicht zur Not begreifen. Man könnte sagen, , die akademische Jugend hat das Bedürfnis zu einem revolutionären Akt, der ihre Verneinung der Gegenwart zum Ausdruck bringt Was aber hier verschärfend dazukommt, ist nicht hur die Duldung durch die Regierung, nicht nur die Tatsache, daß: in diesem -Lande, in dem das Militär so fest in der rland eines einzigen Menschen ist, die Leute ihre Züge\ von Stadt zu Stadt führen konnten, sondern auch die. Tatsache,... ..' w , daß die Hochschullehrer das Unternehmen der akademischen Jugend zu einer nationalen Tat ge- / . stempelt haben. Sie selbst haben das verkündet und als Ausfluß einer p a t r i o 11 s c h e n G e s i n h tt h g gurgeheißen. Das kann nicht verwundern. Mit welcher'Warthe und mit welcher Rabulistik hat doch im Vorjahre auf der Berliner Tägu n g der Völkerbundligen der Rektor der Bukarester Universität Dr. Pangrati die Händlungen der Studentenschaft gedeckt! Man hat detrtlich gesehehi daß er mit dem Herzen bei dieser!Jugerid^ist. Aüs diesen Handlungen hat man in 'Raimänien eine Art von nationaler Moral gemacht. '"' '' [':-\] Es ist nicht die .Moral, des rumänischen Volkes, das wir nicht beleidigen wolleiiw - Aber wir sehen uns gezwungen, d e n G e g'e h's a t se zw i sehen d lese r s" ab rde'gö'isf i sehen Moral und den Grurids'ätz'eh des;i'n'teriiäti9hale'n Recht sbe Wu Btselns aufzeigen:Das Verbrechen an den Juden ist ein''Ver^ der Freiheit und Gerechtigkeit; ati den Pfift^^^ \ DeWaration' Gletnenceaus '-Ireuö ''Gefrieinschaft der Völker sich aufbati^n soif^Wir/si^ sehen' Erwägungen; Iii die 'Völkerb'undli|Cn hineingegängerj, aber inv Zuge der Eni^iökiüri^ mußte es uns klar; .werden, daß die Betonung der'''mo'raltschen 'Grundsätze zn einer Waffe im Existenzkampf unseVes Volkes geworden 'ist und daß wür uhs'gbgen die Gewaltran^sich, gegen jede an'irgend einer Mihorität begangenen 1'Rechtsyerietzuiig einsetzen müssen. Es ist unsicher, ob esf. gelingen .wird, sch.on jetzt In Brüssel bei der .Knappheit; der Zoif'zU einem Beschluß zu gelangen, welcher erklärt, durch die Vorgänge in Rumänien sei ^de r M[in<i ei'h ei tsschu\z; verletzt wprden. Aber , diese Frage i?t auf der Tagesordnung und bleibt auf ihr so lange, bis kejn .AahlaÖ mehr besteht, über sie zu sprechen. Was wir aber'vielleicht erreichen werden, ist, daß aus. der . Mitte der Union eine Untersuchung der Vorgänge in Rumänien beschlossen wird. VVHr hatten bereits in Bßrlin. ein Referat des Generalsekretärs! R n y s s c f über die rumänische Judenfrage, aberhoch nicht mit dem.'"Tatsachetimaterial, wie es-.heute Vprypst.. , Wir werden' verlangen, es möge eines der Mitglieder mit der Untersüchqng der Vorgänge, des ganzen Problenis, der Stellung der Studentenschaft, der Verantwortlichkeit der fülireutlen Intellektuellenschichte, det Hochschullehrer be- . traut werden. Wir bauen unsere Hoffnung'■ darauf, daß die Völkergemeinschaft sich der Herrschaft der Gedanken des Rechtes unterwirft. Auch' die; Minderheiten bilden 'einen Völkerbund, den Bund von Völkern, welche de facto minderen Rechtes sind. Der MinderheUehkp/igreß bat den Zweck, eine gemeinsame Linicf zu finden, auf welcher alle Minderheiten, ihre Existenz sichern könneri. Er-ist eine neue InternatiouaJHät, In der eine neue moralische Kraft heranwächst, die auch , die Voraussetzung Ist für die Befreiung des jüdischen Volkes, Sie liegt darin, daß die Solidarität d e s Schicksals aller Minderheiten erkannt wird und daß das jüdische Volk zu einem gleieh'w'ertigen Volk geworden ist. (Lebhafter Beifäll.) *" ' - Den Vorsitz in der Versammlung führte Herr Hof rat Professor Dr. S. Frankfur,ter. pr hielt nach der Eröffnung dem verstorbenen Gründer und Präsidenten der Liga Oberrabbiner Dr. C ha) es einen Mach ruf, den die Versammelten stehend anhörten, „Was Dr. Chäjes", sagte er, „mit dem Völkerbundgedanken verbunden hat, war seine ganze Persönlichkeit, di« tief vVtlrz^lte In'der Ged a ti k 0 n w e 11 d e r. Propheten, in dem, was wir jüdische Gesinnung und jüdische Art nennen. Er bat in allen ^Jürclie Osterspeisen kann jeder Sirenggläubige ohne Bedenken Kunerol verwenden. Die Kunerol-Erzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Naturfettes unten strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. KUNEROL 100% REINES KOKOSNUSSFETT Reden immer darauf hingewiesen, daß das einzige Gute, was der Krieg doch zustandege/bracht hat, eben die Verwirklichung des Gedankens des Friedens ist Man darf sich nicht davon beirren lassen, daß der Völkerbund heute noch nicht das ist, was'er sein-soll. Wenn er es aber werden soll, so nur dann, wertu er besteht." Die rumänischen Synagogenschäuder. Vor dem Klausen burger Gericht begann am 1. März der Prozeß gegen die letzten Angeklagten aus der Zeit der antisemitischen Studentenexzesse. Die Antisemiten, die im Zusammenhang mit der Bewegung zur Milderung der Urteile in den ersten Prozessen wieder Mut bekommen haben, üben einen scharfen Terror aus. Der als Zeuge einvernommene Jude Isak Sehenker wurde während der Gerichtsverhandlung von den anwesenden Studenten überfallen und schwer mißhandelt. Nur mit Mühe gelang. es, ihn den Händen der Angreifer zoi entreißen. Ein antisemitisches Zirkular der rumänischen Nationalbank. Man schreibt uns aus Bukarest: Die rumänische N a t i 0 n a 1 b a n k hat. vor kurzem, an sämtliche Bankinstitute und Tndustrieuhternehmungen, die ihr nahestehen, ein Zirkular" gerichfefl ifi; weldhem angeordnet'Würde, daß iälTe,''.'A-h':ge's"t%il,ten'','';nä'c'h Nationalität und R el i g i öri bekanntzugeben seien. Da kurz vorher die antisemitische Presse eine heftige Kampagne gegen die ^Fremden" in Handelund1' Industrie betrieben hätte, so war der Zweck dieses Zirkulars klar. Der in Bukarest wegen der Anleiheyerhandlungeh weilende französische Unterhändler Mohn e t erhob gegen die sich ankündigende Mäßnahrh'e energische Vorstellungen bei dem Ministerpräsidenten Vintilla Bratianu. Das Zirkular mußte z u r ü c kg e z o g e n werden. Nachträglich wurde beschönigend erklärt,'daß "die verlangten Angaben statistischen Zwecken hätten dienen sollen. Aus einem lettischen Gefängnis. Am 2. März begann vor dem Bezirksgericht in Dünaburg ein Prozeß, gegen eine Reihe Beamten der Dünaburger politischen Polizei, die beschuldigt sind, , 35, jüdische Jünglinge und Mädchen aus Kreslowke, die wegen des Verdachtes kommunistischer Betätigung verhaftet worden waren, in nicht wiederzugebender Weise gefoltert zu haben» um sie zu einem sogenannten „Geständnis" zu bringen. Die Gepeinigten waren Mitglieder der jüdischen Kulturliga. Bei einer Hausdurchsuchung inl Hause der Kultuiv Hgä wurden sie verhaftet und einige Tage lang im Gefängrnis solchen Tortur en unterworfen, daß einige von ihnen dauernden. Schaden an ihrer Gesundheit erlitten. Der jüdische Abgeordnete Dr. Meise 1 brachte die Vorgänge im Sejm zur Sprache, woraufhin beschlossen wurde, eine parlamentarische Kommission mit der Untersuchung zu betrauen. Die Kommission stellte fest, daß tatsächlich bestialische Torturen vprgekommen waren. Im Zusammenhang mit den Feststellungen der Komniission wurden der Chef der Dünaburger Polizei, Bredis, Und alle an den Torturen beteiligt gewesenen Beamten ihrer Posten enthoben und in, den Anklagezustand versetzt. Der una bu r.ger., Militä rkommandant wurde auf ejnen n.iedrigereri, Posten versetzt.. Öie 35 jüdischen junge* Leute wurden aus jtler Haft entlassen, die. Verhandlung! gegen sie wegen angeblicher kommunistischer Betätigung wird am 16. März stattfinden- Sie leugnen jeden Zusammenhang mit dem Kommunismus und behaupten, daß die in der Nähe des Lokals der Kulturljga gefundenen roten Fahnen uii'c| Proklamationen von polizeilichen Provokar teuren unterschoben worden sind. * Truqipeldor-Gedenkfeier. Mittwoch den 14. März 1928 veranstaltet dqr J-u^endibund „T r u m p e I d 0 r" i|» Jüdischen Zentrum, II, Untere Augartenstraße, uro hjtfb 8 Uhr, eine Gedenkfeier für den Helden von TeJ-Cfiaj, elegante Herrenhalbschuhs, prima rahmengenaht, schwarz, S 24.50 und 58-50. braun S 28.50 und 32.50, ichöne Formen, in aljen Del-Ka-Verkaufshäusern, Beachten Sie Inserat Seite 7,