Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 25 (9.3.1928)
- Date
- 1928-03-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 25 DIE NEUE WELT Seite 3 ^übhianb/iif —., Jcfiufiy Färbige P "»so Modespan^enschuhe ] 25.50 Detailverkauf zu Engros-Preisen direkt in der Fabrik, VII., Kaiserstraße Nr. 46 I., Bellarfastraße 12. Tel. 36-3-39 V.,Sch5nbrunnerstr.5G. Telephon 95-55 SPRECHAPPARATE wie Gramola, Columbia. UMraphone UNSER SPEZIAL- KOFFER -APPARAT „MINERVA".........s 75'- „MA JESTROLA" I......S 130'- „MA JESTROLA", Luxus . ¥ Auch auf Teilzahlung t ¥ Neueste Schlagerplatfen In größter Auswahl die Internationale findet die Sprache wieder. Sie hat einstimmig eine Resolution beschlossen, die die sozialistischen Parteien der Sowjetukraine vor jedem Zusammengehen mit chauvinistischen Parteien warnt. Die Resolution nimmt ausdrücklich Bezug auf „die fürchterlichen Geschehnisse des Bürgerkriegs--und der Judenpogrome" und ist das Ergebnis von Kommissiansberatuingen, in denen man sich auf Forderung des russischen Vertreters Abramowitsch mit den Kundgebungen der ukrainischen' Sozialdemokraten für . den Hetman Petljura beschäftigt hatte. Diese Vorgeschichte ist darum erwähnenswert, weil zum Beispiel die Wiener „Arbeiter-Zeitung" die Resolution mitteilt, ohne den Anlaß und ohne die Bezugnahme auf die Pogrome anzugeben. Auch das ist erwähnenswert, weil es symptomatisch ist für die Art. wie hier die Arbeiterschaft informiert wird. Der Sturz des Unterstaatssekretärs Gregory liat sich, wie schon in der „Neuen Welt" berichtet, unter sensationellen Erscheinungen vollzogen. Gregory, einer der leitenden Beamten des englischen Auswärtigen Amtes, hat seine Stellung zu gewagten Fräncsspekulationen mißbraucht und wurde disziplinarer entlassen. Seine Affäre ist aber nicht abgeschlossen; er wird beschuldigt, dem seinerzeitigen •Premier Mac Donald durch» die vorzeitige Veröffentlichung des bekannten Sinowjew-Briefes und der Note an Rußland ein Bein gestellt zu haben. Die Folge dieser Publikation war bekanntlich eine schwere Wahlniederlage der Arbeiterpartei. Gregory hat sehr intime freundschaftliche Beziehungen zu antisemitischen Parteien der russischen Emigration und der deutschen und magyarischen. Hakenkreuzler unterhalten und er hat insbesondere zur Zeit der Ermordung .Rathenaus den Hitler-Leuten den Rücken gedeckt. Er förderte auch die Armeen der Judenitsch, Wrangel und Petljura und ist so mitschuldig geworden an den grauenhaften Judenschlächtereien, die sich nach dem Krieg in der Ukraine, auf der Krim und in Sibirien ereignet haben. Kriegsgefahr in Arabien. Aus London wird berichtet: Der Wahabiten- und Hedschaskönjg Ibn Saud hat sich, definitiv den gegen Transjordanien, Irak und Koweit vorgehenden Wahabitenstämmen angeschlossen und damit eine äußerst bedrohliche Lage geschaffen, die unter Umständen schwere Konsequenzen für ganz Arabien nach sich ziehen wird, da die gefährdeten Staaten bekanntlich englisches Mandats- oder Schutzgebiet sind. Die Erklärungen Ibn Sauds veranlaßten England zu umfassenden militärischen Vorbereitungen. In Palästina, Aegypten und Indien werden in aller Eile Flugzeug Geschwader ausgerüstet, um jederzeit zur Verstärkung der Luftstreitkräfte Englands in Basra und Koweit abfliegen zu können. Der Ku-Klux-Klan, die bekannte Terrorsekte in Amerika, die alle Nichtamerikaner, Katholiken und Juden ausrotten will, macht wieder von sich reden. Der „Oberste Reich szaubere r", wie sich der Führer dieser Verbrecherorganisation nannte — diesmal ist es der wegen seiner verschiedenen Affären berüchtigte Hiram W. Ewans — sah sich mit Rücksicht auf den drohenden Zusammenbruch seiner Armee veranlaßt, an alle Mitglieder des Klan einen Aufruf zu erlassen, in welchem befohlen wird, die bisher obligat gewesene Gesichtsmaske und den weißen Talar mit rotem Kreuz als Ordenszeichen abzulegen und in Zukunft als „Ritter des großen Ungeheuer s" die Arbeit fortzusetzen, von welcher die Behörden sie vertreiben wollen. Der mit allen Salben geschmierte verkrachte „Reichszauberer" Ewans will auch diesmal aus dem letzten Versuch, die Schwindelorgamisation zu erhalten, möglichst viel Kapital schlagen. Da die Generalprokurator des Staates Indiana in Washington den Antrag unterbreitete, nicht nur alle Verbrecher des Ku-Klux-Klan mit unerschütterlicher Strenge zu verfolgen und unschädlich zu machen, sondernauch -die Statuten des Klan außer Kraft zu setzen, verfügte Ewans nun eine Aenderung der Statuten, in welchem der wichtigste Punkt ist, daß jeder, der einen Dollar bezahlt, zum „Ritter des großen Ungeheuers" erhoben werden kann. In seinem Aufruf macht Ewans auch alle „ihr Vaterland liebenden Amerikaner", aufmerksam, daß schon in der nächsten Zeit sich Gelegenheit für eine gesteigerte Klan-Arbeit in allen Staaten Amerikas ergeben werde. Gemeint ist offenbar der Kampf um die Präsidentschaft von Amerika, für welche die demokratische Partei den Gouverneur des Staates New York AI. Smith kandidieren.will, der bekanntlich Katholik ist. leb hau' mein Herz In Heidelberg verloren. Und damals gänzlich auch mein Appetit entschwand. Nun aber iflhP ich mich wie neugeboren, Da ich dnreh Haber-Essig ihn ja wieder fand. Kurze Verschiebung der Amerikareise Doktor Weizmanns. Dr. Weizmann hat seine für den 29. Februar vorgesehene Amerikareise für kurze Zeit verschoben» um vorher noch mit Sir Alfred Mond eine Besprechung zu haben. Der „Jewish Chroniclc" veröffentlicht ein Interview mit Dr. Wcizmann, worin dieser u. a. auf die Besserung der Lage in Palästina hinweist. „Ich will offen gestehen", erklärte Dr. Weizmann, „daß ich mich viel mehr vor den Konsequenzen der Hochkonjurtktuijl die ich in Palästina voraussehe, fürchte, als ich mich je vor der Krise geängstigt habe. In übermäßigem Optimismus liegt eine größere Gefahr, als in unberechtigtem Pessimismus." Dr. Eder bleibt Mitglied der zionistischen Exekutive. Palästinensische Zeitungen haben vor kurzem die Meldung gebracht, daß Herr Dr. Eder sein Amt als Mitglied der zionistischen Weltexekutive niedergelegt hat. Wie nun Dr. Eder der Jüdischen Telegraphen^ Agentur mitteilt," stimmt die Nachricht von seinem Rücktritt mit den Tatsachen nicht überein. Mar niröi auf regen... in allen »ejirfen! Wii b,aben für unfere ©ölus^ränücu *ur Sequemlidjteit, unferer gcfä)ät}ten ftunben in allen 93&iener «öcjirlcn Ctinlofe» [teilen errietet. 6ie^ cr&alten^bort fcfion filt 20 Stoltts-Stuftftafcett ©cfeHfcfaftsfoiele, tote „9tur niä)t aufregen" ober „SJienfd) ärgere btcfj nidjt" ober „SBolf unb 6d)af" ober Autorennen" ober fteftungefpieF j6pbrtbeil" uftn. ®üt 30 Stoltts» &uä)1täben 1 Srittonr für 15, 20 mtb 25 «ur^ftäben $ilberbttä)er in oerfdjiebenen <&rö{jen, für 40 ein £atnta, für 75 ein 6ä}aa), für 20 einen ßorbuln*9Jtatabor*93aufaften, für 30 einen 2Ralfaften. II. 93ej., $U(f)s & 6cfjormann, §eincftra§e 5 IL „ „ „ „ 6iun>erftrafjc 36 III. „ (£. (£rf)arbt, 9*abeSfc)ftra&e 19 III. „ Strumpf[ä)toemme, (Erbbergftrafje 35 IV. „ 33ernf)arb 6djön, 9Biebner §auptftrajje 8 V. „ „ „ SRetnpred)tsborferftra§c 72 VI. „ „ „ 9Hartaf)Uferftrajje 105 VII. „ SBeftbafjttftraße 48 VIII. „ „ 3o[efftäöterftra&e 99 X. „ ■ 9Barenf)aus 2lnton ©ufdjef, QueUenftrafje 60 XI. n ßinoleum-^amburger, ßauptftrafje 62 XII. „ (Sm. SOtas SBeijj, OTclbltnger §auptftraße 23 (Sinlöfeftellen: XIII 93ea., SUoifia Gfäjer, Shtaerftrafje 269 , . XIII. „ ajtobetoareri&aus, ©. SJergftein, Stnaerftrafje 34 XIV. „ ©ernbarb Sdfjön, SRetnborf gaffe 8 XV. n «ewbarb 6cf)ön, 9Dtariaf)Uferfira5e 131 XV. „ 6m, SDtas 9Bei§, §ttttelborferfttafje 62 XVI. „ 93ernf)arb Säjön, Sleulerdjenfelberftrafje 30 XVII. „ 2>olus»9Berfe, Ottafrmgerfrra&e 24 XVIII. „ etrumpffjatts „«Margit", 9Bätjringerfrra§e 97 XIX. „ 93ernt)arb «ßaßtuss, ©öbltnger Jpauptftraße 61 XX. 0 Sernbarb Säjön, 9BaUenfteinftra§e 5 XXI. 0 3g. Sobicla, Stm 6pui 16 ©ie ©olus>$uä)ftaben=Sammler in ber SBrooluä fenben bie ©udjftabcn nur an bas S>outs.*Brämienbureau, 3Biett, 17. 93eairf, Ottafrmgerftra§e 24. ®ie oon 6portgemeinben unb 6d)uum für einen ftufjbaa gemeinfdjaftUd) gefammetten ®olus=Sudjftaben (300) roerben nur im Scntralprcimlenbureau, SBien XVII., ausgefolgt. SoIit9>«ua)ftaben ftnb in ieber ©olus'Sc^ubcrcme, 3)oIus»grit§bobenpafta, in jeber blaue« SßadEung HETA-(Scifctt|»ttItiec eingelegt. Unfere grofaUoicjen ^rämien^etionen finb Rabatte, bie beir 3toec£ gaben, neue 9lbneh,mer für unfere erfrllaffigen ffobritate au toerben. 6ie ©erben biefe bann roegen ber b^oowooenben Qualität unb nldjt ber Prämien toegeh laufen. Judenchristliche Sektengründungen in Ungarn. Von Jakob Krausz. Ueber das weitere Schicksal der Ende des vorigen Jahres in Budapest plötzlich aufgetauchten Bewegung der „Christusgläubige Israeliten" verlautet seit einiger Zeit nichts mehr. Der hohe Aristokrat, der offenbar im Auftrage der Judenmission dieses fromme Werk des Seelenfanges auf Umwegen in Szene zu setzen versucht hatte, scheint sich bald von der Fruchtlosigkeit seines Beginnens überzeugt zu haben, obgleich sich ihm, wie er versicherte, angesehene Juden aus den intellektuellen Kreisen angeschlossen hatten. Hingegen weiß ein Budapester jüdisches Blatt, das meine bisher in efer „Neuen Welt" er-, schienenen Aufsätze über getaufte Rabbiner und solche, die ihre Gemeinde zur Taufe zwingen wollten, übernommen hat, im Anschluß daran zu berichten, daß die Judenmission in Ungarn und besonders in Budapest in letzter Zeit wieder mit besonderem Eifer und auffallender Zudringlichkeit fromme Talmudisten und Seminaristen wie die Kreuzspinne umkreist, um sie in ihre Netze einzufangen. Judenchristliche Sektengründungen sind übrigens in Ungarn nichts Seltenes und nichts. Neues. Besonders nach den verschiedenen Revolutionen, die Ungarn im Laufe des letzten Jahrhunderts durchzumachen hatte, sprossen solche jüdisch-christliche Sektengründungen auf, bei denen es sich gewöhnlich um schlechtangebrachte Dankesbezeigungen assimilatorischer und reformsüchtiger Rabbiner und jüdischer Gemeindeführer handelte. Es war stets — wenn dieser paradox klingende Ausdruck gebraucht werden soll — die fejge Konsequenz der jüdischen Führer, welche lejbst wohl aus dem Judentum desertieren wollten) aber ihre Führergewalt und rabbinische Funktion, um nicht nur selbst die jüdische Religion zu verleugnen, sondern auch ihre Gemeinde unter dem Deckmantel der Reform dem Judentum zu entführen. Im Revolutionsjahre 1848 waren Budapest und Ä r a d die zwei Zentren solcher reformistisch judenchristlicher Bestrebungen. Besonders Arad erwies sich hienicht den Mut hatten, den Weg zum jenseitigen Ufer bis ans Ende zu führen. Andere wieder mißbrauchten für alsf außerordentlich geeignet. Der ungarische Aufstand' hatte in1 Arad eine mächtige Stütze, Arad lieferte auch Märtyrer des ungarischen Freiheitskampfes, im Verlaufe dessen auch der Arader Rabbiner von den „Kaiserlichen" verfolgt und bedrängt wurde. Arad blieb auch später lange Zeit das Hauptlager der extremsten jüdischen Assimilanten von Ungarn; in Arad wirkte Jahrzehnte hindurch als Rabbiner Dr. Franz C h o r i n, dessen Kinder getauft sind, in Arad brachte es später der Nachfolger von Dr. Chorin als Oberrabbiner fertig, eine c,h ristlich-jüdische Mischehe gewissermaßen als Dank und Anerkennung für die Kirchengesetze, durch welche der Uebertritt vom Christentum zum Judentum und die Schließung jüdisch- Cchristliche Ehen gestattet wurde, in der Synagoge von Arad einzusegnen. Hier in Arad wurde am .24. April 1848 die neue israelitische Judengemeinde gegründet, die sich offenkundig die Aufgabe gestellt hatte, eine religiöse Nivellierung zwischen Juden und Christen in die Wege zu leiten. Diese ganz christlich-jüdische Gemeinde hatte den einbekannten Zweck, „die Anklage gegen das Judentum, daß es sich in religiösen Riten und Uebungen von den übrigen magyarischen Konfessionen absondere und abschließe, a u 8 d e r W e 11 z U s c h a f f e n." Dementsprechend bestimmten die Satzungen dieser neuen Gemeinde: 1. Die Institution des wöchentlichen Ruhetages am Sabbath ist endgültig aufzuheben und obligatorisch auf den Sonntag zu verlegen» damit der, persönliche und gesellschaftliche Verkehr zwischen den Juden und den magyarischen Staatsbürgern verschiedener christlicher Konfessionen in Einklang gebracht werde. 2. Die bestehenden zwecklosen Speisegesetze, welche eine Absonderung von den Angehörigen anderer; Religionen bedeuten und auch für die gesellschaftlichen Verhältnisses störend wirkem sind abzuschaffen. 3. Die jüdischen Festtage sind nach Möglichkeit und Tunlichkeit an d|n Festtagen der christlichen Religionen zu begehen; sie haben ohnehin bloß den Charakter von Erinnerungstagen und ihre zeitliche Festsetzung ist infolge der unsicher gewordenen Zeitrechnung auch unverläßlich. Die Halbfeiertage und die minder wichtigen Fasttage sind abgeschafft. 4. Der Gottesdienst ist mit in lebendigen Sprache abgefaßten' Gebeten ohne symbolische Kleidung und ohne Kopfbedeckung zu üben. 5. Da als religiöser Grundsatz bloß die zehn Gebote gelten können, sind alle anderen religiösen Gesetze! und religiösen Uebungen einer gründlichen Revision zu Unterziehen und eventuell außer Kraft zu setzen. 6. Die Zirkumziston ist abgeschafft; >alle sonstigen Merkmale, die den Juden von den Christen unterscheiden könnten» werden annulliert und sind strengstens zu vermeiden. Hand in Hand mit dieser Bewegung ging auch die Magyarisierungsbewegung der „dankbaren Israeliten", die wieder ihren Hauptsitz in Budapest hatte. Der Budapest«; israelitische Magyarisierungsyereim an dessen Spitze, wie die Chronik verzeichnet, die Juden Armin Engländer» Emanuel Boscowitz und Abraham Pontzer standen» empfahlen in oft stürmischen Versammlungen den