Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 24 (2.3.1928)
- Date
- 1928-03-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr, 24 DIE NEUE WELT Seite 7 DONNERSTAG, den 8. Marz, um ya9 Vht abends im WIENER BÜR GERCAFE '■■ri..71; II., Praterstrafic Nr. 11 1 aegenstand: Olm KreditftOt d*f* ji.di30tl«fl Kaiifleute und Gewa-betreibenden und die Kul<usgemeinde Referenten: Kammerrat KOHN — Oberbaurat ROBERT STRICKER Jüdische Kaufleute und Gewerbetreibende ( Erscheinet zahlreich! lllllllillllllllllllllllllllllllillllU^ AUS PALÄSTINA. Die Sprengungsorthodoxen. Die Bemühungen, ein Einverständnis zwischen den extrem orthodoxen Kreisen und dem Waad Lctuni herbeizuführen, um die Einheit der Jüdischen Gemeinde in Palästina im Zusammenhang mit der vor kurzem in Kraft getretenen Gemeindeordnung herbeizuführen, sind nun endgültig gescheitert. Verschiedene orthodoxe Geme-inden haben bei der Regierung um ihre Anerkennung als separate, der Kompetenz des Waad Leumi nicht unterliegende Gemeinden nachgesucht. Am 22. Februar hat die Regierung die Anerkennung der ersten dieser separaten orthodoxen Gemeinden in Jerusalem ausgesprochen. Die neue Gemeinde setzt sich hauptsächlich aus Anhängern des Rabbi von Gura Kalwarja (Gerer Rebbe) zusammen. Konstituierung des Gesundheitsrates. Dieser Tage konstituierte' siich in Jerusalem der Waad Habriuth (GesundheitsTat), dem als Vertreter der Zionistischen Exekutive Dr. ßloiestone, Dr. Klaglcr, Dr. Herrmann und Bawly angehören und als Vertreter des Waad Leumti Perelson, Dr. Rokaoh und Salomon. Vorsitzende ist Miß SzoBd. Wie die Jüdische Einwanderung gefördert wird. 16 Juden aus dem Distrikt Moeuk die im Zusammenhang mit antijüdischen Unruhen in diesem Distrikt geflüchtet sind, überschritten bei Metullah die Grenze nach Palästina und wurden, da sie nicht ülber Einrelsedokumente verfügten, von palästinensischer Polizei verhaftet. Die Flüchtlinge, die zwei Thorarollen mit sich führten, erklärten, sie können in ihre alte Heimat nicht zurück und wollen sich für die Dauer in Palästina ansiedeln. Sie werden sich wegen ungesetzlichen Grenzübertrittes vor Gericht zu verantworten haben. Die arabischen Bauarbeiter. Die arabischen Bauarbeiter in Jaffa haben sich im Rahmen -der arabischen Liberalen Partei organisiert und der Regierung die Statuten zur Genehmigung vorgelegt. Der Regen. Lattt den letzten Berichten sind in Palästina Im Februar fast im ganzen Lande zahlreiche Regenfalle zu verzeichnen gewesen, so daß die eine Zeitlang der neuen Ernte infolge der Dürre drohende Gefahr als behoben gelten kann. Die Keuschreckengefahr. Nachdem vor 14 Tagen infolge eines günstigen Windes die Paliistina drohende Oefahr der Heuschreckenplage abgewendet worden war, haben sich jetzt erneut Heuschreckenschwärme in Transjordanien, und zwar bei Kir Moab gezeigt. Die transjordanische Regierung hat eine Reihe von Leuten nach Jerusalem entsandt, um dort die Methoden zur Bekämpfung der Heuschrecken zu erlernen. Die jetzt in Palästina herrschenden Regengüsse und die Kälte erleichtern bedeutend den Kampf gegen die Heuschrecken, da sie ihre Brut vernichten. Die Luftpost Die Palästinaregierung hat die Imperial Airways Ltd. ermächtigt, einen regelmäßigen Luftpostdienst von, nach und in Palästina einzurichten. Das Abkommen gilt für fünf Jahre. Diebstähle an der Grabstätte Josephs. Unerkannt entkommene Einbrecher haben -die in der Nähe von Nablus, dein biblischen Schechem, gelegene Grabstätte Josephs, die von den Moslemiten als ein heiliger Ort verehrt wird, heimgesucht und verschiedene historische Urkunden sowie eine antilkc goldene Lampe entwendet. Vor einiger Zeit haben amerikanische^ Touristen dem moslemitischen Obersten Gerichtshof 6000 Pfund Sterling für das Grundstück mit dem Grabe Josephs geboten; -der Oberste Gerichtshof lehnte das Angebot ab. Zur Frage der Verlegung des Völkerbuüdsitzes nach Wien* Von Altgraf Erich Salm. Ohne uns mit den monarchistischen Grundanschauungen des Verfassers irgendwie zu identifizieren, glauben wir doch, für seine Ausführungen das Interesse unserer Leser voraussetzen zu dürfen. . Ueber die allseitigen Vorteile der Verlegung des Völkerbundes nach Wien ist schon soviel geschrieben worden, daß wohl nur noch die sich entgegenstellenden Schwierigkeiten näher ins Auge zu fassen wären. Was die mehrfach berührten Hindernisse exterritorialer Natur des Völkerbundes betrifft, so dürften sie gar leicht ttberwlndbar sein, ohne daß man es nötig hätte, auf den einem sogenannten kosmopolitischen, in Wahrheit aber weltfremden, vaterlandslosen Diplomatengehirn entstammenden Gedanken einer Lostrennung der Stadt Wien von Oesterreich greifen zu müssen. Ich möchte hier nur ein einziges, und zwar das Haupthindernis erwähnen, das ungreifbar, unüberwindlich, wie ein dichter Nebelschleier die Luft erfüllt. Wahrlich, Nebelschwaden, aus häßlichen Stinkgasen entstanden, sind es, die verhindern wollen, daß unser herrliches Wien aus einem Krähwinkel, zu dem es herabgsunken, wieder eine Weltstadt, ein diplomatisches Zentrum Europas, ebenbürtig London, dem Handelszentrum, werden soll, ebenso wie in Amerika die Stadt Washington den diplomatischen Brennpunkt neben dem Handelszentrum New York darstellt. Giftnebel wollen verhindern, daß Handel und Wandel wieder erblühen, daß aus Armut Reichtum, aus einer Bevölkerung verzweifelter Selbstmordkandidaten wieder ein Geschlecht lebensfreudig und selbstbewußt in die Zukunft schauender Menschen erwachse. Alles Ist von den Vorteilen, die der Völkerbund Wien bringen müßte, überzeugt. Fragt man einen Sozialdemokraten, so wird er zugeben, daß durch Erscheinen des Völkerbundes in Wien eines der demokratischen Hauptziele, das „Aufhören der Arb&itsnot", erreicht würde, ebenso die automatische Lösung des Mietersohutzprobiems Infolge der sich in einer Weltstadt Wien zu noch nie dagewesener Höhe steigenden Baubewegung, ebenso selbstverständliche Steigerung aller Löhne zu ebenbürtiger Parität mit Weltstädten wie Washington, New York und London. Schließlich wird es auch jeden Sozialdemokraten mit Stote erfüllen, wenn sein Rathaus nicht mehr das eines verelendeten Provinznestes bleibt, sondern zur heiligen Walhalla Europas wird, auf deren demokratische Schutzgötter die'Blicke aller Arbeiter der Welt gerichtet sind. Auch jeder ehrliche Monarchist, der, ohne sich republikanischem Fortschritt zu verschließen, auf Wiederkehr des Kaisers hofft, kann sich nur freuen, wenn seine älter* vermorschte Kaiserstadt Wien zu nie geschautem Glanz erhoben wird und sich, gewissermaßen wie das alte Rom des Kaisers Augustus, aus einem armseligen Städtchen von Lehm und Ziegeln in eine reiche, herrliche Marmorstadt verwandelt. Auch der verbissenste Anschlußdeutsche wird es niemals ernstlich und praiktisch in Erwägung ziehen, das Wohl seiner Vaterstadt, eben weil es ja auch sein eigenstes, persönlichstes Wohlergehen bedeutet, einem unrealisierbaren Anschlußtraum der Versklavung an Preußen aufopfern zu wollen. Auch wennn ich einen Herrn der herrschenden sogenannten christlichsozialen Partei frage, so wird er nicht ermangeln, sich in Labeshymnen über die Verlegung des Völ'kenbundes nach Wien zu ergehen. Ja, er wird sich darüber verbreiten, was alles die Christlichsozialen und ihre Führer bereits zur Erreichung dieses Hochzieles unternommen haben. Allenfalls wird er noch dabei zum Ueberfluß über die rote Ratbauswirtschaft schimpfen und behaupten, daß nur diese schuld sei, wenn der Völkerbund nicht nach Wien komme. Die wahre Giftquellc, die nicht nur dem Völkerbund, sondern auch überhaupt jeglichem Fortschritt, Jeglichem Wachstum, jeglichem Wohlstand, jeglichem Ge- KLUB RADIKALER ZfONISTEN (Verband demokr. zionist. Frauen) M ttwoch, am 7. März im K ublokal, C»fe Atlasltof i Aspempiatz um V49 Uhr abends PURIM FEIER MHwirkend* Oberkjnfor Q Margunes Loie Glücksmann (Jüdische Bühne), Sigen (jüdische Künsterspiele), Dr. M Präger und * andere Kunstkräfte. Gaste willkommen t Regiebeitrag AUS ttüsVlftNCTN EiTl:INGEFUH«T| ORENBURGERSCHAL \ hergestellt ans ganz feiner Wolle. Sehr dünn und wärm. Kann im kleiiiste.i Hand'äschchen untergebracht «erden. ALBERT MATZNER Wien, I. Bezirk, Kuhtnwssergasse 8, und Filialen. Neue Niederlage: Wien, VII. Bezirk. Mariahllferstraße 64. deinen in Oesterreich entgegensteht, wird er wohlweislich verschweigen. Sie heißt: „Antisemitismus!" Abgesehen davon, daß der waschechte Antisemit nur sehr ungern in einem fortschrittlich-kosmopolitischen Wien auf seine alltägliche Gewohnheit verzichten wird, schon zu seinem ersten Frühstück einen armen Juden (wohlgcmekt: einen armen, denn mit reichen sitzt er selbst an wohlgedeckter Tnfel) zu verspeisen,* muß ja auch wohl der Völkerbiind seinerseits begründete Bedenken dagegen halbem in einer Stadt ewiger Pogromhetzereien Wohnung zu nehmen, in einem Staate, wo durch Organe der herrschenden Partei ein Bettauer-Mord, die Schattendorfer Morde und ähnliche Schandtaten glori« fizirt werden. Einem Völkerbtmdmitglled, das zufällig Jude ist, könnte es ja schließlich auch nicht angenehm sein, in unserer lieben Vaterstadt unter dem Damoklesschwert antisemitischer Pogromhetze zu leben. Keinem Völkerbundmitglied könnte woltl auch die Aussicht verlockend erscheinen, eines schönen Tages auf der Straße angeschossen zu werden, weil es etwa wieder, wie dies am 15. Juli v. J. geschah, infolge maßloser Pogromhetzereien, insbesondere der Verherrlichung der Schattendorfer. Mörder, schließlich zu einer in ihrem Ursprung zwar ehrlicher Empörung entstammenden, in ihrer Auswirkung aber Jn Brand und Plünderung ausartenden Volksexplosion kam, Hier haben wir die Quelle des Uebels. Jeder Wiener, vom kleinen christlichen Mittelständler bis zum Großindustriellen, vom kleinen Juden der Leopoldstadt bis zum jüdischen Großkapitalien, auch wenn er, wie dies vielfach bei den letzten Wahlen geschah, für die Antisemiten« liste gestimmt hat, jeder Monarchist wie Republikaner muß mit Herz und Sinn aus allen seinen Kräften dazu, beitragen, daß endlich die Ouelle aller Uebel Oesterreichs,; der Antisemitismus, verstopft werde. So und nur so allein kann unsere einst so gemütliche Stadt wieder zum angenehmen Wohnsitz vorurteilsfreier, arbeitsam kulturliebender Welt« bflnger werden. ...... STÜTER HERD u IST GOLDES WERT, Die best renommierte I.Wiener orthodox« Maszothhbrik ISRAEL VORTREFFLICH g bt bekannt daß überall täfllkh frisch gebacken» Nazzoth und Mazzothgrieft mit Stempel -VOR f RIFFLl CH* erhältlich ilnd Frau Bugge-Wicksera gestorben. , Am 21. Februar d. J. verstarb in Schweden Frau Dr. A. Bugge -Wickse 11, eine hervorragende JutJstin und schwedisches Mitglied der ständigen Mandatsk o m m i s s l o n des Völkerbunde«. In den Jahren 1926 und 1927 gehörte sie auch der schwedischen Delegation für die VcMkerbundvollversammlungen an. InnerhaJb der Mandatskommission wandte Frau WickseH den palästinensischen Fragen ein besonderes Interesse zu. 'In der 9. und 11. Session der Mandatskommission (Juni 1926 und Juni 1927) fungierte sie als Berichterstatterin über die Petitionen der Agaidas Jiisroel und des Waad Hahr Haaschkenasi. Ihre Berichterstattung zeugte davon, daß sie es verstanden hat, sich In kompilierte innerjüdische Fragen, wie Schecbita usw., hinetozuJetoe« umd sie mit Takt und Verständnis zu behandeln. Nordaus nachgelassene Werke. Aus Paris wdrd berichtet: Bei der Ordnung des literarischen Nachlasses von Max Nordau sind unter anderem zwei größere Werke, eine in Versen abgefaßte Tragödie „Rahab" und ein fast vollendetes — nur der letzte Abschnitt fehlt — moral- und sozialpbilosopihlsohes Werk, betitelt „Der Weg der Gesittung" (etwa 380 Selten), vorgefunden worden. Das vteraktige Trauerspiel hat die Belagerung und Einnahme Jerichos und einen LiebeskonfUkt zum Vorwurf, der mit dem Selbstmord der Rahab endet. Da« Drama wird noch in diesem Jahre in Buchform erscheinen und, wie es heißt, vom hebräischen Theater in Jerusalem zur Uraufführung gebracht werden; von da werde es möglicherweise seinen Weg über europäische Bühnen nehmen. Dem moral-philosophischen Werk „Der Weg der Gesittung", das Nordau nach dein Krieg bis zu seiner Erkrankung verfaßt hat; werden alle Qualitäten der Nordauschen gedanklichen und darstellerischen Kraft aachgerühmt.