Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 24 (2.3.1928)
- Date
- 1928-03-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nf. 24 EISLER MDEALBETrl In Messln; nitd $!ahl BETTFEDERN - HYG MATRATZEN PAT -SCHLAFMÖBEL KINDERWAGEN Bllt OST" FftBBIKiPB 186 I SIGM.felSL.ER NACMP., WIEN PraterSfr. 45. Tel. 48-1 40 / VM Oiefltg. 19. Tel. 68 106 GagiUndet 1870! Prov;n«versnn<l! | Rozsa und Paul Sandor. —y. Das ungarische Abgeordnetenhaus hat am 24. Februar die Nu m e r. us -clausus-Vorlage der Regierung in namentlicher Abstimmung mit 139 gegen 32 Stimmen angenommen. 74 Abgeordnete, zum größten Teil Mitglieder der Regierungspartei, fehlten. Das sind jene Abgeordneten, die vor den Wahlen ihren jüdischen Wählern mit Ehrenwort und schriftlichem Revers zugesagt hatten, sich für die Aufhebung des Schandgesetzes zu bemühen. Die Reform des neuen Gesetzes besteht darin, daß die Zweckbestimmung, die die Einschränkung -der jüdischen Hörer ausspricht, wegfällt. Statt dessen wurde die nationale Treue und die moralische Verläßlichkeit als Vorbedingung jür die Inskription in das Gesetz aufgenommen. Ueber das Vorhandensein dieser Kriteria entscheiden die Universitätsbehörden, was praktisch genau dasselbe ist, als wenn die Pracht des. Haderschen Entwurfes noch, bestünde. Der gelbe Fleck,ist ein wenig verwaschen worden. Das ist alles, und mit voller Beruhigung konnten vor zwei Wochen die christlichen Studenten ihren Streik absagen. Sie wußten Bescheid. Die Opposition hatte, was zugestanden werden muß, eine sehr schwere Aufgabe. Sie konnte gegen das Prinzip des Numerus clausus nicht mit der vollen Schärfe auftreten, da doch die zynische Heuchelei der K'ermpagnie 'B e t h 1 e h - K1 e b' e 1 s b e r g dieses Prinzip selbst zum Schein hatte fallen lassen. Trotzdem hat die Opposition eine geradezu schändliche Haltung eingenommen und den Verrat am Judentum, der ihr Lebensgewolinheit, ja sogar Lebensanschauung ist, feierlich besiegelt. Sie hat in stundenlangen Reden bewiesen, daß der Trianon- Vertrag ein Verbrechen an Ungarn ist; das war die bequemste Handhabe für die versteckten und offenen Reaktionäre, die doch alles, was mit diesem Vertrag zusammenhängt, also auch das jüdische Minderheitsrecht, verwirft. Die Opposition verdammte nicht den 'Rechtsbruch als solchen, sondern sie anerkannte ihn, indem sie seine Anwendung auf die Juden} die sieh an Patriotismus und Feindschaft gegen Trianon nicht genug tun können, bekämpfte. Die Opposition, die ja ohnedies nur auf die Juden beschränkt blieb, war im Geiste ihrer Geschichte geblieben und es kann ihr demgemäß nicht auf das jüdische Moment, sondern einzig ü.nd allein auf das magyarisch-nationale Momentan., Das gab sogar einmal eine widerwärtige Szene, als sich d e r j ü d i s c h e A s s i m i 1 ä n t Paul Sandor und der deutsche Assimilant B1 eyer, ein ehedem' christlichsozialer Minister, gegenseitig mangelndes patriotisches Interesse .vorwarfen! Beiden nützt natürlich ihre Selbstmordbereltsohaft nichts. Der Rassenschützler geht..über beide hinweg und zertritt Deutsche wie Juden. Er kann dies wagen, weil er im Besitze der Macht ist und weil die Lebensfragen der Minderheiten, einer wirksamen Kontrolle durch den Völkerbund entbehren. Das Ungarn der Francsfälscher und der Waffensohieber kann sich ruhig über die Forderungen der Völkerbundpolitik, geschweige denn über die primitivste politische Moral hinwegsetzen, und dies ungescheut, bei hellem Tageslichte. Das System ist einzig auf Krieg und Revanche gestellt undunterordnet seinem Haß und dem Geltungsbestreben seiner nationalistischen Oligarchie alle kulturellen und geistigen Bedürfnisse. Es ist auf die Expansion der magyarischen Rasse gerichtet und darum ist die-Unterdrückung jedes nichtmagyarischen Elementes, vornehmlich also der Juden, ein Bestandteil seiner Politik. Dies absichtlich und mit vollem Bewußtsein zu verkennen, ist ein inneres Bedürfnis der Assimilation, die ja vollkommen" wurzellos' ist, ihr Judentum an den schäbigsten H u r r a h p a t r i o t i s m u s verkauft, sogar verschenkt, die Parlamentstribüne zur Vernaderung des Zionismus benutzt und in ihrer grenzenlosen Feigheit alle Lebensinteressen des Judentums, vorwiegend natürlich des armen; zur Bildung drängenden Judentums zertritt. Den Brody, Hevesi und Paul Sandor ist der Numerus clausus im Herzen vollständig gleichgültig. Ihre Kinder werden sie an die Hochschule bringen und die nationale Treue und Verläßlichkeit durch Geld nachweisen. Antisemiten nehmen immer gerne jüdisches Geld und lassen in berticksichtigenswerten Einzelfällen mit sich reden. Der. arme Kieinkauf m.a nn, >der Arbeiter muß zur höheren Ehre der magyarischen Rasse sein Kind verdummen lassen, ein Opfer einer Politik, in der die antisemitischen Gewaltmenschen und Assimilationsjuden,, die Rosza und Paul Sandor, einander brüderlich finden, Das Beste vom Outen sind die In Geschmack und Qualität unübertroffenen, erstklassig-altrenommierten Schmidl-Mazzoth iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiio welche unter streng orfbod. Aufsicht des Rabblnatei der isr. Kultusgernefnde Wien hergestellt werden. Die Maz/oth werden aus dem feinsten ungarischen Mehl erzeugt) Seit vielen Jahren genießen die „Scnmidi-Mazzoth" das beste Renommee und werden vor Allen anderen bevorzugt. Zentrale: N. Brodetzki, II., Leopoldsg. 43 Tel. 46-1-90 Generalvertretung und Niederlage s Jakob Weiß, II., Unt. Augarfenatraße 98 Filialen} Heinrich Bendiener, I., Judengaaae M, Kai ff an Pappaport, III., Radetz ky»tr. 7. Sabine Binder, iX., Hahngasse 33, Josef Rosencs, iX , Georg-Sigl-Gasse 3. Blumenstock« XX., TreuatraOe 12, und Lou se Stein, XVI., Ottakränger*traBe 35 Die Vorlage auch in der zweiten Lesung angenommen. Das ungarische Abgeordnetenhaus hat am Dienstag den 28. Februar die Numerus-clausus-Novelle in der Speziaklebatte angenommen. In der Debatte erklärte Ludwdg Sziiagyi, daß das Gesetz der ungarischen Nation auch in Zukunft schaden werde. Bei den jüngsten Wahlen zur Repräsentanz der Kultusgem,ed n d e in Budapest sei von den jüdischen Wählern di e bisherige Leitung als Demonstration gegen den herrschenden Kurs mit 6000 gegen 300 Stimmen gestürzt worden. Der Redner beschäftigt sich sodann mit dem V e r h a 11 e n d e r J u d e n i m K r i e g e. Er war im Kriege Generalstabscifizier eines höheren Kommandos. Er stellte eine AssentkonWnässion zusammen, in der kein einziger jüdischer Arzt und kein einziger jüdischer Oflfizier waren. Ein Vergleich der Resultate sämtlicher Assentikommissionen ergab, daß die jiudenfreie Assentkommission bei den Assentierungen die ganz gleiche Verihäiltniszahl erreichte wie die anderen. Die Juden waren unter den Krdegsgefailenen des Mamnschaftsistandes in geringere! Zahl vertreten, als dem Zahlenverhältnis entsprach, aiber unter den Gefallenen des Offiziersstanides -war es umgekehrt. Auf diese Statistik kann die Judenschaft stolz sein. Auch bezüglich des Kontingents der Kriegswadsen dürfen die jüdischen nicht' hinter den christlichen Waisen zurückstehen. , - . , ......v , u. . .\, Abgeordneter Paul Sandor richtet an den Kultusminister die Frage, ob die Universitätsjug e n d der Revdtsion des Numerus-clausus-Gesetzes zugestimmt habe. Kultusminister Graf KJ efb ei s b e r g: loh habe sfe nicht gefragt. Abgeordneter Sand o r:. Die Universitätsjugend hat, um gegen die Regierung zu demonstrieren, die jüdischen Hoohschüler aus den Universitäten vertrieben, obwohl die jüdsischen Hörer auf Grund des Nujnerus-clausus-Gesetzes dort studieren. Es ist unwürdig, daß z e h n b I s zwanzig junge Leute gegen einen,gehen. Der Vorwurf trflfft nicht allein die Hörer, sondern auch die Fakoltäten, die sdch keine Autorität verschaffen können. Der Ansiedlungsrayon in Sibirien. Aus Moskau wird berichtet: Das Präsidium des Siedlungskomitees der Regierung der Sowjetunion, das die höchste Autorität in. Kolonisationsfragen ist, hat, dem Beschluß des KOMZET, der Regierurigskommission für Landansiedlung und Industrialisierung von Juden, den Rayon BIro-Bidschan im Fernen Osten für jüdische Großkolonisation mit dem Ziele der Schaffung eines autonomen jüdischen Landes zur Verfügung zu stellen, zugestimmt. Präsident des Siedlungskomitees ist der Präsident der Union der Sowjetrepubliken, K a 11 n i n. In einer von der Gesellschaft OZET veranstalteten Sitzung traten die den Kommunisten nahestehenden 11 nk'en Poale-Zionisten Enuen, Finkelsteln u. a. gegen den Plan einer jüdischen Großkolonisation im 6LA MSCMEINS WS PFLANZEN-Margarine Unerreicht In Qualltat und Preis l Erzeugt un er s rene; ritueller Aulsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners S. Fürst Darf In keinem Jüdischen Maut halt fahlen I nee wo Ueherall erhältlich! KARL BLAIMSCHEINS vereinigte Maigarine- und Buttertabjiken, Wien, XIV., Diefenbachgasse 59 , Rayon Biro-Bjdschan im Fernen Osten auf. Sie sagten, das Ausland werde keinen Groschen für dieses Projekt geben. Wenn auch Kolonisation überall zu begrüßen ist, kann als nationales Helm doch nur Palästina In Betracht kommen. Ein Teil der Versammlung stimmte den Ausführungen ,der Poale-Zionisten zu, es kam zu stürmischen Auftritten, man sang „Hatikwah". Die Versammlung nahm schließlich eine Protestresolution gegen dieses Hervortreten' der linken Poale Zion an. Die Zeitung „Emes" fragt, wie lange man die Umtriebe dieser „konterrevolutionären Elemente" dulden werde. In die Kohlengruben! Die sielbeiite allrussische Konferenz der jüdischen Sektionen der kommunistischen Jugendpartei (Komsomolz) hat den Beschluß gefaßt, die Unterbringung einer großen Zahl junger Juden in den russischen Kohien-» berg wer ken in die Wege zu leiten. Die leitenden Personen der Schulen für Kohlenbergbau werden aufgefordert, eine weit größere Zahl junger Juden als bisher in die Schulen aufzunehmen. Arme Juden werden nicht angesiedelt. Die jüdische kommunistische Presse verlängt, <daß auch den ärmsten jüdischen Elementen die Möglichkeit gegeben werden soll, sich auf dem Lande* anzusiedeln und : ein menschenwürdiges Leben zu beginnen. Durch die Vorschrift, daß der Neusiedler ein Minimum an Besitz selbst mitbringen müsse, sind gerade diejenigen Schichten von der Siedlungsbewegung ausgeschlossen, für die die Absiedlung auf dem Lande nicht nur eine Frage der Verbesserung der Lage, sondern eine Frage von Leben 'Oder Tod. bedeutet. Hunderte Familien, Schreibt die Zeitung „Emes", in diesen Städtchen leben in menschenunwürdigen Erdlöchern. Es sind unterernährte blasse Menschen In zerrissenen Kleidern und Schuhen, die mit ihren Kindern allmählich der Tuberkulose zum Opfer fallen; Für sie wäre eine Ansiedlung in Krivojrog oder Krim eine Rettung ihrer gesamten Existenz. Sie wagen aber nicht einmal davon zu träumen, da sie nicht\einmal über das Reisegeld verfügen. Aber gerade diese Elemente, schließt die Zeitung, gilt es, zu retten. Hitler wird schon gemäßigt. Am 24. Februar waren acht, Jahre vergangen, seitdem im Münchener BürgerbräukeMer. die Nationalsozialistische Arbeiterpartei durch Adolf Hit- 1 e r begründet worden Ist, Die Gedemkversarrrmlung fand In dem gleichen Saale am 24. d. M. statt. Der erste Redner, Alfred Rosenberg, der Verfechter des internationalen Zusammenschlusses der Antisemiten, führte aus: Heute seien alle Mächte des Untermenschen losgelassen, um Im Deutschtum die letzte Substanz in moralischer und rassischer Hinsicht zu ver«. nlchten. Das Höchste Ist ein rassisch und artgebundenes Volkstum. ' Adolf Hitler, von Heilrufen empfangen, schilderte den Werdegang des Nationalsozialismus und sagte: „Wir sind überzeugt, daß wir eines Tages die ganze nationale Opposition in Deutschland in eine Hand bekommen." In seinen antisemitischen : Aeußerungen legte sich Adolf Hitler diesmal Reserve auf. Er sagte: „Man kann den Juden niemals wirtschaftlich vernichten. Nur eine polltische Bewegung kann das tun. Daher haben unsere Vorfahren, als der Jude ihnen Grund und Boden nahm, erklärt: Da wir sehen, daß hier ein Fremdkörper sich unseres Bodens bemächtigt hat, um Ihn als wirtschaftliches Druckmittel gegen uns zu verwenden, verbieten wir diesen Fremdkörpern die Erwerbung von Grund und Boden. Wer Deutschland frei machen will von der heutigen Internationalen Pest, kann es nicht durch wirtschaftliche Konkurrenz, sondern nur durch Einsatz der politischen Machtmittel, indem man dem Juden klar macht, daß wir der Herr im Hause sind; führt er sich gut auf, kann er bleiben, wenn nicht, dann hinaus damit!"