Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 24 (2.3.1928)
- Date
- 1928-03-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
- Hebron 1× ep/1047559
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- Minsk 1× ep/1000754
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Hr. 24 DIE NEUE WELT Seite S Ein Schekelaufruf der Zionistischen Exekutive. Die Zionistische Exekutive veröffentlicht einen Aufruf, in dem es unter anderem heißt: Der Zionismus erweist sieb heute mehr denn Je aJs stärkste bewegende Kraft im geistigen Leben des Jüdischen Volkes. Auf seinen Rui folgen Hunderttausende, zu schweren materiellen und persönlichen Opfern für das Awfibauwerk bereit. Seine politische Stellung ist fester denn ie. Unsere Arbeit in Erez Israel schreitet, allen Hindernissen zum Trotz, vorwärts. Unser Glantoe an den Sieg des Zionismus ist ungebrochen. Aber es ist heute bedeutsamer ais je, daß wir diese innere Gewißheit auch bekundenund von der Stärke und Geschlossenheit unserer Or«anlsation ein s 1 c h t b a res Zeugnis ablegen. Ein solches Zeugnis unserer Kraft ist eine erfolgreiche Schekelarbeit. Die Exekutive erklärt bfeduroh die Monate Nissan und Ijar 5688 (April und Mai 1928) zu Schekelmonaten. Es ist Pflicht der Landes- und Sonderverbände, unverzüglich alle Ansta-lten zu treffen, um in diesen Monaten einen wesentlichen TeH der zionistischen Energien aul die Schekelarbeit zu lenken. Massenschekelversammlungen müssen organisiert, durch Wort und Schrift soll für die zionistische Idee gekämpft und geworben werden. Ein jeder Zionist muß fühlen, daß er für die Ausbreitung des zionistischen Gedankens mitverantwortlich ist. Schließlich heißt es: „Zionistenl Nach Ablauf eines Jahres, werden wir bereits wieder in der Vorbereitung des XVL. Kongresses stehen. Die Stärke der Kongreßdelegation jedes Landes richtet sich nach der Anzahl der in den beiden zwischen zwei Kongressen liegenden Jahren, gesammelten Schekalim. Nur die Länder, in denen die Schekelarbeit in diesem Jahr nicht weniger energisch betrieben wird als in dem kommenden Kongreßjahre, können auf eine angemessene und würdige Vertretung auf dem XVI. Kongreß rechnen." Litauen und die Juden. Von Professor Dr. Edmund Parnes. Der Pressechef der Wiener polnischen Gesandtschaft Hf.rr Professor Pf. Edmund Parnes hielt am 28. Fe- 8>niar in der B. f3.-Loge einen Vortrag, «lein wir das Folgende entnehmen: Die Rolle der Juden im heutigen -Litauen kann nur Im Zusammenhange mit der Geschichte der Judeuheit auf dem Gebiete des historischen Litauen, das ist der sechs ehemaligen russischen Gouvernements Kowno, Grodno, Wtina, Minsk, Witebsk und Möhylew, gewertet werden. Diese sechs Gouvernements bildeten bekanntlich den s ogenännten Ansiedlungsrayon, aus dem eine stetige Abwanderung nach dem Westen Europas, hauptsächlich nach Polen sowie nach Nordamerika und Südafrika stattfand. Zu Ende des 19. Jahrhunderts lebten auf dem Gebiete des historischen Litauen 1,5 Millionen Juden, also fast der zehnte Teil der Gesamtjudenhelt. Auf dem Territorium des heutigen Litauen leben aber ungefähr 154.000 Juden, also eine im Verhältnis zur Gesamtjudenheit kaum nennenswerte Ziffer. Diese 154.000 Juden bilden 7£ Prozent der Gesamtbevölkerung Litauens. Relativ genommen hat Litauen um die Hälfte weniger Juden als der polnische Staat. Aus der Tatsache freilich, daß in dem dünn bevölkerten Litauen 154.000 Juden wohnen, kann beileibe kein Argument für eine antijwdiscbe Politik abgeleitet werden. Der litauische Staat hätte im Gegenteil sowohl aus moralischen wie aus politischen und wirtschaftlichen Rücksichten allen Grund, eher eine ausgesprochen judenfreundliche Politik zu treiben. Während der Pariser Friedensverhandlungen im Jahre 1919 war es das Komitee der Jüdischen Delegationen, durch deren Einfluß auf Wilson vieles für Litauen erreicht, respektive vieles von Litauen abgewehrt würde. In Anerkennung dieser guten Dienste verpflichtete sich damals Litauen in dem Schreiben vom 5. August 1920 zur Gewährung einer Reihe von Rechten an die jüdische Minorität . und zur Verankerung dieser Rechte in den litauischen Staatsgrundgesetzen. Den Juden wurde nicht nur die bürgerliche, sondern auch die nationale Gleichberechtigung versprochen. Die jüdische Minorität sollte einen proportionellen Anteil in allen gesetzgebenden Körperschaften, eine Vertretung in der Regierung in Form eines Ministeriums für jüdische Angelegenheiten und, durch die Schaffung einer jüdischnat io n a i e n Kurie die Grundlagen für den Ausbau einer nationalen Autonomie gewährleistet erhalten. All diese Versprechungen wurden anfangs tatsächlich eingehalten, bis dann im Jahre 1924 ein vollständiger Umschwung eintrat. Die jüdische Pariamentsvertretung wurde künstlich von 7 auf 3 Mandate herafogedrückt, die jüdische Autonomie Schritt für Schritt eingeschränkt, das Ministerium für jüdische Angelegenheiten aufgelöst und die Juden aus dem Staatsdienst aUmählich entfernt. Der antijüdische Kurs ging so weit,;daß ein Sonntagsruhegesetz beschlossen wurde, das den, jüdischen Interessen vollständig zuwiderlief. Als die jüdischen Rabbiner Litauens zum Protest gegen dieses Gesetz einen Fasttag anordneten, wurden sie unter Strafe gestellt, Dieses System der politischen Drangsalieren«: erreichte seinen Höhepunkt zur Zeit des letzten , Militärputsches inj vorigen Jahre, durch den, wje bekannt, S m e t p n a an die Spitze des Staates und W a 1 d e m a r a s an die Spitze der Regierung gelaugte. Die Tatsache, daß eshscdhhg^ araBmt^HmssBraBsraraHBn Die weltberühmten und bevorzugtesten Amerikanischen Manisohewitz Matzos äJiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiniiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiirts Gries i ^t^^**» § Farvei iiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiti treffen in den nächsten Tagen ein und werden in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich sein. Mariischewitz Matzos-Vertrieb Wien, II., Fugbachgasse 24 (Nordbahnstraße 38) TaLphon Nr. 7S-9-32 und 42-3-98 aSBBQUlilUUHUHU^ während der Herrschaft der jetzt in Litauen allmächtigen Offiziersliga das Ritual mordmärchen in Schwung kam, beweist zur Genüge, wessen sich die litauischen Juden zu versehen haben. Hand in Hand mit dem politischen giri'g auch der wirtschaftliche Antisemitismus in Litauen. Die Struktur des zu 80 Prozent bäuerlichen litauischen Staates sowie die geschichtliche Entwicklung der vor dem Kriege zu Rußland gehörenden Juden Litauens brachte es mi>t sich, daß dae jüdische Minorität des heutigen Litauen hauptsächlich in den Städten und kleinen Marktflecken konzentriert ist. Die Juden bilden im allgemeinen 40 Prozent der staatlichen Bevölkerung, geben somit den Hauptstock des litauischen Mittelstandes, der im Gewerbe, im Handel und in den intellektuellen freien Berufen seinen Unterhalt sucht. Der litauische Handel ist fast zur Gänze in jüdischen Händen. Die zwei wichtigsten Exportartikel Litauens: Holzund Getreide bilden fast ein jüdisches Handelsmonopol. Nun trachtet Litauen, die Juden nicht nur aus ihrer Monopolstellung im Handel — was allenfalls nicht unverständlich wäre — sondern sie überhaupt aus allen Erwerbsquellen zu verdrängen. Die Folgen dieser Maßnahmen stellten sich 'bald ein. Die litauische Wirtschaft verfiel zusehends von Jahr za Jahr, das StaatsdefSzdt und das Defizit in der HandelsMilanz wuchs zu einer enormen Höhe, die Auslandskredite schwanden und Litauen wurde gezwungen, zu einer regelrechten Naturalwirtschaft zurückzukehren. Der wirtschaftliche Ruin der agilen jüdischen Minorität zog notgedrungen auch den Ruin der litauischen Wirtschaft nach sich, Ein neues Erdbeben in Palästina« Schwere Bausciiäden. — Zwei Erdstöße. — Kein Menschenleben zu beklagen. Am 11. Juni des Vorjahres war, wie noch erinnerlich, Palästina von einem schweren Erdbeben heimgesucht worden, das in Jerusalem und insbesondere in Sichern und in .Transjordanien große Verwüstungen anrichtete. In der vorigen Woche haben sich die Erdstöße wiederhqlt, doch ist diesmal glücklicherweise die Wirkung nicht so katastrophal gewesen. Am Mittwoch, den 22. Februar, 3 Uhr morgens, wurde der erste Stoß verspürt, der nur gering war und nur in, gewissen Gegenden wahrgenommen worden ist. Um 7 Uhr 50 Minuten abends aber erfolgte ein zweiter, sehr starker Stoß, der Im gesamten Lande verspürt worden ist. In Jerusalem, Jericho und Tel-Awiw wurden mehrere Häuser beschädigt, von den>en einige unbewohnbar geworden sind. Das Gebäude der hebräischen Universität zu Jerusalem weist an mehreren Stellen Sprünge auf. Die über den Jordan führende Allenby-B rücke wurde so stark beschändigt, daß der Verkehr über sie eingestellt werden mußte. Der Bevölkerung in Jerusalem und im ganzen. Ladne bemächtigte sich große Besorgnis, es trat aber bald Beruhigung ein, da die Stöße sich nicht wiederholten. Menschenleben sind nirgends zu beklagen, auch Verletzungen kamen nicht vor. Es liegen uns ferner die folgenden Meldungen vor: Der am Mittwoch, den 22. Februar, 7 Uhr 50 Minuten abends,, erfolgte zweite Erdstoß hat außer in Jerusalem, Jericho und Tel-Awiw auch in den Städten Hebron, Haifa, Afuleh, Acco, Ludd, Tiberias, Nazareth, Nablus, R a?n- |Ef geht jeden an] jdenh jeder Ist den Unbilden einer Verkühlung ausgesetzt, die von verhängnisvollen Folgen [ begleitet sein kann. Der beste Schutz gegen Ver-I [kühlung ist die Abhärtung und die Stählung des! Körpers, die am besten durch ständigen Gebrauch des DIANA (FR ANZ BR AN NTWEIN | mit Menthol ermögl cht'wird Ueberau erhältlich! i leh und in anderen Orten großen Schaden verursacht; überall wurden mehrere Wohnhäuser sowie Regierungs- und Magistratsgebäude mehr oder weniger schwer beschädigt und unbewohnbar gemacht. In zahlreichen Orten verbrachten Araber wie Juden die Nacht vom 22. zum 23. Februar im Freien, da sie eine Wiederholung der Erdstöße und einen Einsturz der Häuser befürchteten. Die Telephonverbindungen sind an vielen Stellen des Landes gestört. Menschenleben sind nirgends z u beklagen. Nur in der Jerusalemer Altstadt hatte eine Frau, die durch den Erdstoß einen Nervenschock erlitt, eine Frühgeburt. Das in Renovierung befindliche, seit dem Erdbeben im Juni unbenützte Regierungsgebäude auf dem Oelberg wurde abermals beschädigt. Nach den letzten Berichten aus London sind durch das Erdbeben in Palästina 6 Häuser in Bethlehem nnd 6 in Jericho zerstört worden. In der Altstadt von Jerusalem ist ein Haus eingestürzt Verluste an Menschenleben sind nicht eingetreten. jüdische Völkerbundliga für Oesterreich. Am Montag, den 5. März, findet um 8 Uhr abends eine öffentliche Versammlung der jüdischen Völkerbund« liga für Oesterreich im Festsaal des Handelsmuseums (9 Bez., Berggasse 6—8) statt. Die Versammlung wird mit einer Trauerkundgebung für den verstorbenen, Präsidenten Oberrabbiner Prof. Dr. Chajes eingeleitet^ worauf der Generalsekretär der jüdischen VölkerbundKga für die Tschechoslowakei Herr Dr. Emil Margulies über die aktuellen Fragen auf der Brüsseler Tagung der Völkerbundligen sprechen wird. Der Referent wird, wie wir erfahren» vor allem die letzten antijüdischen Exzesse in Rumänien behandeln. Diese Angelegenheit ist auf die Tagesordnung der Minoritätenkommission der Union der Völkeih bundligen gesetzt worden, welche am 15. März in Brüssel zusammentritt. An dieser Tagung werden Vertreter der jüdischen Ligen in Oesterreich, der Tschechoslowakei und in Bulgarien teilnehmen. Es ist noch erinnerlich, daß es bei Behandlung der rumänischen Judenfrage auf der vorjährigen Konferenz der Ligen in Berlin im Anschluß an dem Bericht der Frau Dr. Bekker zu einer scharfen Polemik gekommen ist, bei der Dr. Emil Margulies dem Rektor der Bukarester Universität Dr. Pangr ati entgegentrat. Schwarzbarth geht nach Palästina. Oer Uhrmacher Sohalom Sch wa rzba rtfe* der durch den Pariser SensatdonspTozeß wegen Tötung des Generals Petljura bekannt geworden ist, hat, wie aus Jerusalem verlautet, den britischen Konsul in Paris um die Einreiseerlaubnis nach Palästina für sich und seine Frau gebeten. Wie es heißt, wird eT alle aul seinen Prozeß bezüglichen Papiere miEbringen, um sie der Jerusalems Nattonatbibnothefc zu übergeben.