Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 24 (2.3.1928)
- Date
- 1928-03-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 24 DIE NEUE WELT Seite 3 Cf' . p <~f p p MMmfUfoif — Jcnime die neuesten Frühjahrsmodelle nur in den Fabriksräumen zu besichtigen. * Detailverkauf zu Er^gros-Preisen direkt in der Fabrik, VII., Kaiserstraße Nr. 46 8. BÄSCH, IV. AHQENTlNlERSTRASSE fcr. 22 KOHLE * KOKS Te . 51.2-87 ANTHRAZIT Te'. 56-403 StabattiEGkflon des BCEREM K&JEMEtH nicht verbunden werden, da kein dazu nötiges Material zur Hand war. Plötzlich bat er, K. möge zu ihm kommen. J. woHte ihn holen, wurde aber verwundet; gleich darauf bekam auch Tnimpcldor eine dritte Kusel. Er krümmte sich ganz zusammen und bat, ihn ins Haus zu bringen. Mit großer Mühe, die ganze Zeit über auf Kamel und seine Leute schießend, gelang es zweien von den Kameraden, Trumpeldor allmählich ins Haus zu schaffen. Er lag in völliger Ruhe da. Dann bat er, die Eingeweide, die aus der Bauchwunde gequollen waren, wieder hineinzustopfen, und als niemand den Mut dazu fand, sagte er: „Es ist nicht so schlimm. Wascht euch die Hände, und ich werde euch zeigen, wie man es tun muß." Kaltblütig und ruhig schaute er auf die Hände, die seine Eingeweide hineinlegten. Man verband ihn mit einem Handtuch. „Es sind meine letzten Minuten," sprach er. „Sagt ihnen, sie sollen bis zum letzten Augenblick um des Volkes Ehre willen aushalten", und forderte, von Zeit zu Zeit, von allem, was vorging, unterrichtet zu werden. Nach den Toten und Verwundeten fragte er nicht. Die Hauptsache war ihm, ob die Verteidiger auf ihren Posten standen. Nach mehrstündigem schweren Kampfe, nach heftiger Schießerei und darauffolgenden Verhandlungen wurde . es endlich still im Hofe. Man stieg hinauf und sah: Unter Kissen und Decken, hinter einer Barrikade von Tischen und Bänken, lagen die Toten: Munter, Sarah, Debora und Scharf. Unter einer Decke hörte man jemand stöhnen. Es war Kanewsky. Er war verwundet. Man brachte ihn hinunter, verband seine Wunde. Tucker hatte man noch vorher vom Hofe hereingebracht. Eine knappe Stunde später starb er. Die Araber hatten einige Tote und etwa 15 Verwundete. Der Tag ging unter. Trumpeldor befahl dreien von uns, nach Kfar Giladi zu gehen, um den Arzt und einige Leute zu holen. Die drei nahmen ihre Waffen, zogen dumkJe Kleider über und machten sich auf den Weg. Unweit Kiar Giladi trafen sie auf 15 Genossen, die sich bereits mit dem Arzt nach Tel Chaj begeben hatten. Es war fast keine Hoffnung mehr, Trumpeldors Leben zu erhalten. Als der Arzt kam, war er sehr schwach, aber bei vollem Bewußtsein. Er bat, seinen Verband zu richten Er hatte zwei große Wunden im oberen Teil des Bauches und eine kleine an der rechten Hand. Nachdem der Arzt die Wunden verbunden hatte, fragte er nach seinem Befinden. Darauf antwortete Trumpeldor: „Es macht nichts. Es ist gut, für unser Land zu sterben." - Als der Arzt ihm sagte, man werde ihn nach Metullah bringen, um ihn dort zu operieren, bat er, es sp schnell wie möglich zu tun. Außer ihm hatten wir noch fünf Verwundete, zwei von ihnen waren schwer verletzt. Man begann, die Verwundeten nach Kfar Giladi zu überführen. Trumpeldor war der erste. Man trug ihn auf einem Feldbett. Eine kurze Strecke hinter Tel Chaj klagte er über starke Kopfschmerzen. Man machte ihm einen kalten Umschlag. Es vergingen einige Minuten. Ungefähr in der Mitte des Weges zwischen Tel Chaj und Kfar Giladi erfaßte der Todeskrampf seinen Körper, er wandte sein Gesicht zur Erde und starb. In später Nachtstunde brachte man die übrigen Verwundeten und die Toten nach Kfar Giladi. Mau führte auch das Vieh und alles, was man an Waffen und sonstigen Vorräten mitnehmen konnte, dorthin. Nachdem das geschehen war, brannte man Tel Chaj nieder. Zwei Stunden nach Mitternacht, in nächtlicher Stille, ohne jede Zeremonie, begruben wir unsere gefallenen Genossen. Etwa zehn Meter nordöstlich von Kfar Giladi liegen die Gräber. Eines für die Genossen und eines für die Genossinnen." * Die Broschüre ist zum Preise von tsch. K 3.— (Ausland 4—) gegen Voreinsendung in Briefmarken 'bei Prith Trumpeldor für die Tschechoslowakei, B r ü n p, Adlergasse 12, zu beziehen. Jugendorganisationen bei größeren Bestellungen Rabatt. _ RUNDSCHAU. Hakenkreuz und Sowjetstern. Im Hauptausschuß des preußischen Landtages ist am 21. Februar beschlossen worden, einen Zuschuß von 200.000 Mark an arme jüdische Gemeinden, der zur Versorgung der pensionierten Kultusangestellten dienen sollte, zu streichen. Gegen die Bndgetpost stimmten in holder Eintracht Deutschnationale und Kommunisten, die Sozialdemokraten absentierten sich. Der Beschluß ist zwar nicht endgültig, da noch das Plenum des Landtages zu entscheiden hat. Es ist aber zu verzeichnen, daß der Antisemitismus eine Art neutralen Gebietes ist, auf dem sich Kommunisten und Hakenkreuzler treffen. Die Sozialdemokraten sind noch nicht so weit wie in Oesterreich und enthalten sich des Votums. So wurde dieser jüdische Posten gestrichen, während für die christlichen Kirchengemeinden 27 Millionen Mark zur Verfügung stehen. Die Lage der Juden in Rumänien. Der letzten Sitzung des Verbandes der englisch-jüdischen Gemeinden (Board of Deputies) lag ein Bericht I I., Bellarl, slraße 12. Tel. 36-3-39 V,,Sch.3nhrunnerstr.56. Telephon 95 55 SPRECHAPPARATE wie firamola, Columbia. Ultraphone UNSER SPEZIAL-KOFFER.APPARAT „MINERVA" . ..... .3 „MAJE&TnorA" I. . . . . .S 130'- „MAJEaTKOB.A", Luxus . . .S 195« * Auch auf Teilzahlung! * Neueste Sch lager platten In größter Auswohl des Auswärtigen Ausschusses über die Lage der Juden in Rumänien vor. In dem Bericht heißt es, daß, abgesehen von einem antisemitischen Tumult an der Bukarester Universität und zwei Zerstörungen jüdischer Friedhöfe im vergangenen Monat, keine weiteren antijüdischen Unruhen in Rumänien vorgekommen waren. Die christliche Studentenliga hat ein u nverschämtes Manifest veröffentlicht, in welchem unter Androhung von Repressalien die Freilassung sämtlicher verurteilten Studenten gefordert wird. Die rumänische Regierung hat nichts unternommen, um die tief verwurzelten Ursachen der antisemitischen Bewegung zu beheben. Die große Mehrheit der jüdischen Studenten ist noch immer gezwungen, infolge mangelnden polizeilichen Schutzes den Universi.tätsvorlesungen fern zu bleiben. Jedoch fährt die Regierung fort, beruhigende Erklärungen abzugeben. Das Komitee wird aber fortfahren, von der Regierung jene, PoWk der Reform zu verlangen, die von Herrn T i t u 1 e s c u in seinem fetzten Schreiben an das Komitee angekün- » digt wurde. Das Komitee hat inzwischen seinen Briefwechsel mit der rumänischen Regierung dem Völker b u n d übermittelt Ein KatastrophenSonds des Völkerbundes. Am 23. Februar ist in Genf die zur Prüfung der Vorfragen zur Bildung eines internationalen Katastrophenfonds eingesetzte KommisJon zusammengetreten. Die Anregung zu dieser Hilfeleistung ist von dem italienischen Senator C i r a o 1 o ausgegangen. Von jüdischer Sftur tttcftt aufregen! ott einem £aq W.x Tjo&cn bte S3enB«cf)tung gemacht, bafe 33onö, öutfdjdnc ufto. nur üon eme.n £cü be3 ^ublifumä gefamiueli toerb-'n, toctl c§ ber Stuftet tft, baß man «tele SJlonate ober gar $afjrc braudjt/ um einen halbroogS toertüoEen Öegcnftan-b tjü erhalten. ©afj ftteä 6cim ©animeln ber Soiu§*33udj.ftaben nicht ju* trifft, fönneu hrir an einem m-tereffahfccn SBeifotd seiften: ©er eufte, $tm'be, ber ba§ Elitäre ©efelFc&aftsijVkl „9*ur nicht aufregen!" für 20 2>alu8»©udjftaben im Beutrol^rämicn* Enireau, 17. SBesirf, Cttafrimfler.ftra&e 24, nad) Srjrljemen ber 3'nferatc bcfyob, erklärte auf bte <$l'ft8* be3 Scamtcn, rotefo er jo rafch bie 20 SßiHÜfta&en oeifammen fjatte, bafe trier Parteien m einem £au[e je 5 SDotu§=^8ndpiftaben §ufam.menlegten, um am St&cn-b naef) ber Strfrcii be§ ©pieleS (jemrinfäjaftKdj 5U Pflege«. 5 33ucf)ftabcn Farm man foielenb an einem Säße erlan* gen, toenn man 1 ©of? 3)oIu§»©ä>itfjcreme Sftr. 4 ober 2 3>ofen %r. 2, 1 3>o]e 3>aIu§*$ußbobenbafta unb 2 Ratete SDieta^Seiftitt* pultoer für feinen .£an§r>alt fauft.. 3)tcfe§ SBeT-tricI fönnen mit jur Stadja'ljmatng' alten Bluigett .f>auSfrauen empfehlen, unb toerben »biejenigen, bie nur ju äifoeit ober britt fanwteln, böd)ften§ ein bi§ jltwi SBodjen baju braucfjcn. 3ur 58cq.uemlicf)feii ber 2)olu3*$ud;ftabeu^ammler toetbett in allen Söestrfen (Siulök-ftetten errietet unb in ton nädjften Saßen bekanntgegeben. ) Die Mode im Pnrimspiel. Von Jakob Krausz. Meine Beziehungen zum Purimspielmarkt wurden ijach dreißigjähriger Dauer durch den Weltkrieg unterbrochen. Der Krieg selbst und die Nachkriegszeit haben mit der ganzen Welt ein arges Purimspiel getrieben, in welchem der Jude der tragische Held war und noch bis zum heutigen Tage ist. So bin ich heute ganz außer Berührung mit der Produktion in Purimspielen in Jüngster Zeit. Und ich weiß daher auch nicht mit Bestimmtheit, welches Thema und welches Problem in diesem Jahre das Purimspiel besonders in Ungarn, in der Slowakei und in Karpathorußland um die Marmaros herum beherrscht. Aber ungesehen lege Ich dennoch eine Wette, eins zu hundert, daß in dem diesjährigen Purimspiel auch der Bubikopf und der Verjüngungsrummel und vielleicht auch die Nacktkultur eine Rolle spielen, Das Purimspiel — ich spreche immer nur von den mir bekannten Verhältnissen in Ungarn und der Slowakei — hat von jeher außer dem Hauptmotiv, irgend einem engeren jüdischen Lokalereigmjs, auch große Weitprobleme satirisch-kritisch behandelt. Beides .natürlich in naiver Form, aber sehr oft einen tiefen Einblick in das Innere des Problems verraten. Besonders schari wurde in den Purimspielen den Modetorheiten zugesetzt. Als vor 45 Jahren der „Herrenrock" für die Damen modern wurde und an Sabbatnachmittagen im Ghetto die Judenmüdchen, ob arm. ob reich, im Herenrock paradierten, da bemächtigte sich das Purimspiel dieses „unjüdischen" Uebereifers, und am nächsten Purim könnt« man in den Judengassen aller Städte öas Jüdisch-deutsche Couplet hören, In welchem diese Mode gegeißelt wurde und das in den bissigen Refrain ausklang: „Einen Herrenrock muß sie tragen. Wenn auch der Herr nicht drin steckt!" Etwas früher schon war Jahre hindurch die übertriebene Aufklärung und das „Studieren auf Doktor" unter den Juden Gegenstand der Mißachtung und der Zornesausbrüche der Purimspieldichter. Damals zogen die jüdischen Jünglinge aus der Slowakei, die sich zum Arzt ausbilden wollten, noch zumeist an die Wiener Universität. Aufklärungshungrige Juden, die aber aus .innerer Ueberzeugung, aus Pietät oder gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Rücksichten ihren Kindern einen modernen Beruf mit der Möglichkeit der Sabbatweihe bieten wollten, sandten ihre Kinder oft, kaum des hebräischen Lesens mächtig, an das Budapester Seminar. Um diese Zeit waren Budapest und Wien die Zielscheibe des Purimwitzes der Purlmsatire und der Purim-Moralpauke. Diese Bewegung ging den frommen Juden da<mais so na'he, daß in den Purimspielen gegen Wien und Budapest auch mit recht derben Flüchen nicht gespart wurde. In dem Purimspiel gegen den ..Wiener Doktor" singt ein Großvater ein schwermütiges, trauriges Lied über den Sohn seiner Tochter, der so schwere Schmach auf sein altes jüdisches Haupt gebracht habe. Er ist Doktor geworden, hält den Sabbat nicht mehr und wird wohl bald auch dem Namen nach aufhören, Jude zu sein- Und fai den vier Strophen dieses traurigen Liedes, das von den Zuhörern mit lautem Sch3uchzen begleitet wurde, flucht der Alte In Jedem Absatz seinem Enkelkind: .,A Schlack, a Scfolak auf seine Beiner, Auf unser Tochters a Sflhn4, An dem is doch nicht schuldig keiner Wie dos versündigte Wien." Recht ungezügelt waren die Couplets In den Purimspielen zur Zeit, als der Wiener Universitätsprofessor Dr. Morlta Schenk, der üSbrigens aus Neutra in der SJowakei stammte, imi seiner Theorie von der vorherigen Geschlechtsbestimmung der Kinder auftrat und so viel Autsehen und auch Gegnerschaft erweckte. Da wurden die Liedeinlagen schon recht schlüpfrig, und in einem Liede, das, dem Thema entsprechend, viel Fremdworte aufwies, sang ©in Schadehen von der Sendung des neuen Moses (Schenk), der es nicht mehr dulden werde, daß Juden ohne Hinterlassung eines Kadisch aus der Welt scheiden würden, weil er es in der Gewalt habe, jedem Judenweib einen männlichen Stammhalter zu spenden. Und dann ulkt der „Schalksnarr" mit dem Refrain: „Aber irrt sich amol Rebb Moische Schenk, Dann werd vom Jingel a waibliche Krenk. Die Marne gebt herum und schreit desperat: Werd es a Jingel, werd es a Mad? . . Als aber Professor Schenk sogar an den Zarenhof berufen wurde, um seine Kunst in den Dienst der Fortpflanzung der Romanows zu stellen, da nahm der Purimspieldichter in seiner Art auch zu diesem Ereignis Stellung. Er erblickte hierin einen Fingerzeig Gottes, der den bösen Zaren zwingt, sich in seiner wichtigsten Lebenssache der Hilfe eines Juden, noch dazu eines Moses, zu bedtenen, während er doch wissen müßte, daß es in seinem Reiche so viele Juden gebe, die unterdrückt werden. Der Sänger hofft, daß Rebb Moische Sehen, der große Weltumgestalter, seine Jüdische Pflicht erfüllen und dem Zaren erklären werde, daß er keinen Finger füt die Zarewna rühren werde, bevor er ihm nicht schwarz auf weiß versichert habe, daß er sein Volk Israel nicht mehr quälen und unterdrücken werde. Als aber, wie bekannt, das Experiment Professor Sehendes mit der Zarin, mit einem so kompromittierenden Fiasko geendet hatte und sich a'lle Welt von dem bis dahin so berühmten Jüdischen Gynäkologen abwandte, blieb Ihm sein Purimspieldichter noch immer treu. Er dichtete ein an sich herrliches Lied leider ist der Text bereits meinem Gedächtnis ent«. schwunden —, das von den obersten Wächter singt, de*