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Die neue Welt · 1928-03-02 · Heft 24 (2.3.1928) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 24 (2.3.1928)
Date
1928-03-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 24 :r!lllll!lltl!ll!lll!llllllllllllll|l|l! 1 Juweiier Heinrich Thieberi m Währingerstraße Ni. 6 I » § Em- und Verkauf von Juwe'en / Spezialist In Afts Wiener und Neu-Wi ner Silbci waren / Zionisten s e hatten Raba't! oder sehr wenig. Von hundert Juden, die über Chaluzim mit Begeisterung und Dank sprechen, werden 99 die Augen aufreißen, wenn man ihnen sagt, daß der Dank hiefür in erster Linie dem Helden von Tel Cbaj gebührte. Das Wort „Der Held von Tel Chaj" aber kennen sie und bei sehr vielen ist es vielleicht das Einzige, was sie von Trumpeldor wissen, das — und die Legion. Dabei unterscheiden die Leute: absolut nicht zwischen der Gallipoiilegion, die er geschaffen und eine Zeitlang geführt hat, und der Erez-Israel-Legion, an der er nicht teilgenommen hat. Sie unterscheiden nichts. Sie wissen nur drei Worte Trumpeldör, Legion, Tel ChaJ. Trumpeldors Legende, wie sie sich in den Volksmassen bewahrt hat, ist diie Legende von einem jüdischen Soldaten und nicht die Legende eines Parteimannes. Deshalb ist sein Name in der Masse auch so populär, Es ist nicht wahr, daß der Jude „solche Sachen nicht Hebt"; Das ist erfunden. Im Herzen des einfachen Juden aus der Masse lebt eine ungeheure Begeisterung und B*( wunderung, vielleicht sogar eine Sehnsucht nach einer starken Hand, die das ihm widerfahrene Unrecht gutmachen soll. Jeder, der einmal Chassidim mit langen Bärten bei einem Fußballmatch der Wiener Hakoah gesehen hat, weiß das. Es gilt selbst von den Frauen. Von der Rebbezin bis zu jeder Händlerin am Markt kennen sie alle den Namen „Breitbart" und . ehren ihn, jenen (auch nicht lange verstorbenen) neuen Samson. Der Massenjude weiß, daß er selbst einen guten Schlag nicht schlagen kann, aber nur' die „Volkspsychologen" sagen, daß er da rauf stolz sei. Im Gegenteil. Er hält das für eine Krankheit wie alle anderen Galuthkrankheiten und freut sich aus ganzem Herzen, wenn er einen Bruder sieht, der es kann. Es ist auch falsch, sich und anderen einzureden, .daß die Masse in Trumpeldors Gestalt nicht den Helden, -.. sondern den Märtyrer ehrt, den Mann, der schön gestorben - ist, und nicht den Mann, der schön gekämpft hat. Das -ist nicht wahr. Märtyrer und Opfer hatten wir in unserer Generation tausende und kein einziger von ihnen wurde in eine Legende eingekleidet. Trumpeldors Größe besteht nicht darin, daß die Araber ihn getötet haben, sondern . darin, daß er den jüdischen Jischuw mit der Flinte, in,,der Hand, verteidigte und .eine Anzahl, von Mördern tötete, ehe sie ihn ermordeten. ', , Das, und nur das ist der Sinn .des Tel-Chaj-Kültes in der Masse und in der Jugend. Und jede trauerfeier an diesem 11. Adar stärkt und festigt . diesen Inhalt mm Jeder Mensch, der eine Gedenkrede auf Trumpeldör hört, hilft in die jüdische SeeJe die Sehnsucht nach starken Armen einwurzeln. Deshalb muß sich jeder, jeder ausnahmslos, fragen: Was will ich? Was bedeuten mir die beiden .Worte Tel Chaj und Trumpeldör? Ist das alles ein Mißverständnis, ein Fehler, den Gott mit der Schaffung eines solchen Typus im seinem, Volke Israel begangen hat, oder ist es ein Syrribol und ein Beispiel? Ist es das zweite, dann kommt zu unseren Gedenkfeiern! Ist es das erste, dann geht weg! .'..." ' ... II. Trumpeldör als ein jüdischer Soldat, Tel Chaj als eine jüdische Festung, -das sind keine Mißverständnisse, sondern Beispiele und Lehren für unsere junge Generation. Daß die Mode, Juden in aller Welt zu verstümmeln und zu töten, noch ndcht veraltet ist, darüber zu diskutieren halte ich für überflüssig: . das erkennt sogar. ein Blinder. Bleilbf nur eine Frage: Was ist das beste Mittel gegen so eine Mode? Man darf doch nicht vergessen, daß auch die Gegner von Trmeldors Weg einen Pogrom nfcht Heben und nach Mitteln suchen, wie, man ihn vereitelt. Und diese Menschen sagen, daß es das beste Mittel sei, nicht mit „Auge um Auge, Zahn um Zahn" zu antworten. — Darin stimmen sie mit anderen großen und edlen Denkern ttberein, mit Tolstoj und Ghandi, die alle sagen, daß die andere Backe hinreichen, den schlimmsten Feind besser entwaffnenn könne als ein Hieb von starker Hand. Diese Menschen sagen, daß der Weg des körperlichen Widerstandes nur des Feindes Muskeln, nicht aber sein Her2 und •seinen Willen treffe. Im Gegenteil — den Willen und das Herz könne das alles nur überhitzen. Sich nicht revanchleren, sei die einzige Art, die direkt auf das Zentrum seines bösen Willens wirke, das schlechte Feuer aus dem uHrzen, aus den Nerven, aus der Seele auslösche. Der Feind beginne sich zu schämen, und Scham sei■.die beste Lehrerin der Moral. Diese Menschen glauben, das ganze Unglück der Welt sei dadurch entstanden, daß mau sich immerfort „revanchieren" wollte. Hätte man es gleich von Beginn anders gemacht, dann gäbe es in der Welt schon lange keinen Krieg und keinen Pogrom. Das (ist eine schöne und edle Theorie. Schön und edel heißt aber noch nicht: Wahr: Der beste Beweis dafür liegt vor unseren Augen ünd heißt: Die Geschichte der Galtttli. Es ist auch nicht wahr, daß Menschen niemals versucht haben, Tolstois Theorien zu verwirklichen. Wir Juden haben es versucht. Nicht hur versucht, sondern auch systematisch, mit übermenschlicher Geduld durch zahllose f§ In keinem jüdischen Haute dürfen aft Pessachtagen m HDD W die weltberühmten nee w BIO Palästina ~ Mazzoth fehlen! hergestellt unter streng ritueller AuMcht Sr. Eni w" rden H ar. n Oberrabbiner Josef Cha'm Sonner feld, Jaffa, und da« „Chlar-R.«bb<" von Eres Israel. Sr. Ettrw. Hetrn A. J. Kook, Jerusalem Gepackt in hygienischen Kartons zu •/, kg GeneralreptSsentanz IQr gans Oesterreichs Nathan Brodetzki, Wien, II., Leopoldsgasse 43, Telephon Nr- 46-1-sO FWa'en* Heinrich Bendiener, I. fudengasse 11, Jakob Weiß, II. Unt. Augartenstr. 25 Kaiman Ra »* aport, I 8., Radefzkystr. 7, Sab.ne Binder, K., Hafcng. 33, losef (losencs, IX., Georg-Sieg .-Gasse 3, Blumenstock, XX., TVeustraße 12 und LouUe Stein, X/i„ Oltakringerttraae 35 Original Palästina-Weine aus „Rischon le Zfon" Zionisten! Erfüllet Eure Pflicht und kauf«« zu Pessach nur Mazzoth aus Erez Israel I um Jahrllün'derte durchgeführt. Trotzdem die Art, .nicht zu antworten, unzählige Male nichts zur Fo-lge hatte, als daß man uns welter schlug, pflegten wir auch weiterhin ■nicht zu antworten. Die Geschichte der Gahith ist voll ironPogromön-, aber nicht von Selbstschutz. Da habt ihr das Experiment, genau und gründlich nach wissenschaftlichen Methoden zu allen Zeiten und in allen Ländern durchgeführt. Und das Resultat? Man schlägt uns. Die menschliche Natur ist rächt schwarz und nicht weiß, nicht gut und nicht böse. Sic ist ein Produkt desVcrhältmisses. zwischen Appetit und der Möglichkeit,. Mm zu befriedigen. Der Mensch hat Gelüste, und sucht, mit ihnen in der Richtung des „geringsten Widerstandes" fertig zu werden. Ist der. - Widerstand zu groß, dann sagt sich der Mensch, daß die Ware nicht preiswert ist, und gibt seine Wünsche aus. Sieht er aber, daß überhaupt kein Widerstand vorhanden ist,' datin sagt er: „Das darf man!" — und wird djick -und fett. ■ '■ ' ■ Das schlinimste- Gift; für jeden Menschen liegt in diesem „Das darf man". -Wenn -er 'das hört, dann hilft nichts mehr. Ein Beispiel? Verfolgt die Tätigkeit fast aller europäischen Völker in ihren afrikanischen Kolonien bis spät in das neunzehnte Jahrhundert. Etwa Belgien im Kongo. Die Belg'ier sind kein M^rdery'ol'k,. soqdern; bewohnen eines der -^uWgsteir^Wd 'TtüMv&riesten Länder; '"-'in Europa. Im' eigenen1 Lande sind die Beamten und Ge-» schäftsleute „gelassen »und höflich.'-Im .Kongo aber, xwp. sie mit Negern zu'tun haben, sind sie ärger als die Sklavenhändler aus „ÖnkeJ Toms Hütte". Dieselben Beamten und dieselben Kaufleute. Weshalb? Weil sie fühlen, daß man hier „darf". In meiner Jugend konnte ich selbst sehen, wie in meiner . Heimatstadt Odessa, wo die Tramway einer belgischen'-Gesellschaft gehörte, deren Direktor, er hieß Musif Combie, seine. Auges.teilten1'auf. offener Straße schlug. Zu Hause in Brüssel war'er ein ganz friedlicher und anständiger Gentleman, weil man das in Brüssel nicht darf" .und in einer russischen? Stadt vor 30 Jahren eben doch durfte. Nehmen Sie ein Heiligtum und sehreiben Sie darauf: „Man darf..." —• dann werden sich sehr viele Menschen finden, diie es schänden. Zivilisation bestellt vielleicht hauptsächlich darin, daß die Zahl der Objekte, die man schänden „darf", sich verringert. Heute findet man in der ganzen Welt keinen Winkel, auf dem die ,,Hefker"-Ueberschrift*) stellt. Die einzige Ausnahme bilden wir Juden. Deshalb liebt die Jugend Trumpeldör so sehr. Nicht seinen Hammer, nicht seinen Spaten, nicht seinen Pflug, sondern sein Schwert. Dieser Jugend ist Tel Chaj als Festung unendlich heiliger als Toi Chaj, die Kwuzah. In ihren Augen ist dies ein Symbol dafür, daß es doch Mittel g*bt, sich vom Herker zu befreien. III. Man spielt ibei uns mit lateinischen Worten. Bei den Exbuudisten der Moskauer Jewsekzie. heißt Heibräisch lernen „Klerikalismus". Ganz ähnlich klingt es, wenn man bei uns über „Jüdischen Militarismus" spricht. In beiden Fällen handelt es sich um einen Mißbrauch von Wort und Begriff. Militarismus Ist das System, nach welchem ein Land zu viel Militär hat. Das ist der einzige ehrliche Gebrauch dieses lateinischen Wortes. Kein vernünftiger Mensch hat verlangt, daß ein Volk ohne bewaffnete Macht bleiben soll. Der radikalste Paziiist (wie Tolstoj) selbst stellt nur die Forderung, daß in jedem Lande die bewaffneten Kräfte bis zu jenem Minimum vermindert werden sollen, das unparteiische Experten als für die Aufrechterhaltung der Ordnung unbedingt notwendig erachten. Wir Juden haben aber, nicht das minimalste Minimum und Gott ist unser Zeuge dafür, daß wir etwas brauchen, um die Ordnung in der Umgebung der Judengasse, aufrechtzuerhalten. Ich verteile, daß man die als Militaristen betrachtet, die. sich mit dem Minimum nicht begnügen wollen. Denselben Namen aber ch. denen zu geben, die nichts haben und nur ein Zehntel des Minimums wollen, ist Mißbrauch eines Wortes! ilWiilleFi ilng Hi. 3 5 Uhr Täglich 9 Uhr Jazz-Symphoniker u. Tango-Kapelle im renovierten, vergrößerten Großen Saal! *) Der hebräische Ausdruck „Hefker" bezeichnet etwa Vogellreies. i Wenn ein Mensch satt ist und noch weiter essen will, dann nennt man ihn gierig. Wenn aber ein Mensch, der hungrig -ist, nach Essen verlangt, dann muß man das Wort mißbrauchen, um auch ihn so zu nennen. Der Sinn und der Inhalt von Trumpeldors Tod besteht in demselben, in dem die Lehre des Chanukkahfestes besteht. Und sowie bei Chanukkah, hat man auch hier die wahre, lehrreiche Bedeutung des geschichtlichen . Geschehens zu verdunkeln versucht . Das Wunder von Chanukkah. besteht, eigentlich in der Heldentat der Hasmonäer und ihrer Söldner:;. Der scholastische Denker des Ghetto hat daraus ein Problem des Oeles gemacht, das eine ganze Woche gebrannt hat, obzwar es sehr wenig war. Ich will hier nicht sagen, daß i die .Oeltradition .keine schöne Tradition ist. Vielleicht liegt ■ au ch darin seine.-. felne.Symbol iki .Aber geschichtlich, ist es .-eine Verdrehung der Wahrheit. Und eine noch, schlimmere Verdrehung, der, Wahrheit wäre es, Tel Chaj: zu ..reduzieren. Tel Chaj. ist dasselbe, - was Port Arthur ..und Sebastopol für die Russen,. Verdun für die Franzosen ist. Eine Festung, die der Feind mit der». Gewehr belagert, und die der Jude mit dem Gewehr verteidigt hat. .Trumpeldör war der Anführer der wehrfähigen Juden. Und das Kadisch an seinem Jahrestag, klingt, so: „So lange wir deines Namens gedenken — wird dein Beispiel, in uns groß und heilig sein und wir .werden deinen Weg gehen!" Wie Trumpeldör starb» Josef Trumpeldör befindet sich in Kiar- Giladl. Er hört Schüsse aus der Gegend von Tel Chaj. Mit 9 Chawerim kommt, er in Tel Chaj an. Hof und Haus sind von Beduinen umzingelt, die teilweise beritten sind. Die Lage ist hoffnungslos. Trumpeldör findet alle Menschen bereit, dem Angriff die Stirne zu bieten. Kemal Effendi mit seinem Vetter und drei Offizieren, aus Chalssa gekommen, fordern eine Durchsuchung des Hauses unter dem Vorwand, man halte hier Franzosen versteckt. In Begleitung Josef Trumpeldors suchen sie vorerst die unteren und dann die oberen Zimmer ab, in denen Debora Drechsler, Sarah Tschisik, Munter, , Scharf, und Kanewsky sich befinden. Trumpeldör ist aus irgend einem Grunde, hinuntergestiegen und hört plötzlich den Ausruf: „Trumpeldör, sie nehmen mir meinen Revolver!" „Feuer!" kommandiert Trumpeldör.' Zwischen den Arabern und Juden beginnt der Kampf, trumpeldör läuft zum Tor, um den übrigen Arabern den Eingang zu wehren. Er ist noch einige Schritte von ihm entfernt, als ihn der erste Schuß trifft. „Zum Teufel", ruft er, „ich bin getroffen, Schneursohn» du hast das Kommando!" .Mit seiner, letzten Kraft will er sich gegen das Tor schleppen, da trifft ihn die zweite Kugel. .. Einer seiner Chawenim erzählt: „Ich fand ihn hinter dem Ofen liegend, einen Teil des Körpers und die Beine ausgestreckt. „Trumpeldör, Trumpeldör!" — rief ich aus, und er antwortete mir mit seinem guten Lächeln: „Es macht nichts. Es macht nichts, Ich möchte nur einen Verband." Er lag zwischen meinen Füßen und ich verteidigte das Tor. Von Zeit zu Zeit bat ich ihn: „Laß mich dich ins Haus bringen", aber er antwortete mit seinem leuchtenden Lächeln: „Es macht nichts, wir haben Jetzt keine Zelt; schick1 ihnen eine ins Tor, gib's Ihnen!" Ich schoß auf das- Tor, und er wandte sich an mich mal mit dem Befehl: „Schick ihnen eine Kugel!" und mal mit der Bitte: aMach mir etaen Verband!" Er koaute absr

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