Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 24 (2.3.1928)
- Date
- 1928-03-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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l^Llfl Preis 30 Gl Üniversif-U t i es V. b. b. BEZUGSBEDINGUNGEN : Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatli ch Dinar 14.—, vierte!'ährlg Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.— vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vieiteljährig Lewa 60.-*; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwell und die übrigen Lander mo atlich Schwei/er Francs 1.50, vierteljnl.rlj Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, iX„ Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 2. März 1928 Nr. 24 Zionismus und Kommpismus Eine Interpellation im englischen Parlament. — Ein sonderbarer Artikel in der Wiener „Arbeiter-Zeitung". Zionismus und Kommunismus werden häufig in Beziehung zueinander gebracht, einmal in feindliche, das andere Mal In freundliche, wie es eben geht. Die Bolschewiken erklären den Zionismus als dem Kommunismus feindlich, als gegenrevolutionär und reaktionär, vor allem aber die Zionisten als Werkzeuge und Knechte des englischen Imperialismus. Deshalb wird zionistische Gesinnung in Rußland als Hochverrat gewertet und-zionistische Tätigkeit, wie etwa Sammlungen für den Nationalfonds, Hebräisch sprechen und Vorträge über Palästina, mit Kerker und Verbannung bestraft. Die Reaktionäre aus dem rechten Lager, und zwar nichtjüdische und jüdische, erklaren wiederum den Zionismus als verkappte Form des Kommunismus und die Zionisten, speziell aber die Juden in Palästina, als Agenten und gutbezahlte Söldlinge des Bolschewismus. Vor wenigen Tagen fand dm engllsctie n Unter-, hause neuerlich eine Debatte über diesen Gegenstand stet. .Der Abgeordnete Oberst F'ederick I-f a-H vfragte den Koloniehmihi'ster Ämer'y, ob ihm bekannt sei, daß es in Palästina von jüdischen Sowjetagenten wSmrnle, daß in Jaffa und Jerusalem kommunistische Propagandaschulen eingerichtet wurden, welche den Massen die revolutionäre Niederwerfung der britischen Weltmacht, d i e Z e rs ch 1 a g u n g des britischen Imperiums als erstrebenswertes Ziel vor Augen führen. Daß der sZionismus von den rechten und linken Reaktionären, von den Moskauer und Londoner Gewaltpolitikern bekämpft wird, ist eine gegebene Tatsache, mit der nun einmal gerechnet werden muß. Ruhige, beharrliche Aufklärungsarbeit ist das beste Gegenmittel und wird schließlich Erfolg bringen. Aber ganz verfehlt ist es, diese Feinde zu ignorieren, Ihnen gegenüber die gebotene Vorsicht außer acht zu lassen und ihnen leichtfertigerweise Waffen gegen den Zionismus' in die Hand zu geben. Leider geschieht das nicht selten.. _ Als Schulbeispiel kann ein Fall betrachtet werden, der sich' vor kurzem in Wien abgespielt hat Ein. jüdischer Arbeiterführer kam aus Palästina nach Wien, um über die Lage und die Bestrebungen' der jüdischen Arbeiterschaft zu berichten und die Sammlungen für die palästinensischen Arbeiterinstitute zu fördern. Sein Vortrag wurde im Hauptorgan der österreichischen ''Sozialdemokraten, in der „Arbeiterzeitung" in einem Artikel angekündigt. In diesem Artikel, welcher von einem Poale-Ziohisteu geschrieben und ganz dem Tone und Geiste der „Arbeiter-Zeitung" angepaßt, .war, wurden die Hauptbcstrebungen der . palästinensischen Arbeiterorganisation, geschildert. Daß als eines der Ziele die Niederringung des jüdischen Kapitalismus in Palästina hervorgehoben wurde, ist selbstverständlich. Dann aber kam eine überraschende Wendung. Die Behauptung, daß ein Hauptzweck der jüdischen Arbeiterorganisation der Kampf gegen den britischen Imperialismus ist. , , Sachlich' genommen, ist diese Behauptung als blanker Unsinn einzuschätzen. Man mag zu dem Ideenkomplex, den . man als britischen Imperialismus bezeichnet, stehen, wie man will, jedenfalls liegt auf jüdischer Seite kein Grund vor, das britische Weltreich zu bekämpfen und für diesen Kampf eigene Organisationen zu bilden. Von allen Weltmächten hat bisher nur die englische dem jüdischen Volke tatkräftig geholfen. Die palästinensische Arbeiterschaft wird über diesen Unsinn verwundert lachen. Aber sie sollte sich nicht darauf beschränken, sondern dafür sorgen, daß' solche Dinge in ihrem Namen nicht mehr vorgebracht werden. Wenn in einem Organe von internationaler Bedeutung, und das ist die Wiener „Arbeiter-Zejrung** als Organ einer der stärksten sozialdemokratischen Organisationen, solche Dinge widerspruchslos geschrieben werden, und obendrein von Poale-Zionisten, dann könnte eines Tages die dem Zionismus nicht gutgesinnte Reaktion, insbesondere die britische, ans solchen „Zeugnissen? Kapital schlagen. Die Bekämpfung des britischen Imperialismus ist ein Lieblingsgegenstand der „Arbeiter-Zeitung". Der Schreiber des oberwähnten Artikels glaubte ihr.wohl die Gefälligkeit schuldig zu sein, ins gleiche Horn , zu stoßen. Aber in dem Bestreben, der „Arbeiter-Zeitung" gefällig zu sein, darf man nicht so weat gehen, ■ die Bestrebungen der jüdischen Arbeiterschaft entstellt wiederzugeben und deu Zionismus und die zionistische Arhelterpr^^, sation schv/er zu kompromittieren. " Der Todestag eines jüdische^ Helden. , vt. Trumpeldors Jahrzeit. Von Wladimir Jabotinsky. Vor acht Jahren, am 3. März 1920 (11. Adar 5680), ist Josef Trum.peldor in den Kämpfen gegen die Araber 5ei Tel Chaj gefallen. Zur Erinnerung an diesen Helden, der für die jüdische Freiheit sein Leben hingegeben hat, gibt der allweltliche Jugendverband „Brith.Trumpeldpr" in Riga eine Broschüre heraus, die Herr Aron Propes, der Vorsitzende dieses Verbandes, verfaßt hat. W'ladimir J a h otl n « V v. der--im* Mitkämpfer des Gefallenen, bat das Vorwort geschrieben, das wir hier loufeu t*oocu. L Zur Jahrzeit sagt man Kadisch.. Was für ein Zusammenhang besteht aber zwischen einem Lobgesang an den Ewigen und Trauer und Gräbern? Der Sinn des Kadisch liegt scheinbar darin, daß der „Heilige Name", der gelobt wird, nicht der Name deines Gottes ist, sondern der Name des Gottes des Verstorbenen — jener Heiligkeit, für welche e r gelebt hat und für die er vielleicht auch gestorben ist. „Gegrüßt und geheiligt" heißt, wenn man von diesem Gesichtspunkte ausgeht, folgendes: „Wenn du, Mensch, auch tot bist, so bleibt das Heiligtum, für Aus dem Inhalte: Rundschau: Hakenkreuz und Sowjetstern. —' Die Lage der Juden in Rumänien. — Ein Katastrophenforids des Völkerbundes. Dr. Fritz Löwenstein, Jerusalem: Brief aus Palästina. Jakob Krausz: Die Mode im Purimspiel. Professor Dr. Edmund Parnes: Litauen und die Juden. —y.: Rozsa und Paul Sandor. Der Ansiedlungsrayon in Sibirien. Der Sturm gegen das Schächten. Dr. Otto Abel es: Die „Bibliothek" der jüdischen Großgemeinde Wien, Austritte aus dem Judentum. Scholen! Ale jenem; Menacheni Mendel. Schalom Asch: Die Zauberin von Kastilien. welches du gedient hast, doch groß und heilig, and wfr, die Ueberlebenderu wenden deinen Dienst weiter dienen und kämpfen, bis zum Siege!" Deshalb muß man, ehe man das Andenken der Ja^tr-« zeit eines großen Menschen begeht, sich ehrlich fragest Meine ich es ernst? Bin ich bereit, seinem Beispiel zu folgen? Ist es so, dann habt ihr das Recht, Kadisch nach ihm zu sägen, denn ihr seid seine Erben. Ist es aber nicht so, dann ist euer Kadisch eine Lüge und der Jahrzeitlärm eine Komödie. . Zwei Jahre vor Kriegsausbruch bat das liberale und radikale Rußland den 30. Todestag Garibaldis lärmend gefeiert. Ich, damals ein russischer Journalist, habe meine Kollegen gefragt: „Was hat es für einen Sinn, daß ihr so einen Mann wie Garibaldi feiert? Er war doch die Verkörperung dessen, was man in euerer Sprache „Chauvinismus" nennt. Nicht einfach Nationalismus, sondern Chauvinismus! Er war nicht nur für die .»Autonomie44 der Italiener, sondern sogar für die Bildung eines eigenen Staates, für die Zerstörung der bestehenden Staatsforra, für die Vertreibung der Deutschen. In unserer Zeit, im Jahre 1912, glbt . es auch unterdrückte Völker, die von unabhängigen nationalen Staaten träumen — Polen, Tsche-- .chen, Italiener in Oesterreich oder Zionisten. Für euch aber sind solche Träumerelen mehr als „trefe". Was für. ein Recht habt ihr, Bravo zu klatschen, um dem Lehrer Ehre zu erweisen, wenn Ihr seine Gedanken in seinen Schülern haßt?" Heute, zur Jahreszeit Trumpeldors, muß man dieselbe Frage stellen. Unter denen, welche sein Lob Singen, befinden sich die bittersten, verbissensten Gegmer von allem, was mit Säbel, Gewehr und Revolver zusammenhängt. Aber Trumpeldors Name ist doch verbunden gerade mit solchen und ähnlichen Waffen! Richtig: Er hat auch den Hechaluz geschaffen, und das ist leuchtender Stein in seiner Krone. Es wäre aber dumm, zu leugnen, daß in der Erinnerung der Masse unseres Volkes Trampe]« dor hauptsächlich e}n Soldat Ist. Davon, daß er die Chaluzbewegung geschaffen hat, weiß die Masse überhaupt nichts Das herz*™6 -Kühlschrank WMtm Sie Prospekt «wbesuciien SleÄSä Warchalowski, Finst«rle&Co. Hqt 3,