Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 23 (24.2.1928)
- Date
- 1928-02-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 DIE NEUE WELT Seite f H ftNDGEARBEITETE CTAttCC (von 50S aufw.j, Decken-, 98vNlS9 Filet-, Klöppel-, Tüllspitzen usw. billigst. TUCHLAUBEN 1*, im Hausflur sehen, horche hin auf die Art des Betens und ich werde die Empfindung nicht los, daß ich es mit einer altheimischen Menschangruippe zu tun habe. Außer der Rc-dc des Rabbi in englischer Sprache spüre ich überall Berditsohcw, Lemberg, Lomza, Minsk und WHna. ich lasse mich mit dem einen und dem anderen in ein Gespräch ein und merke, wie sie sich alle um die Wahrheit herumdrücken wollen. Der Schames des Tempels zum Beispiel sagte stolz, er komme aus Paris. Der Kantor stellt sich als Wiener Oberkantor und österreichischer Staatsbürger vor. Ein Gemeindemitglicd erzählt mir des langen und breiten, er komme aus Afrika. loh spürte üib-eraiil Rußland und Polen, Galizien und Rumänien. Und plötzlich ergriff mich die Ambition, hier in Havanna einen Kampf gegen dieses falsche Paris, Wien und Afrika und gegen die angeblichen amerikanischen Geburtsscheine zu führen und in der Tat haben auf meinem Kundschafterweg Minsk, Wilna, Bukarest, Lomza und Lemberg den Sieg davongetragen. Wer ist zu.m Beispiel der sogenannte Wiener Oberkantor? Er heißt Mosche Ehrlich »mann, wurde in Kiew geboren, in Rußland erzogen, sang sich durch die russischen und ukrainischen jüdischen Städte durch, kam dann nach Wien, hatte auch hier einen kleinen Posten als ■ Kantor und erwarb sich das österreichische Bürgerrecht. (Er besaß einen kleinen Schuhladen in Meidling und fungierte als Vorbeter im Turnertempol. — Red.) Nicht viel besser steht es miit dem Schames aus Paris. Er war zuletzt drei Jahre in Paris und kam von dort nach Havanna; einen Sohn hat er in Budapest, er selbst jedoch stammt aus Horodok bei Bialystok, wo er Weber war. Er kam dann auf seiner Wanderung nach Budapest, lebte dort viele Jahre als Geschäftsmann, dann wurde er aus Ungarn ausgewiesen und wollte nach Nordamerika kommen, wo er drei Brüder hat. Er selbst heißt Israel Lob, seine Brüder in Amerika heißen bereits Alpert. Ob sein Sohn, der in Budapest geblieben ist, nicht inzwischen seinen Namen magyarisiert hat, weiß der alte Israel Löb nicht sicher; er selbst ist außer Schames *m amerikanischen Tempel von Havanna auch Hadernhändler. Die dritte Gemeinde von Havanna ist die sephardäsche Gemeinde der Spaniolen. Bezeichnenderweise ist die Synagoge dieser Gemeinde, die den Namen „Schebeß Achim" führt, In der I n q u i s 11 o r e n s t r a ß e 3 8 gelegen. Ddese Spaniolen kamen über die Türkei nach Havanna. Der Ritus ist hier der bekannte spaniolische. Sonderbarerweise vollzog sich in dieser an sich nicht allzu großen Gemeinde vor kurzem eine Spaltung, die dazu führte, daß die fortschrittlicher Gesinnten und vom jüdischen Nationalbewußtsein erfüllten jüngeren Mitglieder der Gemeinde sich unter dem Namen Hatikwah zu einer besonderen Gemeinde zusammenschlössen, der auch die meisten spaniolischen Juden in den Provinzstädten nunmehr angehören. In allen drei jüdischen Gemeinden wird f ü r Palästinaauf bau und jüdisch-kulturelle Bind soziale Zwecke sehr viel geleistet. Die vderte Gemeinde ist die arabische Judengemeinde, in welcher die aus Syrien und Arabien stammenden Juden vereinigt sind. Aber auch hier herrscht schon seit langem Zwist und Unfrieden. Ihre Synagoge war lange Zeit polizeilich gesperrt. Am letzten Jomkippur war nämlich wegen eines Wortwechsels während der „Awodah" eine blutige Schlacht In der Synagoge entstanden, bei der es mehrere Schwerverletzte gegeben hatte, so daß, da es auch dem Chaohan nicht gelungen war, die Ruhe herzustellen, die Polizei einschreiten, fast sämtliche Anwesenden zum Amt stetig machen und die Synagoge amtlich schließen mußte. Wegen dieser Affäre, die seinerzeit in der gesamten Presse großes Aufsehen erregt hatte, tobt unter den arabischen Juden von Havanna auch heute noch der Kampf und es ist fraglich, ob es gelingen wird, bald die Ruhe wieder herzustellen. Die Bucharieriii und ihr Messias. Vor einigen Tagen gab es, wie uns aus Jerusalem berichtet wird, vor der sogenannten Sinhedrion-Höhle im Stadtviertel der bucharischen Juden einen argen Zwischenfall, der in Tätlichkeiten ausartete und erst durch die herbeigerufene Polizei beigelegt werden konnte. In der Höhle lebt seit einigen Wochen schon ein junger Mann, der sie nur bei Abenddämmerung auf einige Sekunden zu verlassen pflegte, um von einem alten Mann, der um die bestimmte Zeit am Höhleneingang wartete, wortlos e i n S t ii c k B r o t und einen Krug Wasser in Empfang zu nehmen und dann wieder in seiner unterirdischen Behausung zu verschwinden. Von fremden Menschen nahm er nie ein Almosen oder sonst eine Gaibe an. Menschen, die Gelegenheit hatten, ihn in seiner einsamen Behausung zu beobachten, erzählten, daß der sonderbare junge Mann den ganzen Tag sitze und nachdenklich in die Luft stiere, nur ab und zu in ein vor ihm liegendes dickes Heft schreibe. Das bucharische Viertel in Jerusalem ist ziemlich weit draußen und wenig belebt. Es ist daher kein Wunder, daß der seltsame Höhlenbewohner in diesem Stadtteil bald zu großer Popularität gelangte und daß sich besonders unter den bucharischen Frauen viele fanden, die in dem jungen Mann eine Art „Heiligen" erblickten, und so oft Ihr Herz ein Kummer oder Wunsch bedrückte, zur Höhle gingen, ihren Wunsch hineinriefen, ihre Gebete um die Heilung kranker Familienangehöriger förmlich hineinschrieen und, um sicher zu gehen, auf Papierstreifen die vollen Namen der Kranken und der Betenden schrieben und an den Höhleneingang legten. Eine junge Bucharier in, die bis vor kurzem noch in glücklicher Ehe, mit ihrem Manne lebte und Mutter zweier Kinder ist, faßte plötzlich unendliche Liebe zu dem jungen Mann in der Sinhedrion-Höhle und flehte ihn täglich an, sie zu erhören und zu seinem Weib zu machen. Und da ihre Bitten unerfüllt blieben, überfiel sie tiefe Schwermut; BLAMSCHEINS PFLANZEN-Margarine Unerreicht in Qualität und Preis I Erzeugt unier streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners S. Fürst Darf In keinem Jüdischen Haushall fohlen nca bat wo Ueberau erhältlich KARL BLAIMSCHEINS vereinigte Margarine- und Butterfabiiken, Wien, XIV., Die enbachgasse 59 sie verließ ihren Mann und die Kinder, setzte sich vor die Höhle hin, weinte den ganzen Tag und schrie, Ihr wahrer, gottgewollter Lebensgefährte, sei der König Messias, der in dieser Höhle seinen Wohnsitz aufgeschlagen habe. Vor einigen Tagen nun überfiel ihr Mann den jungen Höhlen! bewohner gerade in dem Augenblick, als er am Abend wie gewöhnlich sich seine Tagesration an Brot und Wasser holte. Da der „Messias" bereits einen großen Anhang hatte, kam es zwischen beiden Parteien zu einer argen Rauferei, der die Polizei ein Ende bereitete. Der Höhlenbewohner wurde delogiert;und der psychiatrischen Beobachtung übergeben, die arme bucharische Frau, die tobsüchtig wurde, befindet sich bereits In der. Irrenanstalt. Die' polizeilichen Erhebungen sollen ergeben haben, daß der frühere Bewohner der Synhedrion-Höhle ein Intelligenter Junger Mann aus Rußland sei, der die Mittelschule absolviert und auch einige Semester Philosophie gehört haben mochte, im bucharischen Viertel aber wollen sich die alten Weiber mit dieser Lösung des Rätsels noch immer nicht recht abfinden. BHESHEEHEaCEHBE^^ E £ Die weltberühmten und bevorzugtesten. Amerikanischen Manischewitz Matzos yiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiiini!| Gries zz I msa-pD^^Hö § rrFarwelrz lllllilllllllllllllllilllllllllHUIIIIIIIIIIIiliilllllllUlli treffen in den nächsten Tagen ein und werden in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich sein. 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Provinzversand per Nachnahme. Zur Vermeidung des Andranges wolle auch der •Vormittag zum Einkauf benützt werden. Der Herr von Heute! Das Februar-Heft dieser, im „Mammut-Verlag" erscheinenden Monatsschrift gibt zahlreiche interessante Aufschlüsse über die geltende Herrenmode. Fesselnde Artikel, prächtige Illustrationen. „Der Herr von Heute" ist gratis und franko durch das Atelier Heilig & Co., Wien, I., Kärntnerstraße 9, zu beziehen. Auf den Pessach-Tisch jedes bewußten Juden ge«? hören unbedingt Mazzoth aus E r e z 1 s r a e 1. Die Pa ästtna- Mazzoth sind von vorzüglicher Qualität, sehr schmackhaft und bekömmlich und bezüglich Kaschruth über jeden Zweifel erhaben. Besonders hervorzuheben ist die hygienisch mustergültige Erzeugung, da die große Mazzothfabrik in Haifa mit den modernsten Einrichtungen versehen und auf Reinlichkeit besonders Bedacht nimmt. Die Mazze aus Palästina, ist von der Saat des Weizenkorns bif zur Verpackung und Versendung der Fertigware ein Ergebnis jüdischer Arbeit , auf jüdischem Boden und in judischem Geiste. Pflicht jedes Juden ist es daher, am Sederabend den Segensspruch über Mazzoth aus »Palastina" zu sprechen. Die Palästina-Mazzoth sind durch den Generalrepräsentanten für Oesterreich, Herrn Nathan Brodetzky, II., Leop'oldsgasse 43, zu beziehen. Jubiläum der Zeltschrift „Die Bildung". Mit Beginn dieses Jahres tritt die Zeitschrift für das Wissen und Schaffen der Gegenwart, „Die Bildung" (Verlag; XylU., Gentzgasse, 136), in'das zwanzigste Jahr ihres Bestehens,. Aus diesem Anlasse ist das Jannerheft mit /besonders wertvollen Aufsätzen der Universitätsprofessoren A. Haas, V. 1 unk, E. Lippmann, ,S. Oppenh eim, R. Stig 1 er und Museumsdirektor Fritz Köck erschienen. Nebst einem Begrüßungsschreiben an den Herausgeber Dr. Könrad Dohany vom Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaft, Dr. h. c. Wilhelm Exner. Abermals der Haupttreffer der Baulose auf ein Schelhammer-Los gefallen, wie uns mitgeteilt wird, entfiel be« der am 15. d. M. stattgefundenen Ziehung der Baulose Em. 1926 der Haupttreffer von S 200.000 (2! Milliarden Kronen) auf : ein durch . das Bankhaus Schelhammer 6 Schattera, Wien, I., Stephansplatz 11, verkauftes Baulos, Serie 372, Nr. 7. Dieses Los wurde nebst anderen ah das Bankhaus Paul Bjehavy, Wien, IX., Alserstraße 22, verkauft, welches dasselbe schließlich auf Ratenzahlung an einen seiner Kommittenten abgegeben hat. Bemerkenswert ist, daß am 2. jänrier d. J. der erste und" zweite Haupttreffer der Baulose Em. 1925 im Betrage von S 100.000 und 5 30.000 auf Lose, welche seitens des Bankhauses ScheK hammer & Schattera direkt seinen Kunden verkauft wurden, entfielen,__ . . E: Herr Chalm Spiegel, Wien, XVI., Friediroan-ngasse 9, ersucht uns, mitzuteilen, daß . seine Tochter, Fnl, TWly Spiegel, mit dem in Nr. 22 als ausgetreten bezeichneten Frl. Til-H Sali Spiegel nicht identisch und nicht verwandt ist. WARNUNG! ÜS?iüJS%& MAZZOTH UND GRIESS bekommen Sie mir aus der I. Wr. orth. Mazaothfabrlk ISRAEL VORTREFFLICH, WIEN» II., Ober« AugarfcnstraB« 52 Verlangen Sie überall ausiruck ich Vortreff l''ch-Ma«olh