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Die neue Welt · 1928-02-24 · Heft 23 (24.2.1928) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 23 (24.2.1928)
Date
1928-02-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Hr. 23 DIE NEUE WELT Seite 5 Pro Palästina. Es war gewiß ein guter und fruchtbarer Gedanke, die politische Fundierung der Palästina-Sache durch die Errichtung der Pro-Palästina-Komitees zu vervollständigen. Der politische Zionismus hatte durch die nach drei Jahrzehnten erreichte Anerkennung der jüdischen Ansprüche auf Land und Freiheit einen großen Schritt nach vorwärts getan. Aber die Inkorporierung seiner Forderungen in das neue Recht und in die Friedensverträge war doch nur durch die Regierungen erfolgt und mit der alleinigen Ausnahme Englands waren die übrigen Völkerbtindstaaten dem Mandat nicht aus einem besonderen Wohlwollen für die Juden* sondern aus reinen Utilitätsgründcn beigetreten. Um den Sinn des Mandates aus allen Zweifeln zu heben, mm es gegen, die Wetterwendigkeit der Kabinettspolitik zu schützen, muß es in das politische Bewußtsein der Allgemeinheit eingehen. Es muß zu einer festen Tatsache werden, und das kann nur erreicht werden, wenn die Absichten der Regierungen, die sich iii dem Völkerbundpakt ausdrücken, von den Völkern und Massen verstanden und gutgeheißen werden. Völker un^d Regierungen sind nicht immer einer Meinung, am wenigsten in der Judenfrage, in der nebst Jahrtausende alten Haßempfindungen noch soziale, religiöse und wirtschaftliche Disharmonien durcheinanderlaufen. Die Pro-Paiästina-Kormrees sollen zur Harmonie führen. Die besten Männer des öffentlichen Lebens sollen mit der zionistischen An« sohauung vertraut gemacht werden, um dann ihrer Oeffenlichkeit den vielen Entstellungen, Falschmeldungen, tendenziösen Mißverständnissen entgegenwirken zu können. ' jede Möglichkeit zur Aufklärung muß wahrgenommen . und benützt werden. Das ist eine sehr wesentliche Aufgabe der zionistischen politischen Tätigkeit , und es sind auch bisher schon insbesondere in den Wetsstaaten gute Resultate erzielt worden. Es versteht sich von selbst, daß diese Pro-Palästina- Komitees, die das nichtjüdisohe Publikum zu informieren haben, von zionistischer Seite jedwede technische Mithilfe erhalten. Ebenso aber versteht es sich von selbst, daß diese Komitees keinen zionistischen Einschlag haben dürfen. Ein Zionist vertritt in sich selbst die Palästina-Idee und die Forderungen der jüdischen nationalen und kulturellen Selbstbestimmung. Er kaim und darf niemals „pro Palästina" sein, und durch öffentlichen Eintritt in ein Pro-PaJästina- Kqmitee entwertet er den organisatorischen Grundgedanken des politischen, Zionismus. Es mag strittig sein, ob wir als Zionisten eine von jüdischen Nichtzipnisten beschickte Körperschaft anerkennen sollen. Daß ihr Zionisten nicht anzugehören haben, das kann und darf nicht strittig sein. Dieser grundlegende Fehler aber ist in Wien gemacht worden. Hier ist ein Komitee gebildet worden!, das. nach dem bei uns so beliebten Fifthy-Fifthy- Prinzip aus gleichviel Nichtjuden wie Juden besteht. Unter den Juden ist' ein starker Teil zionistisch. Weichten Wert hat nun die Tätigkeit dieses Komitees? Wenn es in irgend einer politischen Streitfrage palästinensisch-zionistischen Wesens einen Beschluß faßt, wjrd er von der nicjitzionistisohen Welt als objektive Meinung anerkannt " und respektiert werden? Und wenn , es ein Beschluß sein wird, der den Zionisten aus dem oder jenein Grunde Hicht genehm ist, so wird die Zugehörigkeit von Zionisten zu dem Komitee sehr peinliche Situationen herbeiführen. Zionismus ist nicht nur, Palästina, Zionismus ist auch Galuth, ist das ganze Leben des jüdischen Volkes, Zionismus ist auch politische und kulturelle Arbeit außerhalb Palästinas, ist jüdisches Einheitsbewußtsein, ist jüdische Minderheit Wenn hier in; Oesterreich der Kampf um das politische Recht, um Sprache und Schule aufgerollt wird, wenn sich klar zeigen wird, daß alle Parteien in diesem Staate vom Grund aus gegen uns eingestellt sind, in welche Lage werden die zionistischen Mitglieder des Komitees kommen, wenn sie ihren Ausschußkollegen die untrennbare Einheit aller jüdischen Förderungen verständlich machen sollen? Es ist unmöglich für einen Zionisten, eine Grenzlinie zwischen Palästina i und Galuth zu ziehen oder sie gar stillsplrweigend .als gegebene Tatsache einer gottgewollten Fügung hinzunehmen.^ v Zweck der Pro-Palästina-Komitees muß es sein, die öffentliche Meinung und die, politische Willensbildung nachhaltig zu beeinflussen. Ist bei dem in Wien' gebildeten Komitee auch nur die Möglichkeit hiezu gegeben? Man muß nach dieser* Richtung hin skeptisch sein. Während z. B. in Deutschland der Präsident des Reichstages, der Reichsminister für yüiterri^ht ,un4 die hervorragenden Parteiführer im Komitee sinci, vermißt man in Oesterreich in diesem Komitee die tatsächlichen führenden Persönlichkeiten d^r p0Htischen Parteien, die nun einmal, man mag dies bedäiiern öder nicht, für die Entwicklung der Verhältnisse maßgepen,d sind. Und weil dem so ist, wefl dieses^ Komitee von vornherein der politischen Aktivität entbehrt, 'war es erst recht ein Fehler der Zionisten, erstens -die Assimilation als gleichwertig zukehren und zweitens offiziell in das Komitee ein« zutreten.r'VVeil den^so ist, ist auch die angekündigte Deklaration der Regierung ausgeblieben, und es kam efer hOilicJies Schreiben des Bundeskanzlers Seipel Wie »Hz Mas Mm Wien Verlobte Naton Knlsbacher Hilde Blener W»en IX. Wien IX. Verlobte Paul mitr Industrieller ßishitza.H., Mähren Wien Verlobte : AUS RUSSLANP NfeU EINGEFÜHRT; ORENBURGERSCHAL ► hergestellt aus Ranz (einer Wolle. Seur dünn und warm. Kann im ' kleinste«! tianätäschchen untergebracht werden. [ ALBERT MATZNER I Wien, I. Bezirk, Kohlmessergasse 8, und Filialen.; Neue Niederlage: Wien, VII. Bezirk, Mariahilferstraße 64. LLOYD SABAUDO GENUA ßxpreßverkehr nach ZNordu. Südamerika ^^^Mmma^lM REPftKS.: I-, KOL©WRATHING 4-TEL.72-3-87 an Herrn Sokolow. Es ist gewiß aus verschiedenen Gründen von Wert, wenn Herr Seipel den Zionismus als eine vernünftige Lösung ansieht, aber das ist keine Erklärung der Regierung. Es mag sein, daß sie als überflüssig angesehen wurde, da ja Herr Ramek im August 1925 gelegentlich des Wiener Zionistemkongresses eine vornehme und politisch bedeutsame Regierungserklärung abgegeben hat. War es aber diesmal überflüssig, dann durfte es nicht so feierlich angesagt werden. Es sind Fehler geschehen, die sich bei einiger Vorsicht hätten vermeiden lassen. Julius Löwy. Die Wahlfreiheit in Polen. Von unserem Warschauer N. R.-iBeridhterstatter. ©en jüdischen Kandidaten im Block der Nationalitäten wird es ungemein schwer, wenn nicht unmöglich, Wählerversaimmflungen abziuhaOten. Die meisten Theater-, Kiho- und sonstigen SaaKbesitzer weigern sich, ihre Lokale für' diese Zwecke zu vermieten, da sie für ihre Konzessionen fürchten. Wird aber irgendwo mit schwerer Mühe ein Saal erlangt, so wird er kurz vor Beginn der Versammlung aus SanJtäts- oder Bau-pöHzeigründen geschlossen. Das Abhalten von Versammlungen in Synagogen wurde verhindert. Versammlungen unter freiem Himmel werden bei der kleinsten Unruhe, die ia bei Anwesenheit von Gegnern kaum zu vermeiden ist, aufgelöst* Der jüdische Nationalst muß daher die verschiedenen zionistischen Vereinsiökale aufsuchen. Die Lokale des „Merikaz" und der „Vereinigung jüdischer Frauen" in Warschau wurden von der Pofllzei aus baute chni sehen Gründen gesperrt * Der BcairkshauDtmann in Konstantynow hat die Präsidenten der jüdischen Gemeinden und Rabbiner seines Kreises zm sich berufen und ihnen aufgetragen, daß sie keine Wählerversammlungen in den Bethäusern zulassen und daß sie die jüdischen Wähler beeinflussen Bollen, für die Regierungs- oder die Agudailiste zu stimmen. Als die Rabbiner erklärten, daß ihnen weder die Kraft noch der Einfluß zustehen, um die Juden nach dieser Richtung zu überzeugen, war der Bezirkshauptmann bereit, ihnen Polizeihilfe zur Verfügung zu steilen. Gleichzeitig erklärte er, daß, wer seinen Befehlen keine Folge leiste, die Konsequenzen zu tragen haben werde. So wurde bereits einem ^gewissen Jankiei Liebermann die Salzvenkaufslkonzession entzogen. Sein Sohn agitierte für den Minderheitenblodc ♦ In den Wahlkreisen Kowel und Li da in den Randgebieten wurden die vom Block der nationalen Minderheiten eingereichten Wahlvorschläge durch die 'KreisWahlkommissionen annulliert. Als Grund wurde angegeben, daß einige Personen, welche die Vorschläge gezeichnet hatten, ihre Unterschriften zurückgezogen hätten. Die Zurücknahme dieser Unterschriften erfolgte in den Polizeikommissariaten. Gleichzeitig wurde der Bevollmächtigte der Mtaoritätenifste im Wahlkreis Lada, der jüdische Bürger Sokolowski wegen der Nichtbeachtung sanitärer Vorschriften in seinem Hause zu zwei Monaten Arrest verurteilt. Die Bedeutung der Ungültigkeitserklärung erhellt aus der Tatsache, daß bei den Wahlen im Jahre 1922 die Minderheiten im Wahlkreise Kow^l alle fünf Sejmmandate, im Wahlkreise Lida j?wei Sitze erlangt'hatten, { | I., Bellariastraße 12. Tel. 36-3-39 V.,8ch3nbrunner8tr.56. Telephon 95-55 SPRECHAPPARATE wie Gramola, Columbia, Ulfraphone UNSER SPEZIAL- KOFFER -APPARAT „MINERVA«*.........S „MAJESTROLA" f......S ISO*— „IHAJBSTROLA'% Luxus . . .S 195' ¥ Auch auf Telfeahlung} ¥ Neueste ScShlagerplaff en In größter Auswahl Der Oberste Rat der Kultusgemeindeverbände in der Tschechoslowakei. Vor kurzem hielt der Oberste Rat der KuJtusgemeindeveribände in Böhmern, Mähren und Schlesien seine erste Arbeitstagung in Prag ab. Den Tätigkeitsbericht für 1927 erstattete Norbert Ad ler. Es war, sagte, er, ein Jahr der Vorbereitung und der Organisierung. Das. Statut des Obersten Rates wurde von. der Regierung genehmigt' und dieser dadurch als eine Körperschaft des öffentliche« Rechtes anerkannt. Schatoliin erstattete den Kassenbericht, worauf der Antrag Dr. E. M a <r g u \ i e s genehmigt wurde, der Regierung ein Elaborat zur Aenderumg der Sprenge] der Kultusgemeinden in Böhmen vorzulegen. Die Neuregelung bezweakt die Zusammenfassung von schwachen Kuiltusgemeinden zu lebensfähigen Ganzen. Dr. L. Goidschmied referierte über die Errichtung einer Lehranstalt für Rabbiner und Refiigionslehrer. Es wurde beschlossen, mit der Regierung über die Errichtung einer solchen Lehranstalt zu verhandeln. K.. Schab!itt berichtete über die Ueberse.t'zung des Pent ateuefos ins Tschechische; die Arbeit soll vom Prager Kmltuusgemeindeverband durchgeführt werdem Dr- Wold behandelte die Frage deT Organisierung der Denkmalpflege und teilte mit, daß eine „Gesellschaft für Geschichte der Juden in der tschechoslowakischen Republik" in der Bildung begriffen ist. Es wurde beschlossen,: verschiedene jüdische Lehranstalten zu subventionieren wttd), die Frage der zentralen sozialen Fürsorgetätigfeeit zu studieren. ... ., , ■ '. ■ .:■ .• Dr. Egon Epler. , , Wenige Wochen nach seinem Vater, dem vom ailen aufrechten Juden beta-auerten Direktor Siegraund Epler, ist sein Sohn Dr. Egon Epler plötzlich gestorben. Kaum 36 Jahre alt, ist er aus dem Kreis seiner. Freunde geschieden, ein spätes Opfer des Krieges. .Er hatte sich im Jahre 1916 in Krakau, wo er als Arzt im Truppen- spital Dienst leistete, auf einen antisemitischen Zeitungsartikel hin an die Front gemeldet, war; als Offizier hinaus--,. gegangen und dann mit zerstörtem Körper und gebrochenem- Lebensmut zurückgekehrt. Dem zionistischen Gedanken diente er treu und ergeben, als Student sowohl wie .dann im Beruf als Arzt. Er gehörte der akademischen Verbindung „Unitas" an, in der ihn das Vertrauen und die '.Liebe seiner Freunde wiederholt zu leitender Funktion berief. An dem Leichenbegängnis nahmen nebst derri Präsidenten der Kulrusgömeinde Professor Dr. P i ck urod dem - Vizepräsidenten Dr. Löwenherz sämtliche alte Herren und Aktiven der Verbindung „Unitas" sowie eine Abordnung der Loge Freundschaft teil, alle schmerzlich be-. wegt von der traurigen Notwendigkeit, von einem prächtigen guten Menschen urnd jüdischen Kämpfer Abschied nehmen zu müssen. haben den Ruf unseres Hauses begründet! Elegante Mäntel, Kleider, Kostüme etc. nach Original Pariser Modellen in unseren Ateliers hergestellt i|IJDVII.Kaiserstr.115 eTO mmmmm kmnb ixl alei mmmmm Führendes und größtes Spezialhaus Oesterreichs!

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