Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 23 (24.2.1928)
- Date
- 1928-02-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT ___[___Nr. 23_ ^iiftiiitttflttfttttiiitiiifttttfififiiiifiiiiiittiiiiifiaitiiiiiiititiiitiiiiiiiiiiifiitiiiiiiiiiiitiifitiiiifiiiiiimifiiitf itiHHiiiitiiijs II Vereinigte Jüdische Weinbauerngenossenschaft I Richon-le-Zion & Zicron-Jacob I (Propr. Baron Edmonde de Rothschild) I Palästina I empfiehlt ihre SORTEN WEINE] Das Gerichtsurteil über Zolas „JPaccuse". Von Jakob Krausz. Den Kulminationspunkt in der Dreyfus-Affäre, durch welche' die noch junge französische Rep-iblik in ihren Grundfesten erschüttert wurde und die nahezu ein Jahrzehnt lang die gesamte gesittete Welt in Atem hielt, bildete der Ruf Emile Zolas, des berühmten und gefeierten Dichters, in seinem „J'acCusef", dem Aufsatz, der am 13. Jänner 1898 in der Pariser „Aurore" erschienen war. Dreyfus hatte bereits zwei Jahre lang als Unschuldiger das Martyrium seines Judentums auf der Teufelsinsel erlitten, als Zola mit seiner Generalanklage gegen alles hervortrat, was zu jener Zeit sich zur Unterwühlung der demokratischen Republik und der bürgerlichen Freiheit in Frankreich verbunden, hatte. Diese Generalanklage schloß mit der ungeschminkten Feststellung, daß das Militärgericht einen Unschuldigen verurteilt, hingegen den schuldigen Abenteurer E s z t e rhazy freigesprochen habe. Von diesem Tage an wurde „J'accusel" eine Kampfparole, ein nom de guerre für Millionen Menschen in der ganzen gesitteten Welt. In den Juden/gassen aller Weltteile lernte auch das kleine Schulkind das Wort und die Bedeutung des mutigen Rufes „J'accusel" Welche .Selbstaufopferung die Veröffentlichung jenes historischen Dokumentes bedeutete, mußte sein Autor sehr rasch am eigenen Leibe verspüren. Zola wurde wegen Beleidigung des französischen Militärs, namentlich des Generalstabes, angeklagt. Die Gerichtsverhandlung' begann am 7. Februar 1898 und dauerte bis zum 23. Februar desselben Jahres. Zola wurde von den berühmtesten Advokaten jener Zeit, Ferdinand Labori und George Glemenceau, verteidigt. In meiner Erinnerung steigt eine Episode ans jeher Zeit auf, wie in vielen Beth-Hamidrasch und Betstuben der Judengassen stille Gebete verrietet wurden, damit dem großen Freund der Juden und mutigen Verfechter der Gerechtigkeit dem Autor de$ „J'accuse!" und des geflügelten Trostwortes „Die Wahrheit ist auf dem Marsche", kein Haar gekrümmt Wörde1 und daß Emile Zola in seinem heldenmütigen Kampf gegen die geschlossene Front der Antisemiten siegreich bleiben möge. In jenem. Moment war den Jiuden Zola fast wichtiger als Dreyfus selbst. , Zola wurde am 23. Februar schuldig befunden, da der Gerichtshof sich auf den' Standpunkt gestellt hatte, daß die Affäre Dreyfus eine abgeschlossene Angelegenheit, eine res iudicata, sei und auch der Freisprüch Eszterhazys, des eigentlichen Verbrechers, in der ganzen Affäre, nicht mehr in Frage gestellt werden dürfe. So wurde Zola und seinen Verteidigern jede Möglichkeit genommen, die Berechtigung der Anklage in der „Aurore" und in weiterer Konsequenz die 'Unschuld Dreyfus' und die Schuld Eszterhazys nachzuweisen. Zola wurde zur höchsten zulässigen Strafe*,zil einem Jahr Gefängnis und einer Geldstrafe in der Höhe von 3000 Francs; verurteilt, während der Herausgeber der „Aurore"' zu vier Monaten und 3000 Francs verurteilt wurde. Wohl hat der Oberste Gerichtshof das Urteil gegen Zola aus formellen Gründen aufgehoben, indem er die Klageberechtigung des Generalstabes verneinte, da nur das Militärgericht, das eigentlich im „J'accuse" angegriffen worden war, zur Klage legitimiert sei. Aber die militaristischen Kreise waren in. ihrem Kampfe gegen die liberalen Einrichtungen zu weit vorgedrungen, ■nun i i in Fässern und Flaschen Mit Hechscher der palästinensischen Rabbinate! Reprisentanz und Alleinverkauf GUSTAV WILDER WIEN. IV. Bezirk. Ölechturoigasse Nr. 12. — Telepnort Nr. 53-5-92 •umiiiiiiiimiiiiiiininiiiiiiiiiiiiiiiim I :5s. als daß sie sich zu dem Auskunftsmittel des Obersten Gerichtshofes hätten bekennen können. Um aber bei einer neuen Verhandlung gegen Zola den : ganzen Komplex der Dreyfus-Affäre aus der Erörterung von vornherein auszuschließen, klagte das angegriffene Militärgericht bloß eine n Satz aus dem Artikel Zolas, der eine Beleidigung des Militärgerichtes in sich schloß. Unter solchen Umständen'mußte Emile Zola einsehen, daß die Wahrheit wohl bereits im Anmarsch sei, inzwischen aber er selbst bei der künstlichen Erregung des Mobs von Paris durch die Monarchisten und Militaristen das Opfer,, das zweite in dieser großen Affäre, werden müßte; er flöh nach England. In der neuerlich durchgeführten Verhandlung, in! Welcher auch die angegriffenen Sachverständigen in der Hauptverhandlurig' gegen Dreyfus als Kläger auftraten, wurde der Dichter in contumaciam zur selben Strafe wie das erste Mal verurteilt, mit dem Hinzufügen, daß er aus der Ehrenlegion ausgestoßen werde und auch an die angeblich verleumdeten Sachverständigen insgesamt 30.000 Dollar zu zahlen habe. Das war das Signal für alle besonnenen Elemente; sich zur Rettung der Republik und der durch die Revolution errungenen Freiheiten zusammenzutun. Die Militaristen und Royalisteri, die künstlich das Land in Dreyfüsards und' Anti-Dreyfusards geteilt hatten, erzielten damit bloß,' daß die völlige Aufhellung der Affäre, die restlose ' Rehabilitieruhg des Unschuldigen und die Bestraf ung der Schuldigen, soweit sie nicht* wie Oberst H6,nry, sich "selbst justifiziert hätten, mit dem Begriff der Rettung der Republik-identifiziert wurde. Für Dreyfus sein, bedeutete, für die Republik sein, und so. wuchs die Zahl der Dreyfüsards von Tag zu Tag; ilire Stimmen konnten nicht mehr unterdrückt werden. Sie, begnügten sich' nicht mit der Begnadigung des Unschuldigen, sondern forderten seine Rehabilitierung mit dem vollen Eingeständnis der Republik, ein gewaltiges Unrecht an sich selbst in der Person des schuldlos verfolgten und gemarterten, jüdischen Offiziers gutmachen zu müssen. Wie bekannt, ist die Rehabilitierung Dreyfus* schließlich nach vielen politischen Erschütterungen und schweren Kämpfen doch-erfolgt. Dreyfus kam an Leib und Seele gebrochen von der Teufelsiusel heim. Es verdient hrebei die volkspsychologisch bezeichnende Feststellung gemacht zu werden, daß im jüdischen Volk Dreifus niemals besondere niert, halbtot, von Furcht schwitzend, erstarrt bis auf seine armen Knochen, wird er ein zehntesmal Wiederbeginnen» obwohl er vollkommen die: Größe des Risikos erkennt. Das ist seine Form des Mutes,-aus unglaublicher Zähigkeit und Verachtung — nicht aus Unkenntnis — der Gefahr entständen^ Und dieser Mut wird weit führen, auf Wegen, die uns überraschen, bis zum Heldentum. Die Typen dieser Dramen, sei es, daß man in einer kleinen Stadt Bessarabiens, Galiziens oder der Karpathen Ist, repräsentieren sich so ähnlich, daß man Zweifel daran hegt, auf welcher Seite die Bühne und auf welcher das Publikum sich befindet. Sie haben ein in die Augen springendes Exterieur. Alte Rabbinerehepaare oder orthodoxe Juden von unbeweglichem Anachronismus, vollkommen identisch mit jenen Rembrandtscher Kupferstiche, gleichzeitig feierlich und lächerlich; mit ihrem, starren Festhalten an den geringsten Traditionen. Junge Leute, die manchmal durch das Jahrhundert modernisiert wurden; hübsche Mädchen mit kurzen Haaren und Stöckeln a la Louis XV; kultivierte Jünglinge aus der großen Stadt, gepflegt, rasiert, mit weißen, beringten Händen, einem untadeligen Rock oder Smoking über einer glänzenden weißen Weste. Zwischen ihnen als malerischer Gegensatz ein Hintergrund von Bildern mit Barten und von Leviten, ein gröhlendes, familiäres Volk von schreienden Mägden, alten Dienern, die bei jeder Gelegenheit heilige Verse näseln, von jungen» blassen Talmudistett in Samtröcken, deren Gesichter von gekrausten Stirnlocken umrahmt sind, süßlich und scheinheilig, mit allen Sajben geschmiert. Und wie alles sich aufregt und: in erhöhtem Maß lebtf Welcher Stolz bei dem alten Ehepaar über so schöne Kinder, die den. Weg der Ehre eo hoffnungsvoll beginnen, der m Eroberung 4er Welt-ffthrtl Aber bei den Kindern selbst — welche momentane Metamorph' . welche staunenswerte Rückkehr zu atavistischen Gewohnheiten, wenn sie beim Betreten der häuslichen Schwelle die Maske fallen lassen, trotz Smoking oder De* koiletee, Und plötzlich so denken, sprechen und handeln wie ihre Umgebung! Das Jahrhundert, welches diese äußer? lieh so verschiedenartigen Menschen zu trennen schien», verschwindet wie Rauch. Das Stück aber wird immerhin seinen Weg gehen; rituelle Gesänge, Gassenhauer, Handel, Spitzbüberei, sentimentale Intriguen und dramatische. Höhepunkte, russischer Pogrom werden durcheinandergemischt. Oh es sich um Tragödie oder Posse dreht, ist gleichgültig! Sie werden vor ihren Augen lebenswahre Personen sehen, alle vereint durch die Glcf:hartigkeit der Oedanken und Gefühle und Analogie des Auftretens, trotz aller Verschiedenheit der Erziehung, des Altere und der Situation! Man kann in einem kurzen Artikel nicht das Wesen und die Gesamtheit einer so besonderen und neuen Kunst beleuchten. Sicherlich hat das jüdische Theater noch nicht seine Vollkommenheit erreicht. Es zweifelt und sucht aus eigentümlich wirksamen Werken gerade die mittelmäßigsten aus. Aber alle haben unzweifelhaft große Originalität; 'neu in Geist und Forin, führen sie uns weitab von der dramatischen Literatur, die uns vertraut ist. Immer? hin muß man zugeben, daß sie schwer zu genießen sind, denn s}e verlieren viel durch Üebersetzung oder Umfor^ raung; sie brauchen trotzdem nichts von ihrer Frische einzubüßen, weder von ihrer charakteristischen Atmosphäre, ihrem Rahmen, ihren Künstlern, ihrem Publikum. Sicherlich haben wir es hier mit einer literarischen Schöpfung zu tun, deren Entwicklung zu verfolgen sehr interessant ist Ehrungen erfahren hat; Dreyfus war wohl ein ungewollter Märtyrer der Zugehörigkeit ..zum , jüdischen Stamm, das Judentum aber hat von jeher nur Märtyrer verehrt und verewigt,' die im Kampfe.für die allgemeine Wahrheit Und die Rechte des Judentums gestanden und in diesem Kampf als Opfer gefallen sind. Dreyfus war und ist für das Judentum ein Märtyrer, wie sie vor seinem Fall und seither zu Hunderten, und Tausenden -täglich geschaffen werden Nicht jeder jüdische Märtyrer, der unschuldig verfolgt wird, ist mit dem Schicksal eines Landes so eng verknüpft,; wie Dreyfus mit seiner Affäre es war. Das jüdische;, Volk trauert mit seinen Märtyrern und. zieht seine Lehre aus dem Martyrium, hingegen erweist es sich , für alle Zeiten dankbar denen gegenüber, die, wie esv Emile Zola getan hat, in der Zeit der .großen Not .dem r jüdischen Märtyrer zu Hilfe-eilten. Emil Zola hat. im v Juden-tum viele Ehrungen erfahren und vor etwa zwei. Jahren erst hat eine jüdische Gemeinde in Amerika im Vestibül ihrer Synagoge das Andenken Zolas.,, durch die Aufstellung , feiner Büste geehrt.., : Die preußische Regierung gegen die Schlageter- . Ausschüsse. ' : /' V''" Im . preußischen, Landtag begründete' mhenmmisie*'? G r.Ä.e.s i n s k i seiiv ,\f erb o t an .die Beamten, den Schlä- geter-Ättsschüsseri beizutreten, und teilte mit:, Msi -1023■der'^ Regierungspräsident von Düsseldorf am Sarge ScA'agetölrs^ einen Kranz ,niederlegen;ließ,' 'erhielt erihtt mit den WörtßO; zurück:, „Annahme, yprweigert., Zur yerwendung;bdm' BfeP gräbnis d er . de u t «j<;h- Jfldläch e'n Rr j>tib11k? Der Denkmaläiisscnußl1'! ' "';;•«>» ) * " " ' r- , Der Ingenieur Leo 5 c h 1 a g e t e r hatte im Auftrag nationalsozialistischer Verbände im Jahre 1923 im'RuhÄd . Eisenbahnattentate gegen. die französische Okkupation ver- :. übt.- Als bei der Sprengung , eines Zuges 60 Soldaten iuris Leben kamen, wurde nach Schlageter gefahndet: und ein.. Preis auf ihn, ausgesetzt., Zwei seiner Freunde verrieten ( ihn* Schlageter, wurde verhaftet und standrechtlich er-, schössen. Ueberall-in Deutschland bildeten, sich Jugen.df vereine, die seinen Namen führten. Auch in Wien wurde, eine Terrorgruppe unter dem Namen ,3chlageter-Brjgä4e": gegründet, der unter anderen der Mörder Nowosad anger. hörte. : ,:>■■■■■■? '•• -... Blutige Kämpfe im Irak. Im. Irak, das foekianntl'icb britische« Mandatsgebiet isV ist es am 21. Februar 60 Meilen nordwestlich von Ba s'r ä zu einem schweren Kampf mit Wa ba b j t en gekommen, die neuerlich .einen Einfall unternommen hatten. Auf beiden ' Seiten waren ungefähr 2000 Krieger beteiligt und die Verluste betrugen bei ibeiden Parteien mehr als 200 Tottji Als die Wahabiten auf dem Rücteiig waren, grMfen englische Flugzeuge Iii die Verfolgung ein. Es Uberflügelt durch sein Renommee, seine rles'ge Wirkung 1 DIANA FRANZBRANNTWEIN mit Menthol sämtliche ausländischen Erzeugnisse und Hausmittel. An Nervosität und Kopfschmerzen Leidende wenden nur eine Massage an, tun sich zu ej frischen und ihre ermüdende Tagesaibeit fortsetzen zu können, Nehmen Sie nur Diana! Wtrtot« Nachahmungen w«!jkq II« •nUchi«d«n xurUckl Ueberau erhältlich!