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Die neue Welt · 1928-02-24 · Heft 23 (24.2.1928) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 23 (24.2.1928)
Date
1928-02-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 23 DIE NEUE WELT Seite 3 bei uns: Klaide;-Kasr a.......S 5.60 Prima HanteMCasfea .....S -81.50 Bedruckte K elder-SeJds . . S 3.95 UiaiB.msiHi'.II.MttMli Zerflatternde Illusionen. Weizmanns Reise nach Amerika. — Der Zentri! verein deutscher Juden gegen den Zionismus und das Palästinawerk. Seit mehr als fünf Jahren lebt die zionistische Leitung und mit ihr die überwiegende Majorität der Organisation in der Täuschung, daß der revolutionäre Charakter des Zionismus, daß der Kampf um die jüdischen Menschen überflüssig gevvprden ist und es nur mehr darauf ankommt, jüdisches Geld zu gewinnen. Man kann die Juden und ihre Führer so lassen, wie sie sind, als Halb- oder Ganzassimilanten, sie sollen nur Geld hergeben oder bei der Geldbeschaffung helfen. Aus diesem Gedanken heraus begann die Politik des endlosen Bankettierens und Konferierens, des Vorbeugens nach allen Seiten. Ihre Krönung erfolgte mit der Annahme des Antrages des Präsidenten Weizmann auf Erweiterung der Jewish Agency, das heißt auf Einbeziehung der reichen nichtzionistischen Juden in die Leitung des Aufbaues des nationalen Heimes in Palästina, des Judenstaates. Fünf Jahre wurden mit der Besprechung und Vorbereitung dieser an sich sinnlosen Konstruktion verzettelt, ohne daß etwas Greifbares zustande gekommen wäre. Am letzten Kongreß noch wurde die Sache zum xten Male beschlossen und besiegelt und Weizmann kündigte an, daß er längstens im Frühjahr 1928 die Sache finalisieren werde. Als vor einigen Tagen bekannt wurde, daß Präsident Weizmann' noch im Februar nach Amerika fährt, glaubte man daher, es handle sich um den längst erwarteten Abschluß der Angelegenheit. Aber die Berliner „Jüdische Rundschau", das immer gut informierte und der Zionistischen Exekutive nächststehende Blatt belehrt die Oeffentlichkeit, daß wieder einmal nichts daraus wird. Das Blatt schreibt: „Es ist möglich, dag sein Besuch nur der Teilnahme am United Palestine Appeal (Sammlung für den Palästinaaufbau) gilt. Dagegen wird die E rweiterung der Jewish Agency diesmal wohl kaum von Weizmann gefordert werden, weil diese Angelegenheit jetzt in einem bereits begonnenen Stadium ist, dessen Entwicklung man nicht vorgreifen kann." Kurz gesagt, wieder nichts. Fünf Jahre verzettelt, fünf Jahre, während welcher das Verantwortungsgefühl der zionistischen Massen und Führer durch fortwährendes Feststellen der Unzulänglichkeit der eigenen Kraft zermürbt und zerbröckelt wurde, fünf Jahre der Lockerung und des Niederganges. Wann wird sich die Zionistische Organisation zur Tat aufraffen und die sinnlose, unselige Agency-Politik liquidieren? * Um die Agency-Politik den Zionisten und den anderen Juden mundgerecht zu machen, wurde die Legende verbreitet, daß heute eigentlich schon alle Juden die Notwendigkeit des Aufbaues des jüdischnationales Heimes in Palästina anerkennen und zu fördern bereit sind. Sie wollen sich nur nicht Zionisten nennen, nicht vom Judenstaat sprechen tmd . hören das Wort jüdischnational nicht gerne. Die zionistische Leitung und ihre Organe haben alles getan, um den Kampf um die jüdischen Menschen als überflüssig und die im Judentum« bestehenden Differenzen als winzig, nichtssagend erscheinen zu lassen. Wie weit die jüdische Welt noch davon entfernt ist, so zu sein, wie die zionistischen Agency- Politiker sie schildern, darüber klärt die in der Vorwoche vom „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", der größten jüdischen Organisation Deutschlands, angenommene Resolution auf. Sie bedeutet die schärfste Kampfansage gegen Zionismus und Palästinaaufbau. Sie lautet: „Die von den Zionisten in der Oeffentlichkeit betriebene Propaganda hat es dahin gebracht, daß die früher nur von den Judengegnern betonte Trennung von „Deutschen" und „Juden" in der öffentlichen Meinung mehr und mehr an Boden gewinnt: immer mehr verbreitet sich die Vorstellung, als gehörten die deutschen Juden nicht zum deutschen, sondern vielmehr zu einem über die ganze Erde verstreuten, in Palästina beheimateten jüdischen Volk. Dieser Zustand bringt die Errungenschaften eines mehr als hundertjährigen Emanzipationskampfes in ernsteste Gefahr. Der C.-V. muß daher wirksamer als bisher der zionistischen Anschauung entgegentreten, nach welcher das Judentum die Volks- und K u 1 t.u r g e m e i nschaft aller Juden und Palästina ihr nationales und kulturelles Zentrum sein Säm liehe KLAVIERE auch auf Marken W. KREITLER i Teilzahlung <3?T!r IX. Universität«» traße** w soll. Im Gegensatz zu den Zionisten sehen die auf dem C.-V.-Standpunkt stehenden deutschen Juden im Judentum ihre Religion; das von den Zionisten behauptete oder angestrebte jüdische Volk ist nicht das ihrige, da sie in nationaler und kultureller Hinsicht ausschließlich dem deutschen Volke angehören. Das Vorhandensein einer nationalen Einheit der Juden aller Länder wird schon durch diese Tatsach e.widerlegt. Gegenüber den Wirkungen der zionistischen Propaganda sieht der C.-V. seine Aufgabe darin, seiner Auffassung von Deutschtum und Judentum in der Oeffentlichkeit Geltung zu verschaffen. Der C.-V. Sachsen erwartet energisches Vorgehen im Sinne dieser Resolution." Der vom Zentralverein mit dieser Entschließung unternommene Vorstoß beweist, daß die unter dem Einfluß der politischen Errungenschaften des kämpfenden Zionismus seinerzeit still gewordenen Gegner des Wiederaufbaues des jüdischen Volkes und des jüdischen Landes sich wieder regen. Mit der Abnahme des Selbstvertrauens und des Kampfgeistes im Zionismus ist ihr Mut gewachsen. Sie werden und müssen schließlich weichen, aber erst darin, wenn die Zionistische Organisation wieder werbend und handelnd auf den Plan tritt, wenn sie, wie vordem, den einzelnen Juden vor die Entscheidung stellt, wenn sie wieder den Kämpf um die Seele jedes Juden aufnimmt. r. st. Ein Jointbericht über die Lage der Juden in Polen. Das Presseamt des polnischen Ministeriums des Aeußern in Warschau publiziert einen Bericht der Vertreter des Joint Distribution Committee Wald mann und Fried mann über ihre Reiseeindrüoke in Polen. Beide Herren bereisten Polen Ende 1927. Herr Waldmann ist der stellvertretende Generaldirektor für Europa des Joint. Er stellt fest, daß die jetzige polnische Regierung den Juden die politische Freiheit sichert. Manche Juden sprechen geradezu enthusiastisch über die loyalen Vorkehrungen der Pilsudski-Rcgierung. Herr Wald.mann bemerkte weder einen Antisemitismus noch sogar einen UnwMJen gegenüber den Juden. Die Juden — führt Herr Waldmann aus — werden als voll gleichberechtigte Bürger anerkannt und sie werden alle zur Mitarbeit am Staat herangezogen. Die Juden in Polen hätten noch nie unter so «günstigen Bedingungen der bürgerlichen und politischen Freiheit wie jetzt geleibt. Die wirtschaftliche Lage der Juden in Polen findet er besser als in den Jahren 1920-1921, günstiger als vor zwei Jahren, man könne sie jedoch nicht als günstig bezeichnen. Als Gründe gibt er an die wachsende Konkurrenz der polnischen Kaufleute und Kooperativen. In dieser Tatsache erblickt der Bericht eine normale Erscheinung der wirtschaftlichen Entwicklung Polens, die jedoch für die Juden gefährlich ist. Die Beobachtungen der Joint-Herrcn Waldmann unid Friedmann sind in vielen wesentlichen Punkten überaus oberflächlich, die Konsequenzen irrig. Den Antisemitismus halben diese Herren in Polen nicht gesehen. Die jüdische Oeffentlichkeit hat diesen merkwürdigen Bericht sehr ungünstig aufgenommen. Das Organ der ostgaliziscihen Zionisten, die „Chwila", kündigt eine umfangreiche Entgegnung an. Der Voronoff verengt Euch mit Affendrüsen, beim Steiiiach, beim Doppler, muß anders man büßen, Wer klug ist, der regeneriert sich das Blut, Und das besorgt Hubers „Hcrma" so gut. „Herma" ist Saft von HERba MAte, Alkoholfreies Tafelgetrünk. En gros: CARL HUBER, Wien, 16-1. Dr. Richard Frankfurter Mitglied des Reichstages. Als Nachfolger des am Sonnabend verstorbenen demdkrati-sdhen Reichstagsabgeordneten Dr. Raschig tritt Herr Dr. Richard Frankfurt-er, "der angesehene Berliner Rechtsanwalt und Schriftsteller, in das Reichsparlament ein. Dr. Frankfurter ist ein Sohn des verstorbenen land veröffentlicht hat. Dr. Richard Frankfurter sel'bst storbeneu Romanschriftstellerin Ulla Woliff-Frankfarter, die unter dem Namen Ullrich Frank eine Reihe vielgelesener Romane und Erzählungen des jüdischen Lebens in Deutschland veröffentlicht hat. Dr. R. Richard Frankfurter selbst hat sich als Jurist wie als Romanschriftsteller einen Namen gemacht. 'iJSSenscb ärgere JDicb ntdbt" für 20.'SDolua-SBttd&ftd&m 3)oruss<ßrcittiieit 1928. Stud) heuer övir^cn tott unseren treuen 2lbner}mern originelle ®efä>n!e unb Mfen, {pqieU 4>er $ugeub flwjjje fjfoeüioe 8u Bereiten, ©djort für 20 ®oluS<$u($ft<ffien ersten ©ie ©efeHfd&aftSfeiefe, rote „Kur mä)t aufregen!" („äßenfü), ärgere bid) mü)t!") ober „2Mf unb ©d&af" ober „Stutotoettrennen" ober „fttr!u§faiel" ufio. ferner fren SieiblingStounfcb ber ©djulntgenb: Jur 30 3>olu8.g3iu$ftcr&en 1 Srttton, für 40 2)oIu§=48ucfiftaben £alma, für 75 ©udjftaben ein ©djach. Um e§ unjeren Sammlern bequem madjen, merken in allen SBejitfen ©intäMtellen errietet unb in fcen näfiften Saßen frei allen Jtoitflenten freSatrotgegeoen. . SDreiraal fänett« suc Prämie. 3>oüuS*©ud>fta&en finfc in -jeher ©ofe Mu§^ä)uhcreme, 2Dolu§^u&&obenpafta unb jetet &I«teu spadung OTeta«€$eifen)ritltoet eingelegt. . Jüdisches Theater. Eine psychologische Studie. . Aus dem Französischen von I, Pichon. Uebersetzt von Sophie Grünfeld. Der nachstehende Essay scheint uns von größerem Interesse. Er läßt erkennen, wie ein Franzose das jüdische Theater sieht und beurteilt. Ein überheizter Saal, in welchem eine erstickende Temperatur herrscht. Eingepfercht in den Bänken» aneinändergedrängt, stehend bis zu den Wänden, dann auf Sesseln bis zur Hälfte der Fenster in Gruppen aufsteigend!, fiebernd, mit glühenden Augen warten die Juden aiif das Heben des Vorhanges. Eine jüdische Gruppe zweiten Grades spielt heute Theater, eine außerordentlich gleichwertige Gruppe, ohne Stars, bestehend aus einigen Künstlerfarmlien, deren Mitglieder alle Rollen spielen: Dramen oder Komödie, singend, tanzend, sie spielen auch im Orchester und verrichten alle sonstigen Dienstleistungen. Russen und Polen drücken sich in „Jiddisch" oder deutchem Jargon aus. Diese herumirrenden Theaterjuden durchwandern alle Städte, wo Juden hausen, vom südlichen Rußland und vom morgenländischen Europa, stoßen zur Not bis Paris vor und sehen bald New York. Sie wandern und bringen den Emigranten das Lachem die Tränen, den Schrecken oder den Enthusiasmus, der durchtränkt ist von tief nationalen Quellen, von echter Kunst, einschneidend, bisweilen brutal, außerordentlich genährt vom täglichen Leben des jüdischen Volkes. Gejagd, ruiniert, dann geduldet, nützlich und notwendig, endlich kränklich und tyrannisch, vom Ghetto zum Palais aussteigend, abwechselnd unterdrückt und mächtig, verfolgen die Juden mit einer unermüdlichen Zähigkeit die Wieder* aufrichtung des immer schwankenden Glückes und eines fortwährenden Aufbaues ihrer Existenz. Durch fortwährende Anpassung, durch Generationen geübte Verstellung haben sie sich gewöhnt, alle Masken anzunehmen,, wobei ihnen ihr Aeußeres oft sehr zustatten kommt schaffen Gestalten und passen sich Völkern und Jahrhunderten in ihrem Wesen an. Ebenso sind die Kleider der Frauen, die den Saal füllen, aus prunkvollen und elenden, altertümlichen und modernen Stoffen gemacht, die aus den verschiedensten Musterkoffern zu stammen scheinen. Der Jude der abendländischen Theaterstücke, der Jude* von einem Andersgläubigen gesehen» mag er noch so gut beobachtet, so treulich wiedergegeben sein, kann unseren Bühnen nur das Bild irgendeiner seiner Verstellungen geben. Nur die jüdische Kunst, während sie sich noch selbst sucht, trachtet mit Prägnanz unter der Verschiedenheit des äußeren Scheines das tiefe Bild der Rasse zu finden. Nur sie selbst stellt die hervorspringenden ererbten Charakterzüge, Sitten und Aspirationen auf den ihr gebührenden Platz. Das jüdische Publikum irrt sich nicht; es begrüßt sie mit frenetischem Applaus und vor unseren Augen erhellen sich plötzlich seine Züge; es ist Zuschauer und spielt im Geiste die Handlung mit, mit all dem Temperament, das ihm zu Gebote steht. Das jüdische Theater ist jüngsten Datums, ängstlich erpicht und voll Sorge, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, denn die Juden kannten vor einem Jahrhundert noch nicht diese Unterhaltung. Bei geschlossenen Türen im Innern des Ghettos konnten ihre Sänger und Dichter sie mit Erinnerungen, die voll Heimweh und Sehnsucht waren, rühren oder dem auserwählten Volk von fabelhaften Zukunft singen. An den seltenen Tagen der Freude konnten die Spaßmacher die Gesellschaft mit jenen Geschichten unterhalten» die man nicht nacherzählen kann und die { kein Christ erfinden könnte — aber es gab kein TheaterL Gleichzeitig aus der Volkskunde und dem modernen Leben schöpfen» um nationale Stücke zu schreiben, ist ein ganz neues Unternehmen. La Sulamithe, eines der besten Stücke des Repertoires, ist erst 60 Jahre alt. Für das beweglichste und eindruckfähigste Publikum geschrieben, bieten diese Werke —• vom Drama zur Posse und Lustspiel — immer unvorhergesehene Situationen: die fürchterliche und dumme Angst, die fieberhafte Freude mit ihrem Ritus und ihren grotesken Tänzen folgen einander ohne Uebergang. Die gleiche Person wird nacheinander monotone Klagen, süßliche Vorsicht, siegreiche Ueberredung, unentwegte Härte versuchen, wird plötzlich den Hochm'ut der Rasse entwickeln, gerade im Augenblick, wo sie sich zu der demütigsten Unterwerfung vorbereitet. Stellen von sanftester Zartheit, von tragischestem Schmerz oder von unantastbarem Edelmut grenzen an groteske Narretei; das alles folgt aufeinander mit unglaublicher Schnelligkeit wie die Schatten fliehender Woikeru Theater der Nervösen, deren überreizte Nerven manchmal? versagen! Die Personen schlagen häufig in den närrischen Szenen, die übrigens prachtvoll gespielt .werden. Das schreit naclf Wahrheit, das ist Wirklichkeit, das kann, nicht anders als wirklich sein!. Das ist Kunst, die uns, überrascht, weil wir fast immer andere Gefühlsausdrückei erwarten, die unserem eigenen Temperament entspreche». Wir vergessen jeden Moment, daß die psychologischen Offenbarungen bei den Rassen verschieden sind. Nehmen wir z, B. den Mut. Man könnte von serviler Unterwürfigkeit, von entsetzlicher Agonie, treu und realistisch dargestellt, auf das endgültige Aufhören dieser Tugend schließen nach jahrhundertelanger Unterwürfigkeit; und trotzdem, wenn einem Juden neunmal ein kühnes Unternehmen mißglückt; wenn er nur wie durch ein Wunder, auf Kosten wilder oder niederträchtiger Demütigungen, geschlagen,, rui-

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