Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 23 (24.2.1928)
- Date
- 1928-02-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 23 umfassenden Güte und Menschenliebe hervorgegangen und darum werden sie von den Obrigkeits¬ und Autoritätsbekennern abgelehnt oder verschwiegen. Er ist gegen das System, das den Einzelnen nur als Zahl oder Atom eines Menschenreservoirs gelten läßt. Diesem System, dessen Begründungen sich so leicht und so oft ins Phrasenhafte verlieren, immer aber über Menschenglück und Arbeit hinweggehen, stellt Popper die krystallklare Forderung des Binzeinen gegenüber, der nicht Rad in einer Maschine sein will und nicht von der Mechanisierung erfaßt werden darf. Die heute bestehenden Parteien, wie immer sie sich nennen und welcher Weltanschauung sie zu dienen vorgeben, stützen ihre Macht auf die Massenorganisation und die Kasernierung der Menschen. Dies ist auch das Grundprinzip des Marxismus und deshalb ist auch in diesen Kreisen Popper-Lynkeus, der zuerst als Kämpfer für die Freiheit willkommen geheißen wurde, bald außer Diskussion gestellt worden. Für die jüdische Jugend, deren Streben nach Wahrheit und sozialer Erkenntnis ein so reges ist, besteht eine starke Notwendigkeit, sich mit den Lehren Poppers vertraut zu machen der gleichwie Herz! für die Judennot ein einfaches klares und unmißverständliches Mittel gegen die soziale Not angibt. Es mag sein, daß er sich bei der Erläuterung der allgemeinen Nährpflicht in Details verliert — festzuhalten bleibt seine große Linie, sein revolutionärer Kampf für den Menschen und sein Recht. Hertnan Bernstein, der namhafte jüdisch-amerikanische Journalist, der den Kampf gegen Henry Ford seinerzeit so energisch geführt hatte, hat jetzt umgesteckt. In einer Reihe von Zeitungen berichtet er über ein Gespräch mit dem Mann von Detroit, der ihn, den Gegner von gestern, so liebenswürdig aufgenommen und ihm alle Fragen beantwortet hat. Bernstein fühlt die Verpflichtung, seine Haltung zu motivieren: „Ich kenne Ford seit 1915, als ich Gast auf seinem Friedensschiff war. Die Meinung, die ich mir damals von ihm gebildet hatte, wurde erschüttert, als im Mai 1920 seine Zeitung mit der sensationellen Veröffentlichung über die Juden begann. Die ohne Reserve erfolgte Zurückziehung dieser Angriffe und ' die Entschuldigung Fords überzeugte mich, daß seine Gutherzigkeit und arglose Aufrichtigkeit durch Leute mißbraucht worden waren» die ihm Tatsachen unrichtig darstellten und ihn so vor der Welt in einem falschen Licht erscheinen ließen." Das ist also die Rechtfertigung Herman Bernsteins für sein Unternehmen, allerlei Aeußerungen Fords über Politik und Wirtschaft als großartige Emanationen eines fruchtbaren Geistes zu verbreiten. Zum Beispiel: Hätten alle Leute vor dem Kriege eifrig gearbeitet, so hätte es keinen Krieg gegeben. Als wäre wirklich vor dem Kriege die. Menschheit müßig und faul gewesen. Die. Aeußerungen Fords sind aber nebensächlich. Die Hauptsache bleibt Herr Bernstein. Das Friedensschiff hatte Ford im Dezember 1915 nach Norwegen geführt und er hatte es dort verlassen, inmitten einer Brandung von höllischem Gelächter. Ford war sofort nach Amerika'zurückgefahren, weil ihm berichtet worden war, daß die Kriegspartei wachse und.daß große Lieferungsaufträge für die Ententestaaten vergeben werden. Niemand hat Ford wegen dieser Fahrt und Flucht ins Geschäft so scharf angegangen, wie Herman Bernstein. Das hat er aber vergessen. Erst 1920 habe er seine Meinung geändert. Das war offenbar, als Henry Ford im Internationalen Juden auch Hermari Bernstein als einen Verbrecher an Krieg und Frieden vorstellte. Es hat also Ford seine Anschauungen revidiert: zuerst 1915, dann 1920, dann im Wege seiner A b b i 11 e im Jahre 1927. Und Herman Bernstein macht .diese Aenderungen jeweils getreulich mit, auch jetzt, ohne zu besorgen, daß sich Ford wieder auf seine Proteus-Natur besinnen könnte. Das ist erstaunlich. Noch erstaunlicher aber ist, daß auch Bernstein den Fordschen Antisemitismus als Ausfluß einer mißbrauchten. Gutherzigkeit und Naivität schildert. Nichts ist unwahrer, pord hat seine Artikel und sein Buch mit seinem' Namen versehen und er ist nicht der Entstellung von Tatsachen zum Opfer gefallen, sondern hat selbst Tatsachen erfunden und dann als sfrikfe Wahrheitenbehandelt. Er ist aber nicht bei der bloßen literarischen Kritik geblieben, sondern hat den deutschen und magyarischen Mördern Geld gegeben. Das als arglose Aufrichtigkeit hinzustellen, ist nur einem Bindestrich-Juden möglich, dem sein Judentum kein inneres Erleben, sondern nur ein Geschäft ist und der sich darum vor Reichen rasch dazu bereit findet. Niederträchtigr keiten zu verzeihen, weil das Interview seinen Marktwert hat. Selbstverständlich wieder nur bei den sogenannten Judenblättern, die das Judentum verkaufen und verraten. Die Fords und die Bernsteins II, BÄSCH, IV. AftQBNTlNIfHUTftASSE Nr. 22 KOHLE * KOKS T«). 512*87 ANTHRAZIT T«f.3«*4Q3 RabattfftHflon d«s KIRIM KAJ6MITH ■ In keinem jüdischen Haute dürfen an Pesiachtagen jj 5 HOB *W die weltberühmten noD W H 1 Palästina & Mazzoth I ■ fehlen l hergestellt unter streng ritueller Au Weht Sr. Ehr werden Harrn Oborrabblnar Josef Chalm Sonnen feld, Jaffa, und da* „Chief-Rabbi** von Brat Israel, Sr. Bhrw. Norm A. I. Koojc, Jerusalem Gepackt In hygienischen Kartons zu kg Generalrapräsentanz für ganz Oesterreich i Nathan Brodetzki, Wien, II., Leopoldsgasse 43, Telephon Nr. 46-1-90 Fllla'ent Heinrich Bendlaner, I. Judengasse 11, Jakob Weift, II. ünt. Augartensfr. 23 Blumen»lo«k, XX., TreustraDe 12 und Louis« Stein, XVI., Ottak«IngerAtraOe 34 Original Palästina-Weine aus „Rischon le Zton" Zloftlsten! Erfüllet Wurm Pflicht und kautet mBssamMammmmmmmmmmmmmmmmmmmammmmm zu Pessach nur Mazzoth aus Erez Israeli und diese Presse ergänzen einander zu einer Trias, unter deren Peitsche das Judentum stöhnt. Eine lebhafte Unterhaltung über Ritualmord und Talmud kommt wieder einmal in Fluß, und zwar in Budapest. Ein Mann namens Alfons Luszensky hat eine Talmudübersetzung herausgegeben, welche von dem in jüdischen und halbjüdischen Zeitungen jetzt so hochgepriesenen Ford oder einem anderen reichen Gönner finanziert wird. Denn viel Geld kostet die Geschichte. Im Prospekt wird erklärt. ' daß durch diese Uebersetzung der Beweis erbracht wird, daß Ritualmord und Betrug, und BeWucherung von Nichtjuden im Talmud, also, wie der Verfasser sagt, im maßgebenden Gesetzbuch der Juden nicht als Verbrechen, sondern als Tugenden bezeichnet werden. Zwei Juden haben den edlen Luszensky auf Postkarten einen Lügner genannt und er hat sie geklagt. Das Budapester Bezirksgericht hat sie v e r u r t e i l t. Sie haben berufen und das^ Appellationsgericht hat eine neuerliche Verhandlung angeordnet, um nächzuweisen, ob im Talmud tatsächlich Ritualmord und Betrug an Nichtjuden als Tugenden gepriesen werden. Magyarische Sachverständige, magyarische Richter als Begutachter des ,:i '•'•»•.!. . -v.'.<s o,' •''•) rnoht ^cJiftn werden. Stoff für Blutlügen und; Judenhetzen auf der ganzen Welt, Iii ie f ling Hr. 3 5 Uhr T S g l ich.. 9 Uhr Jazz-Symphoniker u. Tango-Kapelle im renovierten, vergrößerten Großen Saal! Der Brief Seipels an Sokolow. Bundeskanzler Dr. S e i p e l, der am 17. Februar Herrn S o k o | o w in längerer Audienz empfing, richtete am nächsten Tag an ihn das {olgende Schreiben: „Sie haben mir bei Ihrem gestrigen Bestich wertvolle A u f k 1 ä r u n g e n über die Ziel« des modernen Zionismus gegeben. Ihre Darlegungen haben um so größeren Eindruck auf mich gemacht, als ich schon seit langem mit großem Interesse die zionistische Bewegung verfolge, die, von einem bedeutenden Manne aus unserer Stadt durch neue Ideen und Organisationsformen befruchtet, für eines der schwierigsten politischsozialen Probleme der Gegenwart eine vernünftige, aussieht s v o 111 e Lösung vorbereitet. Ich hege hohe Wertschätzung für den Idealismus, mit dem sich so viele Juden in allen Ländern, auch in Oesterreich, Opfer auferlegen, um dem zionistischen Kolonisationswerk die erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen, und ich freue mich, daß Sie im eben begründeten Propalästimkomitee einen weiteren Kreis von Freunden Ihrer Bestrebungen sammeln konnten. Gern Will ich, wenn sich mir Gelegenheit hiezn bietet, die Ziele Ihrer Bewegung fördern." Herr S ote ol o w, der in Wien auch Begegnungen mit dem englischen und bulgarischen Gesandten hatte, sprach gestern in vitn»r öifem'ichen Versammlung in Graz. Er fährt von Oesterrech nach Bulgarien, um in Sofia an der Gründung eines Propalästinakomitees teilzunehmen. Frühere Erklärungen in Oesterreich. Am 8. August 1925, also in den bewegtesten Tagen, die dem XIV. Zionistenkongreß vorangingen, gab der Bundeskanzler Dr. Ratnek in Beantwortung einer antisemitischen Interpellation im Bundesrat eine Erklärung ab, in der er namens der Regierung ausführte: Der Zionismus, der in seiner modernen Gestalt w Wien seinen Ursprung nahm, bezweckt laut seinem oöteleHen und seit Jahrzehnten festgehaltenem Programme die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das Jüdische Voi<k in Palästina. Dadurch, daß Palästina den Juden vom Völkerbund als Heimstätte zugesprochen wurde und England den Auftrag des Völkerbundes erhielt und annahm, den Aufibati dieser Heimstätte zu sichern, ist ein großer Schritt vorwärts auf dem Wege zur Verwirklichung des zionistischen Programms getan worden. Noch energischer und zielbewußter als früher ist seither die Zionistische Organisation bestrebt, der Wanderung der Juden die Richtung nach Palästina zu weisen. Es ist nicht eine Frage der Sympathie oder Antipathie, wenn wirauehyon einem rein österreichischen Interessenstandpumkt den Zioni- . sten einen möglichst vollständigen Erfolg ihrer Bestrebungen wünsch e n. Qerade . Oesterreich ist schon Infolge seiner geographischen Lage das nahe Ziel einer besonders starken Einwanderung solcher jüdischer Elemente, die in ihren AufenfhaJtsländern schon seit langem aus verschiedenen Gründen zur Auswanderung neigen. Wir ha/ben wohl keinen Grund, den zionistischen - Bestrebungen, diesen Äus- - wandererstrom nach Palästina zu lenken, entgegenzutreten. Es unterliegt nämlich keinem Zweifel, daß die zionistische Bewegung und Arbeit , tatsächlichdarauff gerichtet sind, die Auswanderung nach Palästina, zu fördern, schon wegen der Ausgestaltung der dortigen jüdischen Siedlung, die immer neuer Arbeitskräfte bedarf. Die mitteleuropäischen Länder, also auch Oesterreich,- haben jedenfalls Ursache, die Auswanderung von Juden in die jüdische Heimstätte und daher die zionistische Bewegung gutzuheißen. Eine Politik, die der .jüdl- - sehen Wanderung andere Wege und Ziele als die mitteleuropäischen Länder weist, entspricht sicherlich den Interessen aller Beteiligten. Am 18. August 1925, dem Termin des Zusammentritts des Kongresses, ermächtigte der Bundeskanzler Dr. Ramek den Chefredakteur der „Wiener Mongenzeitung" zur Veröffentlichung der folgenden Botschaft: Der Zionismus ist eine der meist umstrittenen Volksbewegungen der letzten Jahrzehnte. Ich habe die Entwicklung dieser Bewegung mit Interesse verfolgt und die Wahrnehmung gemacht, daß der Zionismus auch innerhalb des Judentums selbst Gegnerschaften gefunden hat und, wenn auch in geringerem Grade, beute noch findet. Es ist daher sicherlich nicht zu verwundem, daß er in der christlichen Bevölkerung vielfach auf Gegnerschaft stößt. Ich selbst bin überzeugt, daß der Zionismus kein Interesse der christlichen Bevölkerung verletzt, daß er im. Gegenteil eine Bewegung darstellt, die geeignet erscheint, uralte Gegensätze auszugleichen and ein besseres, auf Achtung gegründetes gegenseitiges Ver-i ständnls.zu fördern. Dem XIV. Zionistenkongreß möchte Ich als gegenwärtiger Leiter der österreichischen Bundesregierung und «aJs Mitglied der cbrlstllchsoelaien.Partei wünschen, daß er nach Abschluß seiner Verhandlungen in der Lage sein möge, unjer anderen mit der Durchführung seim* Programmes zusammenhängenden Erfolgen auch den zu verzeichnen, daß er In der von mir angedeuteten Richtung wirksame Aufklärung verbreitet hat. SIEGM. KORNHEHL QROSSFLEISCH HAUEREI Zentrale IX., Bergga»se 19, Telephon 17-3-99 q. 16-9 31 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für «^«Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Kabbmats der Ist Kultusgemeinde Wien IX. Btr«fl. 13 / XVIII.« W*hrta0«rjtr. 9?