Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 23 (24.2.1928)
- Date
- 1928-02-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 30 " .^.rr V. b. b. Dlt HEUE WELT BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ginziälirig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—. vleiteijähr«g Zloty 6.—; Tschechoslowakei monailich Kc. 6.-, v ertcljnhrte Kc. 15 -; Jugoslawlen monatlich Dinar 14.-, vlertelahrig Dinar 40.-; Rumänien monatlich Lei 40.- vierteljährig Lei 120.—. R E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Reffaktion und Verwaltung: Wien. IX, Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 BEZUGSBEDINGUNGEN: Deu schhnd monatlich Mnrk!.— vierteljahrig-Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.-, vierteljahrig Lewa 60.—; Hallen monatlich Lire 5.—, vierteljahrig Lire 14.—; Schweis und die übrigen Länder mo atlich Schwei/er Francs 1.50, vicneljlilj Schweizer Francs 4.50. Erscheint jeden Freitag Jahrgang 2 Freitag, den 24. Februar 1928 Nr. 23 Juden und Christen« Seipels Brief an Sokolow. — Der Völkerbund und das jüdische Auibau-Problem. Das Massenmeeting im Konzerthaus. Am Montag abend sprach Herr Sokoiow, der Präsident d^r zionistischen Exekutive, in einem vom zionistische" Ländeskomitee einberufenen Massenmeeting Im Konizerthaus. Zu der Versammlung waren Vertreter der bulgarischen, polnischen und tschechoslowakischen Gesandtschaft sowie des Präsidiums der Wiener Kultusgemeinde erschienen. Herr Sokolow, der mit lebhaftem Beifall empfangen wurde, wies auf die Bedeutung der PronPalästina-Komitees hin, die in parlamentarischer Form in England, ferner in Frankreich, Hallen. Deutschland und nun auch In Oesterreich bestehen. In Beteten ist kürzlich die Bildung eines solchen Komitees beschlossen worden, und es sind ■auch. bereits die Vorbereitungen zur Gründung eines Komitees .in den Vereinigten Staaten getroffen worden. DaTaus ergibt sich, daß das, was wir Zionisfrras nennen, nicht mehr nur eine judische Frage ist. Wrf stehen auf dem Boden Internationaler Verpflichtungen. De«r Zio^smus Jst nicb^7-jnehc^:e)n Projekt, sondern eine vollzogene Tatsache. Das Palästinawerk wird -von.der; Welt geprüft und es steht unter den Auspizien d es- Völ k e r bund es und unter der direkten Aufsicht der Regierung Großbritanniens als der Mandatsmacht. Wenn man noch zuweilen Meinungsverschiedenheiten unter den Juden hört, so können sie nur dem Trägheitsgesetz zugeschrieben werden. Sie klingen noch aus einer vergangenen Epoche zu uns und stehen im Widerspruch zur Logik der Tatsachen. Was sollte mit Palästina geschehen, wenn es nicht das jüdische Nation>aihei'm sein soll? ' Der Vorkriegsstand kann nicht mehr hergestellt werden. Er hat existiert, aber er Ist abgeschlossen. Es mußte etwas Neues erstehen, und der Völkerbund und die großen Mächte hatten das Richtige getroffen. Palästina kann nur so regiert werden, wie.es jetzt regiert-wird, es mußte ein Mandatsland werden, und das Volk, d a s e s ko 1 on i s ie r t, mußte das jüdische Volk und kein anderes sein. Vielleicht wird einmal der Zeitpunkt eintreten, wo Palästina ganz unabhängig ist, aber jetzt steht es unter Mandat, und das 'ist ein Segen. Das Land ist auf dem Wege, ein schönes, glückliches Heim für alle seine BewohneT zu werden. Das beweist die Statistik. Palästina ohne : die Bestimmung zum jüdischen Natipnalheim und ohne jüdische Kolonisation wäre ein Ab §u.rdu m, und tatsächlich bat niemals jemand außerhalb, der Juden an eine Besiedlung und Einwanderung gedacht! Palästina war so wie Syrien und Mesopotamien kein Immigrationsland, aber wir sind Zeugen dieses heutigen Ein-wanderungspro<zesses. Wir stehen dieser Tatsache gegenüber als einer Weltfrage, und der Völkerbund muß sich mit der jüdischen Lage in Palästina und mit der Entwicklung des jüdischen Nationalheims beschäftigen, vielleicht verhältnismäßig mehr als mit anderen ähnlichen Fragen.' : Das beweist die große Wicht'gkelt dieser Frage und ihren universellen Charakter. Unsere. Sache ist eine Sache der Menschheit, und aus dieser Erwägung sind die P r o - P a 1 ä s t i n a - K o m Ite es entstanden. In England ist die Palästinasache nicht an die Kabinette gebunden, sie gilt als der Ausdruck eines moralischen (britischen Interesses der ganzen Nation. Vielleicht ist es auch nicht von .geringerer Wichtigkeit, daß ein Staat wie Oesterreich, der dieser Frage noch ferner steht, seine Meinung darüber sagt. Wir schätzen diese Meinung sehr hoch, und wir sind glücklich darüber, daß die Unparteiischen, denen wir ruhig unsere Sache darlegen, ihre Meinung ohne jede Voreingenommenheit äußern. Wenn der Vertreter der österreichischen Regierung, der seinen Einfluß beim Völkerbund hat, die Ueberzeugung gewinnt, daß unsere Sache zu fördern Ist, so fordert er sie dort im Völkerbund. Das ist e i n F o r t s c h r i 11, der sich real verdichten muß zu einer Erleichterung des Werkes in Erez Israel. Unsere Arbelt vollzieht sich im Lichte der 0 e' f f e n t M c <h k e i t, unteV ihrer Kontrolle und Kritik, Wir sind doch nur ^Autodidakten der Kolonisation, während uns doch Professoren un)er ihre« Augen halten. Wenn wir also Komitees'von'freunden, haben, so ist das. eine starke 'moralische För^efun«-. . Wir können an. den yoPkeribuhd appellieren, u n s die 'M i t t'e-i'4?nX K.Q 1 o n isation zur Verfügung zu stellen. Alber wir machen alles aus unserer Kraft, wir wenden uns an unsere Massen. Unsere Sache wird vom jüdischen Volk getragen, von dem Witwengroschen, der in unsere Fonds fließt. So baut sich das jüdische Volk sein Heim. Wir suchen keine Subvention. Wenn es uns gelingen wird, eine Anleihe aufzunehmen, so Ist das ein Schritt weiter auf der Bahn unserer Entwicklung. Wir werden diese Anleihe sehr prompt bezahlen, aber für die Chaluzim, für die Erhaltung der Schulen geben wir alle das Geld. Wir wenden uns an die anderen Um Rat, um Kritik, um moralische Hilfe, lim Anerkennung unseres Rechtes. Es war uns eine Freude, daß man uns entgegenkommt, daß hier ein österreichisches Komitee sich bildete und daß uns eine von dem höchsten Vertreter der Regierung gezeichnete Erklärung zuteil wurde. Wir sind nur zweimal in unserer Geschichte verstanden worden: als man uns die Menschenrechte gab und dann, als das jüdische Volk sich um sein Recht auf sein altes Land anmeldete. Nun hat der Völkerbund unser Recht anerkannt, indem er die historische Verbindung des Volkes mit dem Lande in politischer Form aussprach. Das Ist vor zehn Jahren geschehen. In Amerika haben Repräsentantenhaus und Kongreß nach monatelangen Beratungen einer Kommission und nach einer gründlichen Untersuchung in Palästina die Anerkennung unseres Anspruches verkündet, trotz ihrer sonstigen Haltung zum Völkerbund, weil ja diese Frage über den Völkerbund hinausgeht. Auch das ist Reparation, die Gutmachung eines Verbrechens, das den lebendigen Organismus des jüdischen Volkes von seinem Lande abgeschnitten hat. Das hat Amerika eingesehen und ohne Wider* . sprach, ohne Absenz Ist die bezügliche Resolution einmütig angenommen worden, die noch weiter geht als die Baltour-Deklaratlon. Es handelt sich um kein ökonomisches Problem, sondern darum, dein jüdischen Volk und seiner Seele wieder, einen Mi 11 el pu n k t z u schaffen. Uns selbst war der Glauben abhanden gekommen, wir haben Aus dem Inhalte: Herman Bernstein für Ford. r. st.: ZerHatternde Illusionen. Jakob Krausz: Das Gerichtsurteil über Zolas „J'accuse". Julius Löwy: Pro Palästina, Die Wahlfreiheit in Polen. J. PI c h o n : Jüdisches Theater. Aus Palästina. Vier Gemeinden, vier Riten, vier Sprachen. Die Bticfnrierin und ihr Messias. Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung. Turnen und Gymnastik. Der Arierparagraph im Skiverband. Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Kaufleute. Die Tribüne: Ist Charlie Chaplin ein Jude? Scholem 41 e j c h e m : Menachem Mendel. Schaloni Asch: Die Zauberin von Kastilien. aber den Willen zur Tat gefunden. Unsere christlichen Freunde verstehen das, und die Forderung des Juden tun» ist keine terra incognjta mehr. Die. tyfelt versteh^ sc|^ri was ein konservativer, ein liberaler Jude, ein Chassfä1 I^i; aber was ein C-haluz ist, versteht sie. Der Zionismus hat das Verständnis für , uns . geschaffen . ij#d daraus wird, eine Fesselung der Verhältrosse entstehen, Wir sindnicbl mehr ei» Volk d:r Rede, sondern; eigi Voiik der Tat, Wir jdrehe,n-4as Rad, aus Städtern werden.Ackerbauer. D i e s e s D ö-g m a haben w Ii g e b r o.'c h e it. „• Wir haben hunderttausend Juden ins Land gebracht und sie erzeugen dort den Geist vom heiligen Volk, von der Heiligkeit des Lebens und. der Religion der Arbeit. Wir kennen keine Unduldsamkeit, keinen Numerus clausus. Die Sonne von Palästina, die in unsschon ausgebrannt war, leuchtet wieder und Sie Schedhinah, der Albglanz der Gottheit, ist nicht mehr im Exil. Wir bringen das wirkliche jüdische Leben und die Gleichheit, die von Zion kommt. Dieses, neue Leben wird auch das Leben der Juden in der Diaspora veredeln. Es ist der Messias und alle müssen zusammenigeihen, wri das Ziel zu erreichen. Alle müssen für «Jen Messias zusammensteuern und er heißt Keren Hajessod und* Keren Kajemeth." (Stürmischer und minutenlanger Beifall und Händeklatschen.) RUNDSCHAU. Popper-Lynkeus oder Marx? Gelegentlich des auf den 21. Februar d. J. fallenden 90. Geburtstages des verglichenen Philosophen Josef Popper-Lynke u s hielt Oberbaurät Robert Stricker am 15. Februar im Klub der radikalen Zionisten einen außerordentlich stark besuchten Vortrag, in welchem' er u. a, ausführte: Popper-Lynkeus ist einer der größten Revolutionäre gewesen und wenn seine Lehren über einen ziemlich engen Kreis nicht hinausgedrungen sind, so liegt der - Grund darin, daß sie sich gegen jede reaktionäre Doktrin, sowohl gegen die von rechte Wie vori links wenden. Er hat nicht bloß die Pflichten des Individuums festgestellt, sondern mehr noch sejne Rechte, vor allem aber das Recht auf Nahrung und auf Freiheit. Dies mußte Widerstand erwecken in einer Zeit, die nur in Massen denkt, die große Fragen aufstellt, aber das Individuum gegenüber dem Koiiektivum unterdrückt. Poppers politisch-soziale Theten sind aus seiner all« Ein elektrischer Steckkontakt ist alles was zur Bedienung des -Köhlsehraiakes Verlangen Sie Prospekt...«besuchen Sie notwen- _ _ dig ■PHHaHPHHHHHHHi ist von,General Mnfnr/t